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Die Gegenwart · 1870-02-04 · 6 (4.2.1870) · p. Seite 56

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
6 (4.2.1870)
Date
1870-02-04
Page
Seite 56 (sequence 4)
Language
German
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56 senden Worten ihren Nestor. Wie groß übrigender Kreis von Freunden ist. deren sich der Jubilar erfreut, bewiesen , die unzähligen Geschenke, Briefe und Telegramme von Nah und Fern. . Oeffentliche Sitzung der isr. Cult.-Gem. * Berwaltung^abgehalten am 30. Ja» nuar 1870. Anwesend dir Herren: Feigel, 8. St. Frankl, Dr. Gitschin.'Kohn Dr. rasch, Ilr. Pribram Dr. Raudnitz, Schwab, Dir. Tedesco, Prof. Dr Wessely, Dr. Wiener, D. Zappert; Es waren sonach abwesend die Herren: Fischl, Plohn, MoseSv. Portheim, Singer, Schitz,Ungar. Stack dem Berichte, daß von Fran Marie Pribram 500 fl. von Frau Th> resr Wiener 52 fl 50 kr. und von Herrn Pollak 10) Ltr. stöhlen gcipendel wurde, wird nun zur Tagesordnung geschritten. Der I BerhandlungSaegenstand kommt zur Sprache; er betrifft den Bericht de« Herr» Adolf Schwab, über die Anzeige der Beerdigung»- brüderfchaft betreffend dir Herabsetzung der Brrrdigungsgebühren pro 1870. Referent verweist die Beerd.-Brüdersch. auf den SitzungSbeschluß vom 15. August 1860, zufolge welchem für da» Jahr 1870 ein 20''/„ Gebührennachlaß statlznfinden hat In Angelegenheit der behördlich aufetraaenen Banherstellung in Nr. 216 stellt Dr. Wiener den Antrag, atz sich die EultuSgemeinde mit 8"/,. der Kaufsumme an der Renovt« rnng bethcilige. (angenommen) DaS Gesuch des BrschneidungSgremium« um AuSsolgung eine» neuen Besc^ieidung-Matrikenbuche» wird dahin erledigt, daß man der politischen Behörde, über Antrag de« Dr. Raudnitz die Anzeige erstatte, datz niemand anderer GeburtSzcugniffe auSzustrllen habe, als der beeidete Matrikenführer» und daß da« Zcugniß de« BrschneidungSgremium« keinen öffentlichen Charakter mehr trage (angenommen.) Bis zur Erledigung dieser Anzeige von Seite der politische» Behörde wird der Antrag vertagt) Die Bornahme der Wahl eine« Abgeordneten in den Prager BezirkSschulrath, nach Aufforderung der hohen k. k Statthalterei, wird über Antrag de» Hrn Dr. Raudnitz auf die nächste Sitzung vertagt, damit man bei der Wahl der Persönlichkeit über deren Eigenschaft vollkommen klar werde. H. Dr. Wiener unterstützt diesen Antrag um!so mehr, als der betreffende Bezirksschulrath nebst eine« pädagogisch didaktischen Wissen« auch einer Energie bedarf, um Fragen, wir die Pensionirung der Lehrer ander Josefstädter Haupt- und llnterrealschule, *) oder wie die Beibehaltung der Unterrichtssprache, im Interesse der Gemeinde zur Lösung zu bringen. (DaS Gesetz spricht au», daß im BrzirkSschulrathc jede Eonsession vertreten sein muß. Die Ernennung des Vertreters der Israelitenzemeinde erfolgt von der Repräsentanz). *) Dieselbe ist seit 1869—70 interronse ffionell. „Ach Mutter," unterbrach sie Ernst mit bewegter Stimme; „Du fühlst nicht; nein, Du fühlst nicht die Gewalt dieser Liebe. Du wünschest, daß sic im Herzen begraben sei. Aber dieses Herz würde sie nicht auShaltcn. Du weißt nicht, daß cs für mich ein nnentbchrlichcS Bedürfnis ist, Dir zu sagen, daß ich Dich liebe, — Du weißt nicht, daß jeder Beweis, den ich Dir davon geben kann, eine Fülle von Wonne für inich ist. Dir genügt zn wiffcn, daß ich Dich liebe, mir aber nicht fciuir nicht. Mir ist cS Bedürfnis mit Dir davon zu sprechen, vertraulich davon zu reden und dir sic in hundert verschiedenen Gestalten zu schildern. Mir genügt es nicht, theuere Muttcr.I Meine Liebe gegen Dich ist so glühend daß ich sie nicht, wie Grabesstille in mein Herz bergen kann!- lind die Mutter—fasste ihn bei der Hand, drückte sic zartlich und sagte: „Höre mich an, mein Sohnl" — Berichtiget durch diese Worte setzte sich Ernst und horchte auf ihre liebevolle Anspräche. „ES ist" setzte die Mutter fort, „eine ehrgeizige, vielleicht gar gottlose Idee aber r» war nlcht Kälte, worüber Du Dich be. klagtest. Ich dachte bei mir: Ich will, daß mein Sohn mir seine Liebe beweise uuf dieselbe Weise wie er sie gegen Gott äußert. Ich lernte von dir, daß die Religion des Herzen - die erh a b e n d st c. die mannhafteste, dir einzig v e r n ü n ftige ist; sie bedürfe keines äußeren Zeichens. Run wohl; auch Ich wollte von Dir die Religion des