Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 8 (18.2.1870)
- Date
- 1870-02-18
- Page
- Seite 79 (sequence 7)
- Language
- German
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79 Kosteler Bürgermeister Herrn S. Aschkenean das Lundenburger und Anspitzer Bezirksgericht erstatteten schnellen Anzeige wurden vom letzter» Bezirksgerichte die umfassendsten Untersuchungen unverzüglich eingeleilet, und den unermüdlichen Bemühungen, den mit Takt und Geschicklichkeit äugestellten Nachforschungen gelang es noch an demselben Tage den Raubmörder in der Person des Rakwitzer Infassen Wenzel Lukesch zu eruiren, welcher das Geständnis dahin ablegte, daß er den Mord allein verübte und den Ermordeten seiner Baarschaft von 2 fl. 90 kr. beraubt habe. Der Ermordete hinterläßt ein beinahe ganz erblindetes W:ib und zwei unmündige Kinder. Das Elend der Hinterbliebenen ist sehr groß. Wien. (Die israelitische Cultus gemeinde im Bezirke SechShauS.) Dem uns vorliegenden Rechenschaftsberichte pro 1869 der israelitischen Cultusgemcinde im Bezirke Sechshaus entnehmen wir, daß diese Gemeinde seit ihrem Beststnde vom 1. August 1868 bis Ende Dceeinber 1869 eine Gesammt-Einnahme von 15,006 fl. gegenüber einer GrsammtauSgabe von 14,576 fl. hatte, wornach ein Cassenvorrath von 460 fl. verblieb. Der Tempelbaufond der Gemeinde hatte 10,879 fl. Einnahmen, wovon 8009 fl, als Kaufschillingsrate für daSHausRr. 22 in der Turnergasse verausgabt wurden. Die Gemeinde hat einen Seelsorger und einen Sekretär angestellt, Kanzleien und Wohnungen eingerichtet, Bücher und Drucksorten angcschafft, kurz das ganze Gemeindewesen organisirt oder vielmehr aus Nichts geschaffen, auch die schöne werthvolle Realität in der Turnergasse erworben, nebstbei die Armen bestens unterstützt und hat trotz dieser Leistungen ein activeS Vermögen von 7709 fl. auszuweisen. Bedenkt man, daß die Sechshauser israelitische Gemeinde selbstständig erst seit 17 Monaten besteht, so ist dieser Erfolg ein glänzender zu nennen und macht dem Vorstande, Herrn Hcrm. Berger, die größte Ehre. An diesem Beispiele sieht man, waS die Einigung im Stande ist! Die früher seit 15 Jahren bestandene israelitische Fi» lial-Gemeinde FünfhauS hatte bei nur 3500 fl. Ausgaben ein regelmäßiges Defizit von jährlichen 700 fl. welches von der Wiener Gemeinde aus Gutherzigkeit gedeckt wurde, wäh> rend die heutige Gemeinde auf Schule, Kirche, Armenwesen u. s. w, jährlich 9900 fl. verwenden kann, also fast dag Dreifache und dabei noch ein Vermögen erwirbt. Es ist das ein so rapider Aufschwung, wie er nur in Amerika vorzukommen pflegt! Möchten die sechs politischen Gemeinden des Bezirkes die Bestrebungen der israelitischen Gemeinde bestens unterstützen und — was ebenso wünschenSwerth ist — diese Bestrebungen in Bezug auf die Einigung sich zum Vorbilde nehmen. Wir werden die Fortschritte der emporstrebenden Sechshauser israelitischen Eultus-Gemeinde mit Aufmerksamkeit verfolgen und von Zeit zu Zeit unfern Lesern darüber Bericht erstatten. (Urwähler.) — (Zum Prozeß S chiff-S ch ar f.) Dem Vernehmen nach hat der Instizminister keine Veranlassung gefunden, das von einer englischen Gesellschaft von Kaufleuten für Herrn Alexander Scharf überreichte Gnadengesuch dem Kaiser zur Würdigung vorznlegen; im Gegentheil dürfte unseren Informationen zufolge, demnächst schon Herr Scharf zum Antritt der über ihn verhängten fünfmonatlichen Arrcststrafe aufgefordert werde». (Israelitische K in d erb ew ahr a nst a l t.) Wie alljährlich, fand auch heuer in diesem Institute die Gründungs- und Prüfungsfeier statt. Sowohl die vorzüglichsten Leistungen des Direktors Herrn Fis ch e r und seiner Gattin, als die wahrhaft elterliche Fürsorge, welche der Vorstand der Anstalt gegenüber den hier ein Asyl suchenden Kindern bethätigt, haben zu wiederholten Malen die gebührende Würdigung gesunden. Für Kinderfreunde kann es in der