Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 4 (21.1.1870)
- Date
- 1870-01-21
- Page
- Seite 42 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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42 X Ti» Lrlegrvphendraht tn» den garyen Orbktt. Mährend eS noch vor wenigen Jahren als eine kaum ausführbare phantastische Idee erschien, die Küsten Amerikadurch einen unterseeischen Telegraphen mit denen Europazu verbinden und nur wenige unternehmende Männer sich bereit fanden, ihr Geld und ihre Energie einem so gewagten Projekt zu widmen, haben wir jetzt Aussicht, bald den gan» zen Erdball mit einem elecIrischen Draht umgürtet zu sehen und so in den Stand gesetzt zu sein, indirekte telegraphische Verbindung mit Ehina und Japan sowohl als mit Ostindien und den andern Ländern defernen Orient zu treten. Der „Great Eaftern", dieser Seekoloß, der, nachdem er sich für seine ursprüngliche Bestimmung, die Beförderung von Passagieren und Waaren zwischen Amerika und Europa, als ein verfehlte- Unternehmen erwiesen, jetzt dazu bestimmt zu sein scheint, bei der Ausführung aller tranSoce- «mischen Telegraphenvcrbindungen den Vermittler zu machen, ist gegenwärtig im Begriff in See zu stechen, um eine telegraphische Verbindung durch das rothe und arabische Meer direkt zwischen Suez und Bombay in Ostindien herzustellen, wozu ein Kabel nöthig ist, welche- 4000 Meilen oder eben so lang als das Kabel zwischen Amerika und Frankreich ist. Mittelst dieser Linie, ir> Verbindung mit den schon existirenden zwischen Frankreich und England wird eine direkte Verbindung zwischen Europa und Indien hergestellt werden, wodurch natürlich auch Amerika in Stand gesetzt wird, täglich direkte Depeschen au- Ostindien zu erhalten. Eine weitere Linie zwischen Ostindien und China ist ebenfalls projektirt und es hat sich eine Aktiengesellschaft gebildet, die ein unterseeische- Kabel zwischen Bombay und Hong Kong legen will. Weiter nördlich arbeitet Rußland an einer großen Ueberland - Telegraphcnlinic die seine Hauptstadt Moskau mit der äußersten östlichen Grenze, dem Amurgebict, verbinden soll. Dort wird sic in Verbindung treten mit der amerikanischen Telrgraphenkompagnie, die gegenwärtig damit beschäftigt ist, die Seehäfen Chinas durch den elektrischen Draht mit einander zn verbinden, durch eine weitere Linie auch eine Verbindung mit Japan hcrzustellen, ist dann eine verhältnißmäßig leichte Aufgabe. Auch die Fortführung de- Telegraphen von Ostindien »ach Australien wird jedenfalls bald in Angriff genommen werden, da den Engländern sehr daran liegen muß, mit ihren dortigen Besitzungen baldmöglichst in direkte unmittelbare Verbindung zu treten. Sobald dies geschehen, und wir glauben, daß wir nicht niehr Jahre lang darauf zu warten haben werden, dann fehlt bloö noch dir Herstellung einer Verbindung zwischen Japan und Californien, um den Drahtgürtel rings um die Erde zu vervollständigen. Auch diese letzte Lücke wird ebenfalls in ganz kurzer Zeit vollendet werden, entweder durch eine Linie über Alaska und die BehringSstraßc nach den Mündungen des Amur oder durch ein direkt von San Francisco nach Japan zu führendes Kabel, und wenn dann der menschliche Gedanke mit Blitzesschnelle den ganzen Erdball umkreisen kann, dann wird der menschliche Geist einen seiner schönsten, großartigsten Triumphe feiern, den absolutes Sieg über Zeit und Raum. (R. 7). Abdztng.) X Die französischen italienischen Journale berichten von einer heldcnmüthigcn Handlung, die sich in Gondeville zugetragen hat. In dieser Stadt brach eine FcucrSbrnnst aus; der Unterpräfekt von Toul, Herr Hippolite Lambert, ein Israelit, leitete die