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Die Gegenwart · 1870-01-24 · 5 (24.1.1870) · p. Seite 48

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
5 (24.1.1870)
Date
1870-01-24
Page
Seite 48 (sequence 4)
Language
German
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48 mit seinen -rüsten würde er bald etwaanders sein als er war. — Immer aber bleibt es derselbe Gott, welcher vor der Verkündigung MoseS egewesen, dasselbe übernatürliche schaffende und waltende Sein. Nur der Begriff von demselben Wesen wurde erweitert, dem menschlichen Beistände näher gebracht alein Etwas, welches nicht nur das allerhöchste, allmächtige Wesen in der Allmacht, sondern zugleich ein exlterneS höchstes Wesen außer derselben ist. — So wie im Menschen selbst fort und fort die Gedanken wechseln, die Begriffe, Anschauungen schwinden und selbst im Schlafe als Träume dahin jagen, jedoch das Selbstbewusstsein des IndividiumS als „Ich" etwas immer bleibendes nichts wechselndeist, jeder Mensch von den Kinderschuhen an bis zu feinem Grabe sein stehendeunveränderliche- '„Ich" hat, — so ist die Allmacht wandelbar, doch der Ewige steht fest ohne Aenderung und in diesem Sinne sind diese Stellen der Thora zu begreifen. — Die Auffassung aller dieser Gelehrten daher, welche sich in diesen Bibelstellen die Verkündigung eines neuen aus den egyptischen Misterien entlehnten GottcSbegriffeS denken, ist eine verfehlte und unsere Anschauung dürfte jeden tieferen Denker um so mehr als wahr gelten, als andere Stellen der Thora genügend darauf Hinweisen, das; einzig und allein die Hebräer es waren, welche den reinen Gottes - Glauben seit Abraham- Zeiten gelehrt und bis zum heutigen Tage unverfälscht allein erhalten haben. — Die Hebräer einzig und allein waren cS, welche den Glauben an einen unsichtbaren einigen einzigen Gotte als Volksglauben hatten und erhielten, welchen die Egyptier in verwandter Art jals Misterien geheimnißvoll jbewahrten und nur zum Eigenthume den Gelehrten machten, es war und ist dieses jene köstliche Angebinde, welches der Schöpfer bei Schaffung der Erde in des Menschen Geist legte uAb welches zu erhalten ein kleines Häufchen Volk der Erde berufen wurde. — Die kalte.Weltgeschichte selbst, die größten Geschichtsschreiber der alten und neuen Zeit, konnten uns diesen Vorzug nicht streitig machen, vergebens suchte man die verworrenen Hyroglifcn der egyptischen Weisen zu deuten, vergebens forschte die Geschichte nach anderen Quellen und selbst sie, die Richtern« der Zeit, musste sagen und fwird cS ewig sagen müssen: „Die Religion der Juden ist die Ur- RcligivnaufErden!" umdrehen auch schon da. Diese, unsere Gemeinde glorificlrende Anstalt, steht unter der taktvollen Leitung unsere-ehrwürdigen Hrn OberrabbinerS Dr. M. Girsch, der sich nicht nur um die hiesige Gemeinde, sondern auch um daungarische Israel vielstitige Verdienste erworben hat. Mitte Oktoberbegann in derselben der Unterricht, welcher von drei tüchtigen Lehrern und einem Gehilfen geleitet wird, und schon nach kurzer Zeit zeigten sich die herrlichen Früchte dieser segensreichen Anstalt. Am 16. l. M. nahm Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner unter großer Betheiligung von Seiten desachverständigen Publikums die Quartalprüfung vor. 4 Stunden bauerte das Examen und mit größter Befriedigung verließen sodann die Gäste die Anstalt. Außerdem findet jede 14 Tage eine öffentliche Talmud-Prüfung der Zöglinge der 8. und 4. Klasse statt. An der höhern Bürgerschule ertheilt Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner den Religionsunterricht unentgeltlich. Die T.