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Die Gegenwart · 1870-01-14 · 3 (14.1.1870) · p. Seite 31

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
3 (14.1.1870)
Date
1870-01-14
Page
Seite 31 (sequence 7)
Language
German
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Bezüglich der Angelegenheit de« Rabbinate» erstattet Hr. Dr. Wiener al» Referent folgenden Bericht i Der Oberjurist H. Samuel Freund hat in einem an die Repräsentanz gerichteten Gesuche erklärt, auf diesen seinen Posten zu verzichten und bittet um Annahme der Resignation, gleichzeitig um die Remuneration vom Monate Juli 1869 bi« anher. H Dr. Wiener konstatirt nun, daß Hr. Rabb. Freund tm Jahre 1832 von der h. k. k. Statthalter« al« Oberjurist angestellt, ohne daß ihm irgend ein Gehalt zubemeffen wurde. lieber Antrag de- Gemeindevorsteher- und dedamaligen Prager Magistrate» wurde dem Hm. Rabbiner 50 fl. C M. als Zinsbeitrag und 200 fl. C- M. al« Subststenzbritrag au» der Tultuskasta auSbezahlt, bi» die Repräsentanz den Bettag von 800 fl. alS Subsistenzbeittag fixirt hatte. Außerdem wurden dem Hrn. Rabbiner Freund 200 fl. al- Remuneration für da» Jahr 1868—1869 bewilligt, welche daher vom Juli 1869 entfallen ist. Die Kommission beantragt nun: 1) Die Resignation-dc- Hm. Rabb. Freund anzunehmen. 2) Den vollen Betrag von 800 fl. (nicht al» Pension weil H. Rabb. keinen Gehalt bezog), al» widerrufliche Gnadenaabe dem Hrn. Nabb. zukommen zu lasten. Diese Worte „Gnadengabe" findet Hr. Ungar al« durchauS unpassend, indem man gegen Jemanden, der wnt über u»S ist, nicht „gnädig" sein kann. In der Mitte der Debatte , muß dieser Gegenstand, der Ungeduld einiger Hm. Mitglieder halber, der Berathnng in einer geheimen Sitzung anheimfallen. Wochenchrouitr. V Titrlflihrung. Se. Majestät der Kaiser hat den Minister für Kultus und Unterricht zu ermächtigen geruht, verdienten Volksschul-Unterlehrern den „Lehrertitel" und verdienten Oberlehrern mehrklassiger Volksschulen den „DirektorStitel" als Ehrentitel unmittelbar zu verleihen, ferner die zu Hauptlehrern an Lehrer-Bildungsanstalten Ernannten sofern ihnen schon vermöge ihrer bisherigen Dienstesstellung der „Professorstitel" gebührt, die Fortführung desselben zu gestatten. *#* Budget. Der Betrag für die CultuSsteuerumlage pro 1870 beläuft sich auf 15299 fl. 25 kr. während sie im Vorjahre 14341 fl. 6 kr. betrug, somit beträgt die CnltuSsteuerumlage pro 1870, trotz dem Wegfall von nahe 2000 fl. die im vorjährigen Präliminare für daS xlu8 in den Kosten der Talmud-Thora-Schule, für das pins im Subsiftenzbcitrage des Herrn Rabb. Freund, für RapoportS Grabmonnmrnt. für Rückzahlung an den Vermögensfond, u. s. w. eingestellt waren, um 958 fl. 19 kr, mehr als im Vorjahre. — Das heißt mit dem Zeitgeiste vorwärts schreiten. *** Veteranenverein. Der hier vor Kurzem gegründete Veterancnvcrein zur gegenseitigen Unterstützung ausgedienter Mili« tairs hielt Sonntag seine erste Generalversammlung im altstädter Rathhause ab. Herr S. Kühe (Kaudcrs)eröffnete dieselbe mit einer Ansprache, in derer auf die Gleichberechtigung deSStandeS, der Nationalität und der Confessio» in diesem Vereine hinwicö und die humane Tendenz desselben betonte. *** Mciselsynagoge. Sonntag fand in der Meiselsynagoge unter Vorsitz des Dr. Spiegel eine Generalversammlung statt. Es handelte sich um die Contrakterneuerung des Cantorö Herrn Bayer. Die Abstimmung ergab die Beibehaltung desselben. Trotzdem die Predigerfrage nicht auf dem Programme stand, verlangte ein Thcil der Anwesenden auch jene zu besprechen und bei dem Umstande finanzieller Zerrüttung dieser Synagoge zur endgiltigcn Lösung zu bringen. ES erhoben sich Stimmen gegen den Prediger, durch den die Synagoge zu dem Ruine gekommen sei, au dem sie sich bereits befindet und der Vorstand sei für dieselben verantwortlich. Herr Dr. Spiegel, sich auf das vom früher» Vorstande verfaßte, wenn auch nicht behördlich genehmigte Statut berufend, zog sich mit Geschick aus der Affairc, indem er darauf hinwies, nicht er, sondern feine Vorgänger hätten den Prediger acceptirt, er könne nicht und ist auch nicht berechtigt, eine Entscheidung hcrbeizuführen; im Uibrigen rieth er, sich abermals an dem Statute haltend, der Versammlung sich schriftlich an den Vorstand um Einberufung einerGeneral- Versammlung zum Zwecke der Bentilirung der Predigerfrage zu wenden. An diesem Falle würden fünfzig Unterschriften gknügen. *.