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Die Gegenwart · 1870-01-24 · 5 (24.1.1870) · p. Seite 46

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
5 (24.1.1870)
Date
1870-01-24
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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46 phi» während ihre» unverdorbenen Zustande- — diese Lehre schon von den Epopten bekannt wurde. — Diese Epopten erkannten eine einige höchste Ursache aller Dinge, eine Urkraft der Natur. DaS Wesen, weichealle Wesen belebet, und da e» als ein einziges alleiniges Wesen-in allen Weltallen gedacht wurde, geben dieselben dieser Urkraft keinen Namen, nachdem sie von dem Standpunkte au-gingen, daß etwawas nicht unterschieden zu werden brauche — auch keinen Namen bedarf. — Um aber späterhin eine Bezeichnung hierfür zu haben, legten dieselben diesem Begriffe die Worte bei; „ich bin wada ist," woraus MvseS den sinonimen Begriff: „ich werde sein, welcher ich sein werde" gezogen hätte, und als Beweis hiefür soll nach der Ansicht dieser Gelehrten gelten, daß die Epopten ihre Gottheit mit dem Namen J—ha—ho bezeichneten; während MoseS den ähnlichen Namen Je— ho—va für die Bezeichnung de» uns Israeliten gelehrten Gottes annahm.— Es kann allerdings nicht geläugnet werden, daß die cgiptischen Mistikcr in 1er That die Lehre von einem unsichtbaren Wesen hatten, ähnlich unserem Begriffe von heut zu Tage, hiefür geben selbst noch die alten egyptischcn Denkmähler, die Bildsäule der Isis etc. Beispiel; — wir aber von unserem Standpunkte müssen entschieden den Behauptungen der besprochenen Philosophen entgegentreten, daß die Lehre vom einigen einzigen sGvtte) bei den Juden erst den Egyptiern entlehnt wurde, daß der Urbegriff erst von dort ausging, und wir sonach eine Religion besitzen würden, welche ihrer Natur nach, nicht Ur- Religion genannt werden dürfte! — Die ganze Lehre der Thora spricht hingegen vor Allem für unsere Anschauungen; denn nicht mit einem Worte ist darinnen erst die Lehre neu gegeben, daß ein einzig, einiges, unsichtbares Wesen über uns waltet, es wird von Euerem Gotte „vom Gotte der Väter" gesprochen und diese Worte sind beweisführend genug, daß weder MoseS seine von ihm erkannte Gottheit, noch Gott sich selbst, — bei seinem Volke neu als bisher ungrkannt einführen wollte. — Run die Stellen in 2. M. 6. 3. und 2. M. 3. 13. 14. geben uns Stoff zur näherer Besprechung, wo eS heißt: — „Und Gott redete zu Mose und sprach zu ihm: Ich bin der Ewige. — Ich bin aber erschienen dem Abraham, dem Jsak und dem Jakob als Gott der Allmächtige— doch in meinem Namen „Ewiger" bin ich ihnen nicht bekannt gründen rin Gewicht brtgrlegt zu haben, daS ein Anderer nicht darin finden kann. Die ausivcichendt Antwort Mendelssohns fand die allgemeine Billigung und Anerkennung; selbst der berühmte Mirabcau dielt sic siir werth, in » Französische überseht zu werden, was er auch selbst, wenn auch nur im AnSzuge, that. LavaterS Benehmen wurde dagegen von seinen eigenen Freunden und zunächst von Bonnet getadelt, der seine Dedication mißbilligte und ihm seine Jndtscretton vorwarf. Bon allen Seiten angegriffen, sah er wohl sein Unrecht ein und suchte sich durch einen Brief zu entschuldigen, den er Mendelssohn durch den ehrwürdigen Spalding übergeben ließ. Daß Schreiben lautete: „Berehrungswürdiger Herr! Diesen Rainen gebe ich Ihnen mit vieler Ueberzeugung. Die redlichste Absicht hat mich gezwungen. Ihnen Bonnrt» Untersuchung zuzueigncn. Bannet selbst meint, ich sei indi-cret gewesen, Freunde in Berlin meinen eS auch. Wenn sie eS auch so anseheu, so dürfen Sie nur sagen, nur einen Wink mir oder einem meiner Freunde geben, ob und wie ich diese Jndiöcretion, die doch wahrlich im Grunde daS nicht sein sollte, wieder gut machen soll. Ich werde zufrieden sein, wenn Sie die Sache sonst Ihrer Untersuchung würdigen werden." „Vergeben Sie mir—was?