Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 6 (4.2.1870)
- Date
- 1870-02-04
- Page
- Seite 57 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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57 mit einem ledigen Manne. Geschieden wurden 3 Paare 1 Paar die Dauer der Ehe 1 Jahr, 1 die Dauer der Ehe 7 und 1 die Dauer der Ehe 9 Jahre; durch den Tod wurden 52 Paare getrennt. Die älteste Ehedauer betrug 55 Jahre; der älteste Bräutigam zählte 71, die älteste Braut (ledig) 69, der jüngste Bräutigam 22 und die jüngste Braut 17 Jahre. V Sekundararfljkile. Die im isr. Spitale erledigt ge« wesene Stelle eines SekundararzteS wurde, wie uns gemeldet wird, dem Dr. I. Goldschmidt verliehen. Mit Vergnügen registrieren wir, daß derselbe seine Wohnung im Spitale haben wird. %* Rechenschaftsbericht. Der „Verein zur Unterstützung unbemittelter erwerbsfähiger Individuen ohne Unterschied der CEonfeffton" mittelst unverzinslicher Darlehen hat bereits seinen Rechenschaftsbericht pro 1869 zusammengestellt. Derselbe macht in der Summe von 14660 fl. 771 kr. das Vereins- Vermögen ersichtlich, das gegen daS Vorjahr um56i fl. 83 kr. größer erscheint. Die Einnahmen betrugen im Jahre 1869 1012 fl. 64 kr., wird hiezu daS Vermögen vom Jahre 1868 gerechnet, so ergibt sich die Summe der Einnahmen von 15111 fl. 58'/, kr. Die Ausgaben zeigen, daß an 161 Darlehensbewerber 15700 fl. dargeliehen wurden und sich bei Hinzurechnung des Darlehen-AuSstandeS pro 1868 von 8958 fl. 71V, kr., pro 1869 der Gesammt-AuSstand auf 24658 fl. 71'/, kr. belauft. Im selben Jahre wurden jedoch 15319 fl. 50 kr. abgezahlt, somit ergibt am Schlüße deö Jahres der AuSstand die Ziffer von 9339 fl. 21'/, kr. Die effektiven Ausgaben betrugen bloß 387 fl. *** ChanuKa-Verein. Nach einem kaum dreimonatlichen Bestände dieses Vereines liegt uns bereits der Ausweis desselben vor, der so ziemlich einen Einblick in das Gebühren des Vereines gestattet. Die Einnahmen weisen die Summe von 633 fl. 24 kr. aus, die sich theilS durch die Jahresbeiträge von 372 Mitgliedern theils durch Spenden ergaben, während die Ausgaben die Summe von 313 fl. 42 kr. ersichtlich machen. Es verbleibt somit pro 1870 em Vereinsvermögen von 289 fl. 82 kr. von denen 270 fl. in der böhmischen Sparkassa angelegt sind. Ueberdieß enthält der Ausweis nebst einer detailirten Angabe der Effektenspenden auch die Anführung der noch vorräthigen Effekten. Wir wünschen im Interesse der edlen Tendenz des EhanukavercineS in diesem Jahre eine noch wärmere Theilnahme, da je wärmer die Betheiligung desto wärmer die Betheilung. *** Dirigentenstelle. Der bisherige RegenSchori und Organisator des geregelten Gottesdienstes der Meiselsynagoge terr Musikdirektor D. Rubin, wurde im neuen israelitischen empel mit der Leitung des musikalischen TheileS betraut. Der Vorstand hat in Herrn Rubin eine gute Acquisition gemacht, indem derselbe durch seine bewährten musikalischen Leistungen, so wie durch seine bereits veröffentlichten Eompositionen, die hoffentlich im Tempel auch Eingang finden dürften, dem ihm zugewiesenen Wirkungskreise vollkommen entsprechen wird. *** Hohes Alter. In Ezernovic (Bezirk Pilgram) lebt ein Mann Namens Samuel Allina, der 110 Jahre alt ist, und noch im Jahre 1869 an dem Bersöhnungstage durch volle 26 Stunden weder Trank noch Speise zu sich genommen hat. Derselbe ist beim besten Wohlsein und sehr rüstig. Aus -em Gerichtssaale. Staatsanmalt S ch m e i d l, welch« in diesem Falle die Anklage bei der Schlußverhandlunz vertreten wird, hat seine Anträge auf Verbrechen des meuchlerischen Raubmorde» bezüglich Moritz SchochetS und auf Verbrechen d« Mitschuld am Raube bezüglich seiner Eltern gestellt. Zum Vorsitzenden in der Schlußverhandlunz