Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 9 (25.2.1870)
- Date
- 1870-02-25
- Page
- Seite 84 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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84 um die Feindseligkeit der böhmischen Publicistik zu rechtfertigen. So viel zur Entschuldigung der Juden. An diese selbst tritt aber die nothwendige Forderung heran endlich einmal jenen Weg der nationalen Heranbildung des Juden in Böhmen zu betreten, der unbedingt nothwen« dig ist, soll sich das Verhältnis beider Parteien endlich einmal und definitiv frenndschaftlich gestalten. Der Böhme muß sehen, daß der Jude seine Sprache nicht perhorrcScirt, indem er sich sie selbst aneignet und sie sorgfältig kultivirt. Der Jude darf dem Böhmen nicht in einem fremden Idiom oder in einem jargonirten verderbten Dialekt der böhmischen Sprache gegenüber stehen. In den jüdischen Schulen muß die böhmische Sprache als obligate Unterrichtssprache gelehrt und auf daeifrigste betrieben werden, böhmische Geschichte und böhmische Literatur dürftii dem jüdischen Kinde kein spanisches Dorf bleiben, denn mit weit größerem Rechte kann der Böhme verlangen, daß sem jüdischer Mitbürger seinen Kindern die Landessprache lehren lässt, als daß man auf das französische Parliren schon der kleinsten Kinder so viel Bedacht nimmt, lim einen anständigen Erfolg zu erreichen, wird freilich nicht ein Monat oder ein Jahr hinreichen, dazu genügt kaum ein Decen- -mum^ aber «um wird öa» redlich« Bemühen anerkennen, und der entschiedene Wille wird den Mangel an That ersetzen. Werden solche Thatsachen, ein solcher ersichtlicher Hin« neigungSproceß erst wirklich ersichtlich, dann werden die Böhmen auch aufhören, daS Judenthum mit einem TcdrSco, Randnih oder Kuh zu identificiren, denn nie und nimmer haben die Juden diesen Leuten das Mandat ertheilt, ausschließlich die Ansichten und Ueberzeugungen der böhmischen Juden vor der Oeffenllichkeit zu vertreten; denn sie haben fejicn sie sich, wie sie glauben, leicht der Gefahr a»S, den Richtjuden die Achtung weniger abznringen.Abcr Eie können doch den Vergleich eine» Juden mit einem Punkte, oon dem so viel immer iveggenonnnen. immer noch rin Punkt bleibt, wie der Jude, er mag allcS Jüdifche von sich abstreifcu wollen, immer noch ein Jude bleibt. Mag man Laiidesschnlrath, Handciskammcrpräsidcnt, Dcpiitirter, Advokatrnkainmrrpräsidcnt oder jüdischer Ministerpräsident sein, man bleibt, so unlieb eS diese» Titularherrcii ist, doch initiier ein Jude. Ich, schen Cie, bin stolz darauf, daß ich ein Jude bin, aber nicht wie weiland Scholz gesagt hat, wenn ich nicht stolz darauf wäre, bin ich doch ein Jude, ich bin e», weil ich vom wahren Indenthinne durchdrungen bin. Aber jene Gcwohnheitsjudcn sind Juden »ach Scholz scheu philosophischem Ehstemc. Sagt man dann diesen Pscudojuden die Wahrheit, zeigt man ihnen den Spiegel, in den« sich die Fra he der Heuchelei zeigt, so werden sie inimulhig darüber und ruse» Opposition, nichts als Opposition l Wo ist diese aber zu su> chcn und ivo ist sie zu finden? In den Jntrignen iind in der ego. istischcn Pcrfolgungssucht, die »'sich zu einem förmlichen Wettrenneu NM Ehirnslelie» gestaltet, in dem konträre» Handeln einer jüdischcn Clique, gegenüber den Nünscheii einer ganze» Gemeinde, in dem hartnäckige» Midcrstandc einer Eotteric, die sich am liebslti» mit den aristokratischsten Elementen verbindet und ihnen den goldenen Pnrpurschlcpp nachträgt. Durchblickt man mm ihr zweideutigeS Spiel, reißt man ihnen die Larve vom Gesichte und zcich- »et sie mit de» Pinsel der ungefälschten Wahrheit, da wird ihnen der jüdische Moniteur unbrquem. empört man sich darüber, daß gemeine AintSschveiberscelen sich damit brüste», bei der h. Statthal- Irrel werde» die Gcmcindcinitgliedcr nie Etwa» auSrichtc», da sind die Herren der Repräsentanz zu Hause, so möchten sie gerne daS jüdische WahrheitSorgan zum Scheiterhaufen verurtheile», verlangt man von ihnen Rechenschaft über außerordentliche und besondere Ausgaben, fordert