Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 4 (21.1.1870)
- Date
- 1870-01-21
- Page
- Seite 38 (sequence 4)
- Language
- German
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38 sagt un» unser eigene» Gefühl, bei den hiesigen Rabbinern keiner besondern Beliebtheit, wahrscheinlich weil wir für sie nie schwärmten und ihnen zuweilen den Kelch der bitteren Wahrheit kredenzten, nicht» desto weniger würden wir unS selbst verachten, sollten wir unseren individuellen Anschauungen daallgemeine Wohl opfern und wir legen e» der Repräsentanz an'» Herz diese» Projekt einer gründlichen Prü, fung zu unterziehen und sich allen persönlichen Rücksichten fern ru halten; denn e» kann einer jüdischen Vertretung Prag'- nie zur Ehre gereichen, wenn sie in persönlicher Rancune Männer vor den Kopf schlägt, die theilS durch langjährige» Wirken in ihrem Amte, theilS durch ihre Stellung und ihre Bildung eine in der gröbsten Beleidigung gipfelndm Zurücksetzung zu erfahren, nicht verdienen. Die Majorität der Repräsentanz soll sich von der bloß simulirten Bigotterie der Minorität nicht irre führen lassen oder ihr gar in einem so wichtigen Punkte nachgeben, in Erwartung in einem anderen Punkte wieder einmal revanchirt zu werden. Opfer der Leschneidung. Man begegnet in politischen Tagesblättern öfters Berichten unter „Opfer der Beschneidung" und ähnlichen Aufschriften, die fast immer von der salbungsvollen Aufforderung begleitet sind, man möge diese alte Ceremonie als inhumane Institution aufheben. — Augenscheinlich wird absichtlich so viel Lärm gemacht, um eines der wichtigsten Gebote des JudenthumS stante pede zu beseitigen. Allenfalls wäre es billig, daß die betreffenden Operateure einer genauen Untersuchung unterzogen würden und fall» sich der Verdacht bestätiget, derselben gleich die Concession zu entziehen, aber von so ungewöhnlichen Vorfällen zu einem so unlogischen Schlüße zu springen, heißt ins Lächerliche verfallen und ist von Seite liberaler Blätter etwas intolerant, dieß ist nicht sine ira et Studio geschrieben und erinnert sehr an AntiochuS Epiphancs, ver auch die Ausübung dieses Hauptgebotes hindern wollte, wo man dann mit den andern minder wichtigen Gesetzen auch allmälig lauer zu Werke gienge, um so die geistige Vernichtung des JudenthumS herbeizuführcn, damit cs sich bald mit andern Völkern vermische. Ich möchte nur gerne wiffey, warum früher nie dergleichen gehört wurde, sogar Verblutungen waren selten. Jetzt aber geht man mit der Absicht um, jeden ReligionSunterschicd zu verwischen und man muß also den Baum bei der Wurzel anpacken. Zu einem so löblichen Zwecke ist den Fanatikern des Liberalismus, die jedem ihre eigene subjektive Ansicht ansdrängen wollen, jede« Mittel gut, und man scheut sich nicht, gewissen Dingen Ursachen unterzuschiebcn, wenn si» eS auch in der Wirklichkeit nicht sind. Ohne den Eltern chrrlich". schrieb er an Lavatcr, „wenn ich auch sonst kriechend ge- »ng dächte, die Klugheit der Wahrheitsliebe und Redlichkeit daS Gegengenncht halten zu lasten, so würde ich doch hier in dicscin Falle alle drei in derselben Schale antreffen. Ich bin völlig überzeugt, daß Ihre Handlungen a»»S einer reinen Quelle fließen, und kann Ihnen keine andern als liebreiche und menschenfreundliche Absichten zuschreiben." „Aber leugnen kann ich es nicht, ich hätte Alles eher erwartet, alS von einen» Lavater eine öffentliche Aufforderung. -- Sie erinnern sich der vertraulichen Unterredung, die ich init Ihnen auf meine St»»br zu halte» das Vergnügen hatte, ivenn ich nicht itfc, so sind Versicherungen vorhcrgegangen, daß voi» den Worten, die bei der Gelegenheit Vorfälle»» würden, niemals öffentlicher Gebrauch gemacht iverdeii sollte. Jedoch ich »vill »»»ich lieber irren, als Ih»»en eine UebrrtreMng dieses Verbrechens Schrlld geben I" (Schluß folgt.) nahzutreten. doch.ist