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Die Gegenwart · 1870-02-25 · 9 (25.2.1870) · p. Seite 88

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
9 (25.2.1870)
Date
1870-02-25
Page
Seite 88 (sequence 6)
Language
German
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88 lic fern jüdischen Geist nicht zmückweist. — Besonderan der philvs. Facultüt bereiten sich ziemlich viele Israeliten vor zur Professur an weltlichen Gymnasien, welche Stelle fic bei gleicher Leistungsfähigkeit nach dem neuen Schulgesetze auch erlangen können. Wie r» scheint, wird denn doch endlich einmal der Bau der neuen llniversität ernstlich in Angriff gknrmnien, und r» werden bald geräumige Säle für die Wissenschaft eröffnet werden können und alle Facul tüten werden in Einem Gebäude vereinigt sein, hoffen wir, daß die ulrua niator wie ein Phönix aus der Asche, neuverjüngt aus ihren Trimmern c>stehen werde, mit frischen Leben und.neuem Geiste, in der alten Aula lasse sie zurück den Zopf, die Pedanterie und Intoleranz und sic nehme auf in sich den Grift der Freiheit und Gleichheit, Friede und Eintracht mögen sic erfüllen und nur der rechten Wissenschaft soll sic ihre Pforten öffnen. Es würde einem allgemeinen Wunsche Rechnung getragen werden, wenn cS sich bestätigen würde, daß Herr ^raf. Tr. Kuno Fischer an der philos. Facultüt aus Deutschland berufen werden soll, dieser Mann hat sich durch seine gediegenen philos. Werke einen ausgezeichneten Ruf erworben. Mit Erlaubnis der löblichen Rrdaetion will ich Einige» über das Judrnthum aus seiner Gcschichtc der neuen Philosophie rrproduciren,— In der orientalischen Welt ist rS der jüdische Geist, der den Bruch des Geistigen und Natürlichen religiös vollzieht und der natiirlichrn Welt die abftracte Gottheit, den reinen abgezogenen Grift grgrnübcrftrlit. Tie Religion leistet Verzicht auf die Welt in dem Judenthvm, indem sie verbietet, andere Götter zu haben neben dern, von dem sich Niemand ein Bildnis, nech ein Gleichnis machen sollte, —Die E n tf a gu iid geht durch alle Gebiete des Gebens (Storker) das sittliche Dasein in dem öffentlichen Leben deö Streite», die Welt de» Rechte» ist verödet und der Zweifel hat alle Gewissheit im menschlichen Bewusstsein aufgezchrt, die Welt de» Glaubens ist leer geworden und an» dem Gemüthc des Mensche» sind die Götter in da» rönistche Pantheon gewandert, hier aber begegnet ihnen kein lebendiger Glaube, nur die Neugierde weidet sich an diesen vcrsterncr« len Zcngnisscrr menschlicher Superstition. Nur in einem einzigen Volle der Erde übt da» Götiliche noch eine Macht über da» Gernüih au», gerade weil es sich hier von der Welt am abstraeirften scheidet. Der Wechsel und die Vcrgünglichkrit der Welt trifft die Gottheit nicht, die jenseits derselben trohnt, Dieses Volk ist das j ü d is ch e. In ihn allein glimmt noch ein Brennpunkt de» innerlichen Glauben». — r- Ulochenchronilr. V* Ein jGfllrlrirkular. Die löbliche Aimenkemmission der israelitischen Eullusgeureindc prüscntirtc sich dieser Tage in einem Eiilulair, da» bereit», bevor noch vfsicirll, in diesen Blättern einer eingehenden Bespreckung unterzogen wurde. Die Unterzeichnete Firma de» Eirlulars, weift auf die öffrnllichen Skandale bin, welche die .höchst nnverschümletl Annen" zu gewissen Zeiten, wir: vcr den israelitischen Fest lagen, am Ncu»iondr, bei freudigen oder betrübenden Fanrililnangrlegcnhciien vlnirsaebcn und auf die Zeitverluste, dir durch die Zndringliel kcit der Bettler, dem GeschÜstSmanne erwachse». Die Finna erbietet sich zu einem „probeweiscn Versuch"bei dir» dir ste»erzahlenden Gcmeindemitg'.iebcr oder vielmehr deren Easia ^'""arate bilde., sollen. Eie verlangt näl mlid>, die Gcn^ .crr itglieder sollen einen Pauschalbetrag in monatlich-,, oder '^jährigen Anticipando Raten *) Wollku di, Herren ei»» Probe oder einen versuch machen? Wir glaudrn ein »roberveis» versuch oder eine versuchtveise Probe werden und da«srldr Resultat erzielen. sD. Red.) an die CultuSkaffa erlegen, wogegen sie eine Legitimation-« karte erhalten, welche den Armen gegenüber zur Rechtfertigurg der