Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 12 (18.3.1870)
- Date
- 1870-03-18
- Page
- Seite 118 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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118 Gabe zum allgemeinen Vesten nach allen Richtungen gerecht zu werden im Stande sein wird. Zum Schlüsse um gütige Nachsicht bittend, erlaube ich mir beider seitden Spruch zu empfehlen. ."*נ ה;דים?:?,צ c*£שלח לחדןז.על פ;י ״ - -D. ««hu. llng.-Brod, 15. März (0.-L.) Die hiesige isr. Volksschule erfreut sich seit ihrem Be« stehen eines gulen NnseS, den sic sich auch durch eminente Leistungen in den verschiedenen UntrrrichtSzweigeu erwarb. Sie wurde ins Leben gerufen von dem gottseligen Rabbiner Herrmann Roth bald nach seiner Ankunft daselbst 1853 wo er noch manche andere gemeinnützige Institutionen schuf, beider war ihm nur eine kurze Lebenszeit bcschicden. Cr starb schon 1804 tief betrauert von der ganzen Gemeinde und allen Cdlen, die seinen festen Charakter und Menschen« srrundlicbcn Sinn lanntcn. — Jetzt fungirt in Brod Herr Rabbiner M. D. Hofmann, der atS Leiter der Schule auch verdienstvoll wirkt, ebenso erzielen die Herren Lehrer durch besonderen Cifcr in ihrem mühseligem Verufe mit vereinten Kräflen wahrhaft iiberraschcndc Resultate. An der Spitze steht als Leiter Herr Oberlehrer A. Dattelbaum, der in unserer (Gemeinde seit mehr als 20 Jahren für die Jugend so stvohlthätig und scgenbringrnd wirkt. Dessen würdiger Schwiegersohu Herr Riesenfrld, ein sehr gebildeter Mann, wußte sich in kurzer Zeit allgemein beliebt zu machen und bewährt sich als tüchtiger Pädagog. Ebenso zeichnet sich Herr Thorsch durch seine vortreffliche Methode aus. Obwohl das AuSmaß des Hebräischen ziemlich groß ist, so wird deßhalb das Jach der profanen Gegenstände nicht vcrnachläßigt, rnan halte sogar früher -Gelegenheit an dieser Mustcrschule die dritte untere Gymnasialllasscn privatim zu erlernen, ebenso werden jetzt einige in den Gegenständen der Unten calschnle unterrichtet, die sich am Schlüße des Jahres in Kremsicr oder Hradisch einer Privatprüfung unterziehen. — CS hat dies ׳ den Vorthcil, daß die Kinder nicht so frühzeitig in die Fremde geschickt werden möchten, und länger unter cltcrlieher Aufsicht bleiben können. Auch für die körperliche Ausbildung in gymnastischer Hinsicht ist gesorgt durch Turnunterricht. Die Mädchen lernen auch bei der Lehrerin Frau Riesenfrld verschiedene Handarbeiten. Der christliche Gcsanglchrer besorgt zugleich den llntcrricht i» der böhmischen VandeSsprache, die als obligat zu betrachten ist. Wien 10. Mürz. (0.-K.) Der Verein des hiesigen Belli Hamidrasch, welches von Dr. Iellincl gegründet wurde, veröffentlichte den Rechnung-׳ auSwcis fürs Jahr 1 Der Fond wurde vergrößert durch"-dic hochherzige Stiftung des Herrn Franz Fein um 1000 ft. deren Zinsen als Beitrüge verwendet werden sollen, die Drucklegung jüdisch wissenschaftlicher Werte zu crmöglichcn, da sich <zn) ihnen nicht immer ein Verleger findet. Auch die Bibliothek wurde mehrfach bereichert und zählt bcreitS sehr viele kostbare Werke. Der ReichSrathsabgcordnctcr und Viceprüscs der hies. Cultns-Gemeindc Herr Ign. Äuranda, schenkte blc von feinem Vater hinterlasscnc hcbr. Bibliothek aus311 Bänden bestehend, dem Bcthhamidrasch, Herr Leopold undGcrsonKatz aus Proßuitz alS Gedüchtnißstiftung 300 Werke für deren verstorbenen Vater Moses Katz tzWanuesricd) der ein berühmter Talmudisl war, und lange in Mähren eine talnr. Hochschule, unterhielt, deren Jünger heute zu den Leh- -rern großer Gemeinden in Israel gehören. Ebenso berttcherte Dr. Ludwig Aug. Frankl die Bibliothek mit werlhvollen Vüchern. — In materieller Beziehung unterstützte H. Dr. Gustav Ritter, v. Schlesinger diese Anstalt durch Schenkung I von 50 fl. und jährl. Beitrag von 25 fl. Das Vereinsve» mögen beläuft sich auf ungefähr 10000 fl. wovon einige der Herren Lectoren honorirt und die übrigen Ausgaben gedeckt werden. ׳"Am