Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 6 (4.2.1870)
- Date
- 1870-02-04
- Page
- Seite 58 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Echiff'Scharf.) Das kandesgericht hatte die von Scharf zu bestreitenden Prozeßkostrn auf 2500 st. bestimmt. Ueber Berufung des Dr. Marlbreiter hat das QberlandeSgericht die Sofien deö BerfahrcnS in erster Instanz auf 1500 fl. herab gemindert und die Bestimmung der Kosten des Verfahrens beim obersten Gerichtshöfe als in den Ressort des obersten Gerichtshöfe» gehörend ausgeschieden. — (Wiener Weltausstellung.) In der vorgestrigen Generalversammlung deS Gewerbe- Vereins hielt Hr. Ritter v. W e r t h e i m einen längeren Vortrag über die projcktirte Weltausstellung und hob in erster Linie hervor, daß man sich vor dem Kopiren der früheren Ausstellungen hüten müsse; eS sei eine Hauptaufgabe, durch neue GestchtSpunlte das Interesse zu erregen. In acht Tagen hoffe der Ausschuß mit dem provisorischen Kostenanschläge fertig zu sein. Man rechne auf einen Besuch wie in London 1862 etwa 30.600 Aussteller, wovon 10000 Orsterreichcr und Ungarn sein dürften; der Raum werde auf -10.000 Quadratklaftcr und die Kosten auf 3—4 Millionen Gulden veranschlagt. Schließlich beantragt der Redner, daß der Gewerbeverrin den Baren Sckirorz in Paris aust'ordern soll, seine gediegene Fachkrnntniß der Wiener Ausstellung zu Gute kommen zu lassen, und wird dieser Vorschlag mit allgemeiner AMamation anfgrncmmcn. Herr Julius Hirsch kündigte für die nächste Versammlung mehrere Anträge an und nannte als wichtigsten derselben unter allgemeiner Zustimmung die Bildung eines Garantiefondcs für den Bau der WcltauSstellungSgebäude. — «Erhebung in, den Freiherrnstand.) Der Banlirr Herr Eduard Ritter v. ToteSco wurde als Ritter deS QrdcnS der eisernen Krone zweiter Klasse in den Freihcrrnstand erhoben. AuS Ung.-Lrod 2K. Jänner wird berichtet: «Seit einiger Zeit verlassen oder kündigen viele christliche Dienstboten, welche bei Israeliten im Dienste stehen, von einem hiesigen Kaplan verleitet, den Dienst. Genannter Geistlicher behält ihnen rühmlich die Absolntion ror, falls sie nicht versprechen, aus den jüdischen Diensten zu treten. Ebenso wurde eine hiesige Amme zum Austritte aus dem Dienste bei einer Israeliten Familie durch Androhung des Verlustes des ScrlenhcilcS veranlaßt. Sollte die Bczirkshauplmann» fchaft nicht den genannten Herrn ans den §. 5. der Dienstbotenordnnng verweisen, wonach Derjenige mit einer Geldstrafe zu belegen ist, der einen Dienstboten rur Kündigung oder zum Austritte verleitet. Die Zentner Cradtrepräsrntanz hat in ihrer am22. v. M. stattgrhabtcn Sitzung in gerechter Würdig,mg der Eingabe der Iridcnglmcindc, die an dem Einkomme» der Stadt theilzunelrnrn wünscht, dieser nicht nur eine im Vcrhältniß zur Einwohnerzahl ihr zukonrmrndc 20pcrzcntigc Quote des reinen EinkorninrnS votirt, sondern auch dafür eine angemessene Entschädigung geboten, daß die Indengemrinde jahrelang an den städtischen Lasten partizipirte, ohne auch von der Stadt etwas erhalten zu haben. Vorigen Samstag wurde der Qrkonrmie - Beamte des Herrn Ignaz Zichrrnrann, in Debrezin Herr Salrmon Fischer, aus einem Ritte in der Gegend der Aßonyrcsrr Pußta von einem Wolf überfallen. Fischer war unbewaffnet und hatte nur eine Peitsche bei sich. Der Wolf hatte cö sichtlich zunächst ans das Pferd abgesehen, das Fischer jedoch mit seinem weiten Mantel überdeckt hatte, so daß vor dem Mantel und den Peitschenhieben der anspringendc Isegrimm dem Roste nicht beikrmmcn konnte. Dos währte so eine Weile fort, bis Fischer zwei Jäger erblickte, auf die er zuritt, sich von dem Einen seine Flinte erbat und nun dem Wolf nachsetzte. Als er jedoch den Schuß abfeucrn wollte, versagte das Gewehr. Der Wolf rrnruertc jetzt wieder seine Angriffe, der Orkonvuire. Beamte wußte jedoch mit dem Gewehrkolben so gut zu manövrirrn, daß der Wolf weder ihn, noch das Pferd packen konnte. Unglücklicher Weise aber ging bei