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Die Gegenwart · 1870-02-04 · 6 (4.2.1870) · p. Seite 59

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
6 (4.2.1870)
Date
1870-02-04
Page
Seite 59 (sequence 7)
Language
German
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i 59 sten Male in der Geschichte der Union, daß ein Deutscher vom Bundesoberhaupte eine Gouverneursstelle bekommt. — Durch Ernennung deS Gen. Salomon zum Gouverneur von Washington hat Präsident Grant einmal wieder bewiesen, wie albern da« Geschrei ist, daß er ein Nativist oder Deutschenhasser sei; zugleich beschämt diese Ernennung wieder die Leute, die ihn als Judenfresser verschrieen; denn Gen. Salomon ist ein Israelit. Ec befindet sich im blühendsten ManneSalter, brachte es im großen Bürgerkriege durch sein militärische- Talent und seine Tapferkeit zum hohen Offizier, wurde später County Clerk in Chicago und hat sich, wiewohl er in seiner Jugend nicht daö Glück besaß, eine eigentlich wissenschaftliche Bildung zu genießen, durch natürliches Talent und durch Gewandtheit, Rührigkeit, Organisationstalent und persönlich: Liebenswürdigkeit und Liberalität 4me sehr angesehene politische Stellung in Illinois erworbem Wir sind überzeugt, daß er auch in seiner neuen Stellung dem Deutschlhum (und gewiß^auch dem Judenthnm) Ehre machen wird." K u n st, T h e a t e r u nd L i t e r a t u r. — Nach dem Vorbilde der in Prag mit so rühmlichen Erfolgen wirkenden Procksch'en Klavierschule hat H:rr P l ow itz, ein ehemaliger Schüler des berühmten Prager Klavierlehrers, vor einigen Jahren in Wien eine Klavierschule etablirt, die sich bereits eines schönen Rufes erfreut. Um die Leistungen seiner zahlreichen Schüler auch einem größeren Publikum vorzuführen, hat Herr Plowitz in Bösendorfer'S" Salon eine Produktion veranstaltet, die den schwächsten, sowie den besten Zöglingen dieser Schule Veranlassaug und Gelegenheit bot. sich in der vortheilhaftcsten Weise zu produzircn. Das Programm war sehr reichhaltig und wurden fast alle Stücke von den jugendlichen Schülern und Schülerinnen mit großer Bravour aufgeführt. Einzelne derselben berechtigen sogar zu den schönsten Hoffnungen und hat die Plowitz'sche Schule einen verdienten Erfolg erzielt. — Der vierte Band der Real-Eucyklopädie für Bibel und Talmud von Dr. I. Hamburger Landradbiner zu Strelitz in Meklenbenburg ist erschienen und so ferne wir der Buchstabenordnung entnehmen, dürfte in kürzester Zeit das Werk abgeschlossen sein. In Rr. 22 des 1. Jahrganges dieer Blätter wurden der diesem interessantem Werke begedruckten Gutachten der berühmten Munk und Renan gedacht, die sich über die Gründlichkeit und Zweckmäßigkeit dieses Werkes ausgesprochen haben. ES bleibt uns nur noch übrig, auf die allgemein günstige Aufnahme, der sich dasselbe erfreut, aufmerksam zu machen und es als ein unentbehrliches Handbuch für Bibefreunde, Lehrer und Jünger der Wissenschaft anzuempfehlen. Aufträge übernimmt Hr. David I. Podiebrad in Prag (Nr. 343—5). --- Böhmische Bühne. Ju den Hallen Thalias so wie überhaupt in hiesigen Knnstreiscn machte eine Kunstnovizin Fräulein Emilie Bubenikek, die Tochter eines hiesigen wohlhabenden und geachteten Bürgers ungewöhnliches Aufsehen, da ihre Debüts einen seltenen Erfolg erzielt haben. Die junge Dame, eine Schülerin Vartell's in Paris, zeichnet nicht nur eine sympathische Stimme und eine vollendete Schule, sondern auch eine elegante Darstellung; - weise aus, die das Publikum sofort für sich gewann. Die Künstlerin trat bisher dreimal in Gounod's „Romeo und Julie" auf und feierte förmliche Triumphe. Wie wir vernehmen, wurden der Künstlerin bereits die glänzendsten Engagementsanträge gemacht. vom Mchertlsche. DaS Studium der hebräischen Sprache in Deutschland vom E ide de« 15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts von Ludwig Geiger Breslau 1670 S