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Die Gegenwart · 1870-01-21 · 4 (21.1.1870) · p. Seite 41

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
4 (21.1.1870)
Date
1870-01-21
Page
Seite 41 (sequence 7)
Language
German
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41 nach den Verträgen zustehende Konsular-Juri-diktion zu verzichten, verwahrte jedoch zugleich die Rumänen gegen den ihnen gemachten Vorwurf der Intoleranz auf religiösem Gebiete, indem er die Judenfrage als keine religiöse sondern aleine sociale betrachtet wissen will, und beschuldigte die . Minister, daß sie die bestehenden Gesetze, sowie die von ihnen, resp. ihren Vorgängern, erlassenen Verordnungen bezüglich dieser Angelegenheit nicht mit Strenge anwendetcn. Namentlich verlangt er, daß den Juden keine Güter mehr in Pacht gegeben werden sollen, Der Minister Cogolniceanu stimmte der Behauptung de.S Antragstellers bei, daß die Judenfrage lediglich eine sociale sei, er erklärte sich jedoch außer Stande, mit Erfolg gegen die Einwanderung derselben aufzutreten, da sie zum größten Theil sich heimlich über die Grenze schlichen, ohne mit einem Paß versehen zu sein, und die Nachbarstaaten, aus welchen sie gekommen, sich weigerten, dieselben wieder auszunehmen; schließlich empfahl er der Kammer, die Initiative zu ergreifen und einen Gesetzentwurf hinsichtlich derselben cinzubringen. Nachdem die Frage drei Tage lang hin und her diskutirt worden und vielen unnützen Staub aufgewirbelt hatte, nahm die Kammer mit großer Majorität den Antrag von Gradisteanu an: „Zur Tagesordnung überzugehen in der lleberzeugung, daß die Regierung die bestehenden Gesetze anwcnden werde." Florenz. Am 2. Jäner wurde ein neues israelitisches HrziehungSinstitut eröffnet, welches einem längst gefühlten Bedürfnisse und den Ansprüchen der Zeit und des Staates entsprechen soll, dessen Leitung haben die Herren E. For« migli, Professor der italienischen und lateinischen Wissenschaften, — Angiolo Passigli, Professor an den öffentlichen Israel. Schulen u. a. übernommen. Warschau. Der Vorstand der Armen- und Waisenanstalt Hierselbst hat zur Hebung und Erweiterung derselben mit Erlaubniß der Negierung eine Pfänder-Lottcrie von 60000 Loosen a 25 Kopeken arrangirt, die den Ertrag von 15000 Rubeln der Anstalt bringen sollen. New Hork.An dem neuen jüdischen Hospital, das auf der Ostcite von Lrxington Avenue, in 67. bis 68. Straße, in der Stadt New-Aork, zu stehen kommen wird, sind die Erdarbciten bereis in Angriff genommen. Den Bauplatz hat die Stadt geschenkt. Die Baukosten sind auf 250,000 (500000 fl.) veranschlagt. In dieser Anstalt werden Patienten ohne Unterschied der Religion oder der Nationalität ausgenommen werden. Kunst T h e a t e r n u d L i t e r a t u r. « . — Conerrt. Sonntag führte sich im Eonviktsaalc die Pianistin Frl. Janctte Stern auö Odessa dein pragcr kunstsinnigen Publikum als Birtuosin ein. In der That hat diese jugendliche Künstlerin in Bekämpfung der schwierigste)! klassischen Stücke, unter denen wir namentlich Bach's l’relude et fugue a mol, Scarlatti'S Sonate a dur und 151)0* pin'S Nocturne Des dur und Dallade As-dur hcrvorhcbcii, den Namen einer Künstlerin gerechtfertigt. Die meisterhafte Technik, die zumal das Spiel.mit der linken Hand mani festirt, die Kreuz» und Quersprünge, das Hinhauchen der feinsten Töne reißen förmlich hin. In dem Trio op. 48, in welchem die Eonccrtistin von den Künstlern den Herren Professoren Bennewitz und Hegenbart unterstützt wurde, trat eine Harmonie hervor, wie wir sie selten zu hören bekamen. Die Künstlerin trennt sich im Spiele vollkommen vom Auditorium, sie scheint sich nur in der Sphäre des Spieles zu finden und der Kunst allein anzugehörcn. Mit einer achtungswcrthen Bescheidenheit setzt sie sich an das Elavier jede Schnörkelei, jedes Manirirrn aus dem Auge lastend, mit einer Bescheidenheit, die nur daS Interesse erhöht. Frl. Stern die demnächst in Dresden. «Leipzig und Berlin koncertiren wird, verabschiedet sich morgen Samstag in einem zweiten Concerte vom Präger Publikum. . M i ö c e l l e ii. X In einer Trafik der Hauptstad , die nicht so wegen der Havannablättcr, als vielmehr der Knospen, die 'sie feilbietet, besucht wird, hängt folgende EoncessionSurkunde: Dem Frl. M. P.. .kaiserlich königliche BeamtenS-Enkelin.