man Auskunft über die Wege, die jene wandein, so sehnt man sich darnach, daß dem jüdischen Leader das Cterbeglöcklrin läute. Run, Ihre MitlcidSmicnc rührt mich zwar nicht, aber sie lehrt mich, wie Sie die Wahrheit als die Richterin deS Thun und Lassen der Menschen 'schätze». Beruhigen Sie sich, ich sehe zwar nicht durch die schwarze Brille de» Pessimismus, die Dinge dürsten unter solchen AuSspizirn noch ärger komme», auch wenn dir Wahrheit triumphlrend den Sieg davon tragen würde. nicht einmal bewiesen, daß sie Sinn und Verständniß für das Judenthum, für die Geschichte und die innersten Regungen derselben haben, um sich als dessen Wortführer in Böhmen zu geriren. ' Unseres Wissens dürste sich vielmehr ihr ganzes Verdienst um die Judenschaft Böhmens einfach darauf reduci» ren — dieselbe stets und mit seltener Hartnäckigkeit in den Augen der nationalen Partei kompromittirt zu haben. Die Stellung des Nabbiners im Kampfe zwischen^ Glauben und Wissen, nebst einer Charakteristik der philosophisch-exegetischen Leistungen I b n Es ras. (Schluß.) Abraham b. Meir Jbn Esra wurde im Jahre 1089 in Toledo geboren. Spanien, das in mehrere kleine Reicbe grtheilt unter der Herrschaft der wissensliebenden Mauren stand, glich damals dem Attika der periklcischen Zeit, nur daß es statt eines Athen mehrere zählte. Neben Eordova, Granada, Sevilla und Valencia war auch Toledo die GcburtSstadt Jbn ESraS ein solches Athen, wo seit der Verlegung der Ehalifenresidciiz nach Damaskus und der dadurch erfolgten Berührung der Araber mit der byzantinisch-römischen Eultur die verschiedensten Wissenszweige, als Gramatik und Exegese, Astronomie und Mathematik, Philosophie und Dichtkunst in hoher Blüthe standen. Die Sonne der Wissenschaft, Sie scheinen in Mißmuth zu versinken und den in den Zuständen herrschende» Mihto» grade nicht als den Akörd von der AcolSharfe entlockten löncn z» betrachten, verzeihen Cie, ich will mich bemühe»; Sic ans Ihrer Zwangslage zu befreien und mehr Humor in meine Eauserie zu bringen. Es dürfte Ihnen die neueste Eirkulärdepesche der repräsentanz- Uchcn Armciikommisiion nicht bekannt sein, ich hoffe Sic werden Trost genug hierin finde», sic nicht gelesen zu haben. Diese tclegrammatischc Rachricht, die jede m Gcmcindemitgticde, bei dem man noch etwas Geld verspürt, durch einen Boten zugcschickt wurde, enthält einen „probeweise» Versuch" mit einer Art neuer Hinterlader, auS denen der Repräsentanz vorgeschoffcn werden soll. — Fürchten Sie nicht etwa Pulver oder Kngctn, sondern Geld, nichts weiter alS Geld. Diese chaffcpotischc Erfindung kam auS dem Gchirnarscnal von sieben Männcrii, die die stehende Menschheit unter Einem Hute bringen wolle». Sobald vorgcschoffen wird, soll vcrschoffen werden. Zu diesem Zwecke erhält jeder, der von seinem Hinterlader Gebrauch macht, einen Schein, wie denn überhaupt Alles Schein ist, was auS der Artillcricschnlc der Repräsentanz hervorgeht. Ich will hier keineswegs strategische Studien machen, weil die Gemeinde kein Feld hiezu ist, doch die Hinterladerkommiffion dürfte belehrt werden, daß 'nüberschießen leichter ist als das rübcrfchiehen. So wie die Fähigkeit der Chaffepotgewehrc an den garibaldischen Freischärlern sollte geprüft werden, so sagt die Eirkulärdepesche, sollen die jüdischen Bettler Prags der Prüfstein der ungarischen Schneiischjcßer werden, ich glaube aber der Schuß wird daneben gehen; denn diese neue Methode, ein eben solcher lliifmii, wie d aS „probciveise Versuche»"-in der 12. Zeile der Eirkularnote ein grammatikalischer Nnsiirn ist, kann sich nicht bewähren, und höchstens zur Folgerung Veranlasinng geben, daß das ganze Bombardeurchor der Armeiikommisiion Anhänger des W ä n z e l'schrn SvstcmS ist. Die Bettler werden ihr Handwerk nicht anfgeben, sic werden nach wie vor mit dem Schlüffei der Thräncn die verschloffenen Herzen öffne», an der Pforte der wohtthätigen Menschheit pochen und mit Heinrich in Lorbeerbaum und Bettelstab in ivehmüthigem Tone rufen : Ich bitt' doch nur um Einen Kreuzer I ö.