That kaum ein wohlthuenderes Schauspiel geben, als die heitern und fröhlichen Gestalten zu sehen, welche in diesen Räumen ihr munteres Spiel treiben. Ein besonderes Verdienst dieser Anstalt ist aber noch, daß sie ihren Zöglingen neben dem Angenehmm auch das Nützliche zu bieten sucht, wovon die ausgestellten Arbeiten der Kleinen ein erfreuliches Zeugniß ablegten. Herrn Josef Ritter v, Werth he im er ist zu dieser neuen Schöpfung nur zu gratulireu. — (spenden) Freiherr v. Rothschild bat 20)1 fl. zur Anschaffung von Brennmaterialien dem B.lrgerm.ist.r gesendet, denqetben Zwecke widmete Herr Karl PorgeS von PiriS aus an, SterbegedächtniStage seines Vaters Simon Porges 1010 ft. ihnen folgten die Herren Baron TodcSco nid Ladenburg*) mit je 1890 fl. Trieft. Die Direktion der israelitischen Wa istnfreift ätte hat. um das Andenken ihres wohlverdienten, nun verstorbenen Präsidenten Herrn Prof. MirluS Tedeschi. gewesenen Oberrabbiner in Triest, zu Ehren beschloflen. diescS Institut nach seinem Namen zu benennen und wählte zum Präsidenten den Herrn Baron Josef von Morpurgo. Die W'twe deS seligen Herrn Oderrabbiner, P.öseffor M. Tedeschi wnrde nebst dem ganzjährigen Gehalt von 27:5t fl. noch ein IahreSgehalt mit 3675 fl. für die Spesen beim Leichenbegängnisse 1590 fl. zusammen 792.1 fl. von der Triester Gemeinderepräsentanz als Zeichen der Hochachtung, in welcher ihr seliger Gatte bei derselben gestanden ist und als Beweis der großen Theilnahmc an ihrem großen Verluste, den die Witwe erlitten hat, angewiesen. _ Ausland. Paris. Die Bevölkerung Frankreichs besteht nach der Zählung vom 15. Mai 1806 aus 36,39 1661 Römisch-Katholischen, 1,691,250 Protcstantcu, 198,991 Juden und 17,000 anders Gläubigen. In Algier sind außerdem 2,778 281 Muhamedaner. Alle Religionen sind vom Staate anerkannt und die Römisch-Katholiken, Protestanten und Juden stehen im Budget, letztere erst seit 1831. Die jüdische Geistlichkeit besteht aus 10 Groß.Rabbinern mit einem Gehalt von 3500 — 7000 FrcS. 00 Rabbinern mit einem Einkommen zwischen 809 und 1511 Fres. und ,04 Eantoren mit 501!— 2000 FrcS. Gehalt. — Herr S t ra u ß. Orchester- Direktor der Hofbälle, wurde zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. — Herr Eugen M anuc l. hat sein letztes Stück „die Arbeiter" (les Ouvriers) der Kommission, welche bc auflragt ist, die wegen Erlangung der Preise der Akademie cingelaufcnen Werke zu prüfen, eingcscndet, und wnrde auf Verwendung der Herrn Lcgauvc und Angier trotz.des überschrittenen Termins angenommen. Bukarest. Die französischen und englischen G.neralton» sulen haben sich beim Fürsten Earl dafür verwendet, die gehäffigcn Feindseligkeiten gegen die Juden einzustellrn. Er wurde bei dieser Gelegenheit auf das Protokoll vom 15. August 18.58 aufmerksam gemacht. Mit dieser Intervention soll die Demiffion de- .Minister- Eogolnitscheano'S in Zusammenhang stehen. Wilna 0. Feber. Ein neuer UkaS vom 23. Dezember v. I. gestattet den Juden deS lithauischen Gouvernementfreien Umzug auS Lithaucn nach Rußland ohne jede Förmlichkeit und Abgabe'; der Umzügler hat nur ein baare« Vermögen von 300 Rubel für sich und 100 Rubel für jebes dcr übrigen Glieder seiner Familie nachzuweisen. Italien. Die Regierung, welche wünscht, daß die Kenntnis der italienischen Sprach: i,n Oriente eine verbreitetere sei, hat beschlossen, die an den Schulen der Alliance unterrichtenden italienischen Lehrer, die diese Sprache lehren, selbst zn bezahlen. Safed «Palästina.) Ein Eirkular dieser Stadt fordert auf. die Gaden der Juden de- Orientdurch Vermittluaß desehr achtbaren Amsterdamer Hauses Lehren nach Palästina zu schicken, weil mehrere Agenten davon einen Mißbrauch gemacht haben sollen. •) $o tanze H rr Ladenburg in Pcig wir. schien er fflr solche La«zaben kein« Passion gehabt zu haben, na» freilich in Wien pß«U» solch« ofsicirlle Spenden goldene Früchte za tragen.