* Also selbst bis in das dritte Geschlecht pflanzt sich daS Mal der Kaiser-Königlichkeit fort? Wird man nicht bald lesen müssen .kaiserlich königliäie Beamten Enkelin-Urenkelin"'? Der Gott der Juden kühlte zwar sein Müthchen selbst an den Kindern des siebenten Geschlechtes. Sollte aber unsere Regierung wirklich, wie die .Krcuzzeitung" behauptet, noch jüdischer sein als der Judengott? X Wie rin katholischer Wettpriester galisischen Handelsjudeit in'» Handwerk pfuscht, darüber jlässt sich .der Osten" berichten: In Miclnica, einem kleinen Städtchen OstgalizienS, welches zur Bezirkshauptmannschaft BorSzczow gehört, leben unter der christlichen Bevölkerung, wie in allen galizischcn Kleinstädten, anch einige Juden, die sich theilS dnrch Handwerk, größtentheils aber von Handel ernähren, da sie auf dem Dniestcr, dessen rechtes Ufer hier russisches Territorium ist, Rohproducte herabflößen. Andere beschäftigen sich mit dem Kleinhandel und verkauften Spezerei-, Schnitt-, Kurz- und andere Maaren in Gewölben, wofür sic sowohl Gemeindeals landesfürstliche Stenern zahlen. Bisher nun lebten Inden und Christen im besten Einvernehmen und Letztere hatten weder gegen die Oualität, noch gegen den Preis der von Ersteren iinportirtc.it und verschleiß« tcn Maaren das Geringste einznwenden; die Geschäfte nahmen ihren gewöhnlichen Verlaus und Miclnica erfreute sich der Ruhe und des Friedens auf Seiten der christlichen und jüdischen Bevölkerung. Da siel cdem Pfarrer Z . . . ein, selbst ein Berkaufsgewölbc zu crriditcn, er bestellte Maaren verschiedener Art und ctablirte am Psarrhanse einen förmlichen Speccreiladen. Hat der chrenwerthc Seelcnhirtc früh Morgens seine Messe gelesen und für daS geistige Heil seiner Pfarrkinder innig gebetet, so öffnet er dann seine Speccrcihandlung und er — der Diener dcS Herrn, bedient die rothwangigen Köchinnen, die blaffen Stubenmädchen, indem er ihnen Mucker, Caffcc, Eichorie oc. abwägt und in Fließpapier nett zusam« mcnpackt. Die Kunden kommen anch recht gern zu ihm, denn cs ist nicht nur eine heilige Pflicht, beim Pfarrer zu beichten, sondern and) Rocks-Drops und Zuckerkandcl zu kaufen. Kein Wunder deshalb, wenn die Bevölkerung von Miclnica die meisten Bedürfinffc aus dem Waarenlager des Geistlichen holt, verkauft er doch billiger als die Juden — der Grund ist, weil der geistliche Herr weder G.wölb MiethzinS noä) Steuern bezahlt, während die Juden, welche früher hohe Steuern zahlen mufften, sic jetzt nicht zu zahlen vermögen, da sie die Eoncnrren; mit' dein geistlichen Seelcnhirtcn liidjt bestehen können. Mir empfehlen diesen Umstand unserer Beamtrnwclt zur Studie umsomehr, als der geistliche Kaufmann trotz der goldenen Regeln der Comp» tabilitäl alle Aussicht hat, in kurzer Zeit seine Geschäfte mit einem Bankerott oder einer Erida abzuichließen, weil sich ein Eonsortimn israelitischer Kanflente gebildet hat. das es sich zur Aufgabe gemacht hat, hem kaufmännischen Theologen rin .Schuster bleib bei deinem Leisten" znznrnfeu, und ihm durch gemeinschaftliche Eoncurrenz das Handwerk zu legen. Die kaufmännische Unfehlbarkeit dcS hochwürdigen Herrn würde durch eine Jnhaftirung und Pfändung deS PfarrerS von Miclnica gar arg in die Brüche gehen. Hoffentlich wird der geistliche Herr Raison annehmen und sich noch frühzeitig ehrenvoll au» feinen Lorbeerblättern, Häringen und gemischten Maaren herau-ziehen.

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