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Die Gegenwart · 1870-02-18 · 8 (18.2.1870) · p. Seite 74

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
8 (18.2.1870)
Date
1870-02-18
Page
Seite 74 (sequence 2)
Language
German
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den Sermon de- Herrn Landr-schulratheS schätze. Der Gewählte in seiner Art vielleicht eine pädagogische Erscheinung, die ihre ErzithungSsystemt'bei Wahlagitationen stet? zur Geltung brachte, ist ein eben so großer Pädagog alS Didaktiker. welche Eigenschaften, zwar ungesehen, sich Herr Raudnitz von seiner ganzen Vergangenheit herüberholte. Zu einer Zeit, als Tr. Raudnitz noch ein destilirter juristischer Agent war, hatte er freilich Muße, täglich den pädagogischen Vorlesungen seiner Parteien bcizuwohncn und später, zwar ln keiner verfassungSfreundlichen Epoche, als ihn das Glück, einige wollen eS Protektion nennen, zu:n Advokaten machte und sich bei diesem damals advokatischen Solisten di« außerordentliche Einbildung einer außerordentlichen Klugheit außerordentlich steigerte, hatte er Gelegenheit Didaktiker zu werden. So kommt es, daß Herr Raudnitz pädagogisches Wissen nach kamschadalischen Muster hat und längst schon ein kchripstitut für die reifere Jugend errichtet hätte, wenn sich nicht Pachtverträge und Prozesse besser rentireu würden. Die eminente Begabung eine« solchen Mannes, in dem sich eine ganze Enchklopädic verkörpert, so wie dessen Himmel anstrrbendes Genie dürften ihn noch dereinst zu einem Feldherr« machen; denn Herr Raudnitz. der auch das Zeug eines Hannibal in sich fühlen dürfte, nimmt Alles und noch darüber an, je mehr, so denkt er, desto besser. Manche Menschen genießen allerdings das Glück, daß man sie für klüger hält als sie sind, während eben die ganze Klugheit in der Täuschung liegt und diese nichts anderes als Spiegelfechterei ist. Ralur- und Sachgemäß bleiben die mit Sand in die Augen Gestreuten die Gefoppten und Meister Schwindel streicht die Bortheile ein. Die Eonsequcnzen solcher moralischer diebelbilder sind die Arroganz und die alles AnstandSgejühl penetrircnde Unverschämtheit. Herr Raudnitz aller Welt Weisheit Besitzer kennt so wie seine Satelliten die Mittel genau, die ganze Skala er wolle sich schon dafür an rächen. Cr hotte gesagt: „Ich habt meine Gründe gehabt, B. nicht sogleich derb dnrchznpnigcln, ,ch trolle mich aber mit dein Gedanken, daß schon eine ikit kommen wird, wo er mir meine Schläge thcncr bezahlen soll." C» war gleichfall» erwiesen, das William, am Abend, vor der Rächt, wo der Mord begangen war. z>vci Arbeitern begegnet, die sich eben zu ihrer Arbeit begaben. Cie bemerkten, daß seine Hand und Kleidung mit Blut bellcekt waren, welches er aber für die Folge von Nasenbluten anSgab. Beide Männer erkannten in in seinein Wesen Spuren von Bcrivirrung und Zerstreuung, und einer von ihnen fragte ihn, ob ihm etwabegegnet fei? Cr antwortete kurz abgebrochen: „Nein, wa» soll mir denn begegnet sein?" Al» er Lord T S Dienst verließ, miethete er sich eine kleine Hütte, worin er seitdem für sich lebte. AlS die MagistratSpcrsonen hineintraten, uin ihn zu verhaften, fanden sic, daß er nicht in seinem Bette gelegen hatte. Cr saß in schivcnnüthiger Stellung da, hatte seine «leider nicht gewechselt, die auch sic mit Blut befleckt fanden, und erklärte dieß, wie er e» vorher den .Arbeitern erklärt hatte. Cin allgemeine» Mitleid mit dem llnglücktichen bemächtigte sich der Gcmüther aller, die bei den» Gerichte amvcsend waren. Sein Ansehen war u» höchsten Grade sanft und intcrcflant, und eine Menge von .teugen sprachen für die Güte seines Charakters und da» Menschlichedle seiner Natur. alleiit^nichtS schien die gegen ihn zu zeugenden Thatsachcn zu entkräften. Cr wurde iviederholt gefragt, wo er die Nacht zugcbracht habe, und man sagte ihm, daß von diesen» Uniilande allein seine LoSsprcchnng oder Verdammung wahrscheinlich abhinge; allein aus diese Frage iveigcrte er sich durch, au» zu antivorten, und trotz der Belhcucrung seiner Unschuld, waren doch die Bciveise gegen ihn so stark, daß er deS Mordes schuld ig befunden m»d zur Strafe der Gesetze verurthcilt wurde. Cr ertrug sein Schicksal mit Fassung und Crgekung, und betheuerte bi» an sein Cnde, daß er durchaus nicht» von dem Verbrechen »viste, weßhalb er den Tod erleide. Wie schrekklsch war die Vage de» jungen Manne». Cin einzige» Wort würde seine Unschuld