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Die Gegenwart · 1870-01-14 · 3 (14.1.1870) · p. Seite 29

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
3 (14.1.1870)
Date
1870-01-14
Page
Seite 29 (sequence 5)
Language
German
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.j entschieden und ist ein großer Mann geworden um unter deu Rabbinern mitgezählt zu werden, welche die Ehegesetze umstalten können. Dr. Gutheim, englischer Prediger, ist zwar kein Doktor und kein Rabbiner, hat auch noch vor Kurzem weder prätendirt eines von beiden zu sein, noch sich entschieden für die Reform ausgesprochen, aber er mußte mitfigurircn. Dr. S. Hirsch ist entschiedener Reformer und Gelehrter, ihm waren die Beschlüsse nicht entschieden genug, es blieb noch immer noch zu viel Judcnthum für ihn. Die andern Theilnehmer, sind zu wenig bekannt und glänzen höchstens in ihren kleinen Gemeinden, als große Achter.-Nun war aber auch noch eine Persönlichkeit da, die zwar etwas später kam und etwas früher ging, als die übrigen Theilnehmer, aber dmnoch eine, sonderbare Färbung dieser an sich schon sonderbaren Conferenz gab. Dr. I. M. Wise von Cincinnati hat gleichfalls Philadelphia besucht, hat über die Conferenz berichtet, aber viele ihrer Beschlüße ganz anders aufgefaßt als die östlichen Rabbinen. Er hat hierdurch ein wahres Pelottenfeuer in das Lager der Radikalen geworfen, es leuchtet und blitzt, Erklärungen Erwiederungen, Angriffe und Vertheidigungen folgen hin» tereinander. Doch dieses Alles kann die Wunde nicht heilen, welche dem Judenthume durch die offizielle Erklärung dieser Eon» fcrcn; beigebracht wurde. Diese Personen üben über viele gedankenlose Juden einen Einfluß, der der Gesammtmasse nachtheilig wirkt. Die Lauheit, welche durch jahrelange Vernachlässigung des wahren jüdischen Wissens und Geistes herbeigeführt wurde, wird nun durch jene noch verstärkt und gekräftigt, welche daS Judenthuin schützen nnd pflegen sollten. ES fehlt unS eben in Amerika an Männern" welche mit Ausdauer und Thatkraft diesen Zerstörern des Juden» thumeS cntgegentreten und Vereinzeltes, was mitunter in den oppositionellen Blättern erscheint, wird von der Masse wenig gelesen und noch weniger verstanden. Ich bin mir wohl bewußt, daß die Beschuldigung,, diese Rabbiner arbeiten an der Zerstörung deS JudenthumeS, eine schwere ist und daß Viele glauben mögen, der Schreiber dieses sei ein Dpponncnt alles Fortschrittes. Ich behalte mir jedoch für ein fpätercrs Schreiben vor, diese Behauptung zur Uebcrzeugung eines jeden unparteiischen Lesers zu beweisen. 8 Journalistik. Bor der Neuwahl des Handelskammerpräsidenten für Niederösterreich. Die Handels- und Gewerbekammcr für Niederösterrcich befindet sich, so schreibt das „neue Wiener Tagblatt," gegenwärtig in gesegneten Umständen. Ihr seitheriger Präsides Jordan sowie im glühenden Sande der Wüste von den gebräunten Kindern des Morgenlandes Generation an Generation überliefert werden: dort in allgcwcihtcr Erde ihr Grab zn graben! Nichts nehmen sic aus der alten Heiinat mit als ihre Armuth und ihr Gebet, die sie bis zur letzten Ruhestätte begleiten. Der Mann verläßt die Frau, die Frau ihren Gatten, die Altern verlaffcn ihre Kinder den heißen Wunsch zu stisien im heiligen Lande sterben zu dürfen, in welchem sic nicht leben durften. Die glühende Sehnsucht deS AltcrS, welches sich gewöhnlich -auf den Stab der Religion stützt, ist dorthin gerichtet, wo ehe der jüdische Tempel und die jüdische Herrschaft in Trümmer gingen, die Juden ihren Gott, ihre Priester, ihre Könige, ihre Fürsten und Feldherren verrherlichten und ihre mächtigen Sljämme in brüderlicher Eintracht lebten: ein unvergängliches Monument der Geschichte dir hier bewundernd und betrauernd verweilt! Leo Herzberg Fräniul. 