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Die Gegenwart · 1870-02-11 · 7 (11.2.1870) · p. Seite 70

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
7 (11.2.1870)
Date
1870-02-11
Page
Seite 70 (sequence 8)
Language
German
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70 Dm dem israelitischen Spital und Gewerbschule 20000 Franks geschenkt, und versichert, daß nach ihrem Tode ein jährliches Einkommen von 100000 Franks, diese wohlthätige Anstalt beziehen wird. Auch Herr 1'eon Werth aus Colmar hat sich um diese Anstalt als Hauptgründer derselben, sehr verdient gemacht. Pari». Hier liat sich ein neuer Verein unter dem Namm „Ewige Ruhe" gebildet, und zwar zu. dem Zwecke, um dessen Mitglieder auf einem Bcgräbnißplatze in Paris, eine ivmiei währende Grabstätte zu verschaffen. Der Verein wird Grundstücke kaufen und dort Grüfte zu 18 bis 24 Abtheilungcn bauen lassen. Marseille. Herr Alexander -ippmann, Vorstand, der Israeliten Gemeinde in Bcsamwn, starb in einem Alter von 100 Jahren, er vermachte dem dortigen Tempel die Summe von 20.000 Frks. und bedachte die Armen seines Bezirkes mit ansehnlichen Summen. Vanry. Das Museum dieser Stadt hat vom Minister der scheuen Künste ein. Gemälde von Herrn 1'cwy, vorstcl- Icnd: „Die weinenden Inden an den Ufern Babylons" als Geschenk erhalten; dieses Gemälde wurde bei der letzten Kunstausstellung in Paris durch eine Medaille ausgezeichnet. Brüllet. Der Herr Dberrabbincr Astruc, den ein Unwohlsein in Bordeaux zurückgchaltcn hatte, konnte mit dem Israeliten-Gemeindc Vorstände am I. Inner bei Hofe nicht rrschrinrn. Der völlig, welcher dessen Abwesenheit bemerkte, fragte de» Präsidenten um die Ursache. Einige Tage darauf erhielt Herr Astruc vom König ein sehr schmeichelhaftes Antwortschreiben auf die an Seine Majestät von demselben gerichtete schriftliche Beglückwünschung. Rußland. In N ewE'jor k hat sich ein Verein gebildet, zu dem Zwicke, die nach Amerika auswandcrndcn russischen Israeliten so viel als möglich zu unterstützen und ihnen die Mittel an d,c Hand zu geben, sich daselbst ctabliren zu können. — Zn diesem Zwecke haben sich mehrere Rheder bereits dem Bureau der „Alliance israelite“ vorgcslellt, und ihre Schisse zum Transport, der russischen Israclitc« nach Amcrila angrboten. Cie versprachen auch die Emigranten mit solchen Nahrungsmitteln zu versehen, daß sie während der Uebcrsahlt nach den religiösen Vorschriften werden leben können, Petersburg, Iäncr. lZur Rckrutirun g.) Von östrrreichisct en Blättern wird in alarmircnder Weise die Nachricht verbreitet, ncnern Bestimmungen zufolge sollten in Rußland die Inden his zn ihrem .".l. Vcbcnsjahre rckrulirungspflichtig sein. Diese Meldung erweist sich nach der „N. A. Z." als eine Ersindung. Thatsüchlich werden in Betreff der Militärpflicht der Inden in Rußland größere Begünstigungen gewährt, als den Christen. Sic sind zum Zweck der Relrutirnng in Gemeinden von je 1000 Seelen gcthrilt. Jeder Biiichthcil einer Rckrutcnstellung» welcher auf eine Gemeinde fällt, kan» mit ^icld abgclöst werden. Die in einem Bezirk bis zu loo Werst von der östcrrcichi« schen und der preußischen Grenze wvhiiliastcn Juden haben das Recht, falls sie nicht mit ihren Abgaben im Rückstände sind, sich von der Retrnlirung lvszukaufcn. Derjenige, welchen das Vvs trifft. Ionn einen Ersatzmann stellen, der im slrhenden Heere mit 200, in der Reserve mit 100 Rubeln jährlich zu bezahlen ist. Gewinnt er in seiner Gemeinde selbst einen Ersatzmann, so bleibt es ihm überlassen, sich mit demselben privatim über die Entschüdigungssnmme zu verstand! gen. Aiißerdein sind alle Ackerbau treibenden Juden für eine Reihe von Iahirn gänzlich von der Rrkrutiriing befreit. Uebrrhaupt timt das Gonvernenient sehr viel, nm die 