diesem Kampfe das Gewehr los und entlud sich in die Luft, und diesen Mrmrnt benützte der Wolf, um ans den Sattel deS Bfrrde» hinaufzuspringen und F. einen Biß in die linke -Hand, welche die Zügel hielt, zu versetzen. F. verlor jedoch ferne Geistesgegenwart nicht und eS gelang ihm, durch mehrere gutgezielte Stöße den Wolf au» dem Sattel zu schleudern, der dann, de» Kampfes überdrüstig, langsam in den Wald zurücktrabte..Der ganze Kampf hatte beinahe eine Stunde gewährt. Ausland. Berlin. Se. Majestät der Köuig haben am jüngsten QrdcnSstfte folgende Glaubensgenossen allergnädigst decorirt: Der Geheime Medizinal-Rath Prof. Dr. Traube erhielt den Rothen Adlcr-Qrdcn 4. Klaffe, der Stadtrath Meyer Magnus den Kronen-Qrden 3. Klaffe, der EemmiffionSrarh Johann Hoff hier und der Stadtverordneten-Vorftrhrr Dr. D a v i d s o h n, praktischer Arzt in Cchneidemühl, erhielten den Kronen-Orden 4. Klasse. Frankfurt a. M. 28. Januar. Die hiesige Stadt wurde in den letzten Tagen um ein Wohlthätigkeits-Institnt reicher. indem sich eine neue Krankenkasse «zur Freundschaft" gründete. Die Statuten sind bereits von der Regierung genehmigt. Die Coffe wurde von einer Anzahl hiesiger israelitischer Einwohner ins Leben gerufen und bezweckt, arme hier nicht auf Unterstützung Anspruch machen könnende Israeliten im Erkrankungssalle mit 5 fl. wöchentlich zu unterstützen. Die Cassc zählt bereits 100 Mitglieder. (Jsr.) Karlsruhe, 13. Jan. In der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer wurde mit allen gegen 1 Stimme der Gesetzentwurf angenommen, wonach an allen Gelehrtenschulcn Lehrer jeder Confession angestellt werden können. Sodann begründete der Abg. Eckhard seine Motion über die Beseitigung der EidcSvorbereitung durch die Geistlichen, worauf Verweisung der Motion in die Abtheilungen ebenfalls mit allen gegen eine Stimme erfolgte. Paris. Im israelitischen Tempel der Rue Rotre-Dame de Rezarcth hat am Donnerstag die Vernrälung des Herrn Alfred Nayrarguet mit der Tochter des Herrn Lange stattgefunden. General Ehangarnicr und Baron Rothschild waren die Beistände des Bräutigams. Herr Nayrarguet war früher Mitarbeiter deS „Figaro," beschäftigte sich zugleich mit finanziellen Operationen und mit Kunst und Literatur. — Die «Alliance iSraÄite" erläßt einen neuen Aufruf zu Gunsten der bedrängten und nach einer neuen ministeriellen Verordnung des Landes vertriebenen Juden von R umänien. Sebvn am 7. Dcc. wurden sämmtliche Juden des Distriktes Balun auSqeraubt, mißhandelt und fortgejagt trotz einer so starken Kälte, daß zwei Kinder auf der Straße rvdt liegen blieben. Aus dem Distrikte Falcic wurden 04 Familien^mit 500 Köpfen vertrieben, und die neuesten Debatten der rumänischen Kammer' drohen mit neuen Gewalimaßregrln. Der von Ercmieux gezeichnete Aufruf fährt dann fert: „In Rumänien gibt eS gegen die Juden keine Menschlichkeit mehr. Nicht eine Stimme erhebt sich in der Kammer gegen Ideen, welche nnS in das 12. Jahrhundert zurückversetzen. Und dock haben die Juden in diesem Lande Rechte, welche in einem internationalen Vertrag sestgesetzt sind. Der Art. 46 der Eonvcnticn von 1858 zwischen den europäischen Großmächten gewährleistet allen Nichtchristlichcn Rumänen den Genuß aller bürgerlichen Rechte. Wie sollten die Juden, welche dieses Land seit Jahrhunderten bewohnen, nickt Rumänen sein! Wie kann der Minister behaupten, daß er die Einmischung der europäischen Mächte ablrhurn kann, Sollte etwa der Pakt, welcher die Rumänen als Nation anerkannt hat, sie nicht binden? Kann das civilifirte Europa, nachdem es den Vertrag von 1858 unterschrieben hat, eine solcbe Achterklärnng gegen eine Bevölkerung von 2- bis 300,000 Seelen dulden? Ist es nicht dringend, daß die großen Mächte sich ins >Einvernehmen setzen, um die Resprktirung der Convention von 1858 gebieterisch zu verlangen? Wir apprliren an die Schutzmächte. New-Pork. Der «Hrbr. Leader" entnimmt dem in Baltimore erscheinenden „Wecker" folgende-: „Cist zum er»