Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1870-02-04 · 10 (4.2.1870) [ 4. März] · p. Seite 98

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
10 (4.2.1870) [ 4. März]
Date
1870-02-04
Page
Seite 98 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4890378-5433916-5434014--572-4890890
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

I 98 r %* I, im Verfassungvorreinr der Deutschen (Juden) fa Döhmen handelte rS sich letzthin unter Anderem auch um «Ine an da- Ministerium'zu richtende Petition wegen Aufhebung deS ZeitnngSftempelS,. der Inseraten- und AnkündigungSsteüer. Kuh wieS auf die Rothwendigkeit der Aufhebung hin und begründete dieselbe in markanten Zügen, während ein gewisser Fischet die Debatte zn einer förmlichen Hetze gegen die rationale Partei benützte. Dr. Raudn itz will Waffenschmied werden, Fischet will anstatt Aufhebung deS ZeitungSstempelS Aufhebung des GeichwornengerichtS, Dr. Frank will Bademeister sein und eine Trambuline errichten, um ans einmal in das FrcihritSwasscr zu springen und Wolf wollte nur sprechen, Schwab wollte auch sprechen. Die Knh, Fischet, Wolf, Schwab dürften bald den Impuls zur Gründung eine» Vereines für Naturgeschichte der Deutschen in Böhmen bilden. i *** Bürgerschule. Frau Pauline Sommer grb. Dormitzer hat zu ihrer Hauptschule, noch das Recht erhalten, cinedreiklossige Bürgerschule für Mädchen zu errichten. predigerpoflen. Die Zahl der um die, durch den Tod des unvergeßlichen Mcisel erledigt gewordene Stelle eines Predigers in Pest sich Bewerbenden, von denen der Vorstand in seinem ausgeschriebenen Konkurse „Ausgezeichnetes" verlangt, übersteigt die Ziffer HX». Merkwürdig daran ist, das? doch nur (5 i n e r ausgezeichnet sein wird, llntrv den Bewerbern befindet sich auch der Prediger der hiesigen Klausshnagoge. *** Lalembourg. Bon dem kürzlich in Warschau verstorbenen Rabbiner Bär MciselS erzählt man sich folgenden Witz. Als er nämlich seiner Zeit im Kblinsicrer Reichstag seinen Platz auf der sinken einnahm und von dem damaligen Minister befragt wurde, warum er der Linken angrhöre, antwortete er schlagend : Weil die Juden keine Rechte haben. Inland. Dir hiesigen Juden als Steuer)ahlcr. Der „Politik" wird ans Hont folgendes berichtet: Als Steuerobjekt waren die Juden zu allen Zeiten und in allen Landen rin gesuchter Artikel und rS bedurfte großer Anstrengung von Seite der alles nivellirrndcn Zivilisation, daß auch in dieser Beziehung die AuSnahniSstellnng behoben, und die Juden den übrigen Staatsbürgern gleichgestellt wurden. — Und doch sind die hiesigen Inden seit Jahren mit einer „Extra"-Steuer belastet, welche eben so ungerecht als drückend ist. — Dieselbe datirt ans der Zeit der Ausshcbung der k. k. KrciSümtcr in Böhmen. Trotzdem, daß fänimtlichc k. k. KrciSbcamten, als politische Brhötde in Folge gesetzlicher Anordnung längst zu funktioniren ausgchört haben, besteht noch in Böhmen als Anachronismus das jeder Wirtsansteit baarc KrriSrabbinat fort, welches als Slmarozerpflanzc den jüdischen Kultus (Gemeinden anhaftrt und den Cirnrrsückcl derselben, in Folge anfoktrohirtcn Machtsprnchrs der damaligen KreiShauptlcntc, schwer belastet. - Als Brrmittlnngs.Drgane der k. k. Behörden den israelitischen Kultus Gemeinden gegenüber längst schon zu den überwundenen Standpunkten zählend, gcrirtcn sich bis nun die Krcisrabbinrr als AnfsichtSorgane der jüdischen BolkSschnlen, und beanspruchten in diesem Sinne den Fvrtbrzng ihres Erhaltes von den jüdischen Vakal Gemeinden. — Mit der Aklivirnng des neuen BolkSschnlgcsrtzcS ist auch dieser letzte Schein einer Fnnktionirnng für die Kreisrabbinatc entfallen, während für die (Gemeinden neue und nicht unerhebliche Gcldopfrr er wuchsen. — Ans den eben angeführten Gründen verwahrte sich auch die hiesige KnltnS- Repräsentanz in einer Eingabe an die k. k. Statthalter« gegen die sirnerc Forterhebung dieser KreisrabbinatSsteuer, und hat auch dir Auszahlung derselben pro 1870 sistirt. — ES