29 — denk, Herr Simon Rtttcr v. W i nt e r st e i n. hat sie im Stiche gelassen, und sie muß daher früher als sie es wohl selbst gedacht hat, sich zur Geburt eineneuen Präsidenten entschließen. Diese Entbindung wird eine schwierige sein, denn Mama Kammer ist bekanntlich eine schwächliche Frau, und die traurige Erfahrung, die sie mit ihrem vielgeliebten Sohne Simon gemacht hat, hat ihr Gemüth tief ergriffen und sie schwer niedergebeugt. Die Trauer einer Mutter um ihren verlorenen Sohn entzieht sich als eine Privatangelegenheit der öffentlichen Diskussion; das muß aber gesagt werden, daß das Znrücktrcten des Herrn Simon Ritter v. Winter ft ein vom Präsidium der Haiidels- und Gewerdekammer namentlich in den bürgerlichen Kreisen ein für diesen Herrn gewiß höchst unangenehmes Aufsehen gemacht hat. Wenn Männer, die im Dienste des Volkes und der Freiheit ergraut und altcrschwach geworden sind, sich endlich gedrungen fühlen, auf ihre unbesoldeten Ehrenämter zu verzichten und von dem Tummelplätze der Dcffentlichkeit sich in die Ruhe des Privatlebens zurückzuzichcn, so wird dies in der Regel allgemein tief bedauert, aber es verwundert es fkandalisirt sich darüber Niemand. Der Herr aber, welcher vor Kurzem auf das eine unbesoldete Ehrenamt, das er bisher als Präsident der Handels- und Gewerbekammcr bekleidete, verzichtet hat, ist weder im Dienste des Volkes und der Freiheit ergraut, noch dürfte er sich zu altersschwach fühlen, um dieses unbesoldete Ehrenamt noch länger zu bekleiden; er ist ein im Spätsommer der Mannesjahre befindlicher Herr und da er gewiß nicht daran denkt, den Tummelplatz des öffentlichen Lebens auf dem er sich so viele Erfolge zu erringen wußte, zu verlassen, so nimmt man es ihm in hohen Grade übel, daß er, der Herr Simon Ritter v. Winterstein, von den vielen Ehrenämtern, die er bekleidet, gerade des einzigen unbesoldeten überdrüssig geworden ist. Denn seiner Stellung in der Handelskammer verdankt Herr Simon Ritter v. Winterftein doch alle seine übrigen so ruhmvollen und so einträglichen Stellungen, und das hätte er nie vergessen sollen! (Sö hat eine Zeit gegeben, wo Herr- Simon Ritter v. Winter stein noch ein ganz simvler Kanlmann und kein Ritter war und damals schätzte er sich glücklich, daß e» einer Anzahl von Freunden und Gönnern, die er sich in bürgerlichen Kreisen erworben, gelang, seine Wahl zum Kammerrathe zu Stande zu bringen. Dieser Wahl dankt Herr Winterstein Alles, was er heute besitzt: einen bekannten Namen, zahlreiche einträgliche Stellungen, den Ritterstand und die Ernennung zum Mitglicde des Herrenhauses! Herr Winterftein ist durch die Wa'il zum Kammerrathe ein „gemachter^ Mann" geworden, Einer, der nicht mehr als simpler Spediteur sein Brod verdienen muß, denn er wußte in der Handelskammer den Weg zu jener Stufenleiter zu finde», auf welcher man nicht einmal die Füße zn heben braucht, um die höchsten Sprossen zu erklimmen. Alles waö er geworden ist, ist'also Herr Winterst ein durch die Handelskammer geworden, als ihr Vertreter wurde er in den Landtag, als ihr Vertreter von diesem in den Reichsrath gewählt. Aber daß Herr Simon Ritter v. Winterftein heute das Präsidium der Kammer nicdcrlcgt und sogar entschlossen ist, gänzlich aus der Kammer anszuscheiden, das kann nur Diejenigen befremden, die eS nicht wissen, daß eS für ihn einmal zwar nöthig war, der Kammer anzugehöreu, daß er dies aber heut zu Tage Gott sei Dank nicht mehr nöthig hat. Einst konnte er nur auf Grundlage deS Mandat», mit dem ihn die Wähler für die Kammer betrauten, zum Abgeordneten gewählt werden; heute richtet eS Herr Simon Ritter v. Winterftein auch ohne 'Mandat, denn er ist ja durch das Mandat des Kaisers lebenslängliche» Mitglied des Herrenhauses geworden und so lange also Herr Simon Ritter v. Winterftein und da» Hcrrenhau» existiren werden, so lange wird Herr v. Winterftein eia Parlamentsmitglied fein.

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