ist LGR. Schwarz designirt. Die Verhandlung, welche auf Ende Februar oder Anfang- März anberaumt werden dürfte, wird voraussichtlich die Dauer einer Woche in Anspruch nehmen, da nebst den Sachverständigen wol an 60 Zeugen vorgeladen werden sollen. DaS Zeugenverhör wird intcreffante Aufschlüsse über die Motive zur Anhaltung SchochetS und sein Benehmen unmittelbar vor derselben geben, ES ist bekannt, daß sich Moriz Sch o chet mit den ersten Zeitungsberichten über den Vergiftungsfall Hecht in's LandeSg«icht verfügte und bei dem Präsidenten über die Darstellung in den Journalen, welche ihn deS Mordes verdächtigte, Beschwerde führte. Vom Präsidenten an den UutersuchungSrichter LGR. Heidenthaler gewiesen, kam er zu diesem in dem Momente, als er daS Dienstpersonale deS Brünnlbade» vernahm. Der Anblick SchochetS soll ans die im Korridor wartenden Zeuginnen einen tiefen Eindruck heroorgebracht haben und eine derselben äußerte unwillkürlich die drei inhaltsschweren Worte: „D«s ist er.- Schoch et, der dieg hörte, näherte sich nun den Zeuginnen mit den Worten: „Nicht war, Sie haben mich Donnerstag nicht gesehen, Mittwoch war ich im Brünnlbade, Donnerstag nicht.- DaS Stubenmädchen und die Kaffierin des B.ünnlbadeS behaupteten aber. Schachet sei am Donnerstage, am Tage der Vergiftung Hechts, im Brünnlbade gewesen; Schochet wollte sie von dieser Ansicht abbringen, und die Eonversation, die sich hierüber entspann, wurde so laut und erregt, daß sie der Untersuchungsrichter im Bureau hörte und sich deßhalb veranlaßt fand, Moritz Schochet unter Aufsicht zu stellen (man brachte ihn in das Zimmer der Gefangenanfseher), damit er mit keinem der Zeugen verkehren könne. Moriz Schochet wollte sich dieser Maßregel nicht fügen und sagte: „Dagehe ich lieber fort." Man bedeutete ihm aber, daß er sich nun mehr den gerichtlichen Anordnungen zu fügen habe. Als Schochet nach längerem Warten vom Untersuchungsrichter vernommen wurde, legte er eine auffallende Unruhe an den Tag und verwickelte sich derart in Widersprüche, wobei er von den früheren Zeugen angegebene Umstände in Abrede stellte, daß sich der Untersuchungsrichter veranlaßt sah, einen Gerichtsbeschluß über die vorzunehmende VerwahruugShaft einzuholen. Als Schochet horte, daß er in Haft genommen werden solle, äußerte er: „DaS kann nicht sein, wenn ich mich schuldig fühlen würde, hätte ich mich ja nicht selbst gestellt.- Kurz vor seiner Verhaftung hatte 2 ch o ch e t die Ka« feesiederstochter, mit der er früher ein Verhältnis gehabt, in der Wohnung HreS Großvaters aufgesucht und wollte die alten Beziehungen wieder Herstellen, wobei er dem Mädchen ein 1860 LooS pr. 500 fl. als Geschenk anbot. DaS Mädchen fühlte sich hiedurch gekränkt und wieS das Geschenk zurück, indem es ihm erklärte, daß eS sich nicht durch Geld bewegen lassen könne, gegen den Wollen seiner Verwandten zu handeln. Erstaunt, bei Schochet eine solche Summ: Geldes zu sehen, ahnte sie nichts Gutes und warnte ihn mit den Worten: „Moritz, sei vorsichtig und lasse Dich nicht zir Schlechtigkeiten herbei.- — Diese Angaben seiner früher» Geliebten stellte Schochet ebenso wie alle übrigen belastenden Angaben in Abrede. Wien 29. Jäner. (Giftmord-Prozeß.) Die Untersuchung gegen den 5eS Giftmordes beschuldigten Josefiner Moriz Schochet und gegen dessen Eltern Abraham Adolf Schochet und Golde Schochet ist von dem Untersuchungsrichter LGR. Seidenthaler bereit» abgeschloffen und der Akt der taat-anwalffchaft zur Antragstellung übergeben worden' Inland. Wim. (Zum Prozeffe MichaeliS-WittelSHofers Die öffentliche Schlußverhandlung beim obersten Gerichtshöfe über die vom Dr.WittelShöfer erhobene NullitätSdeschwerde»t>^ am 10. Februar d. I. stattfinde». — (Zum Prazeffe.