Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 10 (4.2.1870) [ 4. März]
- Date
- 1870-02-04
- Page
- Seite 95 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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95 zurück, ist sie eine Schmach zu nennen, die zumeist den Borstand der verunglückten GebethSstätte trifft, so ist diese Katastrophe rin Brandmal, aufgedrückt auf dem Denkstein de- Erbauer-. Hatten wir und jeder mit unschon vor drei Jahren den Moment des sichern Endes eines abgrwirthfchafteten und misbrauchten Systemenahen gesehen und an die Ehrlich, keit des Vorstandes appellirt eher die Person einer geweihten Stätte als diese einer Person zu opfern; man hat unö kein Gehör gegeben und fortgrwirthschaftet getreu den Grundsätzen eineleichtsinnigen Subjekte-: So lange man hat, soll man leben und rin Schurke der, der mehr gibt als er hat. Die Folgen blieben, so wie sie von der praktischen Vernunft auch erwartet wurden, nicht au-, und heute ist man an dem Stadion der Insolvenz angclangt, die sich als Krise eineschleichenden FinanzfieberS ergab. Man begnügt sich gewöhnlich bei freudigen Resultaten mit dem Erfolge, ohne nach den Ursachen zu forschen, weil zumeist einem glänzenden Ziele traurige Remini-ccnzcn vorangegangen sind, wiewirdieß bei ParvenucS finden, die die Vergangenheit gern in einen Schleier verhüllen möchten. Anders verhält esich mit einem nnglüctlichen Sncceß, den man förmlich zu einem Studium macht, das am Ende keinen andern Zweck, als den der Erinnerung hat, entsprechend einen Fall über einen tobten Gegenstand, den nian nach dem holperigen Ereignisse lange fixirt und nach dem Grunde fragen möchte, warum er so böswillig gewesen. Darum ist es erwünscht, bei diesem finanziellen Falle der Mciselsynagogc, dessen Motive lebende Gegenstände sind, nach den Ursachen zu fragen, wie wol sie jetzt zu keinem Resultate führen. Es dürfte Jedem erinnerlich sein, daß nach dem vollenbeten Umbaue der betreffenden Synagoge die Einweihung von dem aus Frankfurt a. M. eigens hieher berufenen Dr. Stein in einer Weise vorgcnommcn wurde, daß die begeisternde Rede jenes Manties jedem unvergeßlich blieb, der damals die Gelegenheit hatte, mit Mühe in das Gotteshaus zu gelangen. Die Anstellung dieses eminenten Redners mußte an seinen enormen materiellen Anforderungen scheitern, worauf der Synagogen - Vorstand auf Vorschlag eines seiner Mitglieder, den jetzt fungirendcn Dr. Stein provisorisch angestellt hat. Die Gemeinde, sich schon damals wol bewußt, daß sie einen JahreSgehalt von 2500 fl. nicht zu leisten im Stande ist, machte gute Miene zum bösen Spiel und überließ den Verlauf der Sache der Verantwortlichkeit des Vorstandes. Dieser fand Unterstützung in den Jntrigucn eines Mannes, den man überall antrifft, wo es sich um Zerstörung des JudenthumS handelt. Dieser Mann, dem daS Verdienst angercchnet werden kann, eine Judenschule ruinirt, eine Thalmud-Thora-Schule zu Grunde gerichtet und die jüdische Jugend förmlich geknebelt zu haben, warum sollte er auch hier nicht mit einer Rolle bedacht werden, wo cS sich um die 1^——■Bf—^—————— tirtcn anfstellcn zu wollen. Ali-Lhalam packt sich beim Turba», drückt mit einer Kopfbewcgung sein Bedenken auS und fragt mit lauter Stimme: Was denken Cie meine Herren, von Cultani und Rosini, können wir darauf eingehen, Adbul Randnitzmutzki zu dezirksschnlrathe», nachdem er doch schon Depntirter ist? Da ricic» Alle mit einer Art llnkengeschrei, Krakchl muß sind, Raudnitzinntzkr neophitisch, moslemitisch, parasitisch, und mephitisch soll Bczirkoschnlrath werden! Mahla, Dalla' llnd das Knäblci» besteigt mit gra cicnser Bewegung einen vicrfüstigen Cesiel, der die Rednertribüne bildet, und singt: Beim Barte des Propheten, so schwur ich der Parthei. Mich wird man nicht barbieren, mir steht ja AstcS bei? Eo wird der Raudni^mutzki gewählt, der seine Annne Tewelking zur Kammerzofe ernennt und Randnitzmutzki macht Toilette, er legt die Uniform an, gürtet sich wie einst Hektar, der von seinrr Andromache Abschied nahm und in den Krieg zog, daS Schwert um und den