Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 5 (24.1.1870)
- Date
- 1870-01-24
- Page
- Seite 49 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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49 präsentanz, die ihm zugedachten Funktionen, welche das Provisorium iu sich schließt, in Berücksichtigung, daß diesenicht lange währen wird, angenommen. Inland. Wien. Mitte Dezember v. I. versammelte sich eine große Anzahl ASkultanten jüdischer Confession, um Beschwerde gegen den Oberlandesgerichtspräsidenten v. Hein zu führen, welcher bei Avancements im Justizfache beharrlich die Inden übergeht. ES wurde nun, die ganze Angelegenheit in die Hand zu nehmen und einer befriedigenden Lösung zuzuführen, ein Comite aus fünf Herren gewählt und zwar Dr. Ofner, Dr. Turnau, Löw, Dr. Bunzel und. Dr. F^ßlcr; dieser letztere vorzüglich deßhalb, weil er bereitfrüher in dieser Angelegenheit Schritte beim Justizministcr Dr. Herbst unternommen, welche jedoch erfolglos geblieben waren. Das Comite hat beschlossen, ein Memorandum auszuarbeiten, in welchem alle speziellen Fälle angeführt werden sollen, die den Beweis liefern, daß die jüdischen ASkultanten bei Befördc rungen ganz übersehen werden. Eine Petition wird desgleichen an den Reichsrath gelangen und hat Hr. Hofrath v. Mende, welcher bekanntlich ReichSrathS-Abgcyrdneter und Präsident des Petitionsausschusses ist, sich bereit erklärt, die betreffende Petition dem RcichSrathe zu übergeben und zu befürworten/In wenigen Tagen findet eine Generalversammlung der ASkultanten statt, in welcher daS Comite überfeine Thätigkeit Bericht erstatten und zugleich das erwähnte Memorandum zur Genehmigung vorlegen wird. — Man berichtet, daß der frühere Justizministcr v. Hye einen bedeutsamen Antrag für daS Herrenhaus vorbereitet, den Antrag nämlich, das konfessionelle Hinderniß für Ehen zwischen Christen und Juden aufzuheben. — Der Kaiser hat dcmBankier in Wien, Friedrich Ritter Schey v.Koromla alö Ritter des Ordens der eis. Krone zweiter Klasse den OrdcnSstatutcn gemäß den Freihernstand verliehen. — Der Vorstand der öffentlichen israelitischen Volks- und BereinS-Hauptschule Talmud-Thora (erste israelitische Armenschule) veröffentlicht den Jahresbericht für das Schuljahr 1868/09, voraus wir hervorhcben, daß an dieser Schule 258 Schüler in allen Normalfächcrn und der Religion, wovon 152 unentgeltlich, Unterricht genossen und Lederen die Armenbüchcr durch die n. ö. Statthalterei abgegeben wurden. Die Ausgaben für die Schule beziffern sich mit 7248 fl. 45 kr., welche durch Jahresbeiträge, Spenden und thcils durch Schulgelder, 2142 fl., chercingcbracht wurden. Die angeregte Idee auch für Rormalklaffcn eine Schülerbibliothck anzulcgcn ist eine sehr glückliche, nur muß diese Schule an die Mildthätigkcit appeliren, da ihr die Mittel fehlen, Bücher zu kaufen. In der vorigen Woche fand unweit von hier, schreibt man aus Waag-Neustadtl jedoch in einem andern Bezirke die Neuwahl für die NotärSstclle statt. Vom Stuhlrichtcr wurde zu diesem Behufc der Kommissär Hr. G.S cxmiltirt. Bei der Rückfahrt wollte dieser Beamte mit seinem leichten Wägelchen einem mit mährischen Bauern vollgepfropften Fahrzeuge Vorfahren, wurde aber zu seiner nicht geringen Bestürzung von dem mährischen Fuhrmann mit der Peitsche traktirt. Ein Mann des Gesetzes kann einen solchen Schimpf nicht so leicht hingehcn lassen, da aber bewaffnelc Macht nicht bei der Hand war, so machte Hr. G. Kchrlum und fuhr nach Bounotz (das nächste Dorf von Kreuz, wo dieser Angriff geschah), zurück. Hier traf er mehrere Turner, die er nm Hilfe ansprach, aber nur zwei fanden auf dem Wägelchen Platz. Dessenungeachtet begannen sie die verwegene Jagd auf den fünffach überlegenen Feind. Als sie die Mähren einholten, stürzte sich der Kommissär