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Die Gegenwart · 1870-03-11 · 11 (11.3.1870) · p. Seite 108

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
11 (11.3.1870)
Date
1870-03-11
Page
Seite 108 (sequence 6)
Language
German
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108 verschmerzen und diese vom 1. Jäner 1870 neuerdings erlegen sollen, bei welchem Manöver allerdings die Parteien um % Jahr kommen. ES ist freilich traurig, unschuldige Menschen zu Schmerzensgeldern zu verurtheilen, wenn einzelne Männer aus Parteisucht verwunden. Die Resolution zu dieser Ausgleichsquote wurde zwar gefasst, ich zweifle aber, daß sie von dem größcrn Theile gehalten wird, nach dem zu schließen, daß die Synagogcnmitglieder, wie sie außerhalb der Synagoge klagen und jammern, in der Synagoge Zungcnkrampf bekoznmcn, anch außerhalb der Synagoge leicht vergessen, was sie in derselben mit Gleichmuts) angehört haben. Es ist allerdings die Pflicht jedes Juden, da zu Helsen, wo es nothwcndig ist, am allerchcsten, wenn eS sich um die Erhaltung einer Synagoge handelt und ich, allangjähriger Besucher der Meiselsynagoge, würde gewiß keinen Anstand nehmen, mich dem Projekte des H. Prof. Wessely zn fügen, so ferne cs sich hier nicht um eine bloße Galgenfrist handelt, die die Synagoge nach einem oder zwei Jahren ihrem sichern Ende entgegenführt. Die praktische Erfahrung lehrt, daß bei einem durch irgend eine Misere oder durch individuelles Unvcrschulden entstandenen Falliment ein Ausgleich von Schuldner und Gläubiger angcstrcbt wird und ersterer, so fern keine anderen Zwecke als die der Verpflichtung ins Auge fasst, bereits Verluste gehabt, letzterer durch dieselben erst zu Schade» kommt. Hcrr Prof. Wessely hat nun im Interesse de- Predigers das Ei des EolumbuS finden wollen, ohne der Synagoge das Prioritätsrecht einzuräumcn. Mit diesem Ei wird der Synagoge nicht geholfen werden und die Zustände werden immer ärger anstatt besser werden. Wenn wir Cynagogenmitglicder schon ein Opfer bringen sollen, das radikal wirken soll, so möge Herr Prof. Wessely seinen Einfluß beim Prediger zur Geltung bringen und ihm die Sachlage an'S Herz legen, ihm einfach sagen: „Bringen die Mitglieder der Synagoge ein Opfer, so werden Cie Hcrr Doktor gewiß nicht ermangeln denselben mit gutem Beispiele voranzngchen nnd in Reduktion Ihres Gehaltes der geheiligten Stätte zu Vicbe gerne cinwilligcn." Dann werden die Synagogenmitgkicdcr opferwillig sein, wiewvl die Opfer, bei dem Umstande daß T „ der Besucher nur dem Mittelstände angrhören, immerhin groß zn nennen sind, nnd es wird wenigstens auf halbem Wege das erreicht werden, was man anfticbt. (L'jmtoiuil» Anfangs Mär;. Auch die Ezernowitzcr israelitische EultnSgemcinde hat ihre Eabinctskrisis mit ihrer Majorität und Minorität. Die Vorsteher dieser Gemeinde, oder wie sic im vormärzlichen burrankratischrn Jargon hießen: „die Jndenültestcn," werden in der Bukowina nach einem Modus gewühlt, der ans der josesinischen Zeit herrührt. Als in der Gemeinde, wahrscheinlich wegen der ungerechten '.Imlage der sogenannten Domrstiealstturr, eine Opposition rege zn werden begann, beschlossen die Vorsteher, drei an der Zahl, ihr Amt niederzulegcn, nnd der Genieindc Gelegenheit zn geben, von der Regierung die Bestimmung eines zeitgemäßen Wahlmodns zu erwirken. Zwei hievon, I. R. nnd Dr. V. R., führten den Beschluß ans, nnd der Dritte, Dr. F., besann sich in der letzten Stunde eines Besseren (?) nnd blieb im Amte, lieber die Motive, welche den letzteren zu diesem nneollegialrn Benehmen bcstimintcn, eirenlircn im Publikum die verschiedenartigsten (Gerüchte. Rach dem einen soll seine Vorliebe für „Stellen," die ihm keine zn hoch oder zu niedrig erscheinen lässt, »ach dem bekannten