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Die Gegenwart · 1870-03-11 · 11 (11.3.1870) · p. Seite 109

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
11 (11.3.1870)
Date
1870-03-11
Page
Seite 109 (sequence 7)
Language
German
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I 109 Bericht der Schriftführerin Frau Regina Singer an, die jene Damen und Herren nahmhaft machte, welche sich um den Verein durch bedeutende Spenden und sonstige Opfer Willigkeit verdient gemacht haben, unter jenen werden namentlich die Herren Jakob August Rosenberg und Ignatz Stark hervorgehoben, die auf Antrag der Berichter statterin von der Generalversammlung zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden. Herr Stark lehnte in bescheidener Weise diese AnSzeichnung ab, ward jedoch schließlich gezwungen, dem Wunsche der Damen nachzugeben. Hierauf verlas Herr Stark, als Rechnungsführer den Jahresausweis, der einen Ueberblick über das finanzielle Gebühren des Vereines gestattet, Am 31. Dezember 1868 stellte sich als vorhandenes Vermögen heraus die Summe von 13180 fl. in Obligationen und 9987 fl. 53 V, kr. in Baarcm; mit Ende Dezember 1869 13860 fl. in Obligationen und 10288 fl, die Verpflegung, Bekleidung u. s. w. der Zöglinge, deren gegenwärtiger Stand vierrehn beträgt, kosteten 3425 fl. 79 kr.; das Eigenthum der Waisen bestand am 18. Iäner dieses Jahres in 730 fl. Obligationen und 1678 fl. 12 kr. in baarem Gelde, wclchein^er Sparkassa deponirt sind. Laut Verweis ergeben sich zu Gunsten des Vereines 9910 fl. in Obligationen und 378 fl. in Baarem. Schließlich wird zur Auslosung zweier Vorstandsmitglieder und zur Ergänzungswahl geschritten, das LooS trifft die Damen Frau Emilie Brandeis und Anna Ftschl, auS der Wahl gehen die Damen Frau Rosa Fischet, Frau Sophie Pollak, Frau Caroline Bunzel, Frau Emilie Brandeis und Anna Fischt hervor; die beiden letzten» erscheinen als wieder gewählt. Bei dieser Gelegenheit ließen wir es uns nicht verdrießen, die Anstalt in Augenschein zu nehmen, durchmusterten die Lokalitäten vo»n Lchrzimmer angefangen, bis zur Küche unb fanden in den freundlichen, geräumigen und luftigen Zimmern einen angenehmen Aufenthalt der verwaisten Zöglinge, die uns recht munter und frisch schienen. Wir freuen uns, daß der Vorstand von unserer vor zwei Jahren ctivas bitter gehaltenen Kritik Notiz genommen und sich bestrebt hat, in» Interesse der verwaisten Jugend, die nothwendigen Verbesserungen vorzunchlncn, die wir heute nur anzuerkennen verpflichtet sind. %* Der israelitische Kreuzen» erriu hat bereits seinen Ausweis pro 1869 veröffentlicht. Wie betitfefbett zu entnehmen ist, belaufen sich die Einnahinen auf 1544 fl. 41 kr. die Ausgaben hingegen auf 985 fl. 99 kr. somit verbleibt ein Rest von 558 fl. 42 kr, rechnet »nan zu diesen» den Vermögensstand von» Jahre 1868 6151 fl. 24 kr. so verbleibt dem Vereine ein Berinögen von 6709 fl. 66 kr. Der Verein zählt 199 Ehren- und 309 »virkliche Mitglieder. *** Aflke Jehuda. Verflossenen Sonnabend hielt Herr Doktorand der Philosophie D. Blitz im Vereine Asike Jehuda einen Vortrag über „Jecheskel und die Profctie," der entschieden als der am wenigsten gelungene der bisher überhaupt gehaltenen Vorträge bezeichnet »verden kann. Ist das Thema an und für sich ein gefährliches zu nennen, das nicht nur eine eminente Kenntnis des Talinud, sondern auch der Kabbala erheischt, so ist die Durchführung jener an und für sich problematischen Aufgabe eine um so gefährlichere. Der Redner eröffncte seinen Vortrag mit gewürzten Elogen, die theilS^dein abwesend gewese»»cn Herrn Prof. Wessel»), thcilS dem zugegen gewesenen Herrn Prof. Kämpf galten und letzter»» sichtlich in eine kleine Verlegenheit brachten, dem Bortrage ließ der Redner die Ansicht folgen, daß großen Männern des JudenthumS ein gewisser prophetischer Geist inne lag, während er zum Schlüße die etwas kühne Behauptung aufstellte, jeder Mensch besitze eine gewisse prophetische Gabe die durch Magnetismus geweckt werden könne. Es liegt freilich in der Strömung der Zeit, daß jeder auf Gelehrsamkeit Anspruch Machende schon ein Gelehrter sein will und in einer Art philosophischer Anwandlung dem gebildeten Publikum etwas Außerordentlichebieten möchte, wadenn doch schließlich nicht- Ordentlicheist. Allerdings leben wir