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Die Gegenwart · 1870-01-14 · 3 (14.1.1870) · p. Seite 30

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
3 (14.1.1870)
Date
1870-01-14
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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Diese Geschichte, warum Einer sich entschließe auf sein Lammerprüsidium zu verzichten, ist für die bürgerlichen Preise überaus lehrreich, und vor Allem haben die Mitglie» der der Kammer die Moral dieser Geschichte zu beherzigen, Bon den Bürgern möge die Resignation des Ritters v. Winterstcin als eiye Warnung brachtet werden, die Wahl von Männern zu Unterlasten, denen eö bloS um Titel, Orden, Auszeichnungen und VerwaltungSrathS-Tanticmen und vor Allem darum zu thun ist, in die sogenannten höheren Knasten der Gesellschaft ausgenommen zu werden, welche ouf daS Bürgerthum mit Geringschätzung .herabsehen. Die Mitglieder der Handels- und Gewcrbekammer aber sollte Gerade der Rücktritt Wintersteins veranlassen, sich den Mann, den sie zu dessen Nachfolger wählen wollen, genau zu besehen. Eger 11. Januar (0.- K.) Man könnte versucht sein zu sagen, ein eigenes Geschick »alte über den Lehrer Verein; er will nicht zum wtrklichenLeden gedeihen. Die allerletzte Schichte der Gesellschaft, die Arbeiter, errichten Vereine, die vom besten Erfolge begleitet sind; doch die israel. Lehrer Böhmens brüten seit beinahe zwei Jahren an der Verwirklichung eines Projektes, haben Statuten auSgearbcitet, dieselben bestätigen lassen und — «inen jüdischen Landeölchrervcrcin Böhmens gibtS noch immer nicht, lieber die Ursachen, die dem zu Grunde liegen, lästt sich nichtanderes annehmen, als JndifferentiSmuS von Seiten der Lehrer. Im April des Jahres 1868 erging von mehreren Lehrern ein Aufruf an sämmtliche Eollegen deS Landes, sich am 16. Mai in Prag zur Gründung eines Vereines einzufinden. An 70 Lehrer trafen ein; doch mehrere von dem BerufungS-Eomite fehlten gleich bei der ersten Versammlung und fehlen noch bis heute. Wie soll man eine derartige Handlungsweise benamsen, andere aufrnfcn, in Unkosten versetzen und selbst sich nicht bethciligen? — Im Ganzen zählen wir etwa 24 Mitglieder (activ.) Außerdem mehrere gründende und beitragende Mitglieder. Soll man daS aber einen LandcSlchrerverein Böhmens nennen, ohne dabei zu erröthen? — Nun kommt Herr Pick aus Kalladei und verlangt Aufschluß über einen Verein, dem «r gar nicht angchört, ja nicht angehören will; denn wollte «r, wer hätte ihn daran gehindert, beizutrctcn, nachdem er doch Statuten und Eurrcndcn erhalten hat. Aber im menschlichen Leben pflegt dieß schon so oft der Fall zu sein, wenn man durch eigene Nachlässigkeit eine Unterlassungssünde begangen, möchte man diese einem andern gern in die Schuhe schieben. Ucberdicß ist der jüdische Lehrer durch daS neue Schulgesetz von allen Rechten ausgeschlossen; nun denn, machet gut, was die Gesetzgebung verschuldet hat; denn mit dieser einen Prozeß führen, ist nicht gut. möglich und die Petition — nun ja, die ist an ihrem Bestimmungsorte seit September 1860, was sic erwirken wird, ist nicht schwer zu errathcn. Aber rein unbegreiflich bleibt cs immerhin, wie so viele Lehrer ganz sorglos für ihre und ihrer Familie Zukunft sein können, ohne etwas dafür zu thun; denn jeder Lehrer muß ja auch, um der Pensionsberechtigung nach § 66 sich zu erfreuen, alljährlich 2* , seines Gehaltes und das erste Jahr 5)"/, desselben dem Pcnsionsfonde zuführen. Nun, so tretet dem Vereine bei und ihr sichert euch eine verhältnißmäßig ähnliche Pension. Wir können übrigens mit wahrer Genugthuung die Bemerkung uns nicht versagen, daß der Verein unter Privaten bereits Sympathie erweckt hat. Mehrere hochherzige Gönner sind als gründende Mitglieder mit einem Betrage von 40 fl. Oe. W. beigctretcn, andere leisten jährliche Beiträge, darunter auch mehrere Gemeinden. Es wäre wohl im Interesse der Lehrer selbst, dem Vereine immer mehr neue Kraft« zuzuführcn, damit derselbe geistig und materiell erblühe und daS werde, was er eigentlich sein sollte: Ein Verein jüdischer Lehrer. PH. Lederer. ReligionSlehrer. Groß-Kanizsa 10. JSner. (0.