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Die Gegenwart · 1870-03-18 · 12 (18.3.1870) · p. Seite 115

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
12 (18.3.1870)
Date
1870-03-18
Page
Seite 115 (sequence 3)
Language
German
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115 ohne Weiter^ beseitigen, abgesehen davon, daß [bie drückende Last dcS Sklaven bei den Israeliten sehr erleichtert wurde, die Behandlung war eine menschliche, und der Sklave nicht wie eine Sache, noch ärger als das Thier geachtet, sondern konnte leicht zur Freiheit gelangen, wo er dann mit dem Israeliten gleichberechtigt war. — Aehnlich verhält es sich mit dem OpfercultuS. Diese Art der Gottesverchrung war damals bei allen Völkern heimisch und die Israeliten machten keine Ausnahme hierin, damit sie sich aber adgewöhnen, den Götzen zu opfern, ließ sie Gott alle Thiere, die sie zum Fleischgenusse schlachteten, vorerst zum StistSzelte bringen u'nd daS Fett in Rauch anfgrhn, um so daS Volk an die Verehrung dcS einzigen Gottes zu bestärken. — Solche Bewandtnis hat es auch mit der Todesstrafe. In damaliger Zeit ließen sich die Menschen oft vom leidenschaftlichen As fecte des Zornes Hinreißen, zu Mord verleiten. Tie Gcfängnißstrafe war nicht cingcführt und eine Maßeneinkerkcrun g wäre auch unpraetifch gewesen, weil ohne Erfolg. Zudem wirkt? zu jener Zeit die strenge Bestrafung des Mörders abschreckend auf andere Verbrecher, und die Strafe war nicht so sehr Folge des Mordes, sondern um zu verhindern die Wiederholung dieser Unthat durch Andere. Heutzutage haben sich die Verhältnisse Gottlob zum Bessern geändert durch den Fortschritt der Civilisation. Jetzt schreckt die Todesstrafe zwar auch ab — aber nur das Gemüth, so daß sich kaum bald Jemand finden dürste, der sich dazu wird hergeben wollen, das Henkcramt zu üben, um nicht den Verdacht auf sich zu laden, daß er aus Bosheit tödte. Wenn man auf den Satz sich stützt, daß der Tod der Anfang eines neuen Lebens sei, also nichts Besseres an sich habe, so ist eS leicht erklärlich, wie man so leichtfertig mit dem Leben »»»>!'.'»' . .'f . - 1 >— . „Du entschuldigst doch, traute MaSke, daß ich dick verließ."-- „Ich wünsche, Du mögest mich nie verlassen." — — Bei diesen Worten, ermannte sich die fromme Esther und bcftug die Maske um die Generalien, ein besonderes Gewicht leg. te sie darauf, zu fragen: „Bist-Du auch fromm?" „Ja!" antwortete zitternd die MaSke „ein frommer Christ." Todtcnblaß zurückwankend, aber üch gleich fastend, siel sie rin, „man soll, wenn man Christ ist, auch rch frommer Christ sein." Diese Antwort war entscheidend. Die Maske sah sich vcra» laßt den Rahmen z» sagen: „Ich heiße Graf ä'. ich wünsche mit Deinen Eltern zu sprechen." Esther setzte sogleich ihre Eltern von dem Verlangen dcS Grafen in Kenntnis, welche sich weigerten mit dcinfclbrn zit sprechen. „Gott im Himmel" schrie der alte Jone „mit einem Grafen soll ich reden," wahrend die alte Riwke sich ins llnverineidliche fügen will und sagte: „hören kan» inan Alles." „Aber lieber Gott," zitterte die bleich gewordene Esther, „er ist rin Christ und ivill mich heiraten." „Allmächtiger" bricht der alte Jone die Hände, „rin Christ meine Tochter, wie könnt' ich das überleben?" Diese Scene wird den ainvesenden Masken auffallend und sic unterbrechen den so schön arrangirtcn Kannnrrtanz. Alles drängt sick an Jone Kliiigebcrg. der von seiner Gattin Stillschwci» gen geboten wird. „Stört Euch nid)t," jnicint Riwke, „und tanzet weiter." Die Familie Klingcberg begibt sick in daS dritte kleine Zimmer, chen, worin die anS den beiden anderen Zimmern auSgcränmten Gegenstände in chaotiscken Zustande übereinander geworfen ivaren, und wollte sich auf eine kurze Zeit von der Außenwelt abschließen. Dem Grafen, der Esther nickt anS dem Auge verloren hatte, schien die Zeit zu lange, um so länger alS er auf eine Antivort Esthers wartete. Er ermannte sich, faßte Muth, trat inS Kämmer, chen ein, wo die Familie Klingcberg so traulich beisammen saß. Der Graf ließ die MaSke