* Große Hoffynagoge. In der Sonntag stattgefundenen Generalversammiung in der großen Hofsynagoge wurde in Berückstchtigmig der finanziellen Derhälkniffe fast mlk Stlmmeueinhettkgkeit der Beschluß gefaßt von der vorläufigen Anstellung eine- Predigers abzukommen. Inland. Wien. Jene Zeichen der Verehrung und Anhänglichkeit, welche Sr. Majestät dem Kaiser während der Reise in dm Orient überreicht wurden, sind auf a. h. Befehl sämmtlich in der kaiserlichen Privatbibliothek aufbewahrt worden. Darunter befinden sich Adressen der österreichisch-ungarischen Colonien zu Jbraila, Galacz, Adrianopel. Eonstantinopel, Alexandrien, Medaillen der Oesterreicher in Bulgarien, Adreffm der israelitischen Communen zu Rustschuk und Alexandrien, deS Oberrabbiners in Eonstantinopel, der Glasfabrik der Gebrüder Krause und Comp, ebendaselbst, der Zöglinge de» Waisenhauses zu Jerusalem, ferner Adressen der Jsraelitm in Jerusalem, theilweise in kostbaren Einbänden aus Holz . von den Cedern deS Libanon und Oelbäumen des OelbergeS gefertigt u. s. w. — Im Jahre 1869. dem ersten Jahre während der Herrschaft der neuen Staatsgrundgesetze, haben hier folgende Uibcrtritte von einer Kirche zur andern stattgefundcn: Der katholischen Kirche haben sich von anderen Religionen zugewendet 22; der evangelischen Kirche Augsburger Konfession 73, jener der helvetischen Konfession 15, der griechisch-orientalischen Kirche 3 Personen thcils vom männlichen, theils vom weiblichen Gcschlcchte. Der griechisch-nnirtcn Kirche ist 1 Individuum beigetreten zur mosaischen Religion haben 144 Personen, zuincist vom weiblichen Gcschlcchte konvertirt. Im Ganzen haben sich daher nur 285 Konvertirungen ereignet, bei einer Scelenzahl, die innerhalb der Linien mit circa 700.000 berechnet wird. Ein Individuum von der evangelischen Kirche A. K. erklärte sich konfessionslos.—(D er k ans m ännischcFor tb i l d u.n g s v er ei n) hielt Sonntags seine Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende Herr S, Trcbitsch cröffncte dieselbe mit einem kurzen Rückblick auf die VcreinSthütigkeit im abgelaufencn Jahre, dem zu entnehmen ist, daß der Verein 100 Mitglieder zählt. Derselbe hat sowohl m Bezug auf den Unterricht, als auch in der Unterstützung mittelloser HandlungScommiS AnerkenncnSwcrlhcS geleistet und auch in Bezug auf die von ihm in Scene gesetzte Agitation behufs Herabsetzung der Arbeitszeit Erfolge erzielt. Der Caflenbericht des abgclaufenen Jahres weist an Einnahmen den Betrag von 2724 fl. 6 kr., an Ausgaben die Summe von 2333 fl. 97 kr. nach. Von dem hieraus rcsultirenden Saldo in der Höhe von 390 fl. 47 kr. wurden dem UnterstützungSfonde 72 fl. 63 kr., dem BibliothckSfonde 5)6 fl. und dem UnterrichtSfonde 117 fl. 63 kr. zugewcndct. Die vorgenommenc Ausschußwahl ergab die Stimmenmehrheit für Herrn Trcbitsch als Präsidenten, Herren RoSkc und PorgeS als Viccpräfidentrn, während in den Ausschuß die Herren Eifert, Frei, Fogl, Göbl, Marzi, Meier, Ziffern, Mittler, Hcrtl, Volhofcr und Zimmermann gelangten. Ein Anöschußantrag, welcher die Aufnahme von Ehrenmitgliedern in den Verein vorschlägt, wurde nach einigermaßen erregter Debatte, in welcher die Crcirung von Ehrcumitgliedern besonders vom demokratischen Standpunkte anö perhorrcScirt wurde, abgclehnt. — (Bankdirek torwahl.) Um die erledigte Bankdirektorstelle wird diesmal eifrig kandidirt. Bisher waren die Aussichten deS Herrn v. KünigSwarter jun. die entschieden günstigsten. In den letzten Tagen Ist jedoch ein neuer Kandidat aufgetreten und zwar Herr Nikolaus D u m b a, für dessen Wahl gewichtige Momente geltend gemacht werden.—(E in e C o nf i r m at i o nSfeier) fand am 1. d. M. im hiesigen allgemeinen österreichischere israelitischen Taubstummen-Jnstitute statt, die ihrer Seltenheit wegen Erwähnung verdient. Der taubstnmme Zögling. Sohn des durchJntelligenz wie durch Wohlstand hervorragenden Dr. GülMurg, vormal- Direktor der bekannt*»-

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