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Die Gegenwart · 1870-02-04 · 10 (4.2.1870) [ 4. März] · p. Seite 99

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
10 (4.2.1870) [ 4. März]
Date
1870-02-04
Page
Seite 99 (sequence 7)
Language
German
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99 lin sind wir als Brüder empfangen worden. Die Idee der Alliance ist eine französische; wir sind die Ersten und die Andern — nein, nie wird es da letzte geben! Grenoble. Man schreibt der „Revue israelite“ aus dieser Stabt: Wir hatten Gelegenheit vor einigen Tagen bei dem Begräbnisse der Frau Dreyfuß, der Frau eines hiesigen angesehenen israel. Kaufmannes anwesend zu sein. Die Menge Christen, welche der Frau die letzte Chrenbegleitung erwiesen, geben einen deutlichen Beweis, in welcher Achtung sie stand. Da die Israeliten in Grenoble noch in zu geringer Zahl vorhanden sind, so konnte man ihr nicht die religiösen Verpflichtungen erweisen. Aber ein protestantischer Geistlicher stellte sich am Rande des Grabes, und sagte, daß er, aus Abwesenheit eines Rabbiners, eS für seine Pflicht halte, die zahlreichen Anwesenden für ihre Gegenwart zu danken, und sprach von der besonderen Ergebenheit der Seligen für ihren Gatten. Er ertheilte zum Schlüsse allen Anwesenden seinen Segen, indem er sie in dem Gedanken der allgemeinen Bruderliebe vereinigte. Bukarest. DaS „Echo Danub." veröffentlicht das Testament unseres Glaubensgenossen Luca MoseS aus Ploechti, dem wir folgende Vrrmächtniffe^entnehmen: I. 2000 Ducaten zur Errichtung eines Gebäudes dahier in Ploechti, das den Namen Luca MoseS tragen soll und zu einer israel. Knabenschule bestimmt ist. H. 8000 Ducatcn verbleiben alö Fond dieser Schule, die Zinsen sollen zu Besoldungen der Lehrer und anderer Ausgaben verwendet werden. Außerdem überlasse ich dieser Schule noch weitere 1000 Ducaten als Fond, deren Zinsen einem braven und durch sein Betragen sich au-zeichnenden Schüler behufs Fortsetzung seiner Studien im Ausland zuerkannt werden sollen. III. DaS Vermögen meiner Frau, bestehend aus 5000 Ducaten und meiner ganzen Einrichtung, fällt nach deren Ableben ebenfalls alö Fond dieser Schule zu. IV. 1000 Ducaten, von deren jährlichen Zinsen arme Waisenkinder Unterstützung finden sollen. V. 1000 Ducaten, von deren Zinsen Holz zu kaufen und im Winter armen spanischen und polnischen Israeliten zu vertheilen ist. VI. 200 Ducaten dem rumänischen Gymnasium dieser Stadt. VII. 200 Ducaten dem Eentralhospital dieser Stadt. VIII. 100 Ducaten dem Centralcomits der Alliance Israel. zu Paris. IX. 75 Ducatcn für die Armen am Tage meines Begräbnisses. X. 25 Ducaten für den Todtengräber und andere Mithelfer. — Zwischen dem Re dactcur dcS jüdischen Blattes „Echo Danubien" ist in Bukarest und dem Director der italienischen Oper fand ein Pistolenduell statt, wobei Keiner dem Andern etwas zu Leide that und Beide nachher sich bei einem Souper versöhnten, das der Director der Oper bezahlte. Stockholm 16. Feber (Politische Gleichberechtigung.) Die Vorlage des Verfassungsausschusses, welche den christlichen Dissidenten und den Israeliten das Recht, alle Staatsümter, ausgenommen die Ministerposten zu bekleiden, so wie das Recht Mitglied des Reichstages zu werden verleiht, wurde heute in beiden Häusern des Reichstages genehmigt, ln der ersten Kammer mit 93 gegen I8, in der zweiten mit 116 gegen 58 Stimmen. Die Sanktion des Königs ist zweifellos. Warschau. (Zur Iudenemoncipation.) Eine Verordnung deS OrganisationS-KomiteS für da- Königreich Polen vom 18. Feber bestimmt auf Grund eines kaiserlichen Befehls vom 3. Feber, daß in Gemeinden, wo nur Juden wohnen, von nun an auch ein Jude zum Gemeindevorsteher (Wojt), ebenso in Dörfern mit ausschließlich jüdischer Bevölkerung zum Schulzen (Soltys) gewählt werden kann. In Gemeinden mit konfessionell gemischter Bevölkerung darf, sofern die Juden mindestenein Drittel der gesammten Seelenzahl bilden, auch ein