verdient noch der Erwähnung, daß diese Steuer bisher vom I f. Eteurramtk hier nach der direkten Steuer vertheilt und eingehoben wurde, dieselbe also als k. k. Steuer Geltung hatte. — Zu Nutz und Frommen jeder israelitischen Gemeinde, welche mit derselben „eisernen Kuh" belastet ist, werden wir nicht ermangeln das Resultat seiner Zeit der Oeffentlichkeit bekannt zu geben. Wien. Der Vorstand der öffentlichen israelitischen VolkS- und Vereins-Hauptschule Talmud-Thora (erste israelitische Armenschule) veröffentlicht den Jahresbericht für das Schuljahr 1868 — 69, woraus wir hervorhrben, daß an dieser Schule 258 Schüler in allen Normalfächern und der Re» ligion, wovon 152 unentgeltlich Unterricht genossen und letzteren die Armenbücher durch die n. ö. Statthalter« abgegeben wurden. Die Ausgaben für die Schule beziffern sich mit 7248 fl. 45 kr., welche durch Jahresbeiträge, Spenden und theils durch Schulgelder, 1142 fl., eingcbracht wurden. Die angeregte Idee, auch für Normalklassen, eine Schülerbibliothek anzulrgcn, ist eine sehr glückliche, nur muß diese Schule an die Mildthätigkeit appelliren, da ihr die Mittel fehlen, Bücher zu kaufen. — (Preßprozcß vor dem obersten Gerichtshöfe.) In dem vor dem Geschwornengerichte durchgeführten EhrenbeleidigungSprozesse deS Professors Dr. S t o v i z a n s ki gegen den Gutsbesitzer LadiSaus DombSki kam eS gestern vor dem obersten Gerichts-^ Hofe zur Verhandlung über die Nichtigkeitsbeschwerde, welche der Angeklagte gegen das Urtheil des GcfchwornengerichteS übcreicht hatte. Der oberste Gerichtshof verwarf die Nichtigkeitsbeschwerde. Der Prozeß ist in juridischer Beziehung von hohem Interesse, da in demselben sehr wichtige prinzipielle Fragen berührt wurden. Der oberste Gerichtshof entschied Folgende-: 1. Die Eidesformel der Geschwornen ist für alle Religions-Bekenntnisse eine gleiche, Kruzifix und Thora kommen nicht in Betracht, eS genügt das Aussprechen der Worte: „Ich schwöre." 2. Bezüglich der VerjährnngSfrage haben die Geschworenen über die Umstände, welche die Verjährung bedingen, zu entscheiden, über die Frage jedoch, ob die Verjährung wirklich stattfindet, soll der Gerichtshof uriheilen. — Sr. Majestät der Kaiser hat dem wegen des Verbrechens des Betruges zn einem Jahre Kerker verurthriltrn Dr. Juris Josef Kohn von Aussce in Mähren eben auch den Strasrrst (2 Monate) in Gnaden erlassen, welcher am 5. d. M. aus derselben Strafanstalt auf freien Fuß gesetzt wurde. Ausland. Pari«. Herr Carl'Haas wurde zum Inspektor der schönen Künste und Herr Isidor Dreyfußzum Verwalter der Sparkassa ernannt. — Hr. Hohem senior erhielt ein Ehrendiplom bei der allgemeinen Ausstellung in Altona; die Herren Vton und I. Lcvh, Stcrcoskopcnsabrikanten die goldene Medaille und Herr Haas jun., Uhrenfabrikant aus Besancon die silberne. — Aus der, in der in Paris am 3. v. M. ftattgrfundenen Generalversammlung der Alliance Israelite Universelle gehaltenen Rede ihres Präsidenten Errmirux heben wir folgenden Passus hervor: „Der Fortschritt der Alliance ist vor Aller Augen. Unermüdlich verfolgt sic ihr Ziel. Wir thun nicht nur das Mögliche — das wäre wenig — sondern auch das Unmögliche für unsere unterdrückten Glaubensgenossen. So lange noch ein Jude leiden wird, wird auch stets ein Glaubensbruder zu seiner Hilfe bereit sein. Besser als Andere weiß ich es, daß man Prozesse gewinnt und auch welche verliert. Den unscrigcn werden wir gewinnen, denn wir plaidirrn für die Humanität. Wir werden siegen — selbst in Rumänien, Bratiano, der Verfolger ist gestürzt. Ihm folgte Cogalnischrano, der Verfolger — auch er wird fallen! Herr Daru, unser Minister deS Auswärtigen, hat mir versprochen, sich mit sämmtlichcn Mächten Europas in Einvcrnehm:n zn setzen, um identische und energische Noten an das rumänische Ministerium zu richten. Die Alliance vereinigt die Juden der gesammten Wclt. Bei unserer neulichrn Anwesenheit in Ber-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.