Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 8 (18.2.1870)
- Date
- 1870-02-18
- Page
- Seite 75 (sequence 3)
- Language
- German
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75 i senschafter», deren Seelenzahl im Bezirk mehr akS 2000 de« trägt, den geistlichen Stand zur Bedingung macht, so sind wir nicht schlecht unterrichtet, daß dieser Ausnahmezustand einzig und allein der Prager jüdischen Vertretung- Clique zu danken ist. die ihn durch ihr Sprachrohr Dr. TedeSko al- Amendement im Landtage verklausuliren ließ. CS geschieht bei der Repräsrntanzclique Alles mit Berechnung und der Ealkul lauft darauf hinaus, daß erst sie, dann wieder sie und niemals rin Anderer kommen dürfe — und daß so lange man jung ist, daS heißt so lange die Glücksreligkeit der Repräsentanz forthesteht, man Zeit; und Umstände benützen müße, denn wer'weiß, ob sie einmal wieder so günstig lauten werden. DaS Amendement TedeSko'S fand seine Verwirklichung im §. 19 des SchulaufsichtSgesetzeS, doch so viel muthen wir den Gesetzvollftreckern zu, daß sie die israelitische ReligionSgcnossenschaft, wenn grade nicht in geistlicher Person, so doch dieser konform im BezirkSschulrathe vertreten wissen und unter jenen ConfessionS-Repräsentanten einen Mann verstehen wollten, der durch pädagogisch-didaktische und umfasiende Kenntnisse in jenen Wissenschaften, die vom Juden speciell gefordert werden, den geistlichen Vertreter gewissermaßen ersetzt. Nun solche Anforderungen an Herrn Raudnitz zu stellen, wird gewiß Nieu.and wagen, der ihn kennt. Dieser Mann, der eS mit den Vorschriften der heil. Schrift nicht genau nimmt, den langen Tag für den kürzesten im Bereiche der Natur ansieht und das ganze jüdische Gesetzbuch über den Haufen wirft, weil vermuthlich die Paragrafe in demselben keinen materiellen Nutzen abwerfen, gehört zu jenen Naturen, die sobald sie es nothwendig haben, die Seite des Juden hervorkehrcn, die sie sonst so gerne ignoriren möchten. Deßhalb der Contakt zwischen Behörde und Repräsentanz, deßhalb die elektrische Verbindung, so ist eS mit der h. Statthalterei, so soll eS mit dem Schulrath sein. Die natürliche Folge dieser galvanoelektrischen Batterie ist, daß die Juniß, welches ihrer Vereinigung mit William im Wege stand. Ihr Kummer war so groß, daß sie in eine gefährliche Krankheit verfiel, allein ob sie gleich an den Pforten des Grabes stand, war doch ihre erste Sorge, das Andenken des Geliebten rein hcrznstellen. Eie sagte sogleich eidlich auS und ließ eS vor Zeugen niederschreiben, daß William von elf Uhr Abends bis um vier Uhr des folgenden Morgens bei ihr gewesen sei, und in diesen Stunde» mußte, daS war ganz eriviesrn, der Mord begangen worden sein. Diese Erklärung wurde öffentlich bekannt gemacht, und der Unglückliche Jüngling gerechtfertigt obgleich Mancher noch an seiner Unschuld zweifeln wostte, weil eine zieinliche Zeit verstrich, ohne daß der wahre Mörder entdeckt wurde. — Mehr als fünf Jahre waren verstrichen, als ein Edelmann aus der Stadt, bei welcher B. ermordet worden >var, in eine entferntere Gegend des Landereiste. DaS Zimmer, worin er schlief, war durch eine nur ganz dünne Wand von dem getrennt, welcheein Anderer innc hatte. Der Edelmann erwachte mitten in der Rächt und hörte, wie sein Nachbar mit einem schrecklichen Schwure murmelte : „Ja I ja l das ist der Waldplatz, das ist er l — Lagt mir nichts von der Hölle I — B. verdiente zu sterbe», eS kann niemals hrranSkommen!" Diese Worte erweckten in dem Edelmannc die feste lieberzeugung, daß der fremde wirklich der Mörder deS unglücklichen D. sei. Er schlich sich daher leise die Treppe hinab, und weckte einige Diener auf. mit dem Begehren, den fremden Mann nicht auS dem Hause geben zu laffen, biS er wiederküme. Er begab sich nun gleich zu den Jnslizbeainten, mit denen er bald znrückkehrte. Nachdem der Fremde