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Die Gegenwart · 1870-01-07 · 2 (7.1.1870) · p. Seite 17

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
2 (7.1.1870)
Date
1870-01-07
Page
Seite 17 (sequence 5)
Language
German
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I «auch die Prager Judengemeinde von den stürmischen Ereignissen in den Märztagen bespült und Landau, muffte nun Beobachter seiner mit Einem Male doppelt schwierig gewordenen Stellung werden, und da- Steuerruder seines Gemeindeschiffes mit verdoppelter Kraft lenken, das gar oft dem Wellenschläge der Zeit und der mit demselben Derbundenen Gefahr au-gesetzt war. Landau hatte auch da seine Ausgabe mit politischer Klugheit erfüllt, waum so bewunderungSwerther war als die politischen Zustände fast anarchischer Natur waren; denn wenn sich damals der schroffe Gegensatz zwischen den beiden Nationalitäten in unserem Varerlande noch nicht so sehr herau-gebildet hatte, so begann dennoch die Aufklärung zu keimen, und die Entwickelung einer Art RacenkampfeS vor sich zu gehen, und in dieser bedenklichen Epoche suchte Landau stets vermittelnd aufzutreten und jeden Taktfehler zu vermeiden. Dabei war er nicht ehrgeitzig und jagte nie Auszeichnungen nach, wie wohl ihm oft die Gelegenheit geboten ward, um eine solche anzuhalten, und in dem Ansuchen von einflußreichen Personen unterstützt zu werden^ Eines jedoch machte ihn stolz und das war die Würde als Vorsteher. Bei Observation aller dieser Umstände wird rS wohl Niemanden einfallen zu sagen, Landau sei ein Feind deS JudenthumS gewesen. Die Gemeinde liebte, ehrte und betrachtete ihn als einen kostbaren Juwel, der daS Band, welches die Gemeinde umschlungen, zusammenhielt. So hätte ich über den unvergesslichen Landau gesprochen, wohl noch zu wenig gesprochen, wenn ich bedenke, daß dieses großen Mannes Lebenslauf eines größern Raumes bedarf, als ihn die Spalten dieses Blattes gestatten; und ich wende mich nun, um den Zweck meiner Aufgabe zu verfolgen, zu dem gegenwärtigen Vorsitzenden der prager CultuSvertretung Herrn Dr. TedeSco, im Vorhinein versichernd» mich auf keinen politischen Parteistandpunkt zu stellen, wobei man mir eS verzeihen möge, wenn ich mich bei diesem Manne nicht so lange aufhalte; denn eS sei zu bedenken, daß erstlich dessen AmtSperiode kaum sieben Jahre zählt, sodann die Geschichte und die Literatur von ihm Nichts zu erzählen wissen. Dieser Umstand bringt mich nahezu in Verlegenheit, ihn von seiner jüdisch gelehrten Seite zu beurtheilen, und bei meinem positiven Wissen, daß keine gelstigen Werke dieses Mannes vorhanden sind, eS müssten denn medizinische sein, woran die Welt jedoch zweifelt, entfällt jede Vermuthung, daß Herr Tedrsco ein jüdischer Gelehrte sei, die um so mehr abgeschwächt wird, als die Fama sogar wissen will, dieser Herr könne nicht einmal ordentlich hebräisch lesen. Doch ich will nicht daran glauben, weil so Manches im Leben gerne übertrieben wird, und will mich, so viel ich kann, nur objektiv fassen, ohne darauf einzugehen, auf welcher Weise Herr Dr. TedeSco daS Oberhaupt der Gemeinde geworden, oder mich gar in eine Toilettenstudic einzulassen, die ihn von seinem Vorgänger Landau unterscheidet. TedeSko ist, wenn ick mich derselben Bezeichnung, die ich für Landau gebrauchte, auch hier bediene ein Phänomen jedoch im negativen Sinne, ich sage ein Phänomen, da sich nicht nur m Oesterreich-Ungarn sondern auch am ganzen Continente ein solcher Vorsteher kaum wieder finden dürfte. Nun