Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 8 (18.2.1870)
- Date
- 1870-02-18
- Page
- Seite 78 (sequence 6)
- Language
- German
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78 Kizwu ist — die Götterspeisen verzehren. Weniger freundschaftlich sah man diese beiden Parteien am 6. diesesich ^egenübrr stehn: An diesem Tage war die Neuwahl der Repräsentanz und de- Obmanne« an der Tagesordnung. Da der bisherige Obmann Herr Goldberger de Budai sich auf da« entschiedenste weigerte diese« Mandat anzunehmcn, so «vtfaltete sich in dem kleinen Lager der Getreuen! eine große Rührigkeit um mit ihren Kandidaten durchzudringen. Wie seiner Zeit in Rom so ambulirten auch dies« Kandidaten in de« weißen Unschuldsgewänderu (daher der Name Kandidat) der Orthodoxie. Jede Anstrengung aber von dieser Seite mußte, wie vorausuisrhn war, an dem gesunden Sinne unserer Bevölkerung scheitern, denn der größte Theil der hiesigen Gemeinde bekennt sich zum gemüßigten Fortschritte. Nachdem die hohen Verdienste unsere« edlen Obmanne« jedem zur Genüge bekannt sind, und da die Zurückziehung eine« solchen Manne« von dem öffentlichtrn Gcmrindelebcn für die Gemeinde von unabsehbarem Nachtheile sein muß, so beschloß das Wahlkomite sich in Mossendeputation zum terrn Obmanne zu begeben und denselben zu bewegen, den rüsidentrnstuhl wieder einzunrhmrn, wa« auch schließlich nach mehr als 2siündiger Unterhandlung mit rrsterem gelang. Herr Goldberger de Budai wurde hierauf in den Gemeindcsaal abgrl vlt. dort angrkommc», wurde er mit nicht endenwvllrndeu Eljcus empfangen und mit Stimmencinhelligkrit znm Repräsentanten wieder gewählt. Auch derübrigc Theil der Repräsentanz wurde iier vtvlumalivn aujs Neuegcwählt. Gkfftnlliche Sitzung der isr. Eult. Gern. - Verwaltung abgrhalten am 1.?. Februar 1870. Anwesend di, fmrn : Q^rorfl firigl, S. K. 8ranN.Kohn.T6vr. Lasch, Plohn. Iw Randnitz, Schwab, Singer, Vr Trdeeco, Ungar, Pros. vr. Wcssrtv. Iw. 91'icmr, Zeptzeit. Abwcsend di, Hrnrn: Fischt, kW. Gitschi» v. Poiihrirn, Iw, Pribram, t!^. Schitz. Nach Agneozirnng der Sitzung» - Protokolle von «>. u. IN. Jänner 1870 nnd einigen mm rftnilidirii Miliheilnnge» b,6 Vorsitzenden wird jiir Tagr»vrdnung giiehlitien. Der erste Berhandlungsgegenstaud bktrifst da« Grinkd de, li»te>siü(ungdvcrriiik» snr israeliliscde Eindierende, »»' 1er drm Piclrlierate de» HdL>». Proscstar Dr, Weste»' um Beitritt dir Ripiärmanz und <K,Währung eine« ^ahreobeilrage«. Dieses «lwsnch wird «der Antrag di» Dr. Randnitz dahin erledigt, daß dein Vereine eine Uut>>sin(„»g von DO fl. gewährt wurde. Dem solgt der Bericht drt> Pros. 2i. Wiste»' über die Besetzung einer 2. Lehrerslelle (mit einem ("cMtf vr» 4(0 fl.) an der nieder» Tlialmudthora-Schule, Pros. Dr. SlMfili' beanNagl den Erglnstand in geheimer Sitzung zu veraihin, wogegor Dr. Wiener proiistirt, da sonst aste Personalien in geheimer Sitzung deraihen weide» mnstie». Ter Bericht lautet: Lödl. Repiäsentanz der GnIInkglineinh! Al» Gandidat für die zu crelrrnde »eri« Äbiheiiniig a» dir Ädalmndil'oia-Schule zur Erweiterung dr« Btdelnntkiilchied tzeehit sich die Kommission nachdenanntr tüchtige Theologe» in Boiichlag zu bringe»: prirun Icico H. D». Ciein, Rubbiner und Prediger der Meiselsvnagoge noonnilu „ H. Dr. Tauber Rabbiner und Prediger der Neustziiagoge tortie» „ Rabbiner Rolenbeig quarto „ S iislungerabhnel Kauder». Da, wie c» sich im Veilanl der Debatte beraudstestt, weder über bo< nähere Piogra» ni de« L>bier». noch übir die Zahl der Unteriichtgstnnden nnd dae> tzicale etwa» fliabeie« vo>liegt, wird die ganzeAngelegenheit dei (^rmnussion zn> andsiih'liche» Deta>ll»n»g und nachtiüglicher Berichte!stattiing nlergibeii. Ec> wiid nun zur Wahl eine« Berrreter« ln d,n Bejirkd>chn>>alb der königl. Haupiftodt Prag gr'chritten. Da« Sciutiniui» eigibt, das, Tr. T»d>ero einsiimmig gewählt wurde. Dnsi.be dankt sür da« i> >» gisel enkle Veliraur» und riklärl nicht in brr Lage zu sein, da« Amt annedinin zu kännin. D>. Randnitz De, S'aisitz.Siilloeitieter bat in der letzten Sitzung «nls dir Michii^kei« de, Wahl