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Die Gegenwart · 1870-02-04 · 10 (4.2.1870) [ 4. März] · p. Seite 96

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
10 (4.2.1870) [ 4. März]
Date
1870-02-04
Page
Seite 96 (sequence 4)
Language
German
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96 haben, an die jüd. CultuS-Repräsentan; die Anforderung zu stellen, daS moralische und materielle Deficit mit der Anstellung ihres Predigerzum Oberrabbiner der prager Ju- ,L>engemcinde zu decken I Was dachte sich denn dieser Borstand, ' bevor er um Hilfe ries? Warum war er grausam genug, dem Hilferufe der S»)nagogcnmitglicdcr seiner Zeit nicht Gehör zu geben? Glaubte er wirklich, die Sünden des Vorstandes müssten an dem dritten und vierten Geschlecht der ganzen Gemeinde geahndet und dieser sollte ein Obcrrabbiner anfgedrungcn werden, weil die Meisrlsynagvgc in schwere Röthen gekommen ist? Warum bericth sich dieser Vorstand nicht zuvor mit seinem Intrignantcn, wenn schon der eigene Rath Verlegenheit bereitete? Hoffentlich wird die Repräsentanz diese» HilfSgesnch für einen unzeitigen Scherz ansehen und sich von persönlichen Rücksichten nicht leiten lassen, >lm so jeder andern Synagoge ein warnende» Erempcl zu bieten, die an einem schönen Tage ihren Prediger zum zweiten, dritten und so und 'so vielten Rabbiner gemacht haben wollte. Run Ihr Herren Financiers seht Ihr nun, wie weit Kastengeist und Protektion c» bringen, Ihr habt die Speisen zubcreitct, genießet sic nnd rettet wenigsten-, wenn Ihr sonst so groß thut, mit Euerer Tasche de» Ruft- Mkiselsiinagogc 2.',»«> sl. einem Prediger überhaupt zu zahlen »ich» im Stande ist. so sind noch andere Gründe vorhanden, ivelche geeignet sind, der Spnagoge ihren Verfall in Aussicht zu stellen. zD. Red.) ' Rede eines Freimaurers bei Eröffnung einer Freimaurerloge. Würdige Brüder des jüngst sich erhebenden Ostens Orden bürg! — Deutet nicht übel geflügelte Worte de» redenden Bruder» — Der e» jetzt wagt an Euch sich zu wenden in ernstester Rede. — Vielfach ertönt cS: Schwach ist der Körper, doch stark ist der Geist — Oder, so frag ich Euch an, wa» vermag denn der Geist ohne Hülle, - - Körper genannt oder Form, wa» zur Sache fast Gleiches bedeutet? — Rieht», so wag ich die Antwort zu geben dem forschenden Frager. — Bist du im Stande auch irgend nur etwa» im irdischen Kreise — Treu und wahr zu erkennen ohn' deutelnde Form ihm zu geben?—Wend'ich nun diese so klar zu begreifende Worte und Sätze — Ans uns selbst und auf das, wa» wir wollen nnd ringen und streben — Ruhig und ernstlicher an, so crgiebt sich die stärkende Lehre: — Maurer auch du unterwirfst dich den vielfachen Regeln und Formen Ganz und frei wie du lebest und webest als herrlichste- Wesen — Denn auch für dich hat Schranken gesetzet der Meister der Welten, — Dcßhalb umgab er den strebenden Geist de» irdischen Menschen — Mit der zerbrechlichen stille als Prüfstein zu edlerem Ziele. — Wir auch haben un friedlichen Kreise der liebenden Brüder — Mancherlei Formen gewählt, zu erkennen den wirklichen Bruder,— Heilig seien sic un», sonst wanket und schwanket unser Streben — Gleich wie da» Streben der außer uns stchciidcn, ringenden Menschheit. — Geist der Alle» dnrchdringet und belebet, er ist für un» Alle, — Mächtiger Meister, 'der Bauer be» unermeßlichen Weltall»; — Glicht' so wird er benannt vom Profaneu Lülude de^ Me,,schheit. — Bibel, sic heißt un» ein Licht, zu erleuchten die dunklen Pfade, — Pfaffen sie wenden sic an, um zu verdunkeln die Sinne >cr Menschen. — Beide» sind Forme», doch nur wer forschet wird Wahrheit hier finden — Zirkel, er will, daß all unser Thun nnd redliche» irdische» Streben — Gleich wie der Kreis die nämliche Ferne vom Punkte der Milte — So auch die Thatrn de- Maurer» die nämliche Ferne vom Unrecht — Und auch dieselbige Nähe zum Rechte sich überall