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Die Gegenwart · 1870-01-21 · 4 (21.1.1870) · p. Seite 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
4 (21.1.1870)
Date
1870-01-21
Page
Seite 40 (sequence 6)
Language
German
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40 »«günstiger. So waren unter den im Jahre 1867 in die» sem Spitale verpflegte» 684 Kranken au- Niederöstreich nur 38, dagegen nach Böhmen 74, nach Mähren 84, nach Ga« lizien 86, nach Ungarn 369 zuständig, und wurde dei einer Spital-au-gabe von 13 956 fl. durch zahlende Kranke nur der Betrag von 681 ft. eingebracht. Nunmehr erneuerte der Vorstand der KultnSgrmeinde abermals die Bitte bei der niederöstcrr. Statthaltrrei, dieselbe möge da- Spital der Wiener israelitischen Kultuögrmeinde als ein „allgemeines öffentlicheS Krankenhaus für Israeliten" anerkennen. Dem ausgesprochenen Wunsche dürften jetzt .keine Hindernisse mehr im Wege stehen, da sowohl der LandrSanSschuß als auch die k. k. Statthalter« die angesuchte Bewilligung nur von der Borlage des Statutes der Anstalt und von der Nachweisung der öhe der VerpflegSkoften abhängig machen. — Die jüdische cmeinde in Wien, die bekanntlich einen Grund zum Aufbau eines Hospitals in Währing ankaufte, hat, wiewol Epitalgebäude steuerfrei sind, der Gemeinde daselbst freiwillig einen jährlichen Beitrag von 300 Gulden zu den Kvmmunallasten auf zehn auf einander folgende Jahre zugesichcrt. Der Architekt Herr Wilhelm StiaSny in Wien, dem der Bau des jüdischen Spitals in Währing anvertraut ist, hat eine Reise nach Berlin angetrrtcn, um dort die neuesten Einrichtungen der Spitäler kennen zu lernen. — (Herr Alexander- Schar f.) der in dem bekannten EhrenbeleidigungS-ProzcS, den der Bankier P. Schiff gegen ihn anstrcngte, zu einer Strafe von fünf Monaten Gefängniß verurtheilt wurde, die er eben antreten sollte, soll ein Begnadigungsgesuch an Se. Majestät gerichtet haben. Die Feinde des Lichtes treiben es im Ader-Innthal ärger als man es selbst von den verbissensten Ultramontanen für möglich halten sollte. So hat dortselbst ein frommer, Seelrnhirt von der Kanzel aus die Augcnkrankcn gewarnt, sich vom Augenarzt Prof. Dr. Mauthner in.Innsbruck behandeln zu lassen, weil er — ein Jude ist. Ausland. Arevlau, 13, Januar. Herr Dr. H. Graetz, Lehrer am jüdisch theologischen Seminar in Breslau, ist zum Honorarprofessor in der philosophischen Facultät der hiesigen Universität ernannt worden. Diese Auszeichnung ist eine um so höhere und ehrendere, als Herr Dr. Graetz nie als Privatdoccnt an hiesiger Universität gelehrt hat nnd dir Ernennung durchaus der Initiative der hiesigen Facultät zu verdanken ist. Paris. Hier gründete eine Anzahl junger Leute einen neuen Bcrrin unter dem Titel: „israelitische Brüderlichkeit," der schon bei seinem Beginn über 100 Mitglieder zählte. — Der „Sieclc“ bringt einen Artikel unter der Aufschrift: „die jüdische Frage in Algier", in welchem er sich gegen das Svstrm der individuellen Natnralisirung der armen Israeliten äußert, und ihre Gleichstellung mit den anderen französischen Bürgern verlangt. London. Die „Jrwisch Times", eine für jüdische Interessen in englischer Cpraebe «säumendem Zeitung berichtet über die dortigen Brrhältnisse unserer GlaubenSgei vssrn folgendermaßen: Die Jüdin bilden eine Macht in London, ihre Zahl beträgt 75,000 uitf diese Weise ist die jüdische Gemeinde Londons nach Eonftantinopel die zweitgrößte Judcngenicindr der WON Im englischen Parlamente sind sic vertreten durch Männer wir Baron M eye r von Ro th schild, ParlamenlSmiiglied für den Bezirk Eity, Baron Natha- « a e l von R o t h f ä> i l d, Parlamentsmitglied für JlSbury. err Sergeant Simon, rin gewandter Redner, Herr ersel, rbensallS ei» tüchtiger Sprecher, Sir Francis G oldtschmi dt rin Kämpfer für das allgemeine Stimmrecht, welches er auch auf Frauen ausgedehnt wissen will; Aldrrman SalomonS da» erste israelitische Parlamentsmitglied in London. Bei Gesetzentwürfen sind diese Herren immer die ersten welche mit Wort