dieier Peisünlichkeit hing,wiesen, da hier so liobe ^nikiifli» in> Stziili sind Aich ist e» nainigemäster nach ausien bin, wenn der Vorsitz. nn-,rir <^>v»inde da« Amt übernimmt, da r>n Gemalt bei R>t»äientanz mit hui lnn'lig.n Miigliede dr» Bezilk«- schulratde» irlhnend'g ist. ^dch milbir dehei hu H. Pläie» bi,ten, zu d,n gi,s»>n ttzsein d e er tnich leine Diensiieistnng der Eeweindr drinoi. euch n>ch di.Ie» binzuznsilgen Brrsttz.flntei e« nach nochmaliger dlnfsoidtiung de« Dr. Wirnn mit seiner amilichen Stillung nicht coincidirrnd, und lehnt die Wahl dankend ab. E« findet eine Neuwahl statt, bei welcher auf Dr. Raudnitz von 13 Summen 7 entfielen.*) Daher dieser al« gewählt e>scheint. (Die Sitzung wird geschlossen.) Wochenchrouilr. \* Israelitisches -pital. Von mehreren Seiten wird un« Klage geführt, daß die Krankenzimmer de« isracl. Spitals nicht gehörig geheitzt ^werden. Wir empfehlen der Direktion mehr Wärme. %* Im landwirthschasttichen Club hielt am verflossenen Sonntag Herr Ignaz Schick, bekanntlich einer der hervorragenderen Publicistrn der böhmischer! Partei, einen Vortrag über Religion, über dessen sociale" und politische Verhältnisse, so wie über die ethnographischen und geographischen Eigenthümlichkciten de« Landes. Ter Vortragende, der seine lebendigen Schilderungen auf Grundlage eigener Studien und Erfahrungen in dem eingeschnittenen Königreiche improvisirte, entwarf ein charakteristisches Bild der geistigen Eigrnthümlichkeiten der da« Land bewohnenden zwei Racen, der Wellonrn und Flämmcn, und der Verhältnisse, wie sie sich auf historischer Basis allmählig entwickelt haben. Der Vortrag, der über eine Stunde dauerte, wurde mit dem rauschrndstcn Beifall des zahlreich anwesenden Auditoriums belohnt und musste Herr Slbik dem Vereinspräsidenten Herrn Domänenrath Komers die Zusicherung geben, in kurzer Zeit eine Fortsetzung desselben zu liefern. %* Ein Doktor der Rechte. Der frühere Schriftsetzergehilfe nunmehr politischer Schnelläufer Herr Friedrich Schutz aus Prag, hat sich im Hotel Meißel in Wien zum Doktor der Rechte promoviren lasten. So entnommen dem Meldzettrl von» 14. d. M. \* Die Volkszählung in Prag ist, was die Feststellung der Zahl der anwesenden Bevölkerung mit Ausnahme deS im aktiven Dienste stehenden Militärs betrifft, beendet. Den „Nar. Listy" zufolge stellen sich die BevölkcrungSziffern nach den einzelnen Stadttheilen folgendermaßen: Hradschin 5905, Kleinscite 22.474, Zosefstadt 10.200, Altstadt 46.158 Und Neustadt 72.356, in Summa 157.123 Personen. Nach der Volkszählung im Jahre 1857 war die Bevölkerung von Prag ohne Militär mit 142.588 Seelen festgestellt worden; die Zunahme seit den letzten dreizehn Jahren betrug somit 14.535 Personen. Tic'Zahl der nach Prag zuständigen, aber anwesenden Personen dürfte beiläufig 18.000 betragen. Rechnet man noch zur Bevölkerung Prags die der beiden Vorstädte hinzu, so so dürfte Prag eine Population von 200000 Einwohner aufweisen. In Uni). Ein Akt der rohesten Brutalität wurde auf dem Wege zwischen Koste! und Rakwitz verübt. Ein armer 50jähriger Koslelcr Jslaelit von unbescholtenem Lebenswandel, dessen einziger Nahningszweig darin bestand, daß er durch mehr als 20 Iahte nach dim eine Stunde entfernten Dorfe Rakwitz täglich Sinmeln znm Verlaufe brachte, wurde am 4. d. in der sechsten Morgcnsirinde ermordet. Auf die vom r *) Uns hat k« nicht iibcrralcht, bofj die Ripräsentan; von einem so gesunde» Brzilksikbuliathr mibunben wmbe. Sonberbarrr Weise haben wir das Rtsuliat dieser Entbindung schon am Doniiklstag voriger W>tbe giwust«, geredr zur Zeit al« Herr Raudnitz Ccbmerzen zu dekcmmen onfina. Die wir die» rrsabrrn haben, ist recht drollig. Ein Hausirer, der jenem Hr>rn im Gaste Lorenz Seife zum jtaiise angeboren habe» 'oll, will de» Besellnf« einer Ersilllilast Hrrin Tedeteo zum Scheine, Huiu Roudnitz in Dirklichkcit ru wählen, g>hö>t haben. Wa« will Herr Raudnitz nreb All'» weiden? Piätendirt er vielleicht auch ans din lpnnisltzc» Tbic»? Mltiälichr Riise! di« Prager Juden lönnrn ihn enibihrkn. (Anw. d. Red.) t