Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 11 (11.3.1870)
- Date
- 1870-03-11
- Page
- Seite 104 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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104 Judm zur Ausführung ihrer Operation-Pläne, welche nicht selten dazu beitragen, daS sonst friedliche Verhältniß zwischen den Juden und der nationalen Partei zu trüben. Die dadurch erzeugten schwarzen Punkte, welche hie und da im sozialen Leben zum Borscheine kommen, lassen die Führer der Cast» nopartei ganz gleichgiltig, weil sie ihre Ehrenpunkte viel zu hoch schätzen, um da» Gesammtinteresie gar zu berücksichtigen. Die Juden de« deutschen Easino'S sinken selbstverständlich zu bloßen Werkzeugen herab und während sie sich mit einer.: Tanzkränzchen ober einem deutschen falschen Händedrucke von einer oder der andern etwas höher stehenden Person, der größtentheilS an Vorabenden vor Wahlen oder anderen ahn lichen Ereignissen erfolgt, abfertigen lassen, beuten die Divisionäre der jüdisch-deutschen Eusinokliquc den eigentlichen Rüben de» deutschen Eafse-Restaurant au», der einem nach ) Rang und Klang lechzenden Gaumen die kulinarischen Genüsse rczräsentirt. Durch diesen Appetit der Easinojilpiter entsteht ein eben' solcher Hunger bei de» Göttern der kleinen Völker, der in eine Eifersucht auSartct, welche die Götter gar oft bewegen niöchte, den deutschen Olymp zu verlassen, —würde in ihnen nicht die Hoffnung wach gehalten werden, erwünschte Ziele zu erreichen, so sie nur au»harrcn. Indem sich nun die Unbedeutenden im Thau der Versprechungen gesund baden, sich glücklich preisen, von dem Auge eine» politischen Matador» oder ministeriellen Ministranten gesehen zu werden, drehen sie sich im Kreise de» lustigen Reigen», während die Arrangeure die bacchantinischcn Festgelage benützen, um im politischen Wirbel zu tanzen. Letztere», so lohnend e» ist, bietet wohl Einzelnen Befriedigung, ob c» der Iudenhcit vom Nutzen ist, da» mag wohl Jeder bezweifeln. Abzusehen von den politischen Winkelzügen, zu denen oft der Jude seine Unterschrift hergibt und den Kopf wie Vogel Strauß in den Sand der Selbsttäuschung steckt, wird in dem deutschen Lassec Restaurant die Lage der jüdischen, politischen Dienerschaft zuweilen eine höchst unerquickliche, in der vermäntelter Judenhaß nicht selten den TeufelSfuß sehen läßt. Für diese» teuflische Schattenspiel lassen sich mehrere Fälle anführen, die gewiß in jedem Eaffee-Restaurant ohne irgend einen politischen Eharakter, mit Verachtung zurückgewiescn würden, wir begnügen uns jedoch die Behauptung ausznstcllen, daß sehr oft der Lack der deutschen Intelligenz, sobald sie mit dem Juden kollidirt, abspringt. Schon der mit von Zeit zu Zeit erheuchelter Eollegialität nicht harmonirender Kastengeist macht sich im deutschen Easino fühlbar, so zwar, daß in demselben die Inden mit Ausnahme einiger zum großen Rathc Gehöriger ein förmliches Ghetto bilden, welche» nicht verfehlt, zur klägliche» Ironie auf die neue Acra zu werden. Die Juden zu allen Zeiten eine zähe Ausdauer bekundend und im Ertragen von ungerechten Angriffen einen seltenen Gleichmuth bewahrend, warum sollte ihnen da die Eidechsennatur fehlen, wo man sie zur Erreichung von Vortheilen ausnützt, die einzelnen Individuen gut zu Statten kommen? Was nun jene Geschäftspolitiker den sich um sie schaarenden Leichtgläubigen vordcklamiren, wird diesen zu einem bloßen Phantom. Phantome bekanntlich gleichen nur Sirngespinrsten und diese sind die fixen Ideen, die in einem eistesbeschränkten Gehirne ihren Sitz haben. Wir sind fest überzeugt, daß die Inden recht bald zur Einsicht kommen werden, daß ihnen der Weitzen wo anderblüht als im deutschen Casino, dessen jüdische Regierungsmänner schon vor dem Worte „Ausgleich" zittern, in der Furcht, ihr politisches Testament machen zu müssen. Gegen die Todesstrafe. Der