und That die liberale Partei und deren Ansichten kräftigst unterstützen und zum Siege verhelfen. In den größten Universitäten Englands, wie die zu Oxford, Cambridge und London erhalten gewöhnlich Studenten jüdischer Confession die höchsten Preise und Auszeichnungen. In Wohlthätigkeit und Nächstenliebe übertreffen die dortigen Israeliten ihre christlichen Mitbürger und ihre zahlreichen und prachtvollen Spitäler, Alter - Versorgung- - Anstalten, Almosenhäuser, Synagogen, ErzichnngSinstitute und Freifchulen, die nirgends übertroffen werden, sind die besten Zeugen hiervon. So errichtete Baron Ferdinand von Rothschild ein großartiges Spital für Kinder, zum Andenken an seine selige Gemahlin; ei» anderer Jude schenkte 6000 L. St. der israelitischen Freischulc; sic besitzen einen literarischen Verein ersten Ranges, dem die berühmten Schriftsteller und Gelehrten Londons als Mitglieder angehören. Drei Zeitungen für ausschließlich jüdisches Interesse erscheinen dort in englischer Sprache, die sich einer weiten Verbreitung erfreuen; auch haben sie ein in der Vorstadt gelegenes, nur für Israeliten bestimmtes Collegium. Es gibt in London jüdische Aldermen, Sheriffs, Stadträthe und Parlamentsmitglieder; sic besitzen 45 Synagogen, ein Collegium ralrdioieum mit einer der schönsten Bibliotheken Europas und jeden Freitag Abend werden von jüdischen Gelehrten Vorlesungen gehalten, zu welchem Jeder ohne Unterschied freien Zutritt hat. In geschäftlichem Verkehr nehmen sie eine bedeutende Stellung ein. Die größte Kleiderhandlung der City und vielleicht der Welt, steht unter der Firm a: „M o s e S u. Söhne", welches Geschäft 15 Häuser in der Stadt und in den Vorstädten in Anspruch nimmt, in denen 10,000 Hände arbeiten, 2300 mit dem Verkauf und der Buchführung beschäftigt sind. Der Palast deö Baron Rothschild in der schönsten Gegend des Stadt« thcilö Piccadelly ist ein weit herrlicheres Gebäude als das benachbarte des Herzogs von Wellington. Der Wohnsitz Sir Moses Montefiorks in RamSgate und seiner Umgebung ist fast der schönste in England. Man erzählt als die jetzige Königin Victoria noch Mädchen war, hat sic es nicht verschmäht, den Gartenschlüsscl von Montef i o r e auszuborgen, um mit der Herzogin von K e n t in diesem Garten spazieren zu gehen. Die Residenz des Sir Jsaac G o l d t s ch m i d t und der Palast des Baron Lyonel von Rothschild sind wegen ihrrr Pracht allen jenen Engländern wohlbekannt, denen der Eingang in diese Gebäude gegönnt war, die großen Stiftshäuser der israelitischen BanquierS und Großhändler, wie S a l o m o n S, Sheapfide, Moseö u. Sohn, Davis und Comp, und Moses Power Hill sind in allen Seehäfen der Welt bekannt. DaS Vermögen der dortigen Israeliten besteht größtenthcitS in über ganz England zerstreuten Grundbesitzungen auch sind hinorisch berühmte Güter und Gebäude durch Leichtsinn und Verschwendung ihrer noblen christlichen Eigcnlhümrr in jüdische Hände verpfändet. DaS Gut deS Sir Jsaac Goldtschmidt trägt jährlich, wie man auS sicherer Quelle weiß, 65,000 Pfd. St. Aukurrst, 8. Jäner. (Die Judenfrage.) Bereits über 0 Wochen währt die diesjährige Session der Kammer und noch hat dieselbe keine Zeit gefunden, sich mit irgend weichen Angelegenheiten von Bedeutung zu beschäftigen, da fortwährend von Seiten der Rothen Interpellationen eingebracht wurden, über die die Kammer schließlich'zur Tagesordnung überging, die jedoch den beabsichtigten Zweck unerreichten Zeit Anspruch zu nehmen und die Kammer an jeder ernstlichen Thätigkeit zu hindern. Eine dieser Interpellationen betraf die Agitationen der Inden in Rumänien und die Thätigkeit der unter dem Namen „Universelle Israelitische Allianz" bekannten Central-Associationen in Paris. Der Interpellant CodrcSeu schilderte in der stärksten Weise die unserem Lande von Seiten der jüdischen Einwanderung drohende Gefahr, legte rS dem Einflüße der Juden zur Last, daß die Ga» rantiemächte sich nicht dazu verstehen wollten, auf die ihnen

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