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Die Gegenwart · 1870-03-18 · 12 (18.3.1870) · p. Seite 117

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
12 (18.3.1870)
Date
1870-03-18
Page
Seite 117 (sequence 5)
Language
German
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117 Prag 12. Mär; (O.-K.) Antiquarische Krage an die Prager Thal»ndgelehr1eU. In der, vorwiegend in thalmudischen Redensarten ab< gefaßten Grabstein ״ Inschrift des Mordechai Meise! s. A inmitten einer großen Anzahl von mitunter überschwenglichen Lobsprüchen auf diesen Mäcen der Juden auch folgender Ausdruck: ענבר דשטב עם מרין Dieses würde in wörtlicher Uebersetzung heißen: Eine Maus, welche liegt bei Gulden, wenn nicht etwa יי??? hier Eigennamen sein will, wie cS einigemal in der Bibel gebraucht wird. Man sieht aber leicht ein, daß der Ausdruck in wörtlicher Bedeutung vcr׳ standen, hier sehr am Unrechten Orte wäre und vermuthet daher irgend ein Bild, eine Anspielung in der Midrasch׳ manier, worauf schon das vorherstehende מר מ׳, eine Deu׳ tung seines Namens, anspielend auf das Targum des On׳ keleS zu Ex. 30, 23 aus Midrasch Esther entlehnt, hinführt. Nun kommt dieser Ausdruck im Thalmud babl. Sanhedrin 29, b vor. (In den beiden mir vorliegenden, alten AuSg. deS Ar. s. B. ^SSP-ist-die AuSgabe-Fvlv VO-und in der Landau'schen AuSg. 37 falsch.) Dort lautet er עננרא דשכיב אדינרי und dient zur Bezeichnung, eigentlich als Spitznamen eines Mannes, der weiter nicht genannt ist. Raschi erklärt ihn mit folgenden Worten: Ein Reicher, der von seinem Gelbe keinen Genuß hat wie eine MauS, die auf Gcldgul׳ den liegt, ohne davon zu genießen. Das wäre aber doch das Bild eines Geizigen. Nathan ben Iechiel, der die Ei׳ genschast der MauS Alles, was sie findet, in ihr Loch zu tragen hervorhebt, deutet damit noch etwas viel SchlimmereS an. Es läßt sich nun schwer annchmen, daß der Ver« fasser der Inschrift, des sicherlich im Aufträge und unter Genehmigung deö Gemeindevorstandes gearbeitet hat, da Meisel keine Kinder hatte, diesen Sinn habe auSdrücken wollen. Man kommt daher auf die Vermuthung, daß bei den Pragern, denen die Thalmudsprache damals eine zweite Muttersprache war, dieser Ausdruck eine andere rühmliche Bedeutung hatte, und es liegt im Interesse der Sprach- und AlterthumSforschung dieses zu erfahren. Thalinudgelchrte, welche hierüber Aufschluß zu geben im Stande sind, werden ersucht, in diesem Blatte es zu thun. vr. A. Stein. und Wirken, als die Grundmauern de» Iudenthum» zu uuterwühlen? Mögen die Herrn der Secte vielmehr eine» Verein bilden, und es sich zur viel dankbareren Aufgabe stellen, für Wohlthätigkeit. Intelligenz und humane Hand- Prag 15. März. (0.- K )— Aufrichtig gemeinte Ermahnung! (An die geehrten Gemeindemitgtieder der Stadt Böhm-Leipa!) ' Nur auö dem reinen Antriebe der Verehrung und Achtung gegen das Iudenthum, schreibe ich diese Zeilen nieder und es schmerzt mich sehr, so zu sagen, es gleichsam thun zu müssen. — Ich habe nämlich;»fällig dieser Tage aus dem Munde eines Israeliten von Böhm. - Lcipa mrnommen, daß sich dort eine Seele bilde, die es sich zur Aufgabe stellen will und nichts Besseres anzufangcn glaubt, als das Iudenthum dadurch zu veredeln und zu verbessern, als daß sic z. B. vor Allem die Beschneidung abschaffcu will, die allgemein streng gefeierten Passahseicrtage, bloß auf zwei Tage zu beschränken, wo man den Kindern, gleichsam zum Spasse nur die ungcsänerten Brote bloß vorzeigt u s. w. — Wie ich, von dem Manne, welcher der Borsteher dieser zu bildenden Secte sein sott, erfahren, gehören diese freisinnigen Philosophen meistens der jüngeren Generation von denGcmcindemitglicdcrn an, diese wollen sich,wie es sich von selbst versieht, von der eigentlichen Gemeinde loSreißen, den Gottesoienst nur in einem Zimmer abhaltcn und noch anderer mehr dieser löblichen kuriosen Rcformationen, die