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Die Gegenwart · 1870-02-04 · 10 (4.2.1870) [ 4. März] · p. Seite 94

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
10 (4.2.1870) [ 4. März]
Date
1870-02-04
Page
Seite 94 (sequence 2)
Language
German
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94 Der römische Präfekt SymachuS hatte einst den Math* in Rücksicht aus viele, die durch Ränke zu Ehrenämtern gelangt waren, dem Kaiser Valentinian II. folgende Worte zu schreiben: „Daß es zur Besetzung dieser Stellen nicht an braven Männern fehle, man müßte nur Diejenigen, welche so begierig nach Aemter strebten und sich in dieselben cinzuschleichen suchten, alsobald entfernen, so würde man unter den andern gewiß Männer genug finden, welche dieser Aemter würdig wären." Diese Worte könnten bei der ganzen jüdischdeutschen Sippschaft, vom journalistischen Kappelpelze bi« hinauf zum LandtagSabgeordneten ihre moralische Anwendung finden und es käme auch nicht so weit, daß dieser Troß von politischen Ehrenjägern, ein ganzes politisches System kompromittiren und der Negierung der Borwurf gemacht werde, von jener Nobelgarde zu dem Zwecke bedient zu werden, um onch zu halten und zu stützen, was nachgerade recht lächerlich klingt. Die neueste bezirkSschulräthliche Affaire des „vielbeschäftigten" Dr. Raudnitz, der sich in "den BezirkSschulrath wählen ließ, nachher zu resigniren entschlossen und schließlich zur Annahme der Wahl zurückgekehrt war, um, trotz dem Bankerotte seiner pädagogisch-didaktischen Kenntnisse, jenen das Iustamentnöt entgegenzusrtzen, die auf den Fehlgriff aufmerksam machten, der sich aus der Wahl?mes Mannes ergibt, der die vom (besetze geforderten Fähigkeiten nicht besitzt. Glaubt man jedoch uns zu moquiren, wenn man solche Gefechte, die an Don Quixote erinnern, ausführt oder durchssolchc Bataillen unS für die Folge das Schwert im Kampfe für Recht und Wahrheit zu entwinden sucht, so zeigen jene Männer ihren knabenhaften Nrinlichen Sinn, der ihre Stellung förmlich persiflirt. UnS werden diese olympischen Spiele nicht beirren, kämpfen "wir doch mit ehrlichen Waffen, mag der Gegner in unehrlichen Boxereicn sein einziges Bergnügcn finden. Was diese Herren mit Leichtfertigkeit behandeln und was sie ein Riesenwerk nennen, gleicht sich aus, denn sie treibt nur der Egoismus und die Sucht von sich reden zu machen. Eine solche Alkibiadische Ratur kennzeichnet die Oberflächlichkeit und Principicnlosigkeit jener Gattung EivilisationSrcttcr, die in einer Auszeichnung, in einem Prädikate oder in einigen Diäten den ganzen Lauf der Welt erblicken. Wir speciell betrachten uns dabei als Beobachter einer bloßen Komödie, sie möge sich „Biel Lärm um Nichts" oder „Täuschung auf Täuschung" betiteln, wir fällen unser Urtheil, um das schlechte Spiel der Komödianten zu tadeln und die Komödianten selbst zu bessern. Diese schlechten Künstler aber übernehmen jede Periode den grausamen UkaS gab, die Knäblein ins Wafferzuwerfen. Wie jedoch da» Knäblein zur Welt koimnt, kahl an Körper und Geist und seine ganze topographische Kcnntniß damit bekundet, das üoitb zu suchen, wo Milch und Honig fließt, so sann man darüber nach, wie man ein Knäbiein schafft, dasich zu Etwas eigne, worüber die Gemeinde wenigstens für ihr blutige- Geld eine komische Abwechslung hätte. Da wurde im Stambul der Jeltnergaffe Nr. C. 586—I. im Beisein de» jüdischen Ali-Ehalam und aller Kalifen, weiser Rath gehalten, dem auch die Amme Pilippo Tewelking eigenau- China geholt, beigczogen wurde, um da- Knäblein anS Tageslicht zu fürdern, daS Knäbiein, das Knäblein. Wie sic so saßen mit unterschlagenen Füßen auf den weichgcdrücktcn Sopha S beim Mokka und Tfchibuk, da erschien grade der Leibjurist deS Ali-Chalam, der ganz erschöpst, da» Harem verlaffen zu haben schien. Die Sitzung und mit ihr da» Protokoll wurden eröffnet und Krakrhl stand alS erster Punkt auf dem Programm. Der Ali-Chalam erster MoSlcin sprach die Krueitiirken in feierlichem Tone an: Meine Herren I ES handelt ßch - was handeln 7 unterbrechen ihn die Andern ganz erfreut — es handelt sich um die Wahl eine» ManncS in den Bezirksfchulrath. der unsere Lonfeffion vertreten sost. Hierauf schreit rin jeder: