Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 6 (4.2.1870)
- Date
- 1870-02-04
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Ereaturen die mit einem Auge auf ein SSculum zurück, mit dem andern Auge auf daum ihren angebeteten Geld« sack rotirende CourSblatt nach vorwärts sehen und mit Gott nur dann abrechnen, wenn die Rechnung zu ihren Gunsten stimmt, wagen eS den religiösen Fortschritt in die Hände zu nehmen und sich auf die Diktatur zu spielen? Die erste Schöpfung derselben war ein Provisorium alvorläufigen Remplatanten eine- Oberrabblnates. Weit entfernt davon, die Personen dieserabbinischen Triumvirateanzufechten, da sie sich theilz>ar orckre vle Mufti theils der Schandlosigkeit eines solchen Kompositum wegen zur Abspielung einer solchen Komödie hergegeben haben, will eS uns dünken, daß der „gelehrte" Handelsmann ebenso gut wie wir und jeder andere wussten, ein Provisorium hatte keine Eile, nachdem wir seit Rapoportö Tode nur im Provisorium lebten, dafaktisch Niemanden altcrirt hat als höchsteneinige, die gerne unsere Religion zu einer Polizeireligion machen und mit talmudischcr Knute und etwageistigen Wntke die sich freier bewegenden Juden einen Jndianertanz auSführen ließen. Nicht Ordnung zu schaffen, nicht Herstellung eine- System-, nicht Aufrechthaltung de- Friedenlag in der jüngsten Schöpfung eineprovisorischen Rabbinerder auswärtigen, eines der inner» und eines der thierischen Angelegenheiten, eS galt vielmehr der illiberal orthodoxen Partei der jüdischen Vertretung, mit den Hörnern gegen rabbinische Persönlichkeiten anzulaufen, eS handelte sich ihnen um nichtmehr und nichts weniger als um Au-rottuug der Syuagogcnpredigcr. Und in der That daist der Refrain ihre- Liedes, so tönt ihre jesuitische Melodie. Dagegen wüssten wir Ein Mittel, jaget sie fort die Männer, die Euch so sehr in dem Wege stehen, besteiget die Kanzel, verdonnert da- Vicht der Aufklärung und Gesittung, verbreitet Finsternis und verstockten Sinn, fasset Muth und bedenket, Backenund Schnurrbart, über bcmfclbcu eine Brille unter demselben eine Neglige Halsschlcife, ein echter Deuts chmcister sitzt in einem Lederfauteuil, dessen Sitzsiächc von Anträgen schier abgesehen, und dessen Inhaber zniveilcu aiifgcscssen ist. Die Ludwig s füllen in der Geschichte einen großen Raum aus, jener Ludwig, dem dieses Bild auf rin Haar gleicht, dürfte Ihnen wohl nicht bekannt fein, weil die Großthaten desselben sich höchstenvom Holz-roctL Altnruschul. Platzet bis zum Fünfkirchcnplap erstrecken. Dem Deutschmcistcr zur Seite sitzt ein Weiter Philipp; schön wie Thcrsites und lieblich wie eine keusche Jungfrau, die so verstohlen blickt, ivenn sie Ado- „iS in ihrer Nähe wittert. Dieser Philip auf der Straße einen oeutschen Hut auf dem jüd. blonden Haupte, velocipcdirt mit der Feder die hrrausgegurgelten Worte der Sprecher, und wüthcnd, wenn die Slintaz nicht zu Stande kommt, macht er feinem Zorne durch eturn sekretorischen Kanzleiklekscr Luft, und dressict mit seinen zwinkernden oft verliebten Aeuglein die Herren Vorsteher als die „llntergebcncn seines Ressort." Betrachten Sic geehrter Leser genau jenes Portait, eS kostet der Gemeinde tausend, Gulden und scheint das leibhafte Contrefci eines Richard des III. der ein Königreich für ein Pferd verschenken wollte, nur mit dem Unterschiede, daß die hier porträtirte Person nicht so schön, dafür kleiner, niedlicher und tutbedeutender ist. Gilt Bild dürfte Ihnen auffallend sein, weil Sic eS fo lange siziren, nun daS ist der Lord Feuerbrand der Rcpräfentanz, der redet eine Rede mit Alles in der Welt, ob es sich nun um eine wichtige Institution in der Gemeinde oder um einen zweckmäßigern Stiefelknecht in Waisenhause handelt, er muß parlamentiren, er muß Opposition machen. Betrachte» Sie gcnait diese Finger mit den modernen zugeipitzten anSgepntzten Krallen, die bilden daS Triebrad int Sprechen, eine Handbeivegung bringt eine geredete fftedc zum