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Die Gegenwart · 1870-02-11 · 7 (11.2.1870) · p. Seite 68

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
7 (11.2.1870)
Date
1870-02-11
Page
Seite 68 (sequence 6)
Language
German
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68 Historischen Wissenschaft verbreitet zu haben und trug er dazu bei, unS auf angenehme und nützliche Weise den Winterabend zu verkürzen. Alle diese Vorträge fanden ungetheilten Beifall und waren viele Zuhörer, auch Tomen, Vertreter brr JnteMenz auch Nichtisraeliten — anwesend. H. Redner würde einem dringenden geistigen Bedürfnisse der Literaturfreunde und dem allgemeinen Wunsche entsprechen, wenn er auch nächstes Jahr diese interessanten Vorträge fortsetzen würde, wie er es auch am Schlüsse zusagte, daß er sich zu diesem Zwecke mit andern tüchtigen Kräften vereinigen wolle, und die Hoffnung hege, auch von ausländischen Eapacitäten auf dem (Erbiete der jüd. beschichte und Wissenschaft in diesem literärischen Streben unterstützt zu werden. Reu?)ork im Jänner 1870 (O.-K.) Hatte früher die jüdische amerikanische Presse durch große Trockenheit gelitten, so droht ihr jetzt eine Uebcrschwemmnng durch wässerige Artikel über das neueste radikale Programm. Außer einigen mehr wissenschaftlich gehaltenen Artikeln im „Ilcbriw Leader“ waren die meisten derselben eine Variation debeliebten Thema-: „Weg mit dem alten Plunder, her mit dem Zeitgeist! Wir Erleuchteten von der neuesten Eivilisation dctretircn eine neue Acra de- Judenthnms!" Unglücklicherweise haben die meisten Verfasser dieser Artikel ihre erste Ausbildung im Ehedcr und auf der Jcschibah erhalten und tönneu trotz späterer wissenschaftlicher Studien das Bochurmäßigc nicht los werden. Anstatt ruhig gehaltene Aufsätze legen sic den Lesern persönliche Katzbalgerrien, ein ewiges Trchcn im Eirkel und daher auch eine Eonfnsivn der Ideen vor. Daß dem H. Sonnenschein in dieser Jdccnvcrwirruug die Palme gebührt, wird Ihren Leser gewiß nicht überraschen. Er hat wirklich mehrere Artikel veröffentlicht, welche angeblich die Rabbiner Eonscrenz besprechen sollen, in der That aber ein Erguß einer gekränkten Seele sind, welche Andere gelehrter und tüchtiger weiß. Solche Personen können jedoch durch ihre Wichtigthucrci höchstenein Lächeln der gebildeteren Leser entlocken und verschallen wie eine Stimme in der Wüste. Weittragender für die Re« form ist ei» Eonflikt, wrlckcr zwischen zwei Rabbiner der Eonscrenz ausgrbrochcn. Ein junger Mann wollte ein Mädchen hciratheu, dessen Vater ein Jude, dessen Mutter jedoch eine Ehrisliu ist. Tr. Einhorn verweigerte den Tranakt vorzunchmen, insolange die Braut nicht in gehöriger Form eine Jüdin wird. Hnr Gnlhcim, englischer Prediger am Tempel Emannel willigte ein daS Paar zu trauen, auch ohne diese Bedingung, wollte jedoch stine Einwilligung znrückziehen, alS er von der Weigerung des Tr. Einhorn Kcnntniß erhielt. Hier mm intcrvenirte der Vorstand dcS Tempels Emannel und veranie.sstc de» Herrn Gnthcim diese Trauung vorzu- »rhmrn. Einhorn, der feinen Widerspruch vertragen kann und in dieser Handlung richtiger Weise mehr eine persönliche Handlung gegen sich alS eine Prii eipirnfrage sah, erließ einen Artilel, dessen Ansichten wohl vom thalmudischen Staudpnulte im Prineipc vvlllvmmeu gerechtfertigt erscheinen, aber unter dem radikalen Programm, dessen Hauptvrrfasser er ist, mehr Sophistereien als gesetzlichen Entscheidungen ähnlich sehen. So lange diese Herren Prediger, oder Rabbiucr, wie sic sich lieber neunen hören, dem indifferenten Juden schmeicheln, alles Unbequeme, welches die Religion für ihn haben lau», grsülligst ans dem Wege räumten, ernten sic den Vcifall und die Zuslimmnug; wenn sic aber einmal gegen diese Wililühr austrctrn, nnd rin jüdische- Gesetz, dadem Jndifserrntcn uubcgiilm ist, dennoch aufrecht erhalten wollen, dann lacht man sic