vor Allem auf Denjenigen, der sich gegen ihn eine gröbliche Mißhandlung erlaubte, doch dieser entschuldigte sich damit, daß er den gnädigen Herren für einen Juden gehalten habe. Hierüber noch mehr aufgebracht, begannen die Rächer Judäa'» ihre gewichtigen Fäuste in Bewegung zu setzen und ehe zehn Minuten vergingen, fanden sich sechzehn von nur drei Gegnern weidlich durchgebläut. Betroffen und um eine Erfahrung reicher, suchten jene in größter Eile das Weite. Ausland. Memel. DaS in Memel bestehende HilfSkomite um da» Elend der Juden in Polen zu lindern, hat unlängst feine Rechnungen veröffentlicht. Die Gesammteinnahmen betrugen 455.762 FrcS. die Ausgaben 44.3,30:) FrcS. und der Kaffav bestand ist 6.499 FrcS. und es wurden 5.980 FrS. dem Ccntralcoinite übcrschickt. Amsterdam. Herr Louiö Drucker in Amsterdam wurde in Anerkennung seiner gediegenen Schriften über die türkischen Finanzen, vom Sultan der Türkei zum Offieier des Mcdjidie-OrdenS ernannt. Paris. Herr Salvador. Artillcrieoberst wurde zum Direktor in Brest ernannt. — Herr Armand Hajen» »vurde zum Sekretär bei Herrn Emil Justizuud CultuSininister ernannt. — Herr Felix Hcmcnt »vurde als Beamter beim öffentlichen UnterrichtSwescn angcstellt. Diese Erncnnnng ist um so schmeichelhafter, da er erst fünf Jahre bei der Akademie dient. UcbrigcnS ist Herr H e m c i» t bereits zwanzig Jahre im Dienste und hat sich durch seine, der Arbeiterklasse in Paris und S. Denis uncntgeldlich gehaltenen Bor träge, so wie durch die Herausgabe einer Menge wissenschaftlicher Artikel und sonstiger klassischer Aufsätze sehr verdient geinacht. — Herr TrcvcS, SchützenbalaillonStomman« dant, wurde zum Overstlieutenant ernannt.— Die jährliche Generalversammlung der „\llia»ice israolite universelle“ sin bet Donnerstag am 3. Feber stand. — Eine Frcimanerlogc erst kürzlich in Baltiinor erhielt den Namen ,,Ludwig Philippson. — Man schreibt der „Frnkf. Jtg. ," ES ist richtig, daß Victor Roirö Vater Salomon heißt und o»ivrier en i»iontres ist. Der Vater dieses Salinon (uicht Zalomon, also der Großvater von Victor Koir hieß Salme und »var Vorsänger und Schächter in Kirchheimbolanden. Als die Pfalz von de:» Franzoscu oceupirt »vurde, maschirte Salme »nit der NationalSgarde von .Kirchheimbolanden nach Paris. Hier trat er in die französische Armee, marschirte nach Italien »vird Korporal inachte später die Schlachl von Wagram mit und brachte cS bis zum Kapitän der kaiserlichen Garde und Ritter der Ehrenlegion. Er war einer der schönsten und tapfersten Männer der kaiserlichen Elite-Truppen. In einem Stäbchen in Mähren kam er bei Israeliten in Quartier, verliebte sich in die Tochter und da deren Vater sie nicht nach Frankreich ziehen lassen »vollte, guittirte er den Dienst und blieb in Mähren in dem Geschäfte seine» Schwiegervaters. Es erging ihm schlecht im Handel und er zog mit Frau und Sohn nach Paris, wo er wicdcr^hebräischen Unterricht gab. Er hinterließ seinen Sohn Salinon sdcn Vater von Victor Noir) in fast dürftigen Verhältniffen. Derselbe »vard wie erwähnt onvrier en pemlules. Marseille. Herr David Earcassom »vurde einstimmig zuin Richter beim Handelsgericht ernannt. — Herr Adolf Earcassom veröffentlicht eben ein Werk unter dcin T'tcl: „die Wassertropfen." De Havre. Hier hielt am 20. Dezember v. I. im Saale des Elisiums Herr Fribourg. Direktor der Telegrafcn-Station einen höchst interessanten Vortrag über die (9*» schichte der „elektrischen Telegrafie." Der Saal konnte kaum die Zahl der Znhörcr fassen. Uev. I-zr. Turin. Der Ritter Tcrni.Giovacchino, Präsident der Handclokammer und der Künste au-Ankona wurde zum Offizier des.Ordens der Krone Italiens ernannt; — ferner erhielten die Herren Dr. Cäsar TiSzi, Profeffor der Obernsvmalfchule in Pisa, Dr. ProSpero aus Padua, Sektionscher