Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 5 (24.1.1870)
- Date
- 1870-01-24
- Page
- Seite 50 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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-er 1. Klasse im Ministerium deöffentlichen Unterrichtes. — Tr. Cäsar Donati, Sekretär bei demselben Ministerium. — Cmanuel Modigliani, Banquier in Livorno — Jsak Vita Mopurgo den Orden der Krone Italien-. — Der Ritter Raphael Pontrcmoli wurde zum Vizeiuspektor der Pynakotet in Turin ernannt. — Doktor, Ritter L. Luzzatto, schon Generalsekretär bei dem Ministerium dcö Handel- und dc- Ackerbaue-, sollte zum Minister dc-selbcn ernannt werden, welche hohe Stelle er audem Grunde zurückwie-, weil er noch zu jung ist — er zahlt erst 28 Jahre, welche- Alter ihm noch nicht geeignet macht, im Parlament seinen Sitz einzunehmcn, und er übernimmt wieder seinen Posten al- Professor in Padua. In dieser Stadt ijt nun für da- Fortbestehen de- Kollegium Rabbinicum neuerdingö hinlänglich gesorgt worden. Asti. Der Advokat Salvatore Ottolenghi, bereit- Ritter de- S. Mauritiu-ordcn-, wurde zum Ritter der Krone Italienernannt. Jaffa. Herr Karl Retter. Mitglied de- Ecntralcomite hat von der h. Pforte die Erlaubnis erhalten, daselbst eine Ackerbau schule zu gründen. lUro-tyorN. In den Baracken zn Atlanta in (Georgien wurde jüngst rin seltener Act, der vielleicht noch nie daselbst vorgckornmcn, vollzogen. 6war die Bcschncidung de- Sohneeinejüdischen Soldaten, der jüngst von den Ebenen angekommen war. Da ans seiner Station Niemand war, dem er die Operation anvcrtrauen konnte, wartete er ab, bier an einen Platz gekommen, wo eine jüdische Gemeinde ist. Als er in Atlanta angelangt, war csein Erste-, die Beschneidung seine- Sohnevollziehen zu lassen. Mondovi. Herr Samuel S i n i g a g l i a, Seidenmanufaktnrbesitzrr in Earagsio in der Provinz Ennco versorgt die Armen seiner Umgegend, .ohne Unterschied der Religion, Kl» an der Anzahl, seit dem 15. Dezember v. I. mit guter Cnppe täglich, und wird diese Wohlthat durch den ganzen Winter sortsetzen. — In Euneo bcthciligcn sich an der abendlichen Arbciterschulrn unentgeldlich die beiden Professoren Leone ST 11 o (c n g I) i und M. Lcvi. — ' ' St u ii ft, I I) c fl t f r u ii b Literatur. — Die „Prs. Ztg." schreibt: Dr. H. Gr ätz, der bedeutendste Historiker der Inden, welcher an dem Rabbiner- Seminar in Breslau seit dessen Begründung als Dozent wirkt, ist zum Professor an der Bre-lancr Universität ernannt norden. Dr. Grätz ist der zweite jüdische Professor, der seit einem Vierteljahre an die Breslauer Universität berufen worden ist. Vor ihm wurde Dr. Jakob Earo daselbst al- Professor angcstcllt. Außer ihnen wirkt schon länger der Botaniker Eohn an der Bre-lancr Hochschule. — Seit Neujahr erscheint in Pariunter den Auspizien depariser Oberrabbiner, Herrn Zndoe Kahcn und unter Mitwirkr.ug mehrerer Gelehrten und Männer vom Fache ein neue- Journal unter dem Titel: nlicvuc israeMte,“ rrdigirt vom Herrn Isidor Locb. Da- Programm dieser Urnen Zcilschrisl kündigt an, daß cnicht nur ein rabbinischc- Organist, sondern auch die israelitische Geschichte und Literatur «daher auch die nrnrsten Erscheinungen in denselben' al- Gegenstand seiner Besprechung und Forschung gewählt hat und will sowohl dem ZOtgcistr, alauch dem Fortschritte Rechnung tragen. Auch werden seine Blätter der Mannigfaltigkeit wegen Belehrendemit Unterhaltendem abwechseln lassen. Do- Journal erscheint wöchentlich und zwar jeden Freitag. Die erste Nummer enthält nebst dem bereiterwähnen Progran me eine interessante Abhandlung über