hlettersch: Buchhandlung (H. Skntsch). In dem vorliegenden Buche ist wol, wie der Verfasser in seiner Vorbemerkung zugesteht, kein historischer Entwicklungsgang der wissenschaftlichen Ausbildung der hebräischen Sprache, ihrer Grundzügc, ihrer Regeln geboten, weiles an und für sich ^icht in der Absicht des Verfassers lag. der die Grenzen, die er sich gezogen hat, in dem geringen Material in dem Mangel an Originalität zu entschuldigen weiß; nicht» destoweniger ist die Aufgabe, die sich der Verfasser gestellt, keine geringe, er behandelt jene Epoche vom Schluß de» 15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts^ in welcher sich die Pflege der hebräischen Sprache mit den geistigen Richtungen der Zeit mit HnmaniSmuS und Reformation im engsten Zusammenhänge fand. So wird zuerst daö Verhältniß des hebr. Sprachstudiums zu der geistigen und religiösen Bewegung der Zeit geschildert, wie die hebräische Sprache aus ihrem Winterschlafe förmlich geweckt und zu neuerem Leben gebracht wurde. Während die Bücher der Bibel in der Ursprache geschrieben, nur den Geistlichen durch lateinische Uebersetzung bekannt, den Laien hingegen das Lesen derselben verboten war, blieb die Kenntniß der Sprache bei den Juden, die jedoch bei der Unterdrückung, die das Mittelalter über sie gebracht, zu einer wissenschaftlichen Ausbildung und zu einer schriftstellerischen Thätigkcit in der hebräischen Sprache nicht gebracht haben. Bon außenher war derselben kein Stützpunkt geboten, theilS trug die Schuld die Uuwissenschaftlichkeit de» Zeitalters, theilS der Haß gegen die Juden, der sich soweit erstreckte, daß man nicht einmal die Wissenschaft derer, die man im Leben verachtete, fördern wollte. Später im 15. ‘ und 16. Jahrhundert, wo die Wurzel des Judenhasses noch immer grünte und neue Wurzeln trieb, trat der Drang nach Wissenschaftlichkeit etwas mehr in den Vordergrund und durch diesen Drang wurde auch die hebräische Sprache mit Eifer und Ernst betrieben, bis sie sogar auf die Universitäten ausgenommen wurde. Dadurch wurde die Wissenschaftlichkeit immer mehr genährt und . bildete sich die theologische Richtung der Zeit heraus. Einen nicht geringen Einfluß übte die Reformation auf die hebr. Sprache, da letztere nicht nur Reformatoren, sondern anh deren Gegner zur Stütze ihrer Theologie diente. Unter den Christen wurde die hebr. Sprache von den Gelehrten erfaßt und so zum Gegenstände des Forschen« und Denkens. So kam es, daß unter Johann Picu» Grafen von MirandulaS (1462 in Italien) Einfluß die Kabbalah durch Johann Reuchlin Eingang in Deutschland gefunden hat, einem Manne, der zur Erweckung des hebräischen Sprachstudiums und zur Ausbildung desselben viel beigctragen hat, Das Verhältniß zwischen diesem Pfleger der hebräischen Sprachwissenschaft und derselben schildert der Verfasser in einer ziemlich ausführlichen und der Kritik sich lohnenden Weise. Nächst Reuchlin nennt der Verfasser MathäuS Adrianus einen aus Spanien vertriebenen gctrauflen Jaren so, dann Joh. Böscheustein. die sich mehr oder weniger nm die Wie - dererweckung der hebräischen Sprache verdient gemacht haben. Als Beweis, daß Christen von Juden im Hebräischen unterrichtet wurden, führt der Verfasser Elias Leoita an, dessen beide hauptsächlichen Schüler Paul Fagius und Sebastian Münster sich bald durch Herausgabe bald durch liebersctzungen seiner Werke hervorgethan haben. Die hebräische Sprache würde somit vielen ein Spezialstudium und eS stellte sich gar bald heraus, daß sie an jenen Stätten eine Pflege finden mußte, wo alle» zusammenfloß, was im Studium de- Zeitalters eine Rolle spielte, auf den Universitäten nämlich. Diese nothwendiger Weise einerseits von mittelalterlichen Judenhaß, andererseits von der Reformation bespült, bilden die Hauptperiode der Pflege der hebr. Sprache, der Eittwtckl«»-

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