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Die Gegenwart · 1870-02-18 · 8 (18.2.1870) · p. Seite 80

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
8 (18.2.1870)
Date
1870-02-18
Page
Seite 80 (sequence 8)
Language
German
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80 Botndny. In einer großen Zahl der wohlhabendsten «nb einflußreichsten Kaufleute von Bombay erkannte ich zu meiner großen Freude Glaubensgenossen. ES sind dort zwei Synagogen, eine in dem Fort (dem GeschäftStheile der Stad«) die andere in Dyculla, woselbst die meisten Privatwohnungen sind. Ich bin oft in letzterer gewesen; sie ist, glaube ich, in der That das schönste Gebäude in Bombay. Der Fußboden ist von weißen Marmorplatten, ebenso der Alme« «or. Das Holzwerk ist aus eingelegtem Eben, und Atlashol; zusammengesetzt. Sie wird durch fünf prachtvolle Candelaber erleuchtet, welche sowohl Abends wie Morgens gebraucht werden, da der Gottesdienst jeden Tag um fünf Uhr Morgens und mit Sonnenuntergang beginnt. Das ganze Gebäude wurde auf alleinige Kosten des verstorbenen David Saflun aufgeführt. Für einen Amerikaner oder Europäer ist der Anblick des Innern der Synagoge sehr fremdartig, besonders am Cabbath. »ro viele Frauen anwesend sind. Die Männer sitzen mit unterschlagenen Beinen und tragen Turbans und lange wallende Kleider von allen Farben. Die Damen, (welche zum Gottesdienst in Sänften kommen) tragen auch Roben und weite Beinkleider von hellrothem weißem oder blauem Atlas, ihr Gesicht ist ganz verhüllt mit Spitzen, so daß ich nicht sagen kann, ob sie schön sind oder nicht. ES ist eine sehr hübsche Gallerie für die Frauen da, wiebci >>nS, aber ganz dem Blicke der Männer entzogen. Die Gebete weiden in den portugiesischen Gemeinden vorgetragen,und sie hängen noch an den alten Gebräuchen und halten sich in den Grenzen der Orthodoxie. Ich glaube bestimmt, wenn man der Gemeinde „Schild Davids in Bombay so etwas wie Orgel und Ehor erwähnen wollte, so würde sie denken, man wolle ihre Synagoge in eine Kirche verwandeln. Der Ehasan, Ibrahim brn Selim, ist rin Araber, wie wohl die meisten hiesigen Inden, spricht jedoch ziemlich gut englisch. Er erhält bn Vrrheiralhung eines Paares eine Gebühr von 100 brs ftono Realen (b. h. 10—500 Pf. Strrl.) und ein regelmäßigen Gehalt von 6000 Realen jährlich. Sie sehen also, daß das Amt eines Ehasan nicht das schlechtest bezahlte in Indien ist, (Iew. Mess.) Lun st, Theater» nd Literatur. — L. Ar ch a ol o g i sch e S. Man schreibt ans Jerusalem dem „Journal Officiel" den 16. Jänner: Ein archäologisches Monument von besonderer Wichtigkeit wurde vom H. Eh. Ehermont Gonnrou. interimistischer Dragoman dcS französischcn EonsulS in Jerusalem eben entdeckt. ES ist eine große Basaltsäule, im Osten detobten Meeres, aufgefunde» auf dem Besitzthume der alten Moabiter. Auf diesem Säulrnschafte ist eine Inschrift von mehr als 60 Zeilen eingravirt, und zwar in phönizischrn Buchstaben, mit den Worten: „Ich Mesa Sohn des EhemaS — anfangend".- - Run ist Mesa estr König von Moab, welcher in der Bibel erwähnt wird und Zeitgenosse dcS Propheten Elifcha, de« Iasaphat. König von Juda, deS Achab,?OchoriaS und Joram Könige von Israel ist. DaS 3. und 4 Kapitel (?) des 2. Buche« der Könige geben uns einen ausführlichen Bericht von dem, von Joram und Josaphat gemeinschaftlich gegen Meso, König von Moab, unternommenen Feldzüge. Der moabitische Säulenschaft erzählt gleichsam den Kampf Mrsa'S gegen den König von Israel, und zählt die von ihm erbauten Städte und Tempel, die er dem Rotionalgotte der Moabiter zu Eham oß geheiligt hat, auf. Da« Alter diese« Monument« ist wesentlich durch den Synchronismus. den er mit der jüdischen Geschichte hat. bestimmt; <r steigt bi« neun Iah, Hunderte vor der christlichen Aera hinauf und ist um hundert Jahre ungefähr später al« die Regierung Salomo'». E« ist beinahe um zwei Jahrhunderte früher al« der berühmte Sarkophag de« Echmonazar. König von S idvn. Die phönizischrn Buchstaben der Inschrift gewähren einen veralteten Anblick, den man in keinem der