Hartherzigkeit dienen soll. Die von der Repräsentanz protokvllrrte Firma, sich auf die Personalkrnntniß der Bettler stützend, beruft sich auf rin hochachtbare- Mitglied der Grmrinde und demonstrirt so die Durchführbarkeit dieseihre- Vorschläge». Ohne über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit dieser problematischen Proposition rechten zu wollen, empfehlen wir vorerst der Armenkommission von deren Mitglieder ein oder da» andere auch in der' Steuerkommisfion sitzen dürste, eine genauere Kenntnis der nicht besteuerten vermögenden Gemeintlmitglirdrr, die sich weit mehr lohnen dürfte als die Eonskription Jifr „höchst unverschämten Armen,- ferner empfehlen wir der Armenkommission jene im Budget nie gerechtfertigten außerordentlichen und besonder» Ausgaben zu dem Bettelrxperinrcnte zu verwenden, um so die ohnehin belasteten Gemeindcmitgliedcr auf eine kurze Zeit zu verschonen, und schließlich empfehlen wir der Armenkommission vor Allem dem Dettclwcscn in dem jüdischen Repräsrntanzkomptoir, das in ewigen Remunerationen und Gnadengaben dcfinirt wird, zu steuern. Wird die Armenkommisfion dirß Alle» durchsetzen, so möge sie sich dann zu einer jüdischen Gemeindepolizei örganisiren, um hn Bettelunfug zu beseitigen. Mit ihrem Eirkular aber, soll sich die Firma des Armen-CommissionSgeschÜftc» heimviolinen lassen und bedenken, daß ein solche- Vorgehen Eonfusion, nicht Ordnung herstellt und der jüdische Bettler raffinirt genug ist, das Gesetz der Armeukommisiion zn umgehen. Die Erfahrung lehrt überdieß, daß sich trotz dem ausgezeichnet geordneten Armenwescn in der Stadtgcmeinde, trotz dein SicherheitSwescn, daö Betteln nicht steuern läßt, das notorisch in allen Straßen auf allen Promenaden praktisch durchgrführt ist und wir weisen nur auf die Weltstadt London hin, wo ungeachtet der großen VcrsorgungSinstitute und der mufterhaften Einrichtungen der PaupcriSmuS sich in seiner gräßlichsten Nacktheit zeigt. Gesetzt nun der Geschäftsmann, cQtlcbige sich mit Hilfe de» Pauschalbetrages, seiner sukscssiverr Gaben, wird er darum weniger Zeitverlust erleiden, wenn er jrdeSmal dem Bettler wird Rede stehen und nach der LegitirnatiouSkarte greifen müssen? unsere» Erachtennimmt da» Hinreichrn eine» Kreuzers nicht so viel Zeit in Anspruch. Dabei ist nicht zu übersehen, daß die Moral darunter leidet und der Jugend jede weichere Empfindung für die Armen entzogen wird, indem sie zuschen muß, wie der Vater dem Bettler die Thürc weist und ihm eine Anweisung an die Arrnenkornlnission gibt. Abgesehen noch von dem Unfnge, der von einem oder dem andern hartherzigen Menschen getrieben würde, der ohne sich mit der Armenkommission abgefundcn zu haben, dem Bettler die Thüre weisen würde mit den Worten: Gehen Sie zur Armenkommission, würde die Eitelkeit manche» Wohlthätcr», die in der persönlichen Verabreichung einer Spende und bestehe sie auch nur in einem Kreuzer nie pnd nimmer einen Bettclkontrakt mit einer Gesellschaft zulasten, die im „Killezen" ihr Elisinm erblickt. Wa» jedoch da» unanständige Belästigen der Bettler vor dem Friedhöfe zur Zeit der isracl. Feiertage betrifft, so möge denselben au» der Armenkassa ein gewisser Geldbetrag verabreicht und die Fürsorge getroffen werden, die den Friedhof Besuchenden durch die betreffenden Organe vor dem Bettel zu schilpen. Wir bezweifeln, daß die Gemcindrmitglirder auf „p r o b c w ei scn V cr s u ch" der Armenkommission cingcheu weide», welcher den Ruf der „Prager Schmock»" wieder einmal rechtfertigt. V Ernennung. Da» k. k. HaudelSgcricht in Prag hat bcn Kaufmann Herrn M. I. Hirsch zum beeideten Sachverständigen in Eolonial- und Farbwaarcn ernannt. V Kleber prolrlytrn. Einer Serie von wissenschaftlichen Vorträgen im Vereine „Afike Jrhuda," über die wir seiner Zeit nicht refcriltrn, weil sie der Gegenwart zn ferne lagen, folgte vergangenen Sonnabend ein höchst interessanter Vortrag de» hiesigen Prediger» der PinkaSsynagoge de» Herrn Dr. E. Hoff, der sich zur Aufgabe stellte, da- Thema über Prosrlytrn zu behandeln. War schon die Wahl

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