fallen, und wiederholte sei» Anfinuen. „Aber, Euer Gnaden, meln Kind*ist eine Jüdin und Ihr seid Christ." „Thut nicht», ich kaun auch rin frommet Jude werden." \ vieler Tausende von Kriegern muthwittigeS Spiel treiben konnte. Das irdische. Physische Leben ist ganz verschieden vom jenseitigen, psychischen, rein geistigen Existiren nach dem Tode, und in gewiffer Beziehung, ist da« irdische Dasein bevorzugt, da man nur -in körperlichen Zustande Gutes für die Menschheit wirken kann. Beidr"HMen"älw Berechtigung und darum soll man sich vom biblischen Standpunkte durch den Arzt heilen lassen, und es nicht dem Zufälle anbeimgebcn, drßhalb ist der Selbstmord strenge verboten und die Pflege der Gesundheit nachdrücklich«'! geboten. Der Mor der ist wohl durch seine menschliche That schuldig, er erlaubte sich einen Eingriff in ein fremdes Leben, aber indem wir Gleiches mit «Gleichem vergelten, üben wir Rache und verfallen in denselben Fehler der Lieblosigkeit: der Rechtsverletzung, so daß die cxeentive Strasgcwalt stets den Haß auf sich zieht, und der Gestrafte bemitleidet wird, wenn man ihn nicht manchmal als Helden bewundert, der gleichsam einen Ruhm darin sieht, auf so tragische Weife zu enden. Schon der Gedanke, daß durch voreiliges Urlhcilen die Bertreter der Themis Unschuldige ofl tödten ließen, MNi" uns veranlassen, die Todesstrafe abznschaffcn, denn so lässt sich der Fehler noch gut machen, wenn dann die Unschuld an den Tag kömmt, oder der Verbrecher kann auf den Weg der Besserung geführt und der Menschheit nützlich werden.— So lange das jüdische Reich bestand und Staatsmacht war, konnte kein Mörder gctödtct werden, bis nicht zur klarsten Evidenz sein Verbrechen erwiesen war, indem er nämlich durch Zeugen mal vor der That gewarnt werden musste. Rabbi Alibah sagte: Wäre ich beim Beth-Din gesessen, so wäre Riemand umgebracht worden, indem er cS verstanden hätte, den Zeugen durch Kreuz und Querfragen zu ver- „Rein, daS geht nicht, ein Jeder bleibe seiner Religion treu, in der er geboren und erzogen ist; man wechsle nicht dieselbe wie ein Gewand, bleibet Herr Gras, bei Euerem Glauben, meine Effhcr bleibe bei dem ihrigen." Bei diesen Worten ivurdc der Graf ganz verlegen und die Empfindungen für Esther steigerten sick. „Fand der Jude Mordechai," sprach er in vollster Wärme, „keinen Anstand, seine Tochter Esther dem heidnischen König zur Frau zu geben, so mögt ihr alter Klingcberg, Euere Esther einenr Grasen für das ganze Leben anvcrlraucn. der als guter Christ dafür sorgen wird, daß Euere Esther.eine gute Jüdin bleibt. Ihr Wesen sei mein Ich. fie glücklich zu macken, mein Streben. Und Ihr alte Eltern würdet mit da» Paradies genießen, das fick Enerem Kinde eröffnet, dem cS ja nur darum zu thun ist. Euch gliicklich zu macken." Rach dieser eingreifenden Rede riet mit, lauter Ctinnne der alte Jone Klingcbcr.z „Gelobt sei der Gott Israel'" während die alte Riwke weinte und Esther muauntc, „Run denn." raffte sich der Pater Esther'» aut. „wenn eS Herr Graf Euer Wille ist. mein Kind glücklick zn mache», so überliefere ick fie Eueren Händen, denen fie für ewig anvertrant sein möge." „Ich danke Euch alter Mann, ich will Euck mm beivcife» wie zwei verschiedene Religionen friedlich neben und mit einander unter Einem Dache eystircn können. Ich ivünsckc noch heute an Euerem Pnrimfrftc'verlobt zu sein." Der alte Klingcberg fordert seine lochtcr auf, dem Grafen die Hand zu küffen. „Haltet ein Pater," rief der Graf gerührt, „gestattet mir die Hand Euerer Tochter zu küffen." Diesem Kuße folgte der Segen des alten Klingcberg» und sie inSgcsammt begaben sich in daS erste Zimmer, »in im Bkisein der noch znrückgkblikbcnen Frenndc und Freundinen Esthers die Perlobmig zn feiern. Rach Mitternacht verließ der Graf da» Hau» feiner Braut, die er sich nach vier Wochen auf der Mairie antrauen ließ, und nahm fein prachtvolle» am Rhein gelegene Schloß zum bleibenden Wohnsitz, wo er feine Esther, und sie ihre Eltern glücklich sah. 12*

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