verhaftet worden, wurde er als B s Mörder angeklagt- Erschrocken, wie die That entdeckt sein mochte, gestand er sie inr ersten Schrecke» ein. Er war, wie eS schien, ein Rcisendrr für einige Handelshäuser in London. B. pflegte die Hauptstadt I oft zu besuchen. Er sah und verführte deS Manne» Weib, welche» sehr hübsch war. Der Mann liebte sie dergestalt, daß er sic gern wieder genommen haben würde, nachdem sie ihm cntlaufen war, allein sie wollte nicht wieder zu ihm, und kurz darauf entfernte sie > sich auch aus London, ohne daß er hörte, wohin sie gekommen sei. dengemeinde zum Aschenbrödel wird und der Weg deS jüdischen PnblikumS zu den verschiedenen Instanzen gewissermaßen verrammelt werden soll. CS ist fürwahr ein trauriges Schibolet der jüd. Gemcindezuftände, daß die Repräsentanz nur da ist, um sich auf Soften der Gemeinde zu Ehrenstetten zu verhelfen und egoistische Zwecke zu verfolgen. Und wenn der christliche Schul:ath Wantrup in der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses am 1. Dez. v. I. die intolerante Aeußcruug mit Emphase auSrief: Denken Sie sich einen Juden in Offizier-uniform," so wollen wir, um ' theilweise mit Wantrup zu sprechen, auSrufrn: „Denken Sie sich Dr. Randnitz als k. k. Bezirksschulrath." Die Stellung des Rabbiners im Kampfe Mischen Glauben und Wissen, nebst einer Charakteristik der philosophisch-exegetischen Leistungen 2 b n Es ras. Rede, gehalten bei Gelegenheit dcS Austrittes aus dem Breslauer Sciniminar von Or. G. Perlih. Hochansehnliche Versammlung! Bei meinem Scheiden aus dieser Anstalt ist eS mir Be. dürfniß, mich vor Ihnen über einen Gegenstand auSzusprechen, der, wie mich dünkt, für den ins praktische Wirken eintretenden Rabbiner nicht nnwichtig ist. Mich und meine heute mit mir auS dieser Anstalt st.eidenden Eollegcn, in deren Namen ich spreche, drängt eS, uns über die Stellung des Rabbiners im Kampfe zwischen Wissen und Glau« Sei» Haß gegen B. glich der Liebe zu seinem Weibe, und doch hatte er kein Mittel seine Rache zu befriedigen, denn, obgleich er selbst von der Verführung seines Wcjhc» durch B. überzeugt war, konnte er dieses doch nicht vor Gericht beweisen. Unglücklicherweise befand sich der beleidigte Ehemann gerade in einem Gasthofc wo B. mit einer Gesellschaft von seines Gleichen die Nacht wo ihm sein Schicksal ereilte, speiste. Er hörte, daß einer der Aufwärter bemerkte, daß wenn er Squire B. wäre, er nicht gern burch den Wald »ach Hause reiten würde. Er bcthruerte, daß er bi» zehn Uhr keinen Gedanken daran gehegt habe, B. zu ermorden, allein in jenem Momente habe sich ihm der teufliche Gedanke dargeboten, er könnte sich jetzt leicht, ohne in Vcr. dacht zu gerathc», an ihm räche». Er war auch stärker als B,, und glaubte feiner leicht Herr zu werde», dabei war er wohl beritte», und da er oft spät reiste und nicht gesagt halte, daß er über Rächt bleiben wolle, so konnte sein Weggang auch keinen Vcrdacht erregen. Er verließ also daS HauS und wartete im Walde auf sein Dpfer. Jndcß er hier auf der Lauer stand, bemerkte er aus dem Boden daS Meffer, welche» der arme William wirklich vorher verloren hatte. Er hob es auf, und als er den »»glücklichen B. von» Pferde geworfen, bediente ec sich dcsielbcn um ihnr vollend» da» Leben' zu »ehine». Sein Gcständniß war in jeder Hinsicht so klar und erschöpfend. daß man an seiner Schuld nicht zweifeln konnte. Ec wurde deshalb als schuldig erkannt und hingerichtet. Durch diese Entdeckung aber wurde die Unschuld de» unglücklichen Gärtners von jedem Schatten eine» Verdächte» gereinigt. E» schien, als habe ihn seine Geliebte blos überlebt, um diese Rechtfertigung z» erfahren. Ihre Gesundheit befand sich von der Zeit an, wo sie sein Schicksal vernommen hatte, in äußerster Hinfälligkeit, und in weniger als einer Woche nach der Hinrichtung de» wahren Mörder» gab sie den Geist auf. 8*