finden. — Mensch nur und Mensch, das ist da» wirkliche Zeichen de- ManrcrS — Darum gebraucht er das Maas des Winkels bei jeglicher Handlung — Ohne zu fragen: Bist Christ du, bist Jude bist Türke? — Bist Mensch du — Das ist die erste und größte von sämmtlichen Fragen de- Maurer». — Recht und Gesetz und eS wird verwaltet von jedem der Brüder. — Doch der Meister vom Stuhl, er genießet vor Allen den Vorzug — Frei erwählt durch die Schaar, sie zu lenken und leiten gesetzlich. — Nach dem Gesetz, das sich machten die sämmtlich verbundenen Brüder — Treten sollst du nur ein, nachdem du die dreimal drei — Richtig erkannt und mit dein Finger die Zeichen gegeben — Ob nicht ei» Falscher du seiest, der suchet die Näthsel des Leben- — Rasch zu erspähen ohn tiefere Kcnntniß und Forschung de» Menschen. — Hand an dem .... sie sott dich mahnen von Allem zu schweigen — Was das Her; des Bruders dem Herzen des Brudervertrauet. — Schweigen es wird nur hier in den Hallen der Brüder gefunden. — Auch der Nam' und das Alter, da» Setzen der einzelnen Füße — Alles daS ist von Bedeutung und tieferem inneren Sinne. — Laße doch nie von. dem Blendwerk der äußeren Menschen dich täuschen — Welcher nicht kennt das, was wir erstreben und muthig erhoffen.— Nämlich die Wahrheit: Ein Gott ist uns allen vom Himmel gegeben — Wenn wir ihn ernstlich und redlich im innern Busen erwärmen und nähren — Ist nun dieseder Fall, so crgiebt sich die weitere Lehre: — Bist du ein Maurer aus innerster Seele und wahrer Bedeutung. — Wirst das Gute du thnn, ohn' Rücksicht auf irdische Löhne, — Wirst das Böse du meiden, ans.männlicher reiner Gefühlspflicht — Das nur gewinnst du im Kreise der pflichtcrkennenden Brüder, — Kein Verein in der Welt er eröffnet dir ähnliche Bahnen — Christ oder Iud oder Türk oder Heide, er thut nur das Rechte — Weil ein Gewinn ihm winket, ein irdischer oder ein ewiger. — Ist nun dieses der Fall, o so schließe sich fester und fester — Bruder an Bruder, damit sich die weit und ringelnde Kette — Dehne von Osten nach Westen und hin von Süden nach Norden — Wahrheit und Schönheit und Kraft, sie wird uns vom ewigen Meister — Sicher nicht mangeln, wenn innere Kraft und äußerer Wille — All' uns bescllt, die wir ringen nach vor uns schwebendem Ziele. — Muthig also voran auf der Bahn, die den Menschen beglücket — Nicht gescheut vor Gefahren und Mühen des irdischen Lebens; — Schön ist der innere Lohn nach glücklich vollendeter Laufbahn — Ob ich ihr Brüder vom Herzen zum Herzen gesprochen, — Kann ich nicht wissen, doch nehmt statt der Thal den freundlichen Willen — Somit schließe ich mein Wort, und cmpschlc mich herzlich Euch Allen. Oeffenttiche Sitzung der isr. Cult.-Gcm. - Verwaltung abgchalten am 1. Mär; 1»70. Anwcirnb dir Herrrn: Georg Frigl, Fischt, <3. St. Flankt, Kohn, .11'1‘r. r'aich, I)r. Raudnitz, G. Schi», Schwab, Singrr, vr. Tedesco, Ungar, Prof. 1>r. Wrssclv, r>r. Wiener, Zappert. Abwesend die Herren: l»r. Gitschin Plohn, v. Portheim, I)r, Pribram, Die Sitzung wird vom Vorsitzenden um '/,6 Uhr mit folgenden Mitiheiliingen eröffnet: Der Vorstand der BeerbigungSbrüderschaft hat in der heutigen Sitzung beschlossen, daS Gesuch der LulluSzeniciude Zajelic »m einen Beitrag zur Erweiterung de» Friedhofes dahin zu erledigen bah au» der Vritdersch rfwkassa statutenmäßig ein Beitrag von 20 sl. bewilligt werde. Von seile deS Hrn. Dr. Raudnitz ist dato 14. Feder 187a eine Zuschrift au die Repräsentanz erg rügen, in welcher er derselben für da» ehrende Vertrauen dankend, die auf ihn gefallene Wahl in den V. Bezirksschulrath ablehnte. Auf das Ersuchen der Hrn. Frankel, Feig- und Schwad*) daß Dr. Raudnitz von seiner Resignation abstehe, rrwie- *) Warten» meine Herren, wenn sie schön brav feie«, kriegen» auch »och wa», der ane von ihnen hat schon wa». (Dr. Almodi)

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