einfach au- und gibt ihnen deutlich zu verstehen, daß ihre Reformen nichtal- Zugeständnisse sind, welche sie machen mußten, um populär zu bleiben. Tiefe Resormrabbiner haben durch Jahrzehnte an der Zelstörung de- JudrnthnmS gearbeitet. Als da- Projekt auf» lam, freie, jüdische Schulen für die armen tsrael. Kinder zu errichten, so haben diese Männer demselben opponirt und i diese Schulen wurden zwar errichtet, aber aus Mangel an i Unterstützung von Seiten der Rabbinen, führen diese eine armselige Existenz. In Philadelphia wurde ein jüdische« Collegium ins Leben gerufen, aber alle Reformrabbiner wi« versetzten sich gegen dessen Instandhaltung. Die allgemein nützliche „Alliance Israelite“ von Paris hatte vergeben« darauf gehofft, von den reichen Israeliten in Neu-Aork unterstützt zu werden, aber unsere Rabbiner können doch nicht ein Institut empfehlen, welches vielleicht in einem Winkel der Welt die Trthodoxie kräftiget. Hier wurde vor wenigen Jahren eine Gesellschaft aus Mitgliedern des Tempels Emanuel gegründet, unter dem Namen „Emannel College Association" welchees sich zur Aufgabe machte, ein jüdisches Collegium in rcformatorischem Sinne zu errichten. Später wurde der Plan erweitert, andere Gemeinden zur Theilnahme eingeladcn und der Name mit einem andern vertauscht. Vor einigen Wochen löste sich der erweiterte Verein auf, um Dr. Einhorn aus demselben zu entfernen und der früher bestandene engere Verein wieder gebildet. Unsere Presse hat diese Thatsachc, welche der Confrrenz auf dem Fuße folgte, nicht todtgcschwiegcn, aber so bemäntelt, daß nur der Eingeweihte die Sachlage verstehen konnte. Man will eben der Reform keine Blöße geben. — Ehe ich schließe, erlauben Sie mir zu dem glücklichen Erfolge Ihrer Zeitschrift zu gratuliren und fahren Sie muthig fort gegen Corruption anzukämpfen. 8 Wochenchronik. *** Sanitäres. Die Zahl der im Jahre 1869 in dem hiesigen Ordensi'pitalc der barmherzigen Brüder untergebracht gewesenen Kranken betrug 3524 wovon 2907 geheilt, 148 gebessert nnd 44 ungcheilt entlassen wurden, 263 starben und 162 in der Pflege verblieben. Bekanntlich werden bei den Barmherzigen Brüdern Kranke ohne Unterschied der Religion ausgenommen und so fanden demnach im Vorjahre im Prager Hanse 58 Protestanten 41 Israeliten und 1 Grieche Unterkunft. *** Folge von Indifferenlismus. Sonntag um 3 Uhr Nachmittags sollte im altstädtcr Rathhause die Generalversammlung de- Ehanuka-VereineS stattfinden. Da sich jedoch bloß 30 VrrcinSmitglieder eingefunden haben und die in den Statuten vorgeschriebcne zur Beschlußfähigkeit nothwendige Anzahl nicht erschienen ward, entfernten sich gegen 4 Uhr die Anwesenden. BemerkenSwerth ist es, daß der Verein Ehanuka dasselbe Schicksal mit dem Vereine „Svatobor" theilte, der Vormittags im selben Sitzungssaale die erforderliche beschlußfähige Anzahl zur Abhaltung einer Generalversammlung nicht zu Stande bringen konnte. *** L'ultuvgemeinde in Carlvbad. Wie bckan nt, hat sich vor Kurzem in Earlsbad eine EultuSgemcindc gebildet, die jetzt daran geht, einen Prediger anzustellen. Nach einer unS gcmachtcn Mitthcilnng hat der junge Prediger, bisheriger Zögling des theologischen Seminarin Brc-lau, Herr Dr. Prrlitz au- Cmichow die meisten Chancen, um so mehr alö sich für ihn. Dr. Löwenstein Prediger in Lemberg verwendet, klebrigenist Dr. Pcrlitz ein strebsamer Geist, der mit vielem Wissen oratorische Begabung verbindet. *** Ein 67er. In der Rubrik der Cffcktcnspcnden, im Ausweise de- EhannkavercincS hat der vierte Spender nicht 67 Ellen Rockstoff, sondern nur 6 Ellen gespendet und ist diese bedeutende Differenz nur durch Unklarheit des Manuskripteentstanden. A n s l a n d. Der preußische Staat-anzeiger in Berlin vom 5. Feber berichtet: Der König von Preußen hat 4m Namen de« norddeutschen Bundeden königlichen preußischen Generalkonsul-

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