Grundsätze: wem Gott rin Amt gibt :e. re. das Hauptmotiv sein. Rach einer andern Version soll hiebei der Einfluß des Sadaguraer Rabbiners maßgebend gewesen sein, welcher hiedurch seinen Anhang im Ezernowitzer orthodoxen Judenthnme zu befestigen suchte. Als Miteandidat des Dr. F. von der orthoboxen Partei wird in erster Viitic ein gewisser S. I. S. bezeichnet. Derselbe ist ein eifriger Anhänger des oberwähnten Wunder-Rabbiner- und soll sich bei seinen Wählern damit insinuirt haben, daß „er mit einem Deutschen (Beamten) zu reden versteht." Wer mit dem Idiome dieses BolkeS vertraut ist, der weiß, was diese Phrase zu bedeuten hat, und daß dahinter sogar eine Anspielung steckt, die für die Beamten nicht sehr schmeichelhaft ist. Bonden übrigen in diesem Drama auftretenden Personen das nächste Mal. „Ost." WochenchrouiK. *** Bevölkerung einzelner Stadtviertel. Die Prager Joscfstadt zählt im ganzen 283 Hausnummern, von denen jedoch nur 243 bewohnt sind. Die Seelenzahl beträgt 10244 nnd zwar: 5410 Juden, 4766 Katholiken und 56 Protestanten. Der Hradschin zählt 198 Hausnummern mit 5940 Einwohnerndarunter 5879 Katholiken, 36 Protestanten und 24 Juden. Die Klrinsrite zählt 544' Hausnummern mit 22140 Seelen, darunter 21829 Katholiken, 241 Protestanten und 63 Juden. *** Zur Volkszählung in Karolinenthal. Die Vorstadt Karolincnthal zählte Ende 1869 eine Bevölkerung von 13338 Seelen exklusive die Militärbesatzung nnd die Mannschaft im k. k. Jnvalidcnhause. Darunter waren 12433 Katholiken, 339 Protestanten und 616 Juden. *** Vrschovih bei Prag. Die hier stattgefundene Volkszählung ergab eine Anzahl von 3693 Seelen, darunter 3572 Katolikcu, 100 Israeliten, 21 Protestanten. Zählt man noch viele hiesigen, über den Winter in Prag domicilirenden Hausbesitzer hinzu, so dürfte sich die Anzahl der Seelen auf 4060 Herausstellen. Der Srclcnanzahl nach, übertrifft das Dorf Vrsovitz manche Provinzialstadt Böhmens. *** Ernennung. Der berühmte Psychiatriker Herr Dr. Jakob Fischt wurde zum Direktor der Prager Irrenanstalt ernannt. *.4* Vrrwaltungvrath und Protektorat, In der Sonntag im großen Sitzungssaalc des Allstädter RathhauseS stattgrfundenen Generalversammlung der Gewerbcbank für Böhmen und Mähren wurde der Buchdruckcreibesitzrr Herr Ignaz Fuchs in den VerwaltungSrath gewählt. Auch die Mitglieder des UntcrsintzungSvcrcineö der Litografen haben Herrn Fuchs zu ihrem Protektor gewählt. *** Auszeichnung. Die Academie der Wissenschaften zu Belgrad hat in ihrer letzten ReujahrSsitzung den Arzt und Schriftsteller Med. Dr. Siegfried Kapper, zu ihrem korrcspondircndcn Mitgliede ernannt. *** Generalversammlung. Der Prival-Fraucnvcrein zur Erziehung armer isr. Waisenmädchrn hielt vergangenen Sonntag in den i'okalilätcn ihrer Anstalt eine Generalversammlung ab, welche zum Zwecke hatte, den Rechenschaftsbericht für das verflossene Jahr 1*69 abzugcben und eine Wahl von fünf Vorstandsmitgliedern vorzunrhmrn. Vor dreißig versammelten Vcrcinsinitgliedcrn, eine Zahl, die die zur Beschlußfähigkeit erforderliche überschritt, eröffnctc Frau Earoline Stark zEassirri») die Generalversammlung mit der obligaten Begrüßung, entwarf in kurzen Umrissen ein Bild über die Thätigkcit des Vereines, die Erfüllung seiner Tendenz, ging auf die guten Leistungen der Lehrkräfte und die Fortschritte in Fortgang und Sitten der Zöglinge über, denen, wie sich Frau Stark ausdrückte, die Anstalt zum zweiten Eltcrnhausc wird, und hob jene hervor, die sich in uneigennütziger Weise um die inner« Angelegenheiten deS Vereineverdient gemacht haben, unter diesen namentlich Sr. Ehrw. Herrn Prof. Dr. Kämpf, der den Zöglingen jede zweite Woche eine Exhorte hält. Diesem Referate schloß sich eiw

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