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Die Gegenwart · 1870-02-04 · 10 (4.2.1870) [ 4. März] · p. Seite 97

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
10 (4.2.1870) [ 4. März]
Date
1870-02-04
Page
Seite 97 (sequence 5)
Language
German
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I — »7 — tat letzterer: Meine Herren! Sie werden überzeugt sein, daß mir nichtferner liegt als unwürdige Komödie zu spielen,*) und eine Resignation zum Scheine zu constatiren Ich gehöre nicht zu den bescheidenen Leuten, dir ihre Kraft unterschätzen, ich w.'ih mich selbst zu prüsen, und habe wohl erwogen, dah für diese» Posten meyr eine vermittelnde coneiliatorische als eine etwa« streitige Natur nothw'ndig sei. Audiesem Grunde würde ich glauben, daß die Wahl qlük.iher gewesen, wenn sie auf Jemand gefalle» wäre, der vielleicht bis jetzt noch nicht in dem Grade den verschiedenen oppositionellen Prrteien im Lande io stark bemerkbar wäre. Da ich aber in dieser m iaer Ueberzeugnnz b'barre, so kann ich meine Resignation nicht zurücknehm-n. Es wird die W hl erneuert. Hr. Dr. Raudnip wird (wunderbarer Weise d. R.) wieder gewählt. Dr. Raudnitz: Nachdem die Herren mich zwingen,**) gegen meine besiere Ueberzrugung mich dem Amte zu unterziehen, so gebe ich Ihnen meine Herren die Versicherung, daß ich in der Form milde, in der Sache aber nichtnachgeden werde. Vorsitzend. dankt dem H. Dr. Raudnitz im Namen der Repräsentanz für die Annahme der Wahl. Auf der Tagesordnung steht die Eingabe des SynagoqenratheS der Mciselsvnagoze beerest» der Darstellung der finanziellen Berhältnisie, mit der Bille um Abhilfe. Dieselbe wird vom Vorsitzenden verlesen, und schildert in schauderhafter Weise die materiellen Zustände der Svnazoge» welche bereits so de« Geldes bar ist, daß den Svnagogenbediensteien der Gehalt für den nächsten Monat nicht mehr anSgezahlt werden kann. Der in de» Svnazogenrath neu gewählte Easiier H. S ilom. Ederer hat bei Einsicht in solche Pekuniäre Berhältnisie auf seine Stelle resignirt, da auch die für das laufende Jahr zu entrichtenden Sitzgebührcn bereits im Vorhinein erhoben »nd schon verausgabt sind. Zudem ist H. Dr. Stein, desien Gehalt die Hälfte der Revenuen absorbirt, wegen der von dem früheren Snnagogenrathe unterlasienen Kündigung definitiv angestcllt, und e« kann zu einer Reducirung seines Gehalte» nicht geschritten werden. Ein solches Gebühren findet der Svnagogenrath mit dem Begriffe einer ordnungsmäßigen Verwaltung nicht vereinbar, indem cS etwas Hervorrust, da« bereit« ein getreten ist. nämlich ein Falliment. Gegenüber diesen mislichen Verhältnisien stellt der Svnagogenrath die Bitte im Interesse de« GesammtkultuS die Synagoge der bedrängten Lage zu enthebe», ohne irgend ein Budget, Ausweis über Einnahmen und Ausgabe» vorgelegt zu haben. Dafür stellen die Herren folgenden Antrag: Eine löbl. Reprä fentanz w o ll e Hrn. Dr. Stein zum Oberrabbiner der ura g. C u lt. Ge m e i u d r r rn en ne n, welche Ernennung das zur Folge haben würde, daß sich Hr. Dr. Stein mit einem kleineren Gehalte von Seite der Meifelsynazoge, so wie auch von der Gemeinde begnügen würde. Der Synagogenrath besteht aus folgenden Herren; Dr. Jona« Spiegel als Vorsitzender, Eduard Schreier, Salomo» Eoerer Kasiier, I. Bejkovskv, Leopold