nicht mehr in der Zeit, in der Graf Eagliostro vulgo Gutseppe Balsamo sich die Fähigkeit imputirte, mittelst magnetischen Kräften zu prophezeien, und in würdiger Anerkennung seines prophetischen Schwindelin einem Kerker zn Rom als Weltbcrückender Eskamoteur seine prophetische Seele auShauchie, wir sehnen uns aber auch nicht nach solchen Zeiten und »vollen nicht einmal von falschen Propheten »vissen. Herr Blitz, ein sonst strebsamer Mann, lieferte mit seinem Borttage wol den Beweis eines kühnen Springers, aber auch den wie nothwcndig es ist, seine geistigen Kräfte früher zu bemessen, bevor man ein salto mortale ausführt. Der Redner hatte gewiß den guten Willen. Etwas zu bieten, mit dem er den Dank der Anerkennung ernten soll; doch ist e» ihm nicht gelungen, waS wir umsomehr bedauerten, als da» Zusammentragen deS Materials aus Explikationen keine gerin. ge Mühe gekostet haben mag. Zudem hatte der Redner mit seinem Gedächtnisse einen förmlichen Kampf zu bestehtn, der ihn zum Rctiriren inS Manuskript bewog, das sich aber beleidigt zu fühlen schien, indem es die Handschrift des Schriftstellers demselben ungeheuere Verlegenheit bereitete, die nicht selten zu Storni,aemBeraitlassuna bot. Abcranck di^ hebräischen Eitatc anstatt par coeur zu sagen und einen kleinen griechischen Satz aus Plato ordentlich zu lesen, gelang dem Redner nicht. Wir schreiben jedoch diese Verwirrung der Befangenheit des zum ersten Male dcbutircndcn Rednerzu, der gewiß, hätte er zu Hause seinen prophetischen Geist mittelst Magnetismus geweckt und den Erfolg vorausgesehen, einen Bortrag eorain publico unterlassen hätte. Der Blitz hat nicht gezündet, »vofür ihm Herr Katz dankbar sein wird, aber daö Auditorium schien abgcblitzt und »vir empfehlen dem Borstande des Vereines Anke Jchnda in der Wahl der Lerbreiter jüdischer Wissenschaft vorsichtig zn sein, damit die öffentliche Meinung sich nicht zn einer dein Vereine schädlichen Prophetie hinreißcn lass'. V Theatermanie. In neuester Zeit treiben jüdische Eltern mit ihren kaum den Kinderschuhen entronnenen Töchtern einen Unfug, der nicht selten zur Störung des FamilicnglückeS beiträgt, und so ziemlich den verderbten Geschmack in manchem Erziehungösiistcmc kennzeichnet. Ohne die Kosten deS Unternehmens in» Vorhinein zu berechnen, oder von dein Talente ihrer Kinder überzeugt zu sein, widme» die Eltern ihre .Kinder der Bühne und bringen sie zuweilen der Demo-' ralisation zum Opfer. An diesem Erzichungsrci'ultatc sindjedoch weniger die Eltern, mehr manche Privallehranstaltcn Schuld, iltdcm sie von Zeit zu Zeit Theatervorstellungen arrangiren und in dem selbst unbefühigten Kinde, den» ein oft unverdienter AplauS zu Theil wird, die »9>st zur Bühne »veckcn DaS Kind, welches durch solche künstlerische Erereitien gegen den Unterricht in den nothwcndigsten Gegenständen apathisch wird, wähnt sich schon ein Genie zn sein und nur die Bühne wird sein Ideal. Die Eltern, deren Köpfe durch den Künstlerrausch ihrer Kinder schier verrückt »verden, sind schwach, geben nach und führen oft ihre Hoffnung anstatt zu einen» ehrenhaften sichern Berufe zum Grabe. Es find in Prag viele Fälle nachzulvciscn, daß derlei ThaliaS Iüngerinnell viel Geld gekostet, noch mehr Zeit vergeudet haben und zu Nicht« taugen, nicht einmal mehr inö praktische Veben zuruckkehren zu können. In jüngster Zeit gibt sich der schwülstige The« aterkritikcr Scligniann Heller her, jüdische Mädchen für'» gute Geld zu Schauspielerinnen heranbildc» zu »vollen, die grade so Rachels werden, »vie Heller ein Garrik geworden. Eine hiesige Privat Lehranstalt besucht ein junges Mädchen E., bei der die Eltern ein hohes 0 entdeckt haben sollen und cs in Folge dieses kostbaren Fundes der Bühne zu opfern entschlossen sind, der ihnen Mancheunnöihig erscheinen läßt. So beinerktc jenes Stimmbcgabtc Mädchen rine- TageS ihren Eltern, sic solle jüdisch schreiben lernen, worauf die Eltern erwiederten: zu einem Eontract mit einem Theaterdirektor braucht man nicht jüdisch schreiben zu lernen. %* Lnriosmn. In einem hiesigen frequenten Kaffeehause diSkutirten verflossenen Samstag einige Israeliten, die sich nebenbei gesagt, an ihren Cigarren delektirten, die Affntre der Meiselsynagoge. Lin an dem nachbarlichen Tische sitz«»«

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