Abschluß und der scharfe Kinn markirt ein sarkastisches Wort. Ei» sauberes Mandl dieser Lord Feuerbrand Held des deutschen Casino, Reklamationen Fabrikant, General aller jüdischen Mamelucken, die daS Iudenthum für einen pvramidalen Kegel anfrhen. Wie gesagt, das Bild ist aus der niederländischen Josefstädter Schule zum Sprechen ähnlich. Da» Bild links zeigt Ihnen einen abgewlrthschafteten Religionslehrer, der in seiner rechlen Paragrafen ähnlich geballten Hand das Strafgesetzbuch, in der linken das Judrnstruerpatent hält. Diese kleine gedrungene Person wenu eS einst ein Schäfer zu einem Kirchrnfürsten gebracht, daß Euch ihr jerufalemitischen Handelsleute die Bärenmütze und der lange Kaftan ganz gut zu Gesichte stehen würde. Der and.re Theil der Repräsentanz, gibt den ruhigen Beobacht.'r ab, lässt nach religiöser Richtung hin schalten und walten, in der Voraussicht des herannahenden Zeitpunktes, in welchem die Jesuiten sich wiederum passiv verhalten' werden. Die Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Zudenlhums. Je erschütterter die Säulen des Iudenthumdurch die verschiedensten Parteiungen zu sein scheinen, je schroffer sich die Gegensätze, die durch die Anschauungen gewisser Elemente entstehen, herauSbildeu, je heißer die Kämpfe, die in den verschiedenen Lagern mit Erbitterung geführt werden, desto gckräftigter wird daS Hauptprincip. welches die entgegengesetzten Ansichten abschwächt und schließlich in Einem Punkte zusammenführt. Den besten und eklatantesten Beleg liefert unö Berlin die Metropole Deutschlands, von der aus die Fäden über den ganzen norddeutschen Bund laufen und sich zu einem Netze der Intelligenz formen. In diesem Spree- Athen, wo Kunst und Wissenschaft mit einander wetteifern und dennoch gleichen Schritt halten, haben in den letzten Jahren im Judenthume die ZcrsetzungSproccsse zumeist gearbeitet und die verschiedenen Analytiker der Orthodoxie und der Reform im Laboratorium des veralteten und modernen Gesetzbuches experimentirt, während die Einen in der Retorte der Stagnation „nt einein aristokratischen Gnbonpoint paßt zum ganzen Charakter. Die Stirne wölbt sich bis in die Gegend des Scheitels, der eine Bertiefnng haben soll für allerhand Ghrcngewächse und von schwarzgrauen Haaren künstlich umschattet ist. Der Blick, der je nachdem er treffen soll oder unangenehin getroffen wird, schießt wie ein derzehrender Blitz durch die geschliffenen Augengläser, schlägt aber dennoch nie ein, während das krainpfhafte Verziehen der Lippen den Groll Jupiters bedeutet. Bei diesem Kopfe halten Sie sich länger auf, Sie können auS ihm viel lesen und dann vielleicht auch einen Katechismus schreiben. (Fortsetzung folgt.) Die Religion des Herzens. Eine Parabel nach dem Italienischen des „Educatore israelita.“ von G. Löwit. Grnst liebte seine Mutter sehr innig, denn er besaß ein sehr zartfühlendes Herz und war voll edler Gcsinntmgcn. Auchverdiente seine Mutter diese Liebe, denn sie vereinte mit einer unbescholtencn Tugend viel Klugheit und Schärfe des Geistes. Auch fühlte sie sich in dem Besitze der Liebe ihres Sohnes glücklich. Sie war Wittwc, ihr Sohn ihr einziger Trost, ihr Ruhm, ihr ganze Zukunft. Grnst^ wuchs wohl erzogen heran; er war fleißig, redlich und vereinigte mit den häuslichen Sorgen geistreiche Studien; er hatte freundschaftliche Verbindungen mit jungen Leuten seine- Alter-. Biele dieser jungen Männer affcktirten eine hohe Filosofin und bildeten sich in Hinsicht der Religion ein System nach ihrer Auffaflung, welches sie allein für vernünftig und erhaben hielten. Nach und „ach sog Grnst ihre Ideen und Auffaffungsweise in sich rin. unterließ die üblichen religiösen Zeremonien, sprach und urtheilte darüber mit Verachtung. Zwar war Grnst im Herzen reltgiös; allein er dachte, daß Gott keiner A >bethung bedürfe, und hielt jedes äußere Zeichen der Verehrung für kindisch und unnütz. Seine Mutter, welche vom Herzen wünschte, daß ln ihrem