Wolf, B. A. Wien, S. Thorsch, Jos. Reitler. Vorsitz.: Ich erlanbe mir zu constatiren, daß auf diese« Petitum einzugehen, in keiner Weile möglich ist, da eS aus etwa« lautet, waS mit der materielle» AnShilse in keiner Verbindung steht, nämlich die Ernennung deS Hrn. Dr. Stein znm Oberrabbiner. Gleichzeitig geht rS aber auch nicht an, daß man einen solchen Zustand der Dinge in der Geineinde anstehen laffe, ohne daß die Repräsentanz mit aller Energie bestrebt ist, demselben einen Abbruch zu thun. Ich beantrage daher, daß rin Eomite, bestehend au» 3 Mitgli-dern niedergesetzt werde, welches den derzeitigen Stand der Bücher, das Präliminare und da« Deficit zu prüsen und in der nächsten Sitzung detaillirt darüber zu referire» hat. Schitz: Ich muß gestehen, daß ich mit dem Eomite von Seite der Repräl. nicht einverstanden bin. Eü erscheint mir diese Eingabe g:< wissermasien eine Petition um Ernennung de« Hrn. Prediger Dr. Stein zum Oberrabbiner der pragcr EultuSgemeinde zu lein; etwas Andere» lese ich nicht. Daß es mit den Finanzen schlecht bestellt ist, haben sie erzählt, ohne e» durch ziffermäßige Daten ihatsächlich nachzuweisen. Auch auf daS Petitum selbst einzngchc», scheint mir gefährlich, weil dann sämmtliche Synagogengemeinden, wenn sie voraussichtlich hohe Gehallt gewähren, obne daß im nächsten Jahre die Einnahm'» die Ausgaben decken, der Gemeinde zur Last fallen würben. Ich würbe damit einverstanden sei», daß rin Eomite ernannt werde, das erst dann zu bera then hat, wenn der Synagogenrath ein klare» Bild dessen vorgelegt, was er eigentlich will. Den» es srägt sich, ist ein Dcfirit vorhanden, wie ist e« entstanden, wie glaubt der Svnigozenral!,, daß e» zu decken wäre und in welcher Weise soll und kann die Repräsentanz behilflich sein. Diese Fragen müsien klar beantwortet nn« vorgelegt werden, bevor wir an« Werk gehen. Vorsitz.: Diese Fragen zu lösen ist dock Sache der Eommi'i on selbst, da sie quasi um Aushilfe aniuche», in Wirklichkeit aber die Geldfrage mit der separaten Rabbinersrage verschmelze». Ich glaube, e» wird sich genug Anlaß finden, auf den Vorschlag zurückzukoiumen, der seiner Zeit von der Repräsentanz gestellt wurde. E» ist dringend an der Zeit, daß eine Eoinmissio» Niedergesetz« werde, welche die Sachlage reisiich »ntrrsucht. Wen» die Herren sagen, e« ist kein Geld vorhanden, so ist der Stand der Dinge erklärlich, indem die Hälfte ihrer sämniilichen Reoenuen aus den Prediger enifaUen; daher da» constantr Deficit leicht er klärlich ist. Es soll daher die Aufgabe der Eommisiion sein, sämmtliche Daten sicherzusttllen, damit dann eruirt weroe, auf welche Weise abza- *) Nur standhaft Herr Doktor, nicht gewichen, drmit keine unwürdige Komödie herautkomme. (Der moderne Mephisto.) •*) Aber Herr Doctor mer möchten fegen, ob sie aner zwingen könnt' «S t« a wahre« Gfreit (D. Red.) helfen sei. Dr. Raudnitz bekräftigt den Antrag de» Vorsitzenden, inde» er nebst diesem schmähl'che» Deficite auf alte Schulden hinweift, welch« durch die vorhandenen Theiihäuser gedeckt werden mäßen Wo« die Radbinerfrage anbelaugt, glaubt Hr. De. Raudnitz würde c» nicht schwer sein, baß eine andere Gemeinte, we in sie leitt» fertig in Verpflichtungen eingeganzen ist. denen sie zur Zeit ui.bi »achkommen kann, ihren Prediger zum 2. Rabbiner der Gemeinde anbieiet. Aus diesen Rücksichtea rmxsiedlt sich der Antrag de» Borntzende». Auch H Dr. Wiener ftimiM mit dem Antrag desielde». Die Wahl der EommiisionSmttzliedcr wlltz dem Vorsitzmden üderlasie». Wochenchronik. V In der am 2S. v. M. abgehaltencn Sitzung der Stadtverordneten-Kollegiums wurde der Stadtralh Herr Frau; Dietrich zum Bürgermeister der königlich.