JohrzcitStaze der unterstützenden Mitglieder wurde eine Gedächtnisfeier abgehalten. Herr Lector Weiß hält dagewöhnlich eine Rede über die Verdienste der Verstorbenen und trug zehn RabbinatS ^»Candidaten einen Abschnitt ans der Milchnah vor, woran sich ein Gebet für das Seelenheil anschlicßt. Herr Weiß durch seine wissenschaftlichen Werke in Gelrhrtenkreisen bekamst, unterweist die Candidaten im Talmud und Halacha und hält auch Vorträge fürs Publikum. Herrn Lector FricdmannS Vorträge behandeln mehr die Hagadah, auch spricht er jeden Samstag über den Wochenabschnitt. Herr Dr. Jellinck erklärt den Midrasch nnd ergeht sich auch über das Gebiet der ReligionSphilosofie, über letztere anch Herr Dr. Schmied! Rabbiner in FünfhauS. — Sämmtliche Vorträge sind sehr anziehend und gründlich, vom Geiste einer gesunden Kritik getragen, und nützen viel zur Belebung und Wirkung des wissenschaftlichen Interesses. Die Vorsteher Herr Dr. Jellinck, Banmgartcn, Apfel, Gutmann und Weiß wenden ihr Möglichstes an, um diese Anstalt nach innen und außen zu heben,— letzterer stiftete ein Markus und Anna Wciß'sches Stipendium für unbemittelte Candidaten. Auch die EultuSgemeinde verfügt über 4 JriteleS'sche Stipendien zu 100 fl. jährlich für die Dauer der Studienjahre, ebenso ein Goldenthal'schcS Stipendium für Candidaten. Außerdem sprechen noch andere Umstände dafür, daß hier d.iS Rabbinerseminar zu errichten sei, wo anch dann die hiesigen Rabbinatszeugnisse von der Militärpflicht befreien würden, denn bis jetzt hatten fast nur Preßburg und einige gleichgeartete Jeschibvth dieses Recht, aber einen Candidaten, der zugleich profane Studien betreibt, befreit für uns noch keine Lehranstalt; wie ich höre, sollen die österreichischen Seminaristen in BreSlau beim KricgSministerium eine Petition eingesandt haben, daß sic durch die Breslauer Anstalt befreit sein könnten, die auch diese Anerkennung verdient. Vor einiger Zeit wurde hier ein Verein zur Förderung jüdisch. Literatur ins Leben gerufen, dessen Statuten unter dem Namen ״Tomche ha Thora weha Chachma“ von der hohen Statthalterci bestätigt wurden. — Er Hutten Zweck, die hier öffentlich gehaltenen Vorträge jüd.-wisscnschaftlichcn Inhaltein entsprechender Auswahl weitern Kreisen zugänglich zu machen, so wie die Verbreitung der jüdisch wissenschaftlichen Literatur im Allgemeinen zu fördern durch Drucklegung besagter Vorträge, durch Subvention und Darlehen an Autoren solcher Werke und durch PreiSauSschrcibung für wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiete der jüd. Literatur, dieser Verein hat ein weites fruchtbares Feld zur Wirksamkeit: wir wünschen, daß eö gedeihe und gute Früchte trage. Der mit der Universität verbundene academ. Lcscverein veröffentlichte letzthin den Jahresbericht von 1808—18(10, der die Namen der Mitglieder aus den drei weltlichen Faeultätcn und der Technik enthält. Der Verein erhielt sein Locale vom Profcßorcncollegium im alten acad. Ghmnasium nnd hat den Zweck, den Mitgliedern im wisfcnschaftlichcn und politischen Studium hülfreich an die Hand zu gehen. — Cs liegen daselbst auch die meisten politischen und sathrischcn Journale — wisscnschaftl. Zeitschriften und Monatheftc. (darunter anch die jüdischen, welche von den Rcdaetioncn meist gratis oder um halben Preis eingcschickt werden.) Arme Studierende erhalten Frciplätze und die damit verbundenen Bencfieie»; der Verein besitzt eine reichhaltige Bibliothek, die von den Mitgliedern im Studierzimmer benützt, oder nach Hause entlehnt werden kann. — Die Mitglieder theilen sich in mehrere Sectivnen nach den Fächern u»ld zu bestimmten Stunden werden in verschiedenen Zweigen der Wissenschaft, anregende Vorträge gehalten, mit denen Disputationen verbunden sind. Die Einnahmen des verg. Jahres belaufen sich auf circa 3538 fl. und die Ausgaben betragen gegen 2970 fl. Der BcrmögenSstand deS Vereines ist ungefähr 1367 fl. Im Comit« sind auch einige JSrae-