- K.) Nachdem sich Ihr geschätztes Blatt, die Besprechung der Jnteressm der israelitischen Gemeinde zur Aufgabe macht, so dürste Ihnen ein Bericht aus unserer Gemeinde nicht unwillkommen sein. Ich bin nun in der Lage Ihnen, waS x unsere kommunalen Zustände betrifft, daS Beste melden zu können, wie es auch nicht anders zu erwarten ist bei dem Umstande als sich unsere Gemeinde eines Vorstehers rühmeu kann, der nichts unterlässt, waS zur Hebung derselben beiträgt. Herr S. H. Gutmann, ist aber auch ein Mann der seiner Intelligenz, seiner Leutseel igkeit und Klugheit wegen die große Achtung, die er hier, und im ganzen Umkreise genießt, verdient. Vor einigen Tagen wurde er seiner humanitären Leistungen wegen von Sr. Majestät dem Kaiser in den Adelstand mit dem Prädikate Edler, v. Gelsche erhoben. Und in eben dem Maaße wie wir einen Vorsteher haben, haben wir auch an den gelehrten Fasse! einen Rabbiner, der trotz seinem Alter immer rührig ist auf dem Gebiete der Wiffenschast. So hat er vor Kurzem sein Werk: „Das mosaisch rabbinische Strafgesetz" zum Abschlüsse gebracht, das Ende März die Presse verlassen soll. Das Werk wurde von Herrn Philipp Schey Ritter von Karomla und der hiesigen Gemeinde subventionirt. Es verspricht groß und sehr gediegen zu sein. Oeffenlliche Sitzung der isr. Cult.-Gem. - Verwaltung abgeha lten am 6. Januar 1870. Anwesend die Herren: S. K. Frankl, Fcigel, Dr Gitschin, Kohn, Dr. Lasch, Plohn, Dr. Pribram Dr. Raudnitz, vr. TedeSco, Ungar, Prof. Weffely, Dr Wiener, D. Zappert; Es waren sonach abwesend die Herren: Fischt, MoseS v. Portheim, Singer, Schitz, Schwab. Es wird zurrst das SihungSprotokoll vom 12. Dezember 1869 sodann daS v. 26. Dezember 1869 verlesen und genehmigt welches letztere constatirt, dag die im Gemeindebudget sich ergebende Summe der Aus» gaben stch auf 17950 fi. belauft und mit Rücksicht auf die geringeren Einnahmen a) HeirathSgedühren*) sind geringer, d) Religionsunterrichts» gelb**) ist jenen erlaßen, deren Aeltern hier EultuSstruer zahlen, sich rin im Wege der Umlage rinzubrlngrnder Betrag "von 15299 fl. 25 kr. zur Deckung der Eultusbrdürfniffe ergibt. Ueber Antrag des Dr. Wiener wird die Einsetzung einer Eommiffion brschloßen, welche den Stand deS Gemeindevermögens einer Prüfung zu unterziehen und das Referat der Repräsentanz vorzulegen hat. Hierauf bringt Hr. Ungar folgenden Antrag der Commißion für Verwaltung deS Ärmenwesens zur Kenntniß, betreffend die Einschränkung des BetletwcfenS. Die Armenkommission hat den Beschluß gefaßt, dahin zu wirken, daß in Zukunft dem Bettel aus alle mögliche Weise gesteuert werde und daß die Eommiffion die Vertheilung an unverschämte Arme selbst übernehme. Dir Motive, welche die Eommiffion zu diesem Entschlüsse bewogen haben, sind folgende: Die Art und Weise, wie man geben will, wird in vielen Fällen schlecht aufgefafft. Denn nur dann ist die Gabe rin Act der Humanität, wenn man sie ungezwungen darreicht. Nun kommen aber Fälle vor, wo man in einer Weise belästigt wird, daß man sich durch das hingeworfene Geldstück förmlich loSkaufen muß. Dieser der Gemeinde unwürdige Vorgang hat die Eommiffion bewogen, die Handvertheilung an unverschämte Arme mit besonderer Berücksichtigung der Anzahl der Familienglieder, zu übernehmen und gewissenhaft durchzuführen. Dieses Borhabe» bedarf der Zustimmung der Repräsentanz einerseits und der gehörige» Unterstützung von Seite der Gemeindcmitgliedcr anderseits. Zugleich hat die Eommiffion beschlossen, einen Aufruf an die Grmeindemitglied zu er affen, in welchem denselben ans Herz gelegt werden soll, eine» beliebigen Betrag anticipando jährlich oder in Raten zu senden, jedoch so, daß der zugewicsene Betrag alS keine Armensteuer sondern als freiwillige Spende anzusrhen ist, welche Lie jederzeit zurückziehen können. Ein hochachtbare« Mitglied unserer Gemeinde, so heißt cS in dem Aufrufe, ha« bereit« den Beweis praktisch geliefert, daß dieser Gedanke sich gut verwirklichen läßt, indem er aus diese Weise von dem Zudrauge der Arinen an Nemnond, Purim und Neujahr gänzlich verschont bleibt. H. Dr. Wiener findet den Gedanken sehr hübsch und löblich doch für praktisch undurchführbar. H. Frankl der sich der Ansicht de« Dr. Wiener anschlirßt, ist jedoch für einen Versuch. H. Dr. Raudnitz stellt den Antrag, daß d>e Armenkom» miffion sich der Mühe unlrrzirhen solle, einen Voranschlag de« Bedürfnisse« vorzulegen und denselben zugleich im Aufrufe zu erwähnen. Hr. Dr. TedeSco ist der Meinung, mit der AuSsühnmg abzuwarten, da die Realistrung diese« Projekte« von der Brtheiligung der Gemeinde-Mitglieder abhäugt; bi« sich öffentliche Meinungen knndgrgrben hadm werden, welche für oder gegen diese« Vorhaben sprechen. G« wurde noch rin VertagungSantrag gestellt, doch schließlich der LommiffionSantrag mit Majorität angenommen. *)im Borjahre 700 fl., Heuer 500 also eine Differenz von 200 fl. **)im Vorjahre 900 fl. Heuer 800 also eine Differenz von nur 100 fl.

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