—daß ich Sie liebe, hochschätze— Ihr Glück in der gegenwärtigen und zukünftigen Welt wünsche. Vergeben Sie mir, wenn ich den «»rechten Weg cingeschlageu habe, Ihnen dies zu bezeugen." öugletch mußte Lavater eingestehen, .daß er das Vertrauen seine» Freunde» gemißbraucht. Ich weiß uüch," sagte er in einem späteren Briefe, „so deutlich al» möglich zu erinnern, daß ich die Berstcherung an Sie ergehen ließ. Sie möchten wider da» Ehrisienthum sagen wa» sie wollten sb werde ich niemals einen indiSgeworden." — Ferner, und MoseS sprach zu Gott: „Siehe komme ich zu den Söhnen Israel», und spreche zu ihnen: „Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesendet und sie sprechen zu mir, wie ist sein Rame? und waS soll ich ihnen sagen? Da sprach Gott zu Moses: „Ich werde sein, welcher ich sein werde! Dann sprach er: „So spreche zu den Söhnen Israels: Ich — werde — sein, hat mich zu euch gesendet; und über diesen Punkt wollen wir eingehend sprechen, zumal hier eine Unterscheidung vom tiefsinnigen m etaphisi scheu Standpunkte liegt — welche Unterscheidung jedoch keineswegs noch für die Annahme der anti-jüdischen Philosophen spricht. Diese hier citicrten Stellen der Thora geben unseren Gegnern den Anlaß für ihre Behauptungen, — denn nachdem Gott selbst zuerkannte, unter dem Namen „Ewiger" noch nicht bekannt zu sein — nachdem MoseS weiter erst um dessen Namen frag, — und derselbe ihm auch nun erst bekannt gegeben wurde, — so solle hierangefolgert werden, daß MoseS jene Gottheit einführen wollte, welche er in fast sinonimer Darstellung in der Schule der Mistiker geoffenbarct erhielt. — Rach den alltäglichen Begriffen deoberflächlichen Geistes dürfte eine solche Anschauung Glauben finden, eS dürften diese Bchcküptungen in der Seele manches Menschen als wahr gehalten werden, wenn man jedoch tiefer eindringt in dem wahren Geist dieser Offenbarung, so wird man zu einer anderen Ueberzeugung gelangen, eS werden die Zweifel schwinden und die Wahrheit, daß unser Glaube seit Abrahams Zeit, ja nach den Forschungen der Geschichte — soweit überhaupt hier Daten zulässig erscheinen — bihinauf zum Urvater der gesummten Menschheit schon existirtc, im glänzenden Lichte strahlen. Unsere Aufgabe soll eS sein, diese Wahrheit hier zn vertreten. Bei der oberflächlichen Betrachtung irgend eines Lehrgrundsatzes ist die Auffassung des Begriffes oftmals dem entgegen, was damit gesagt werden solle — wollte man selbst in der Wissenschaft viele Lehren nach dem Wortlaute der Lehrsätze nehmen, so würden wir entgegengesetzte Begriffe der behaupteten Wahrheiten erlangen. — Es ist durch die Traditionen unserer Väter und selbst geschichtlich unzweifelhaft sichergestellt, daß die Hebräer sich einem El-schäddai (allmächtigen GottMI eljon (allerhöchstes treten, Ihnen nachthciligen Gebrauch davon machen. Glauben Sie mir, damals ivar cs mir genau so wie jetzt — ich möchte alle» misten, waS sich wieder das Christenthum von ehrlichen, unpartciischc» Pilosophcn sagen läßt. In allen Dingen, die von Menschen herrübren, kamt man Nachsicht haben, aber Gott bedarf keiner Nachsicht." Der eben so gute als kluge Mendelssohn begnügte sich mit diesen Entschuldigungen, denen er selbst noch folgende, für die Oeffcntlichkcit bestimmte Worte hinzufügte: „Ich erkenne," sagte er, „in Lavater s Betragen seine gnte Gesinnung und Freundschaft für inich, der Inhalt seiner Antwort zeigt, meines Erachtens, seine» moralischen Charakter von der vortrefflichsten Seite. Man findet in derselben die untrüglichsten Merkmaleder wahren Menschenliebe und echten Gottesfurcht, brennenden Elfer für daS Gute und wahre, ungeschminkte Rechtschaffenheit und eine Bescheidenheit, die der De» muth nahe kommt. Es freut mich ungemein, daß ich dcnj Werth der cdelmüthigcn Seele nie verkannt habe. Ueberschwenglichc Guttigkeit ist c», wenn Herr Lavater mich öffentlich um Verzeihung bittet." So triumphirte der indische Philosoph über den christlichen Geistlichen durch den Geist der Liebe, Duldung und Sanftmuth, den diese so oft anrufen. WaS Mendelssohn aber aus weiser Rücksicht Unterlasten, that vielleicht in Folge jcncS Streites mit Lavatcr der kühne« Lcsting. Er ließ die bekannten Wolfenbüttel'schen Fragmente eines Unbekannten" erscheinen und züchtigte den gleißnerischen Hochmuth de» Pfaffcnthums, wenn auch nicht in der Person Lavater» so doch wenigsten» an dem Ehrenpastor Götze, I besten Unduldsamkeit, Lieblosigkeit und Berdainmungssucht Ander». ' gläubiger er für immer an den Pranger stellte, so wie er der To. » u

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