bewiesen, und ihn von einen» vom BereinSsekretSr bis zum Repräsentanzmitgliede von diesem bis zum deutschen Casino ergo LandtagSabgeordneten, dann'weiter bis zum Bezirksschulrath und wenn eS gut geht, bis zu einer Auszeichnung durch,umachen. Was Wunder! wenn ihnen die neueste Aera als eine fegenSoolle gesegnete erscheint, wenn sie ihre BerfassungSfreundlichkeit in förmliche Berzütkung bringt, haben sie ja durch diese Aera allerlei EhrenbonbonS, durch diese BerfassungSfreundlichkeit allerlei einträgliche Stellen aufzuweisen und geht dieser Taumel so weit, daß jeder dieser jüdischen Repräsentanz-Satrapen einen Antheil an dein Portefeuille der Minister zu haben glaubt, während ihr schreibseeliger Sekretär in seinem Casinowirken noch weiter ging und behauptete, ihm habe der gegenwärtige Justizminister^sein Portefeuille zu danken. Schwachgläubige Raturen wollen deren Einbildung höher taxireit als den Einfluß, uns genirt weder jene noch dieser. — Wol sind, wir überzeugt, daß jene Herren einer Idee, politischer oder was immer für einer Natur, materielle Interessen zu opfern, sich schwer entschließen, nie LandtagS-Diäten leicht verschmerzen, nie den LandeSausschnß verlassen würden, wol sind wir überzeugt, daß die Regierung, hätte sie jene Herren in der Opposition, mit dieser längst schon fertig wäre und je mehr wir von der fadenscheinigen Systemvergötterung überzeugt sind, desto weniger will uns daö Avancement der jüdisch-deutschen Clique behagen. Die jüdische Repräsentanz als solche ist däz» bestimmt, die kultnellen Interessen der jüdischen Gemeistde zu wahren, seit einigen Jahren ist sie jedoch zu einem förmlichen Anfragsprotokoll herabgesunken, in dem eS heißt: Ist hier eine Deputirtenstelle frei? ist eine BezirkSschulrathftelle erledigt? oder ist eine Handelskammer zu vermicthen? Wenn dann das SchulaufsichtSgesetz ausnahmsweise verlangt, die israelitische Religionszenossenschaft soll im BezirkSschulrathe vertreten sein, während sie bei andern GlaubenSgenosschiinpstichcn Tode gerettet haben; aber diese» Wort hatte auch den guten sstllf derjenigen, bitcr mehr al» Leben und ehre liebte, für im. mcr befleckt, c» würde sie dein heftigsten Zorne eine» thranni scheu Paters auSgesctzt haben, besten Leidenschaften ihn zn jcdein Aeußcrsten führen und selbst ihr Leben in Gefahr bringen konnte. Diese Betrachtungen veranlaßteu den hcldeninüthigen Jüngling, da» Gchcinlniß, daß er die unglückliche Nacht, worin der Mord begangen worden, mit Miß T. zugcbracht hatte, in seiner eigenen Brust zu begraben. DaS unglückliche, irregeleitete Mädchen war, »vcgci» deS Geize» und Übeln Betragen ihre» Vater» fast ohne alle Bildung auferzogcn worden. Sie war von Natur reizbar. William lvar nicht häßlich, und von feinen» Sitten, al» man sonst in seinein Stande anzntrcffen pstcgt. Der Sguire B., für den da» junge Mädchen, ivic er wußte, bestimmt war, hatte wenig Anziehende», war von auSschiveifenden Sitten,- u»»d viele Jahre älter alS sie selbst; ihre Abneigung gegen ihi» verstärkte die aufkeiinende Neigung für William, und sic vergaß sich sogar so iveit, daß sie ihin fest n,»d feierlich gelobte: nie da» Weib eines Andern zu iverdent —- In der Nacht, »vo B. rnnordct wnrdr, hatte sie Williain in ihre» Vater» Gartri», z»» dein rr einen Schlüssel hatte, eine Zusaniinciiknnft bewilligt; eine Dienstsean, welche sie nach Frankreich begleitet, ivußte »in dieselbe. C» war zwar dabri »licht» vorgefallen, Iva» nur da» grringstr Crröthcn auf die Wangen der Schamhaftigkcit hätte locken können, allein der unglückliche Williain wußte z» gut, in welchem Sichte die Welt besonders der Vater seiner Geliebten de» Vorgang betrachten »vürdc. Die Liebenden blieben zusaininen biS zun» äußersten Momente, u»»d die Beivcgung, »somit re von ihr Abschied nahin, in der Ahiiung, daß die» cm ewiger Abschied sein werde, hatte ihin da» Nasenbluten verursacht, »vodurch seine Kleider auf eine verdächtige Art besteckt »vorden »varen, anch ivar rS nicht zu verwundern, daß die Angst, »velche ihn beim Abschiede übersiel, für die Verwirrung eiueö schuldbewußten Herzen» gehalten ivurde. Die Cmpfindungen der arinen Miß T. alS sie zu spät, um e» abziiwenden, da» Schicksal ihres Geliebten erfuhr, lasten sich nicht -beschreiben. Wenige Tage zuvor, ehe sie die Nachricht davon erhielt, entfernte der plötzliche Tod ihre» Baters da» einzige Hinbee-

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