Beisitzer (Lawnik) der Gemeindeverwaltung auden jüdischen Einwohnern gewählt werden. — Nach neuesten amtlichen Daten zählt die Warschauer Bevölkerung 189,107 stabile und 65,454 nicht stabile Einwohner, also 254,561 Seelen unter denen 70.000 Juden. Militär ist nicht einbezogen. Adrianopel. Herr CourtoiS französischer Bizekonfnl unds Herr Blount, englischer Konsul haben die israelitische Schule besucht. Sie waren mit dem, von einem jungen französtscheir Rabbiner, Herrn Felix Bloch crthcilten Unterricht äußerst zufrieden und überscyickten den Tag daraus Prämienbücher für die Schüler. Kunst, TheaterundLiteratar — Herr Engen M a n u c l. der Verfasser der „Arbeiter (les Ouvriers) veröffentlicht die zweite Ausgabe seincr Gedichtensammlung betitelt: Intime Seiten (Pagcs Intimes.') — — Unter den falschen Autographcn. welche Vrain Lu« caS Hrn. Emil ChaSleS verkaufte, befindet sich auch ein merkwürdiger Brief des Archimcdes an den Phisiker H i er o, worin er mit Bewunderung von MoseS spricht, dessen poetisches Talent und lebhafte Phantasie er besonder» — Hr. Leeointre, französischer fJngenieur, schlägt eine neue Auslegung des Durchzuges der Israeliten durch da» rothe Meer vor. Er setzt voraus, daß dieser Durchzug an dem Orte, der Sec, Amcr genannt, im Norden derothen Meeres statt fand. Dieser Scc, ehemals in Verbindung mit dem rothen Meere, wäre durch eine Erhebung des Erdbodens getrennt worden, das Wasser, das er crhi.lt, wäre verdunstet und hätte einen Rückstand eines ungeheuren SalzbecteS gelassen, worin Herr Lecointre behauptet, die Trümmer der Armee Pharaos sich befänden. Heute wird daö Salzbcet durch den Kanal von Suez durchschnitten, und löset sich auf; man könnte daher sehr leicht mittelst eine» Brunnenbohrcrö die eisernen Beschläge der Wagen der cgyptischen Armee heraufschaffcn. — Zum Besten des israelitischen T a u b st u inm e n - I n st i t u t S findet im E a r l th e a t c r am 14. März eine Vorstellung statt. Zur Aufführung gelangt„Eamelirndame" unter gütiger Mitwirkung des Fräulein Charlotte Wolter, der Herren Sonnenthal und Lewinsky. — Böhm ische Bühne. Bor ausverkauftem Hauset fand Sonntag die dritte Aufführung der Oper „Romeo a Julie,“ von Gonnod statt. Die Handlung derselben ist so ziemlich identisch mit der der Oper Moiitechi und Eapuletti und die Musik erinnert lebhaft an die von „Faust und Margarethe." Der TolRnustlcr verstand cs, die reichhaltige Fülle der Tonbilder gleichmäßig zu verthcilen und st» die ganze musikalische Schöpfung zu einem Paradiese harmonischer und lieblicher Melodien zu machen. Schon die Ouvertüre zeugt von dem französischen Geschmack und die mannigfachen Illustrationen formen die ganze Oper zu einem zusammenhängenden Gebilde. Dem Stücke geht eine Apotheose voran, in welcher sich „Julie" vom Personale umgeben zu einem malerischen Bilde gruppirt. Wir hatten in dieser Oper abermals Gelegenheit, in Fräul. Bubeniczek eine wahre Künstlerin zu erblicken, die nebst ihren hrrrlichet Stimmmitteln ein ungezwungene» leichtes Spiel manifestir Gesang und Spiel verrathen gleich bei dem Fräulein die französische Schule. Frl. Bubeniczek hat die „Julie" vollkommen erfasst, ihre Liebe zu Romeo wird zu einem förmlichen psychologischen Bilde. Dir Leichtigkeit in ihrem Gesänge, die schmelzreiche Eoloratur unterscheiden sie von den Gewalt anlegenden Sängerinnen, die zu den künstlichsten Mitteln Zuflucht nehmen. Ihre eminente Leistung wurde mit stürmischen Applaus und einem Lorbeerkranze ausgezeichnet. Der Romeo verlangt einen ganz jugendlichen Darsteller, der die Liebe noch nicht vergeffen hat, und mit der ganzen Leidenschaft, die erotischen Empfindungen gegenüber Julie zu Tage fördert. Ist Herr LukcS auch ein routinirter Künstler, der im Spiele, uin mit dem Dichter zu sprechen, Kunst mit Natur verbindet, so finden wir bei seinem Rome» die Kunst viel zu'vorherrschend und seinen Rome» nicht al»

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