norddeutsche Reichstag hat sich vor Kurzem mit dem Entwürfe eines BundcSstrafgesetzbucheS beschäftigt und nach heftiger Bekämpfung der entschiedensten Opposition von der Ministcrbank aus zumal des Bundeskanzlers Grafen BiSmark die Todesstrafe aus dem Stra fkodex gestrichen. Schon im Jahre 1847 traten die damals existirenden ständischen Ausschüsse Preußens zusammen, um über das Strafgesetzbuch zu bcrathen. Dr. Alexander Friedländer, damals Dozent der Rechte an der Universität zu Heidelberg ließ seine Stimme in einer Brochüre vernehmen, aus der wir einen Auszug zu bringen, uusern Lesern um so weniger vorenthalten können, als sic die Ansicht eines Glaubensgenossen hören, die heute zu einer zeitgemäßen geworden, zur Geltung kommen soll. ..Die bürgerliche Gesellschaft ist eine solidarisch hastende Gemeinschaft. WaS der Einzelne ist, ist er nur durch sie, was er werden soll, wird er nur durch sie. Es muß daher die Gemeinschaft dem Einzelnen den Besitz und die Anwendung der Mittel zur Erreichung der Lebenszwecke, mit andern Worten seine Freiheit, die unverkümmerte Entfaltung und Bewahrheitung seiner Individualität sichern. Auf diese Weise gelangt der Einzelne zu seine Rech te, daS eben nichts Anderes ausdrückt, als den verwirklichten Anspruch eines Jeden auf freie Existenz. Das ist die Grundlage des Staatslebens. Wer sie angreift, d. h. wer in dem Rechte nach einer althergeschleppten Ansicht nur die Schranke erblickt, die den Menschen vom Menschen trennt; wer in dem Gesetze nnr den Befehlshaber sieht, der dem Einen gegenüber dem Andern das „uoli me tangere“ zuruft: der zerreißt, was ewig verbunden sein soll, der setzt an die Stelle der Liebe die Eigensucht, den Privatnutzen mit all seinen unglückseligen Folgen. * scr an welchem transparente Anzeiger verkünden, daß in dem einen oder dem andern ein Ball gegen mäßiges Entree stattfindet. Unter diese» Häusern sticht Eine» ab. da» mit keinem Transparente verseben, aber durch seine imposante Beleuchtung so zieinlich in die Augen fällt. Diese» HauS^ist kein königlicher Pallast, in welcher rin AliaSvcru» residirt, cS iü ein mebr baufälliges Gebäudc. .zu besten Wohnung man aut hölzerner steiler Treppe gelangt, In diesen sonst Trübsal verrntbenden, jetzt mit der ganzen Kunst der Improvisation auSdckorirten Gemächern gibt rin fromme» Eltcrnpaar Rahmen» Klingcberg seiner geliebten!achter Esther, die düsteren Stunden im Jahre durch Momente der Freude zu ersetzen. Lieblich wie die Mvrtlie und rcitzcnd schön schreitet die schlanke Esther mit zierlicher Taille und geschmackvoll er Toilette die große Stube elnher, an deren Wänden Spiegelbclegtc Lampen hängen. Die Zimmer füllen sich allmälig mit den geladenen Gästm. dir zmneist au» Berwandten und Freundinen bestehen und Esther erscheint unter ihnen al» dir Königin dr» Abend». Die Muslk au» einem Geiger, Harfenisten und Guitariftrn bestehend, beginnt die üblichen Welsen und jeder der anwesenden Tänzer und Tänzerinnen, Esther nicht anSgcnomincn, zollen Tcrpsichoren den gebührenden Tribut. Mit einem Male hört man Gepolter auf der Stiege und den Ruf „Masken kommen machet auf." Die Tanzenden lasten sich nicht stören, bis der Lärm größer ivird und von den die Thüre anstürmendcu MaSkcn Einlaß begehrt ivird, stieben jene auseinander und der Batec der Esther Jone Klingcberg öffnet langsam die Hausthüre, um die MaSken nach und nach einzulasten. Diese jedoch ungeduldig erbrachen die Thüre und suchen sich Eingang zu verschaffen, um nur der Majestät der Esther Klingeberg ansichtigzu werden.- Run entsteht ein bunter Wirrwarr, alle» drängt sich um Esther, man glaubt sich ln den überfüllten Zimmern in eine tropische Gegend versetzt. Eine einzige MaSke bescheiden und schweigsam steht an der Ecke drS großen Ofen» gelehnt und wartet geduldig, bi» sich der Knäuel der Gaffer entwirrt haben wird. (Schluß folgt.)