Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 8 (18.2.1870)
- Date
- 1870-02-18
- Page
- Seite 73 (sequence 1)
- Language
- German
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Man «tonntetfüt Prag, ©«■liftit» fl- 5 — Halbjährig „ 2.50 vierteljährig,, 180 «it f cfijBitnbung: ««zjährig fl. 5.50 Halbjährig „ 2.75 Biertrljährig „ 1.50 Für- Au-land: Saitjährig 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Inserate werdea bil- Ugft berechnet. Die Gegenwart. Hrgan für die Znteressm des Z»denthums. Erscheint allwöchentlich am Freitag. «edaktian Ah»l. aiftratia, Prag, «ittrrgafseRra. 408—l »ahi» alle ©riefe n. Geldsendungen zn richtra finh. Anschriften »e> franko erdete«. nnslriptr werden bei Richtverwradnng ans verlange« jedoch nnsrantirt znriicker stattet. Ur. 8. Prag 18. Frbruar 187V. III. Jahrgang. , Das hat noch gefehlt! Saum haben wir unS von dem panischen Schrecken erholt, Herrn Dr. Raudnitz das erste Mas auf den Fünf- ' kirchenplatz oujmarschircn zu sehen, entschädigt unS dieser gefpaßige Herr wiederum mit einem Gaudium, das noch intensiver wirkt als der Schrecken. Herr Naudnitz nämlich tritt uns bald da, bald dort in verschiedenen Gestalten auf, einmal durch Verwendung von einigen Bekannten, als Mitglied der Repräsentanz, das zweitemal durch, wie die „neue freie Presse« sich seiner Zeit berichten ließ, Intervention eines Schwagers, als Landtagsabgeordneter, das dritte Mal als Vertreter einer Aitrrpocktgesellschast und nach der neuesten Depesche aus der Repräsentanz als BezirkSschulra th. Der geehrte Leser dürfte ob dieser neuesten Novität lachen und die bezirkSschulräthliche Position, die Herr Raudnitz tiuzuuehmen gedenkt, für einen unzeitigen Scher; ansehen, aber wir verbürgen, daß Herr Raudnitz in der Präger jüdischen Repräsentanz von sieben unter dreizehn Stimmen in den Prager Bezirksschulrath gewählt wurde und es keinem Zweifel unterliegt, daß jener Herr, der Alles auspackt, bei dem Umstande, wahrscheinlich im Borhinein dieser Stimmenanzahl versichert worden zu sein, die Wahl auch angenommen habe. Die Sache hat freilich ihre komische aber auch ihre ernste Seite welch letztere Gegenstand unserer heutigen Besprechung ist. Feuilleton. Liebe und Ehre. Bar einigen Jahren entließ rin Edelmann im westlichen England. der große Gütrr besaß, plötzlich einen jungen Mann, der bisher al» Gärtner bei ihm gelebt hatte. Man erzählte, diese Lntlaffung sei dadurch veranlaßt worden, daß die Tochter de- Edelrnannr-, und dcflen einzige- -ind, rin schönejunge- Mädchen von ungefähr 18 Jahren, ihre Augen auf ihn geworfen habe, und diese Erzählung schien dadurch bestätigt zu werden, daß sich da» Müdchen standhaft weigrete, einen benachbarten Gut-brptzrr ihre Hand zu geben, dem sie ihr Bater schon längst bestimmt hatte. Gereizt durch diese Hartnäckigkeit, womit fir auf ihre Weigerung behante. beschloß ihr Bater Lord T., fir alstostgängerin in ein Kloster nach Frankreich zu bringen, bidie Zeit fie seinen Wünschen geneigter gemacht hoben würde. Sie reisten demnach nach Frankreich ob. allein am Tage ihrer Abreise fand man den Squire B., den Edelmann, weichen dajunge Mädchen autgeschiogen hatte, ermordet in einem Gehölze dicht an seinem eigene» Hause, und nicht »eit von dem de» Lord T. — Der 8. 19. d., de- SchulaussichtS-Gesetzcfür das Königreich Böhmen, sagt wol: »Der allfällige Vertreter der israelitischen ReligionSgenossenschast wird von den Vorstehern der CultuSgemeinden deS Bezirkegewählt," sagt aber nicht, daß dieser Vertreter auS der Mitte der Vorsteher gewählt werden müsse, grade so wie 8- 34 Abs. 5r. bestimmt, „der LandeSschulrath bestehe auS zwei katholischen, einem evangelischen Geistlichen und einem Be kenn er des israelitischen Glaubens keineswegs aber bestimmt, aus einem Mitgliede der jüdischen Repräsentanz. Doch was kümmert diese lustigen Herren, die eine eigenthümliche politische SpecieS abgeben, der Wortlaut de» Gesetze-? wenn sie nur ihre Rechnung finden, legen sie sich schon da- Gesetz nach ihrem Geschmacke zu Recht, mögen nun die Eigenschaften zu dem etnm oder dem andern Amte vorhanden sein oder nicht. Die für eine frühere Sitzung bestimmt gewesene Vornahme der Wahl eine- Abgeordneten in den Bezirk-schulrath wurde über Antrag deS Dr. Raudnitz auf die nächste Sitzung vertagt, damit man sich, wie er sich au-drückte, der Persönlichkeit über deren Eigenschaft vollkommen klar werde. Herr Dr. Wiener verlangt von dem Bezirksschulrath nebst pädagogisch-didaktischen Wissen auch Energie. Dieses große Wort sprach der LandeSschulrath Dr. Wiener zum jüdischen Rrpräsrntanzmitgliede Dr. Wiener gelassen aus, und rwurde bald darauf in der Wahl des Dr. Raudnitz deutlich bewiesen, wie hoch man II.,-,. WI-I—■ m .J1! - Da B S Uhr und Börse nicht geraubt worden, so war rt klar, daß der Zweck der Mordthat nicht Gewinn gewesen sein konnte. Der Unglückliche hat an mehreren Orten de- Körper» Stiche erhalten, und neben ihn» lag rin Messer, womit dem Anscheine I nach die schreckliche That vollbracht worden war. Dir ganze Gr> gend war sogleich in Bewegung, drin Mörder au dies Spur z» kommen, r» wurden große Belohnungen aus sein« Entdeckung gesetzt, und mehre Personen gericthen in Verdacht. Allein gegen Niemand vereinigte fich so Viele-, al» gegen den jungen Gärtner, und di« ai'schtinenden Btlveise gegen ihn waren nicht unbedeutend. Zuerst gehörte da» Meffer, welche» man bei dem Leichnam grsundk» hatte, ihn» zu. Er selbst leugnete dirß auch nicht ab. bchanptete aber e» einige Zrit vorher verloren zu haben. Ferner hatte er oft seinen Widerwillen gegen den Ermordeten auf da- Stärkste au-gedrückt, selbst den Morgen, ehr man den Leichnam fand, hatte er gegen einen Nachbar geäußert, der bel ihm an der Thüre gestanden. al» Squire B. eben vorüber ritt: »Den hast' ich in meiner tiefsten Seele I Er reitet zueinem seiner Lustgelagr. Der filzige Kerl nimmt selten einen seiner Diener mit. obgleich er immer so viel trinkt, daß er Jemand braucht, um ihm sortzuheisen. Es sollte niich gar nicht wunder«, wenn ihm nächsten» was zustieße. " Ein anderer Zeuge, der vorher «it «tlllam — so hieß der Gärtner — Bedienter bei B. gewesen war. sagte Zu» : Der Squire Hab« einmal den jungen Mann geschlagen, und dieser habe erklärt.