-T. Schule zählt über 406 Zöglinge, und wurden die armen gegen 50 an der Zahl am Ehanukafefte ganz bekleidet, bei welcher Gelegenheit Herr Oberrab. eine sehr schwungvolle Rede hielt und sehr geistreich auSeinandersctzte, daß gerade das Ehannkafest mit der Beschenkung armer und älternloser Kinder eng verknüpft ist. — Mögen auch andere Gemeinden einem solch edlen Beispiele nachahmen. — Berlin den 20. Jäner (0.- X.) Als erfreuliches Zeichen für die rege Theiluahine der Israeliten in Berlin an den Interessen deS JudcnthumS, ist folgende Thatsache zu rcgistrircn. Vorige Woche hat sich hier ein Verein zur Gründung einer „Hochschule für die Wissenschaft deS JudenthumS" constituirt. — Die Anstalt bestimmt für ganz Deutschland, soll nur solche Studirenbe aufnehmen, die vollständige Reife für die Universität besitzen. Die anzustcllendcn Lehrer müssen jenen Grad der Wissenschaft auSweisen, welcher zum Lehramt an Universitäten berechtigt. Diese Hochschule, wird durch StiftungScapitalien und fortlaufende Beiträge erhalten, und soll ganz selbstständig bleiben. Eine ungenannte Berliner Familie hat bereits 10.000 Thaler gespendet, und sind .bereits andere Schenkungen aus Leipzig und Frankfurt a. M. angemeldet. A. Alt-Ofen, 10. Jänner 1870. (Ü.-K) 8. Gegenüber dem Zustande der Talmudthora-Schulc in Prag, insofern sie überhaupt noch nicht zu den Tobten gehört, muß cS für uns „Draufiige" — so beiläufig nennt man unS in Prag — als ein sehr erfreuliches Faktum betrachtet werden, daß in unserer Gemeinde noch religiöser Sinn genug vorhanden ist, um heilige Institutionen ins Leben zu rufen, und dieselben nach Kräften zu fördern. Bekanntlich haben sich seit dem Bestände deS neuen Schulgesetzes in Ungarn die größeren Gemeinden für das Prinzip der Simultanschule ausgesprochen; auch die hiesige israelitische EultuSgemeinde hat ihre, fast ein Säculum besteh.'udc berühmte Musterschule, trotz den Wühlereien und Agitativueu von Seiten der katholischen Klerisei der Simultanschnlc geopfert, und ging — um alle Fraktionen zu befriedigen — sogleich daran, eine Talmudthora-Schule zu kreiren. Der Kostenaufwand wurde auf 2000 fl. per Jahr berechnet, welche Summe theilS durch zu diesem Zwecke vorhandene Legate, theilS durch hochherzige Spenden jund freiwillige Beiträge gedeckt werden sollte. Dank dem religiösen Gefühle unserer Repräsentanz mit ihrem Obmanne, Hrn. Karl Goldberger, de Budai, den unsere Gemeinde mit Stolz den ihrigen nennt, an der Spitze, blieb eS nicht bloß beim guten Willen, sondern die Talmud»Thora-Schule war im Hand- Wochenchronik. *** Der klnterstähungaverein für mittellose israelit. UuivcrsitätShörer in Prag, hielt am 22. Jäner d. I. im Karolinum eine außerordentliche Plenarversammlung, die am Schlüsse bald in eine bedeutcude Schlägerei auSgcartet wäre, wenn die Auflösung derselben durch den anwescudcu landeSfürstlichen Kommissär rechtzeitig nicht veranlasst worden wäre. ES kam nämlich die Ucberrcichung eines Mißtrauensvotums, welches einige nicht besonders friedliebende Mitglieder dem jetzigen Ausschüsse dieses Vereines wegen angeblicher mangelhafter Energie zugcdacht hatten, zur Sprache, wobei mehrere stürmische Debatten entstanden und ein Mitglied, welches diese Sitzung mit einer „Iudenschule" vergleichen wollte, auf eine so ungestüme Weise zur Widerrufung gemahnt wurde, daß die Sitzung, um jede unliebsame Scene zu vermeiden, aufgehoben werden musste. *** Falschen Gerichten, die die Autorschaft des Artikels: «der jüdische Krummstab," einem der hiesigen Prediger in die Schuhe schieben, zu begegnen, erklären wir, daß jener Artikel auder Feder des Redakteurs hcrvorgegangen ist. *** Berichtigung. Wie uns nachträglich gemeldet wurde, hat Herr Adler ReligionSlehrer an den Mittelschulen nach längerem Weigern, nur auf eindringliches Bitten der Re» .4.

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