die „Medaille des Fouvricre," ferner geistreiche Kritikin über mehrere neue Erscheinungen in der hebräischen Literatur und anderer Werke, verschiedene Nachrichten u. a. m. Wir wünschen diesem Journal den besten Erfolg. — Ter fleißige und gelehrte Rabbiner Herr G. Emanucl Lcvi in Euneo veröffentlicht „einen etimologisch-historischen Diktionär der italienischen Sprache" zusammengestellt nach den Forschungen der bewährtesten Philologen; und wird gegen 1000 Seiten umfusscn. Dieseneue Werk ist der Erfolg langer und ernst betriebener Studien. Der vierte und letzte Band devom Oberrabbiner, Hrn. Michel A. Weitl in Parihcrau-gebenen Werke-: „Da- Judenthum, feine Dogmen und seine Mission" ist bereits erschienen. — Vom Oberrabbiner in Colmar, Herrn Levy ist eine neue biblische Geschichte für Prinrärschulen erschienen. — — Am 17. Jäncr fand auf dem Theatre frangais in Paridie erste Vorstellung devom Herrn Eugene Manuel verfassten Stückes betitelt: die Arbeiter (les Onvrirs) statt, und hatte den glänzendsten Erfolg. Schon früher hat er mit demselben Bcifallc ein Stück, unter dem Titel: „da- Kleid" (la Kobe) hcrausgcgeben. Beide Stücke zeichnen sich durch einen fließenden und zierlichen Stil au-, der Versbau ist vortrefflich, und das Ganze durchweht eine edle und erhabene Idee. Vom Mchertische. ’ttSrrvi — Jntroductio in Talmud Hicrosolymitanum. Auch unter dem Titel: Einleitung in den Jerusalemischen Talmud von Dr. Z. Frankel, Oberrabbiner und Direktor dejüdisch-theologischen Seminarzn Bre-lau. (VIII u. 316 S.) gr. 8. Bre-lau 1870. Schletter'sche Buchhandlung (H. Skutsch) Mit diesem Buche, dain hrbräischer Sprache Quadratschrift) uns heute zur Recension vorliegt, wurde die jüdische Literatur in den jüngsten Tagen bereichert. — Hat auch der Kritiker nicht immer eine angenehme nnd dankbare Beschäftigung, da er, um der Wahrheit die Ehre zu geben, oftmals tief einschneidend und. zersetzend auftreten muß, so ist er im Vorhinein berechtigt mit freudigem Gefühle an die Beurtheilung degenannte» Werkezu gehen. Denn wahrlich, man braucht nur einerseits auf den Verfasser, anderseits wieder auf den behandelten Stoff hinzublickcn,und die .Kritik muß eine günstige werden. — Welchem gebildeten Theologen unserer Zeit sind nicht die gediegenen Arbeiten bekannt, die von der umfassenden Gelehrsamkeit, von der immensen Belesenheit in den rabbi-. nischcn Sckrriftc» und in denen deklassischen AlterthumS, von dcm Scharfsinn und der richtigen Denkungsart deö H. Dr. Z. Frankel ein beredte- Zcugniß oblegen?! — Wer kennt nicl't die Werke: „Kritische Vorstudien zur Septuaginta". „Der gerichtliche Beweis nach mosaisch-talmudischem Recht." „Grundlage demosaisch-tulmudischen EhcrechteS." „Darkch Hamischnah" etc. die alle Herrn Dr. Z. Frankel znm Verfasser haben? Wem muß daher nicht auch daunvorliegende Werk Ehrfurcht und Hochachtung vor dem Manne einflößcn, dessen heller Geist bereits viel de- Gediegenen zu Tage gefördert hat, audessen Feder schon so'viele kostbare Perlen geflossen sind? — Doch sehen wir uneinmal auch den Stoff an, dem ein neuer Lcben-odcm ein gehaucht wurde. Der jcrusalemische Talmud, der im Verlause von nahe an zwei Hundert und dreißig Jahren begründet und abgeschlossen wurde, «.vorn Ableben dcö Rabbenn Hakodosch binach dem Tode de- Rabbi Säiimeon Sohn des Rabbi Joßc) hat von jeher nicht in„ solch hohem Maaße die Aufmerksamkeit der jüdischen Theologen auf sich gelenkt, wie der babylonische. Denn während namentlich die jünger« Theologen mit glühendem Eifer und voller Wißbegierde in der tiefen Schacht debabylonischen Talmudhinabstiegen, um