CMt über die Welt t brr »nächte ich fein, worauf der Ali-Chalam zur Ruhe ermahnt und in schwungvoller Sprache dir Anrede begann: Hochgeehrte Versammlung, edle Herren von Sultans und Rostnl > wir wiffen, ivas, wie und wo wir uns geplagt. daß wir durch und durch kaffinotisch, chaotisch, und philantropisch find, ich, hochgeehrte, gut genährte und hochgelehrte Man- Rolle, wennsie nur ein angemessenes Spielhonorar trägt und das Benefiz recht viel Ehrenkränze bietet. Bo» Stunde zu Stunde denken, sie über das BorwärtSkommen nach, umwedeln jede Person, bei der etwas Einfluß zu holen ist und so von Ehrgeitz durchtränkt, geben sie sich zu Hetzarrangeuren und allen möglichen entwürdigenden Partieen her, um auf dieser Weise in Journalen jener Stelle in die Augen zu fallen, die über die Empfehlungsbriefe zu entscheiden hat. Ein Narr hieße der, welcher das ganze Gaukelspiel dieser im eigenen Kreise der Selbstsucht sich drehenden Miniaturpolitiker für eine Bedeutung hielt und dieser eine Achtung abgewinnt, die nur für große Geister geschaffen ist. Möge sich nun diese Elite „aus der Gesellschaft" der jüdisch-deutschen Oligarchie noch so sehr echauffiren, um unS durch JustamentnötS, von ihrem ewigen Schwindel und von ihrer Kriecherei in nicht jüdische Schlupfwinkel zn überzeugen, unS macht es nur Vergnügen, die befangenen Schwachdenker gefoppt und das jüdisch deutsche Regiment einmal au dem Punkte anlangen zu sehen, wo das doIc6 far niente sein Ende erreicht haben wird. Line finanMe Katastrophe. Ein Ereigniß, in seiner Eigenart monströs zn nennen, das in den Annalen jüdischen Gemeindelebens kauin ein Gleichehaben dürfte, hat sich dieser Tage in unserer jüdischen Eommune abgespielt, die wenn gleich nicht direkt getroffen, vor dein aufgerollten düstcrn Bilde verwahrloster Zustände zurückschrecken muß. Das Bild zeichnet uns den Uebermuth einer eigennützigen herrschsüchtigen Gesellschaft, die im Interesse von Sonderinteressen das Aint eines Vorstandes bekleidete und heute in dein—längst vorhergesagten finanziellen Ruine die Früchte ihrer Bestrebungen sieht. Eine von dem unvergeßlichen Menschenfreunde Morde« chai Mcisel erbaute und der Jndengemeinde in Prag überlieferte Synagoge, die von allen Synagogen den Ruf der bestdotirtestcn hatte, steht heute verarmt da und ruft um 'Hülfe; denn sie ist nicht in der Lage, die Funktionäre zu bezahlen und ist einem unerbittlichen Fallitncnte preisgegeben. Fällt diese finanzielle Krisis wie ein schwarzer Schatten auf das Gemeindeleben ncr! bin bereits, wie sie wiffen, versorgt, Gott sei Dank, gut ver. sorgt, lebe anständig mit meinet Verwandschaft und der nationalen Oposition Hilfe, bin abschüffig und ausschüffig und erfreue mich. >»>cm» grade nicht deS Rufes eineS Cicero und Aristoteles, so doch einer Auszeichnung, die unter Brüdern auch »vas wcrth ist. Ich leiste im Vorhinein auf diesen Ehrenposten Verzicht, weil ich ein konfcffionSloser Jude bin und »nache Sie darauf aufinerksam, diesen Posten einen» von den Kalifen zu offeriren, der noch gar Nichts hat; denn Mufti, Knufti und Schufti gehören schon der Ehrenle. gion an u»»d cs wäre ein Unrecht jene zu übergehen, die sich auch zu unserer Farbe bekennen. Sie lachen über das, waS ich Ihnen da erzähle? So hören Sie weiter! Wie sie da so traulich beisanunen sitzen, die Herren von Sul. taut und Rosini und ihnen so muscl- und duselmännisch zu Muthe ist, da erhebt sich ein Furienschrei und beim-Allah l Da» Knäblein konunt zum Vorschein, die Aiuine Tewelking eilt herbei und Mufti ruft: Wir haben ihn, und Alle antworten: Hat ihnschon l Daö Knäblein, mit einer Plaudertasche im Gesichte bereits versehen, springt mit Affenschneüigkcit auf den Tisch, wirft ein Gläschen Echnap» um, da» der Amine Tewelking gehört, und die Arme auf der Brust kreuzend, spricht es feierlich, wie Nathan: „S»»ltan I ich bin ein Jude," worauf ihm der Kalif Schitzinsky entgegnet: ich sehe e» Luch an. Das Knäblein Abdul Raudnitzinutzki schwört bei seinem unsichtbaren Barte: Wenn Ihr mich nicht in den Bezirksschulrath wählet, so sage ich mich von Euch los, so wie ich es dan»al» thun wollte, aiö man Miene machte, mich nicht al» Depu

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