Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 10 (4.2.1870) [ 4. März]
- Date
- 1870-02-04
- Page
- Seite 100 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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1 100 — den, wie sich ihn schon Shakespearevorgestellt hat. Es ist wohl dem Darsteller zu entnehmen, daß er sich bemüht, «in Romeo sein zu wollen, allein er will enur sein und bleibt immerhin hinter den Erwartungen zurück. Eine köstliche Leistung bot Herr Eebcsta in seinem Mercucio; Spiel und besang gehen bei diesem routinirtcn Sänger Hand in Hand. Auch Frl. HanuS ist erwähnenSwerth. Tic Darstellung im Allgemeinen war eine «vorzügliche zu nennen, die Ehörc waren präci-. Daö Orchester ist einer so lieblichen Musik würdig, wie denn auch die musikalische Leitung de- Herrn Kapellmeisters Smetana eine excellente ist. Vom Lücherlische. 7I^7>7> ''"v» — Gelegenheits-Gedichte von Aron Tornzweig. (Lemberg l 8t!^) _DorUegcnbeS Merkchen^ des mit manch—schönen Produktivitätcn aus dem Gebiete der neu hebräischen Literatur so oft begegneten, wie überhaupt dem Lesrpublikum jüdischer Zeitschriften vorthcilhaft bekannten Hrn. Dornzweig, zeichnet sich durch die Gediegenheit der Diktion und Sprache sowohl, als durch die tresslichcn und sinnigen Original-Gedanken anf s Löblichste aus. Mit wahrhaft schönen, poetisch geschmückten Versen, schildert nnS der junge, talentvolle Dichter u. A. die vorzüglichen berühmten Leistungen der „Alliance israclite universelle“ in Paris und des ehrwürdigen Sir Moses Montefiore in London, und trotz mancher detaillirtn, zur Verunzierung der Gedichte hineingeschlichener Fehler, die thrilS vom Autor selbst, meist aber von den hierortigrn, nur allzuoft getadelte«, leider aber noch immer existirendcn unkorrekten Schristsetzercicn und Buchdruckercien herrührrn, so dürfte doch das eben besprochene Werkchen, bei allen Gönnern und Freunden der ebräischen Poesie eine günsti ge Ausnahme und würdige Anerkennung finden. Indem wir uns schließlich zu bemerken noch erlauben, daß derselbe Verfasser erst vor Kurzem eine neue, mit einer ziemlich kur; gefassten Biographie de« berühmten Prosaikers S. Bloch versehene Edition der „Sch’wile Olam“ veranstaltet hatte, scheiden wir von ihm mit dem Wunsche, sein zu Ende des Nachwortes erwähnte größere Drama — recht baldigst an'ö Taglicht zu fördern. L. J.... 6.... Lemberg, im Februar 1870. M i ö c e l 1 e n. X Nahe an der Höhle Machpelah ist, wie der Llbatoti meldet: rin altes Gebäude, das, wie man glaubt, Köig David errichtet haben soll. Seit 200 Jahren wird cs cht mehr bewohnt. Gegenwärtig werden von Seiten hochangeskhencr Israeliten mit der türkischen Regierung Unterhandlungen gepflogen, um dieses Gebäude zu erwerben und «s zu einem BelhauS rinzurichten. Es wäre dicß für die Israeliten Hebrons und für alle Fremde, die auf den Gräbern der Patriarchen beten wollen, um so angenehmer, als die Muhamrdaner bisher alle auf-Ucscm Platze betenden Israeliten schrecklich verfolgt, sic mit Steinen geworfen und trvtzd.m nachher eine Abgabe verlangt haben, X (Et n e gefährliche Rc i sc.) H crs ch. Nu Herr Meyer, sind Sie nicht auch ä Bissel mit in Egypten gewej sei,? Meyer. Nein. Hören Sr, man soll nicht sagen, was 'ne Sache ist. Ich Hab' crscht wollen mit, aber ich Hab' mer's überlegt; denn ich Hab' so kalkulirt, was machst Du, wenn sich noch irgend wo meldet ein Nachkomme vun Pha-> i rav, und verlangt vun mer zurück das Gold un Silber, - wos mri Großvater sei Großvater nach dem gelobten Lande mitgennmme Hot? Gott über de Welt! wothät ech ofange. Her sch