Herzen- und nichtandere-." „Gott genüget wohl da- Herz; denn er steht und hört Alleß" — antwortete schüchtern der junge Mann, der etwaschon zu ahnden drgann. Vorsitzender verliest nun die Zuschrift der Repräsentan, an dr» Rabbiner Hm. Samuel Freund: Sr. Ehrwürden Hrn . Samuel Freund Rabbiner der Prager israrlit. Cultusgememde! Die von Euer Ehrwürden in Ihrer Eingabe vom 8. Okt. 1869 überreichten Resignation auf sämmtliche dem Gem. Rab. obliegen» den Pflichten ist in d. Sitz, der Repr. v. Jäner 1670 zur Kenntniß genommen und Ihrer Bitte um Entheb» iq von diesem Posten willfahrt worden Euer Ehrwürden wird hiemit jeder weiteren AmtSthätigkeit entbunden und hat die Repräsentanz für die provisorische Verleihung der RabbinatSfunktionen bis zur definitiven Neubesetzung deerledigten PostenS die entsprechende Fürsorge getroffen. WaS ihre Bitte um Verleihung ei» ner Pension betrifft, ist die Repräsentan; nicht ringegangen, und konnte in dieser Forderung nicht einqehen, weil Euer Ehrwürden ursprünglich keinen Geyalt sondern einen ZinSbeitrag von 50 fl. <£. M. bezogen haben, wozu später ein Subsistenzbeitrag von 200 fl. kam, die Repräsentanz hat erst vor wenigen Jahren den Subsistenzbeitrag auf 800 fl. bemessen. Wenn Euer Ehrwürden demgemäß keinen Anspruch aus eine Pension haben, so hat die Repräsentanz in Anbettacht der 38jährigen Dienstleistung, so wie in Wahrung der Würde beschlossen, freiwillig einen jährlichen Subsistenzbeitrag, in derselben Höhe, wie ihn Euer Ehrwürden bisher genossen, zu fixirrn. Jedoch spricht die Repräsentanz die Erwartung aus, datz Euer Ehrwürden, sich jeder wie immer gearteten Einmischung in die RabbinatSfunktionen Ihrer eventuellen Nachfolger enthalten und nichts thun werden, was geeignet wäre, den religiösen Frieden in der Gemeinde zn stören, widrigenfalls die Repräsentanz sich nicht länger an die Ihnen gewährten Zugeständnisse für gebunden erachtet sieht, (angenommen) Hierauf wird die Sitzung geschloffen. Wochenchronik. *** Volksbewegung der isr. Lultnsgemeinde in Prag im Jahre 1869. Die Summe der lebend Gebornen betrug 303 und zwar ehelich 201, männliche 158 weibliche, unehelich : 25 männliche, 9 weibliche; die Summe der todt Geborenen betrug 2l und zwar eheliche: 15 männliche 5 weibliche, unehelich: 1 männliches; somit erreichten die Geborenen die Ziffer 414. DaS MortalitätSverhältniß war folgendes: Bis zu 5 Jahren 57 eheliche männliche Kinder, 41 eheliche weibliche und 9 uneheliche männliche; von 5 Jahren nur 1 uneheliches weibliches Kind, von über 5 Jahren im verschiedenem Alter 100 männliche und 96 weibliche Individuen, eine Frau erreichte das 93. Lebensjahr. ES belaufen sich somit die Todesfälle auf 304. — Getraut wurden im Jahre 1869 163 Paare, davon beide Theile verwittwet zwei Individuen, 18 Witwer mit Mädchen, 1 Witwe „Ich weiß das wohl, ich weiß eS, lieber Ernst! Du hast aber statt mciner schon geantwortet. Wenn cs ihm genügt, vielleicht ist cs ailch für uns hinreichend? — Wenn deine Liebe zu Gott eine wahre ist, wenn cS wahr ist, daß Du von Verehrung, Bewunderung und Dankbarkeit gegen i h n ganz durchdrungen bist; wie kommt es, daß Du nicht jeden Augenblick daS Bedürfnis fühlst, diese Gefühle durch Worte und Handlungen anszudrückc»? — Du hast cs selbst gesagt: Wenn cs ihm genügt, so reicht cs vielleicht für uns auch hin? — Du hast von der Grabe s st i ll c gesprochen. Das Grab ist das Herz des" JnngiingS, welches durch den Willen, zn sehr seine Religion zu erheben, sie zum L e i ch n a h me macht. Rein, mein Thencrrr! Jene Liebe, die sich ruhig in die Finstcrnis des ewige» Schweigens verschließen kann, ist keine wahre. Du, Der Du nur das achtest, was die Religion de» Herzenbewahret, bewahre doch in Deinem Herzen Deine Liebe für mich, als stumm. Ich kann doch nicht von Dir mehr verlangen, alSda», was Du Gott geben willst." Ernst bedeckte voller Scham fein Angesicht, drückte die Mutter an sich und sprach mit brwegter Stimme: „O theuere Mutter" Lehre mich von Reucm den Aligütigcn anbethen; ich will» daß wir ihn immer zusammen anbethen. Und jedes Mal, wenn das Gespräch wieder auf diesen Gegenstand kam, pflegte Ernst zn wiederholen: „Ich hielt mich für einen großen Filosofen, und war nur — ein Kind; ich predigte die Religion de- Herzen- und kannte die Religion der Liebe nicht."

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