wahr-scheinlich eine Nachäffung a la Berlin vor׳ stellen sollen. — Mögen sie wohl bedenken, daß derartige Ausschreitungen gegen da- Iudenthum zu Nicht» Guten führen können und nur Spott, Verachtung und Hohn zur Folge haben. Gibt e» denk nicht ein viel edlere» Stiften tigcn Iudenthum». — Durch die Beschneidung, durch die ordentliche Feier des PassahfesteS. hat noch kein Israelite Schaden erlitten und ich bin fest überzeugt, daß auch in der Folge cS keinem Israeliten schaden wird! Warum soll man im Gegcntheilc nicht mit frohem, dankbarem Herzen den Passahfeiertagen entgegcnsehen und dem Herrn Lob und Dank spenden, daß er uns und unsere Kinder r» erleben ließ, dieses schöne Frühlings- und AuserstchungSfest zür Frei׳ heit wieder zu feiern׳ — Bedenket dicß und rufet euch nur einmal ihr Herren der Secte, die alten vergangenen finstern Zeiten in euer Gedächtniß zurück und vergleichet dieselben mit den heutigen und ihr werdet sicherlich zufrieden sein können und nicht in Ucbermuth anSartcn. Haltet nur weitet an das alte, bessere Iudenthum und cs wird euch weiter beglücken^ Heil und Segen euer» Kindern und 3L1d)fou1mca bringen. Max Herz. Skalsko am 17. März 1370. (<).- K.) Zu Ende des verflossenen Monates erhielt ich die vom jüdischen Lehrerverein auSgegcbenc Eurrende Nr. 3, worin Herr Hahn Lehrer in Münchcngrätz seinen Standcsgenossen ans Herz legt, diesem Vereine bcizutrctcn. Anlässlich dessen erlaube ich mir als Laie, die ehrsamen Eultusgemeinden Böhmens aufmerksam zu machen, einen Verein der eS sich zur Aufgabe macht, lcistuugsunfähige Lehrer, so wie deren Wittwen und Waisen zu unterstützen, nicht unterschätzen zu wollen; und wage ich sogar zu behaupten, daß besonder» die kleinern Gemeinden zugleich in ihrem eigenen Interesse handeln, wenn sie demselben kräftig unter die Arme greifen; indem die wenigsten von ihnen einen Lehrer oder Funktionär zu entbehren im Stande sind. Erheischt aber in einer kleineren Gemeinde schon die Erhaltung eines Lehrer» große Opfer, was wollte eine solche Gcincinde anfangen, wenn ihr Lehrer lcistttngSnnsähig werden, oder im schlimm׳ stcn Falle gar eine hilflose Familie hinterlasscn sollte?- Geehrte Brüder in Israel! Werdet Ihr einen Lehrer, nachdem er in Eueren«^ Dienste erkrankt oder alt geworden, unbekümmert vor die Thüre setzen? Oder dessen Hinterblicbenc, nachdem sic ihre einzige Stütze verloren, ohne weitcreö Bedenken ihrem Schicksale überlasse» wollen?י— Weit entfernt einer Gemeinde in Israel nur einen solchen Gedanken zuzumuthen, kann ich dennoch die bittere Wahrheit nicht verschweigen, daß wo die Nt ittcl fehlen selb st der bc stc Wille sich nicht zu b c tvü hrc» vermag; Es drängt sich daher di: Frage auf: — — Hat doch eine kleinere Gemeinde vollauf zu thun, um den in Aktivität stehenden Lehrer nur theilweisc zu befriedigen, woher dann die Mittel, um eine zweite Familte unterstützen zu können? — Achnlichc Gedanken dürften einen jeden, der dem Gemcindcwcsen einige Aufmerksamkeit schenkt, oft« tnals beschäftigen, und bin ich gewiß nicht der Einzige, der in dieser Beziehung s ch l e n 11 i ge A bhi l f c al s d r 1 n ge n d n 0 t h w c n d i g erachtet. Mit Freuden begrüße ich darum cipen Verein, der die Pflicht übernimmt, ähnlichen Bertegenheiten vorznbengen, oder sie mindestens zu mildern, der sich hoffentlich sowohl für den Lehrcrstand wie für die Gemcinden als t h e i l w c i s c n Helfer in der Noth bewähren, überdicß aber auch dazu beitragen dürfte, bei einiger Au»- sicht auf die Zukunft, die Vorliebe für den Lehrcrstrmd z« wecken, wodurch eine in diesem Stande noch zur Zeit schwerempfundene Lücke ausgefüllt werden könnte. Sollte e» mir gelungen sein, den Gegenstand auch nur znm Theil richtljz aufgefafft zu haben, so steht zu erwarten, daß der Lehrer« verein, durch zahlreiche Theilnahme gekräftigt, seiner Auf-'

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