Nun freilech, doi hobben sie Rächt. X (U e b e r Ludwig Börne.) In L a u p h e i m (Württemberg) lebt im Ruhestand der israelitische Schullehrer Simon Tannenbaum, geboren 1789 in Mergentheim, der 40 Jahre in Laupheim als Lehrer wirkte und seit 1863 den wohlverdienten Ruhestand genießt. Derselbe ist ein Vetter Ludwig Börne's und lebte in seiner Kindheit mit Ludwig Börne theilS in Mergentheim theilS in Frankfurt im großelterlichen Hause zusammeu. Ihm verdankt man folgende Notizen über seinen Vetter Lndwig Börne, der nur fünf Jahre älter als er war. Allgemein bekannt ist, daß Börne 1784 zn Frankfurt a. M. als Sohn jüdischer Eltern geboren wurde; dessen Vater Jakob Baruch betrieb dort ein Wechselgeschäft, Börne's Großvater. Baruch Simon, war in Oedheim bei Heilbronn geboren und war GcschäftSagent bei der DeutschordenSkommenthurci in Nekarsulum. Die Familie erwarb sich durch ihre Geschäftsgewandtheit und Treue solches Zutrauen, daß sie nach Mergentheim an den Regierungssitz dcS Deutschordens, in die Residenz des Großmeisters, berufen wurde und auch nach dort übersiedclte. Als Maximilian Franz Xaver, Erzherzog von Oesterreich, der Bruder des Kaisers Franz, 1784 den erzbischöflichen Stuhl bestieg, der als Hochmeister des Deutschordens die treuen Dienste des Baruch Simon in Mergentheim erprobt hatte, zog er diesen an seinen Hof nach Bonn. Dessen Sohn Jakob Baruch hatte sich schon früher nach Frankfurt a. M. verheiratet. Die übrigen Glieder der Familie blieben noch in Mergentheim wohnen und hatten dort ein stattliches Haus, das jetzige RabbinatShauS, erbaut, das noch jetzt am Portale die Anfangsbuchstaben der Erbauer, Böne'S Großvater und Großonkel, der Brüder Baruch und Moses Simon „6. 8. und M. S.," trägt. Der Gewährsmann. Herr Simon Tanuenbanm ist der Enkel dieses MoscS Simon. Baruch Simon in Bonn wurde von dem Erzbischof mit wichtigen Aufträgen an den k. k. Hof nach Wien betraut. Als 1794 der crzhcrzogliche Erzbischof von den Franzosen vertrieben wurde, flüchtete sein Hofagent Baruch Simon in seine alte Heimat Mergentheim, wo er das jetzige RabbinatShauS bewohnte. Damals weilte der Enkelsvhn Ludwig Börne, der als Knabe den Namen „Inda Löw Baruch" trug, einige Jahre bei den Großeltern in Mergentheim im gleichen Hause mit Simon Tannenbaum. Am AnSgange deö vorigen Jahrhunderts, als nach der französichcn Revolution die staatliche Ordnung wicdcrkchrte, zog Baruch Simon von Mergentheim wieder nach Bonn und schenkte seinen HauSantheil an die israelitische Gemeinde in M. und diese erwarb erst vor kurzer Zeit die andere HanShälfte von der Börne'schen Seitenlinie durch Kauf. Bei dem Juden war es althergebrachter Brauch, daß man den Vornamen dem Namen des Vaters nachsctztc: so nannte sich der Sohn des Baruch Simon „Jakob Baruch," welchen Ludwig Börne's Vater war. Dieser aber wandelte seinen Namen „Juda Löw Baruch" in „Ludwig Börne" um. Als im Jahre 1828 die Israeliten in Württemberg gesetzlich angchalten wurden, sich Familiennamen bciznlcgen, wählten die Vetter Börne's in Mergentheim den Namen Tannrnbaum, weil auf den Grabsteinen der Familicugljeder als Familicnabzcichcn ein Tannenbaum eingemeißelt war. Simon Tannenbanm kam als Knabe in die Talmudschule nach Frankfurt und wohnte hier wieder bei seinen Verwandten mit Ludwig Börne, seinem Vetter Zusammen. Der Gewährsmann ist ein rüstiger, gcistesfrischer Greis, der von Börne's Jugendjahrcn Manchezu erzählen weiß. Vielleicht gibt diese Mitthcilung die Anregung, daß in Mer« gcntlieim eine Gedenktafel an Börne's Stammhaus eingesetzt wird. Fortsetzung in der Beilage.