Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 12 (18.3.1870)
- Date
- 1870-03-18
- Page
- Seite 114 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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leiihirtkn für einen ganzen Kreis ernennt, ohne auch nur eine Gemeinde zu befragen, ob sie mit diesem Menschen sich befriedigt fühlt? ja wir wissen mehrere Fälle, daß Gemeinden gegen die Ernennung solcher Individuen vergebens protcftirt haben, denn da war der UsuS üblich: „Ihr habt zu schweigen und zu gehorchen!1" Abgesehen davon, daß unter diesen RegierungSorgancn auch mitunter Gelehrte ersten Rangesind, wie der Verfasser der Scholien, Kohn in Raudnitz, so ist da- Institut dennoch im Ganzen und Großen ein verhaßte-, ja verachtete- und die Pächter desselben werden gleich Len vormaligen Stcuerpüchtcrn als Egel betrachtet, die herumreisen das Mark de- Landes auSzusaugen, vacirend ohne eigentlichen Berns. Run sagen manche-x.Wovon sollen aber diese fahrenden Scholastcn lrben?"^Z^)> „Sie haben ja doch keinen alidcrn Erwerb?" Antwort: Müssen int Iudrnthumc nicht andere Vcutc, die weit eher Anspruch auf Erhaltung haben, darben und selbst dazu schauen, wie sie sich und den Ihrigen Brot verschaffen? Hat nicht jede Gemeinde weit eher die Verpflichtung für ihren Localrabbincr zu sorgen? Muß nicht jede Gemeinde weit eher für den non ihr airsgenalurireini, Lehrer sorgen? Und endlich können wir ganz ruhig sein, die meisten dieser Herren haben bei Zeiten für ihr Aller gesorgt, haben alles nach besten Kräften anSgebcutet und ihr Schäfchen in- Trockene gebracht. Freilich winselt und windet sich mancher von ihnen mit jesuitischer Heuchlermicnc als sei er blutarm und Erbarmen erfaßt unser Herz, wenn wir diese« Armensündcrgesicht erblicken; aber die Thatsachc ist und bleibt: Für heute ist kein Grund mehr vorhanden, ein KrciSrabbinat noch cxistircn zu lassen; der Unterricht in der Religion, der vormals ihr Steckenpferd war, ist nach dem klaren Wortlaute unseres Gesetze« einzig und allein Sache der autonomen Gemeinde und da«- Hcrumbcttcln in den Gemeinden ist eine unanstänihr allein spreche» zu dürfe», in der Absicht ihr Enthüllungen zu mache», die ihr jcdcSfallS überrascht koiumcn mußte». Gestählt i» dem Kampfe mit den Eutbehrungcu, die das irdische Dasein so oft bietet so loic sicher ihrer moralischen Kraft konnte Esther der Einladung Folge leisten, doch um eine gewisse Prüdcrir zu erheucheln, wie sie die weibliche Sitte verlangt,, wollte sic nicht gleich daraus eingehc» und fand es rathsam sich vorerst mit ihrem Pater und ihrer Mutter, der ulten gkiunkhlichcn Riwkc, gchtimcn Null» zu halten und bath zu diesem Zwecke den unbekannten Mann ans einige Momente zu ivarteu. der auch nach einer Höstscheu Pcrbcugnng sich aus kurze Zeit vertrösten ließ. Esther in einem gewissen Zustande der Aufregung eilte in das zweite Ziinmcr brachte ihren Eltern das Ansuchen jenes Mannes bei und wollte sich die Erlaubnis hole», mit ihm allein spreche» zu dürfe». Ter alte Zone Klingcberg machte auch diesmal von seinem väterlichen Anrechte Gebrauch und protestirte dagegen mit einem „(Sott behüte," während das alte Mütterchen, eine Prise Tabak a»S ihrer Muschclbuchsc »ahm, und unter Liebkosungen »i»d eindriugeudcn Worte», ihreiii Manne wiedcrlcgte und in dem Zwiegespräche keine Gefahr zu erblicken glaubte. „Wem» in«»," meinte die gute Frau, „dem Kinde nicht heute erlauben sollte, sich z» vergnügen, ivann denn." Die joviale Matrone, war wie alle Frauen neugierig zu wisfeit, um wa» sich der angchofste Dialog drehen sollte und wer über- Haupt jener Man» sei. „Geh ,mr. Esthcrlebeu, du darfst die Maske nicht beleidigen." Die gehorfamc Tochter nahm die Erlaubnis dankend an und begab sich zur selben Stelle, an der sic ihren Pertravtcn verlassen hatte. Sie verneigte sich und erzählte dein Manne den Erfolg ihrer Mission. Neugierig srug sic dcusclben »ach dem