e» ja möglich, daß selbe syphilitisch angesteckt sind und die Krankheit wie Scropheln u. dgl. auf die Kinder inhärent verpflanzen. Die jüd. Lehre, die sogar Regeln zum Schutze des ThiereS enthält, fordert sicherlich keine Menschenopfer und ich glaube nicht zu irren, daß diese Operation vom sanitären Standpunkte auS schon oft für wohlthätig erklärt wurde, überdieß ist ja kein Zwang vorhanden und bleibt es dem freien Willen der Eltern überlaffen. In der Praxis darf bekanntlich kein Kind beschnitten werden, wenn es nicht genügend stark ist und wenn deffen Brüder durch diese Operation starben, bleibt eS immer unbeschnitten. — Meine» Erachtens ist noch ein anderer Weg um dem großen Uibelstande abzuhelfen, ohne daß eS nöthig wäre, das BeschneidungSgesetz ganz zu umgehen. Entweder sollen Aerzte die zugleich auch tüchtige Operateure sind, die Beschneidung vollziehen, wo aber auch oft Gefahr für daS Kind vorhanden ist, daß eS nicht inficirt werde, da die Mediciner mit verschiedenen Kranken in Berührung kommen, oder aber von Laien in ärztlicher Gegenwart, von denen sicher gestellt ist, daß sie mit keiner contagiösen Krankheit behaftet sind. Wochenchronik. *** Ein Provisorium. In der Sonntag stattgefundenen geheimen Sitzung der Repr. wurde ein Provisorium für den vacanten Rabbinatssitz in Prag geschaffen und zwar »vurden die Funktionen in drei Theile gesondert. Die Repräsentation nach Außen sowol, als der schriftliche Verkehr mit den Behörden etc. dann die Vornahme von Trauungen, Chaliza und Gett (Scheidung) wurden Herrn Religionslehrer Adler übertragen, die Bewilligung die wichtigsten rituellen Fragen (runm) zu entscheiden, insoferne dieselben die Privaten betrifft, den Herrn Herrschmann T?ewelcS und endlich die Aufsicht über daS Fleisch (iL»2) Herrn Rabbiner Fürth erthcilt. Dieser Gegenstand, der -es, um nicht Verstecken zu spielen, verdient hätte, öffentlich behandelt zu werden, hat sich zu einer förmlichen Pcrsonalfrage zugespitzt, die schon einiger Beachtung werth ist. Mit der Wahl des ehrwürdigen Herrn TcweleS sind wir Angesichts seiner Gelehrsamkeit, seines bescheidenen Wesen» und friedliebenden Charakters vollkommen einverstanden; was die beiden anderen Herren betrifft, wollen wir sie uns ein wenig besehen. Herr Adler ein intimer Freund zweier EommissionSmitglieder scheint uns bei seiner anderweitigen Beschäftigung, die dem Religionsunterrichte an den Realschulen und den Gymnasien gewidmet ist, an und für sich für einen so Zeit raubenden Posten nicht geeignet, wir haben eö allerdings erwartet, daß dieser Herr iin Interesse der Eollegialität gegen jene Herren Rabbiner, die eher ein Anrecht auf die ihm zugcdachten Funktionen haben, jede -Ucbertragung einer solchen im Vorhinein ablehucn und vicß um so eher thun werde als der bisher gehandhabte Religionsunterricht einer totalen Regcnerirung bedarf, die unter dein Einflüsse einer Doppclstcllnng nicht zu Stande kommen kann. Herr Adler nimmt aber auch da» TrauungSrccht respektive daS DelcgationSrccht für sich in Anspruch, er lässt sich somit zur Bekleidung eine» Amte» misbrauchen, in welchem er in Prag nie fuugirte, da doch H. Adler alS Rabb. in Prag bisher nicht angestellt war. Eines geben wir jedoch demselben zu bedenken und daS ist die förmliche Injurie, die mit einem solchen Verfahren, den an den Synagogen angestellten Rabbinern angethan wird und eS wäre von Herrn Adler kollegiale^ gehandelt gewesen, wenn er scifle intimen Repräsentanzfreunde bestimmt hätte, die Autonomie der Synagogen auch auf das TrauungSrccht ihrer angestellten Rabbiner auSzudehnen; denn wahrlich eS muß recht komisch klingen, wenn ein Synagogenmitglied für Geld und gute Worte nicht einmal das Recht hat, feine» Rabbiner in Anspruch zu nehmen und sich zu dem Zwecke erst eine hohe Bewilligung einholen muß. Rücksichtlich de» Herr»