bisherigen bekannt gewordenenen phönizifchen Monumente in solchem Grade bemerkt. Dian erklärt sich indessen die ^Inschrift mit einer solchen Sicherheit, weil alle Wörter durch Punkte gettennt und die Sätze durch vertikale Striche getheilt sind. Die Sprache selbst ist bis auf einige leichte orthographische Unterschiede rein hebräisch und man würde glauben, indem man diesen Text liest, eine Seite aus der Bibel zu lesen. Die Eintheilung in Berse und der ParalleliSmuS der Ansdrücke erleichtern die Täuschung. ES ist bekannt, daß die Moabiter überdies deniselben Stamme wie die Hebräer angehörten. Dieser kostbare Text, welcher durch ein gleichzeitige« Dokumeut der Begebenheiten, den Wert der historischen Erzählungen der Bibel zu kontroliren gestattet, und welcher der Ethnographie, Mythologie, Geografie, Linguistik und Paleografie reiche Beiträge liefern dürfte, wird soeben an die Akademie der Inschriften von Herrn Ch. Ch.crmond Ganneau mit einer Dissertation, welche unverzüglich veröffentlicht werden wird, geschickt. — Unser Landsmann Hr. Samuel W e lisch Ober- Cantor der „Ahawath Chesed" Congregration zu New-Aork hat den 93.' Psalm David'S: „Der Herr ist König" in Musik gesetzt. Diese Composition hat sich bereits in den meisten Tempeln Amerika« und selbst in einigen Deutschland- Eingang verschafft, so wird sie auch bereitseit einigen Sabbathen in der hiesigen Klaussynagoge von deren Eantor Hrn. Flamm ihr der hebräische Text unterlegt wurde, unter Anerkennung von Seite der Synagogenmitglieder vorgetragen. — Frl. Hermine Pollitzer eine geborne Wienerin, Schülerin de« Hrn. Professors R. Löwy, derzeit beim deutschen Theater in Bukarest als dramatische Sängerin engagirt, wurde bei ihrem am 1. d. daselbst stattgehabten Benefize vom Publikum sehr ausgezeichnet; die jugendliche Sängerin erhielt zahlreiche Blumenkränze, und ihre Leistung zeigte, daß sic nicht unverdient der Liebling dedortigen gebildeten Publikums ist. — Deutsche Bühne. Verflossenen Samstag kam Bauernfcld'« jüngstes Geisteskind „Moderne Jugend," das Fräul. Seitler zu ihrem Benefiz wählte, zur Aufführung, und errang trotz der Seichtigkeit, Dank dem frischen Spiele ' der Benefiziantin so wie der mitwirkenden Kräfte der Damen Frey, Bersing-Hauptmann und der Herren Oberländer, Sauer und Hallenstein einen nur momentanen Erfolg. Die große Beliebtheit, der sich Frl. Seitler erfreut, manifestirte sich in mehreren Kranz- und Bouquetspenden. Der „modernen Jugend," die so gerne wissen möchte, was hinter den Couliffen vorgrht, folgte „Herrn Kandels Gardinenpredigt" eine artige Bagatelle, die durch da« lebendige Spiel der Mitwirkenden, den Zweck der Erheiterung nicht verfehlte. Tags darauf präsentirte sich dem Publikum Frl. Pagay vom deutschen Theater in Pest als „schöne Helena" in der gleichnamigen Operette, und vergrößerte durch ihre liebenswürdige Darstellungsweise die Gunst, die sie sich bereital« „Großherzogin von Gerolstein" erwarb. Die schöne und einnehmende Erscheinung der Gastin trägt nicht wenig dazu, bei, sie für da« Publikum zu gewinnen. — Böh mis ch e Bühne. Wir haben erst kürzlich erwähnt, daß dem böhmischen LandeSthrater in der Person de« Frl. B u b e n i e e k ein neuer Stern aufgegangen ist, drffen Glanz nicht bloß über den Horizont unserer Hauptstadt sich verbreite» wird. Die zweite Rolle, mit der die junge Künstlerin vor da« Publikum trat. bewahrheitete unsere Anschauung in umfaffendster Weise. Die Dame bot als Violette inTraviata eine Leistung, wie sie von einer Debütantin gerade zu überraschen inußte, und wie sie vrmjeder vollkommenen Künstlerin befriedigt hätte. Vollendete Koloratur, eine sehr sympathische Stimme, und eine ungewöhnlich noble Darstellung-weise, die sich mit einer sehr tinstinguirten Persönlichkeit verbindet, geben der ganzen Leistung ein ungewöhnliche» Relief, da« sich auch der übrigen.- Vorstellung mittheilte. Da« Publikum war in seinen Beifall»« bezeugungen nicht geizig und belohnte die Künstlerin mit zahl-- Forffetzung in der Beilage.

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