Namen, i»n iveiiigstenS zu Wiste», mit ivcm sie spreche; allein er that um so gehtimnisvollcr, al» er ihre Neugierde auf die Folter spanneu wollte. „Du holde Jungfrau." begann der im geheimnisvolle» Dunkel gehüllte Man», „gleichst jener Esther, die einen König zum Diener ihrer Wünsche gemacht. Du könntest fürwahr auch mich zum Diener Deiner Wünsche inachrn, wir wohl ich den KönigSmantel nicht trage." töge Sache und überdieß ist das Betteln verboten. Wollte jener ehrwürdige Bettelorden charaktervoll z» Werke gehen, so würde er dieß ohne weiterS selbst einsehen und thun, waS Recht und Gewissen ihm gebeut: bei der Regierung selbst die Ueberflüssigkeit, die unmögliche Haltbarkeit dieses Institutes in Anregung bringen und gegen irgend eine Re» muneration die Aufhebung desselben beantragen. Nachdem jene Herren jedoch in ihrer Passivität verharren, so ist c« Pflicht der Lande«jndeu-Repräscntanz, daß diese abermals Schritte thuc und bei der Regierung das Unzeitgemäße einer solchen Bettlercxekution Nachweise. Eine Stimme vom Lande. Die Todesstrafe vom jüdischen Stan-punkle. -Sie brachten, geehrter H. Rcdacteur, in der vorigen Nummer Ihrer werthen Wochenschrift einige allgemeine Reflexionen über die Todesstrafe; gestatten Sie mir dicßmal, in kurzen Gedanken auseinander zn setzen, wie sich das Iudenthum der Todesstrafe gegenüber verhält. Die Bcrtheidiger dieses inhumanen Straf-Berfahrens werden vcrmnthlich auch aus der Bibel sich Beweise holen, wie es seinerzeit die Südstaaten machten und die Beibehaltung der Sklaverei durch die biblische Autorität zu rechtfertigen, ohne zu berücksichtigen, daß die heilige Schrift in socialer Beziehung mit den Verhältnissen der damaligen Zeit rechnen muffte, nun fand sie die Sklaverei vor, und konnte sic nicht bei einer Generation, die auf einer noch nicht allzu hohen Eulturstufe stand, gleich Kauz betroffen hielt Esther innc und antwortete: „Meine Wünsche sind bescheiden, aber ich bczweistc, liebe Maske, daß Du sic erfüllen könntest." „Nun so erkläre Dich, ich will prüfen, ob ich ne zu erfüllen im Stande bin. Dich vielleicht glücklich zu machen.?" „Nicht mich" — — — „Wen denn?" durchforschte das durch die Larve blickende Auge, mit sichtlicher Leidenschaft schon den Weg gefunden zu haben, auf dem er seinem Ziele zustcnern könnte. Schüchtern blickte Esther drein und stammelte ganz erschrocken heraus, „meine Eltern, die ich so sehr liebe und die so oft in be» drängten Pcrhältnistcn leben." Eine Thräuc begleitete die letzten Worte. „Nun denn, dem könnte abgcholfeu werden, wenn du liebe Esther die Kraft besitzest, meine Liebe und Begeisterung, die ich für dich so sehr hege, zu crincssc», wenn du dich entschließen könntest mein irdisches Glück zu vergrößern und meinem Wunsche nachgibst." „Wenn ich ihn zu erfüllen im Stande bin, dann bin ich bereit." „Das bist du, mit Einem Worte; eS nennt sich Gegenliebe." Hier schien zum ersten Male das Herz Esthers zu pochen und sie sing an. in ihren Grundsätzen ein wenig zu wanken, indem sie der Liebeszauber gänzlich gefangen nahm. „Nun traute Maske, sprich dich klarer aus." meinte Esther ein schalkhaftes Lächeln erkünstelnd, um jene zu täuschen. „Ich heirathc dich" — — — — Da crröthctc sic, verließ die MaSke und suchte ihre Mutter aus. um ihr daS ganze Gespräch mitzutheilcu und gleichzeitig auch den Schreck, der sich ihrer bei den letzten Worten des räthsclhaf. tcn Mannes bemächtigte „Mutter." sagte sie schluchzend, „denk Dir, er ist so kühn mir einen HeirathSantrag zu stellen." „Nun wenn weiter nichts ist, mein Kind" betonte das alte Mütterchen, sich die goldene Haube ein wenig zu recht richtend, wäre gut. Du darfst Dich nicht stolz benehmen, Estherlebcn. vielleicht hängt von diesem Momente Dein Glück ab." Das Töchterchen ließ sich trösten und kehrte in Begleitung ihrer Mutier zu dem Manne zurück, die sich jedoch in einer gewiffen Entfernung von beiden stellte.