2agr der Juden zu verbessern. Diejenigen, welche Gymnasien und klniversitätrn besuch! haben, können in den Staatsdienst eintretrn, resp. sich als Aerzte oder Apotheker ctabliren. Von Etaatswrgcn sind schon längere Zeit 24.000 Rubel jährlich zu Freitischen für jüdische Studeuten ausgrsctzt. Der vollen Cmancipation des Juden wiedrrsctzen sich am meisten Fa- »atikcr aus ihrer eigenen Mitte. Ni))a. Die Herrn Josef Kolombo und Benjamin Mayrargcues sind als Richter beim Handelstribunal ernannt worden. Egypten. Hier hat sich unter dem Bemühen des Herrn I. Mace ciü Verein unter dem Titel: „Kreis von Cairo" deS rgyptifchen UntcrrichtSvereineS gebildet. Dieser Verein hat den Zwcck.den Unterricht durch alle möglichen Mittel zu fördern, ohne daß derselbe Rücksicht ans Religion und Nationalität nimmt. An der Spitze derMitbcgründnngSgliederstehen auch die Herren Dokt. Horaz Castclcnuovo und H. M. C. Bäcara. Australien. Das dortige Parlament hat den verschiedenen Kulten in der letzten Sitzung in dem für die Kolonie bestimmten Budget eine Subvention von 1,250000 Franks festgesetzt, woran auch die Bekenner der israelitischen Religion Thcil nehme». Jedoch die Söhne des „himmlischen Reiches" deren Anzahl 25000 betragen, sind, da sie Götzendiener sind, obwohl sic auch bis jetzt einen Theil davon bezogen haben, von nun an davon ausgeschlossen, indem die Regierung beschlossen hat, die Subvention nach und nach aus Nichts zu reduzieren. K u n ft, T h e a t e r » n d L i t e r a t n r. — Herr Dr. Rabbinovicz veröffentlichte eine lateinische Grammatik, worin das lateinische durch die Regeln der französischen Sprache näher erläutert wird. Viktor Hugo hat ihn hierüber ein sehr belobendes Schreiben zugeschickt, worin er dem Verfasser seinen Beifall ausspricht. — Der junge englische Gelehrte Herr Palmer, welcher seit uithrerrn Jahren mit der Durchforschung der Halbinsel Sinai sich beschäftigte, veröffentlichte einen Bericht über das Resultat seiner Entdeckungen. Er entdeckte in der Nähe eines ausgrtrocknete» Baches eine Stelle, wo sich zahlreiche Steinhaufen, bezeichnet nach der Tradition als alter Aufenthaltsort der in der Wüste hernmirrrnden Israeliten, vorfandcn. Herr Palmer hat mehr als 6000 auf dem Felsen ausgcbaiiencn Inschriften kopiert, welche sich aber nicht von nn« sercr Epoche dalircn. — Unter den, in Paris neu erschienenen Werken verdienen besonders Erwähnung: „Bcrthcidigung deS Judentlmms oder Untersuchung der Vorurthcile in Beziehung der Israeliten von I'at Rwy, Dbrrrabbiner von Kolmar 1867." —' „Kurze Geschichte der Juden und ilres Glaubens von E. A. Astruc, belgischer Dbrrrabbinrr 1809." — „Der König der Juden, von Herrn Hippolit. RodrigucS 1870". Der Vrrsasser hat sich bereits durch die Herausgabe mehrerer Werte als: „Die drei Töchter der Bibel," über den Ursprung der Bergpredigt und über die Gerechtigkeit Gottcö einen Ranien erworben. M i ö c e l l e n. X Ein recht guter Kopf. Ehajim: „Herr Rabbiner. was soll ich doch aus meinem Itzig machen? Er ist so ticssinnig und schaut immer in den Boden hinein? Rabbiner : „Dann isls am besten, Ihr machet auS ihm einen— Vnnlpcnsanimler." — Ehajim: „Ja aber, Herr Rabbiner ich möchte dech geni nirinen Itzig sludiren lassen, denn dazu wird er recht gut passen." Rabbiner: „Hat er auch einen gutem Kopf?" Ehajim: (ganz heiter) „D, einen guten Kops! denn er ist schon dreimal durch unsere Stiege hcruntergefallcn auf den - Kops, und ist ihm nichts geschehen. X Im Bureau eines Untersuchungsrichters wird eine Dame jüdischer Coufession als Zeugin vernommen. Der Richter will zur Vereidigung schreiten und schellt deshalb nach seinem Diener. Dieser erscheint. „Holen Sie mir die ~ Fortsetzung in der Beilage.

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