rechten Fuß dem linken voranstellend deklamirt er: Rach der Feldschlacht ist mein feurig Sehnen, Diese Arme schützen PergamuS. Kämpfend für den heil gen Herd der Kötter Fall ich, und des Baterlandes Retter, Steig ich nieder zu dem styg'schen Fluß. Ausführung eines JnttiguensrückeS gehandelt hat? Galt e« ihm doch, seinem Gegner, einem anerkannten Redner, einen Dämpfer aufzusetzen, um von demselben die Sympathien der Gemeinde abzulenkrn, und auf dieser Weise eine Eoncur« renz zu schaffen, die am Ende lang gehoffte Repressalien in Erfüllung bringen sollten. Zu diesem Behufe bediente man sich eines sonst charaktervollen Mannes, der heute in eine peinliche Zwangslage gerathen ist. Wie sich im Allgemeinen Jntriguanten sehr wenig um die Mittel kümmern, wenn sic nur ihren Zweck erreichen, so mußten auch da Personen und selbst die Existenz einer Synagoge zum Opfer fallen. Der Vorstand sehr wenig auf den Ausgang dieser gut eingefädelten Jntrignc achtend, machte einen Mann zum Prediger'der Synagoge, dessen rhetorische und motorische Geschmacksrichtung trotz seiner Gelehrsamkeit, von der der Synagogrnmitglicder so sehr divcrgirtc, daß diese Divergenz einen nachtheiligen Einfluß aus das Portefeuille üben mußte, welche sich bis zum Znrückziehen vieler Synagogeninitglicdcr steigerte. RichtSdestoweniger hat der Vorstand, der das Fortkommen des Predigers anders ausfaßte als die Gemeinde, denselben, ohn«- cine Generalversammlung zu befragen, definitiv angeftellt und in einer rücksichtslosen Weise und in Vcrkennnng seine« Mandats vollkommen inkorrekt gehandelt. Die Synagoge wurde leerer, die Einkünfte wurden geringer, die Aktien nicht ansbezahlt, ja nicht einmal das Verabsäumen dieser Verpflichtung entschuldigt und gegen die Aktionäre in der gröblichsten Weise verfahren und dadurch der Austritt einer großen Anzahl Synagogenmitglirdcr verschuldet, so riß eine Dcroute ein, die. mit den» Akte eines Falliment schließen mußte. Heute nun, wo eS sich um SueeurS. um den letzten Rettungsanker handelt, erkühnt sich der Synagogcnvorstand anstatt das Sündenregister durchzublättcrn und das grau» srnhafte Resultat der Bilanz auf das Privatkonto jener zu übertragen, die den Ruin einer alten Synagoge*) verbrochen Am >:t. Februar 1M>R brachten wir in diesen Blättern eine die .luständc der Meistlsimagage illustrirende längere Rotiz, auS der wir hier nur folgende Stelle eitiren: Wir hätten gegen die Wiederwahl des ersten Vorstehers nichts t>»zuwk»den, da uns derselbe als ein ehrenhafter Mann bekannt ist. wenn e» ihm eben nur um die Bekleidung dieses Ehrenamtes allein zn thun wäre, doch nachdem es den Anschein hat, als huldige er jenen Interessen, für die die Majorität der Besucher der Mciselsimagoge kein warmcS Herz haben, ivollen ivir den ncnen Vorstand auf die wichtige Frage. auf die RabbinatSfrag« aufmerksam machen, die nebenbei gesägt eine Lebensfrage dieser Synagoge wird. Abgesehen davon, daß die Wie er rasch den Stürmer ergreift und das Säbele nachschleift, da begleitet ihn das Schluchzen der Herren von Sullani und Rosini und Ali-Ehalam außer sich, stricht sich selbst mit den Worten: Hol mich der? e u w e l c S. llnd richtig er holt ihn und sie gehen in S Eafino, wo sie sich an einem sorgfältig präparirte» Beefstcak delrktirten. Sie scheinen wieder lachen zu wollen? Ich iviirde auch lachen, wen» die Cache für n»S nicht traurig wäre, wenn man da» Indenthnm nicht lächerlich machei» würde dnrch Krakchl und knabcnhafteS Koniödienspicl. Kcbrncdklkt ist jenen Hcrre», die nur auf Ehrenposten und AnSzcichinnigcn speknlirrn, nur dem Egoismus fröhncn, und die Iudenhcit für einen Dietrich ansklien. mit dem man Schlösicr des EhrgeitzeL erbricht und allerlei Ehrensächelchen davonträgt, gebenedeict ist ihnen jede Versasiung, wenn mir fit daS erlangen, Iva» sic anstreben, der Jude mag verbrannt werde». Darum lasten Cie sich nicht tänschc»; und ich hoffe. Sie werden auf mich einst sagen, der hat wahr geplaudert, so wie ich jetzt mit Nathan spreche: „Kroß l groß und abscheulichI Doch die Wendung läßt sich denken.- , , B. 10*