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Die Gegenwart · 1870-01-24 · 5 (24.1.1870) · p. [Seite]

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
5 (24.1.1870)
Date
1870-01-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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l 9Jt«n «fonnirtfit* Prag t Sttzjikhrig fl. 5 — H»lbjährig „ 2.50 Bierteljährig,, I SO Mit Postzusrvduu,: Gttzjährig fl. 5L0 Halbjährig ff 2.75 vierteljährig „ 1.50 Für- AuSlandr Ganzjährig 4 Thlr. Halbjährig 2 Thlr. Aiserate werden billigst berechnet. Die Gegenwart. Hrgan für die Interessen des Zudenthums. Erscheint allwöchentlich am Freitag. Rrbakti»» ». yiitst« »istrati», Prag, Mit« tergafieNra. 408—1 wshi« alle vrieft n. «elbsendnnge, in richten sin». .ij 4 V Auschriftea Werde franco erbeten. Ma» nnslriyte werden bet Richtvrrweadnng ans verlangen jrdach nnstanlirt znriicken stattet. Ar. 5. Die Ar-Religion. (Eine philosophische Abhandlung) Wenn wir tiefer in den Geist unserer Religion eindrin« gen wollen, die Lehren derselben nicht, vom parteiischen Standpunkte des ReligionS-BekennerS avschauen, sondern uns bei diesen Betrachtungen einfach auf : den Standpunkt des kosmopolitischen Philosophen stellen, um mit unpartheiischen, von Vorurtheilen befreitem Auge — klar und scharf alle pro und.' contra erwägen zu können; so müssen wir vor allem anderen unseren Gesetzgeber Moses ins Auge nehmen, seine Sendung, seine Werke betrachten, welche er nach unserem Glauben auf göttliches Geheiß vollbrachte. Als gerechte Richter müssen wir aber auch die GcgenparMi sprechen lassen, aber nicht jene von Vorurtheilen wider unsere Religion befallene Parthei. welche vom rein religiösen Standpunkte uns entgegen stehen muß — sondern vielmehr wir wollen hierüber die Philosophen und größten Denker unserer Zeit hören, Männer, welche alle auf religiösem Gebiete hervorgetretenen besonderen Erscheinungen auf rein philosophische Begriffe zurückzuführen bemüht waren.— Die erste und wichtigste Frage, welche uns hier nahctritt, eine Cardinalfrage in der Betrachtung unserer Religion ist: ob die Lehre vom einzig, einigem Gotte in der That unS seit dem Bestände der Hebräer ja seit Abrahams Zeiten überkommen war, oder aber ob MoseS erst uns diese Lehre verkündete? — So sehr wir von unserem religiösen Standpunkte nnS vom Erstcren überzeugt halten, treten doch so viele Gegner dieser Behauptung auf, ja in den Personen IIL Jahrgang. der größten Männer unserer Zeit, der ausgezeichnetsten Denker, daß wir nicht umhin können, es für »öihig zu erachten, vor dem Beginne unserer religiösen Abhandlungen hier diese hochwichtige Frage eingehend zu diskutieren. Die Wissenschaft von jeher bedacht, alle übernatürlichen Erscheinungen auf reine Naturerscheinungen zurückzuführen, hat sich vielmals bemüht Glaubenslehren unserer Religion von diesem Gesichtspunkte aus zu erklären, — man hat beispielsweise die zehn Plagen Egyptens auf gewöhnliche Naturerscheinungen zurückgeführt, die Ueberschreitung deS rothrn Meeres von den Juden als eine tägliche Erscheinung bezeichnet, — kurz Alles gethan was diesen Wundern der Gottheit daS Gepräge einer Naturbegebenhrit verleihen würde. — Und so haben sich viele dieser Gelehrten und insbesondere der unsterbliche und größte Denker Friedr. S. Schiller der Ideen bemächtiget, daß unser Gesetzgeber, ^Mher durch eine wunderbare Fügung in die Schule der rWWchen Mistikcr kam diese Lehre erst dort auffasste, — und das was somit Geheimniß der egyptischen Priester war, zum Gemeingute seines Volkes machte. — Wir brauchen hier nicht erst zu erwähnen, daß diese Philosophen das Grund-Dogma unseres Glaubens, die göttliche Sendung des „Mannes Gottes" dabei läugnen müssen, — für die Wahrheit dieser letzteren religiösen Anschauungen sprechen jedoch zu viele Beweise, alS daß wir hier dieses Dogma specirll nochmals verfechten sollten. Die anti-i-raelitischen Denker suchen ihre Behauptungen für die Ansicht, daß MoseS ans der egyptischen Schule die Lehre vom einzigen, einigen Gotte zog, daraus zu fußen, daß schon in den allerältcsten Mysterien von Heliopolis und Mem- Drag 24. Januar 1870. FeuiUeton. Roses Mendelssohn, und Lavater's Versuche ihn zu bekehren. (Schluß) Dir Bedenklichkeit mich in eine ReligionSfireitigkcit einzulas. sen, ist von meiner Seite nie Furcht oder Blödigkeit gewesen. Ich darf sagen daß ich meine Religion nicht erst seit gestern zu trrsuchrn angefangen." »Wäre nach meinem vielljährigcn forschen die Entscheidung nicht völlig zum Bortheile meiner Ration ausgefallen, so hätte sie nothwcndig durch eine öffentliche Handlung bekannt werden niüffen. Wäre ich gegen beide Religionen gleichgülltg und verlachte oder verachtete in meinim Sinne olle Okffenbarungeu. so wüßte ich gar wohl, waS die Klugheit räth, wenn da» Gewissen schweigt. Bon dem Wesentlichen meiner Religion bin ich so fest, so unwiederleglich verstchert, al» Cie oder Herr Bonnet nur immer von der Ihrigen sein können. Sie hätten die Bedingung der Hochachtung für den moralischen Charakter de» Stifter« Ihrer Religion nicht verschweigen sollen, die ich ausdrücklich in jenem Gespräche beifügte., „Rach den Grundsätzen unserer Religion soll ich niemand, der nickt nach unserem besetze geboren ist, zu bekehren suchen. MoseS hat un» da» Gesetz geboten, e» ist ein Erbthcil der Gemeinde Jakob. Alle ander« Völker auf Erden, glauben wir, find von Sott angewiesen worden fich an da» Gesetz der Natur und an die Religion der Patriarchen zu halten. Die e» thun, werden tugendhafte Männer anderer Rationen genannt, und diese find Kinder der ewigen Seligkeit. Ich Hobe da» Glück, so manchen trefflichen Mann, der nicht mei. ne» Glauben» ist, zum Freunde zu haben. Ich genieße die Wohllust ihres Umgang», der mich Hestert und ergötzt. Riemal» hat mir mein Herz heimlich zugerusen: Schade für die schone Seele!" Rur die feierliche Beschwörung eine» L av a 1 er nöthigt mich ivenigstenS meine Gesinnung öffentlich an den lag zu legen, daß niemand ein-zu weit getriebene» Stillschweigen für Verachtung oder Gestand »iß halten möge. Herr Bonnet hat vielleicht nur für solche Leser geschrieben, die, wir er, überzeugt find, nur lese«, um sich in ihrem Glauben zu bestärken. Seine innere Ueberzeugung und rin löblicher Eifer für dir Religon scheinen seinen Vrwrt».

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