Löschanstalten. Das Haus stand bereit» in Flammen, und eS hieß, alle Inwohner hätten sich bis aus rin Kind gerettet. Herr Lambert wollte durchaus in das Hau», um dasselbe dem unvermeidlichen Tode zu entreißen, und obwohl er mit dessen innern Bestandtheilen unbekannt war, so wagte er sich doch in Begleitung eines gewisien Lanty, der sich ihm als Führer anbot in die Feuergluth hinein. Sie durchsuchten vergebenalle Winkeln, »d nach dem sie die Uederzengung hatten, daß da» Kind Lchon gerettet feinmüsse, wollten sie auch den Rückweg anl treten, allein ein dichter Rauch versperrte in ihnen. Zudem hörte man ein fürchterliche- Krachen- und da- Haustürzte bereitauf einer ^eite. Schon glaubte sich Herr Lambert verloren, da fasste ihn Lanty mit unglaublicher Kraft bei den Armen, sprach mit ihm rasch über die Trümmer, und rief freudig auS: Wir sind gerettet. Der Unterpräfekt beschenkte dann reichlich seinen Lebensretter. — X Die „Arch. Jsr." berichten folgendeauS Marseille. Eine französische israelitische Dame hatte eine katholische Dienerin auS ihrem Dienste entlassen. Nach einiger Zeit erhielt sie folgende- Schreiben: ' „Madame! Ich suche eine Frau, welche in Marseille wohnt, und glaube, daß Sie esind. In einem Zeiträume von zwei Jahren hat jemand au- Ihrer Kassette täglich einen, zwei, vier, auch sechs Sous genommen. Ich bitte Sie mir anzuzeigen, ob Sie dem Schuldigen verzeihen, wenn Sie verlangen, daß Ihnen die Summe ersetzt werde, oder wenn Sie gestatten, daß dafür etwa- Gutegeschehe. Ich bin Missionär, und eist unsere Pflicht zu geben dem Kaiser, waS des Kaisers, und Gott, was Gott gehört. Sollten Sie verlangen, daß da- Geld ersetzt werde, so wollen Sie sie gefälligst selbst bestimmen, denn eist unmöglich?die genommene Geldsumme selbst zu bestimmen." In Erwartung etc. P. D. . . . Die israelitische Dame antwortete dem geistlichen Herrn natürlich, daß er da- Geld auf Almosen verwenden möge: X In 1869 betrug die Anzahl der Briefe zwischen den Verein. Staaten und dem Au-lande (Canada ausgenommen) 12,696,654, und zwar 6,638,858 nach dem Ausland und 5,955,796 nach den Ver. Staaten, Da- Mehr gegen 1868 betrug 1,468.122. Die Briefe von und nach Canada werden aus 3 Millionen angeschlagen. Summa Briefe der ausländischen Correspondenz 15'/, Millionen, und das Briefporto; 2,014,183 Doll. 15 Ct. Zwischen Europa (England eingeschlossen) und der Union betrug die Anzahl der gewechselten Briefe 11,429,551 (1,359,892 mehr al- 1868.) Die Einnabmen an Post geld 1,503,773 Doll. 5 CtS, (um 202,604 Doll.71 CtS. weniger als 1868). X Man hat die Worte gezählt, welche eine einzelne Sprache besitzt. Die Engländer schätzen ihren Zungen» orrrath auf ungefähr 100,000 Stück; Sanders Wörterbuch tader deutschen Sprache umfasst 3—400.000, da- Wort fronim im Grimmschen Wörterbuch ist da- 57,440te, mit ihm schließt etwa das erste ^Viertheil unsere- Wortschätzeab, darnach wird das Wort Zwusel seiner Zeit bei Grimm da- 229,760te sein. Shakespeare- Werke sind au- 15,000, die Miltons au- 8000 Wörtern zusammengestellt; daS alte Testament umfaßt keine 6000. Der Wortreichthum HomerS ist so unermeßlich, daß man auS diesem einen Umstande geschlossen hat, seine Werke rührten von mehr als einem Dichter her. Ivochenaiyeiger. im Monate Januar. 22. Eamst.Btnz. u.Anast. — 20. Sabbath Thoraabschnitt VUV Haphtara *|bön 5>'v rJtP3 23. Sonntag Mar. Verl. — 21. Schebath. 24. Montag Timoth. — 22. „ 25. Dienstag Pauli Bek. — 23. „ 26. Mittw. Polykarp — 24. „ 27. Donnerst. Lhrysostom. — 25. „ (D'221P). 28. Freitag Karl d. Gr. — 26. „ 29. Samstag Franz Sal. — 27. „ Thoraabschnitt O'BWPD n*0 Haftharah *oin Fortsetzung in der Beilage.