-» Hauptstadt Prag gewählt. Herr Dietrich hat die Wahl angenommen. V Ausweis. Der Verein zur Unterstützung nnbemittettcr isr. GewcrbSlciitc hat seinen Ausweis der V.'ru»ögcn-gcbahrung für das Jahr lrt'H» veröffentlicht, dem gemäß sich die Einnahme auf 1>4S fl. (>r> fr. die Ausgaben auf 74Z si. 48 fr. belaufen. Der Vermögensstand enlfpricht der Summe von 188Z fl. 24 kr. Der Verein zählt 427 Mitglieder. *** Cirrularnote, Die Eirenlarnote der ifr. Armenkom- Mission kann bereits als ein verunglücktes Erpcrim.nl betrachtet werden, da die meisten EnUilSgemeindcmitglicder von der Ansicht anögehcn. über ihren B.'ltelfond selbst zu verfügen. Im (Ganzen haben sich I.st Parteien angemcldet. zu diesen gehören zum Theile Mitglieder der EnllnS-Rcpräsen» tan; und Armenkommission, znm Theile Trabanten derselben. Wie cS verlautet, geht die Kommission mit einem zweiten Plane um. den sie aber nie auSsa.zen wird. Nah einer andern Version will sie sich an die Repräsentanz mit der Bitte wenden, einen Thcil des ehemaligen Zudensteuer Massafondeö zur Erclrnng eines Fondes für ^unverschämte Arme" zu verwenden. *** Nesignation und Annahme. Ans antentischer Quelle erfuhren wir, daß Dr. Randnitz auf seine Wthl in den BezirkSschulrath resigniren wollte, weil er nachträglich ringesehen, daß er sich zu einem solchen Posten nicht berufen fühle. Zu diesem Zwecke sollte den darauf folgenden Sonntag eine Sitzung der Repräsentanz rinbcrnfen werden, in welcher die Resignation zur Verlesung kommen sollte. Allein Dr. Raudnitz denkt und Easfee Zorenz lenkt. Raudnitz ward gezwungen, damil'S a Hetz gebe, die Resignation znrückzuziehcn, die Sitzung der Reprästnt. wurde auf den l. Mär; vertagt und die Komödie ging loS. *** Zur Resignation des I)r. Nandnih. 26ic sehr die Mitglieder der jüdisch deutschen Eligue harmonisch und nach denselben (Grundsätzen zu Werke gehe», beweisen die Zurückziehungen der Resignationen. Am August v. I. vor der Marienbadcr Reise hat Herr (Gustav Sh:tz. Mitglied der Handelskammer und des deutschen Easino als Mitglied der CultuS-Reprüsenlanz resignirt, am l.'». Lepleuibcr desselben Jahres »acl» der Marirndader Reife sie Resignation zurückgezogen,' am l. November v. I. hat Herr Dr. TedeSco ZandcSausschußbeisitzer unb Ni itqlied d e S deutschen Easino als Vorsitzender der Enltnsrepräsentanz resignirt und fünf M nuicil später chic Nesignalion zurückgezogen, am I. d. Ri. hat Herr Dr. -Raudnitz Vaiidlazsabgcorsncter und Mitglied des d c n l s ch c u (5 a s i» o aas seine W,hl in den BezirkSschulrath resignirt u») sechs rin halb M nuten später die Resignation zurückgezogen. Wer muß da nicht resignirt sei», diese FaschingSsluckc mit anzusrhe»? *«* Zahlungoeinllrllung Die hiesige Meiselsyuagoge hat die Zahlung eingestellt, so zwar, daß der Vorstand am 1. d. M. nicht i» der ä^age war, die Synagogciibcdic,»steten dir , Gehalte auSzubezahlen. r

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