da ich über die geistigen Vorzüge dieses Mannes, seine literarischen Produkte, wie schon erwähnt, nicht sprechen kann, so muß ich mich bloß darauf beschränken, ihn als Vorsteher in Bezug auf die Administration nach innen und als solchen gegenüber der Außenwelt zu beurtheilen. Bekanntlich hat TedeSko auf dem gegenwärtigen politischen Boden Terrain gewonnen, ich will nicht ergründen, ob durch seinen Geist oder durch anderweitige Verwendung, jedenfalls waren ihm die Verhältniffe günstig; er wurde Landtagsabgeordneter, LandeSauSschußbeisitzer und Stadtverordneter. Als LandtagSdevutirter hat er bisher das einzige Verdienst der FindelhauSfrage auch ein Wort gesprochen zu haben, als LandeSauSschußbeisitzer soll er. wie man mir sagte, sein Amt, dajedoch nur wie alle Aemter, einer und derselben Schablone unterliegt, getreu erfüllen, während er Tage lang ibie AmtSkanzlei der jüdischen Gemeinde gar nicht besucht 17 — und als Stadtverordneter gab, er mehrere Mab GelegenheL der Bevölkerung Aergerniß zu bereiten und ebew dadurch tat Juden in Böhmen keinen Bortheil zu verursachen. Zudem ist TedeSko ein entschiedener Gegner alles dessen, was böhmisch ist und ein so enflammirter Deutscher, daß er oft seine Prinzipien da zur Geltung zu bringen sucht, wo sie gar nicht am Platze sind. Ich bin weit davon entfernt jenen Herrn seiner politischen Anschauung wegen zu verdammen; denn der eine hat diese, der andere jene Gründe dafür. Bei einem Vorsteher einer jüdischen Gemeinde aber nimmt dieß jedoch eine ganz andere Gestalt und eine, ganz andere Wichtigkeit an und führt zuweilen jede prononcirte Parteistellung eines solchen zu Zwist und nicht selten za Conflickten. Ich frage nun, kann eS einer jüdischen Gemeinde Nutzen bringen, wenn deren Vorsteher bei allen Fahnenweihen, bei allen Eommereen, kurz bei allen Feierlichkeiten, die demonstrativer Natur sind, nicht nur zu sehen, sondern auch in einer Weise zu hören ist, wie sie einen jüdischen Vorsteher förmlich persiflirt, kann eS für schicklich angesehen werden. wenn, wie ich vor zwei Jahren das Vergnügen hatte, mich selbst zu überzeugen, der Vorsteher der prager Israeliten Gemeinde im Sofiensaale mit einer gehörnten TcufelSkappe am Kopfe auch in dem Reiche der Narren hcruinwandelte. der geehrte Leser wolle sich die Frage selbst beantworten und sich dann wieder fragen: Hat dieß Alles Landau auch gethan, jener Landau, der nicht die Ehre hatte Ritter deS Franz Josef-OrdenS zu sein, und aus diesen Fragen dürfte bald resultiren, wer der Feind deS JudenthumS war, und wer der Feind des JudenthumS ist. Journalistik. Stimmen über die Broschüre unseres Glaübmogenoffe» Fischhof's. Die „Gazctta Transilvanei," das Organ der Siedenvurger Rumänen äußert sich über Fischhofs Broschüre folgendermasscn: Dieses Buch, welches einen der berühmtesten Männer der Monarchie zum Autor hat, wird Epoche machen nicht nur in den Ländern, welche sich unter dem Sccpter des Hauses Habsburg-Lothringcn befinden sondern überall dort, wo verschiedene Nationalitäten bei einander wohnen. Allen Rumänen, welche der deutschen Sprache genügend mächtig sind, und sich um öffentliche Angelegenheiten bekümmern, rufen wir zu, daß sie die Broschüre Fischhof's mit Aufmerksamkeit lesen und nochmals lesen sollen, denn dieselbe ist ein wahres Evangelium für alle unterdrückten und geknechteten Nationen. Die politischen Grundsätze dieses Staatsmannes find ebenso viele Rettungsanker für den österreichischen Staat und für alle seine Nationalitäten, und daher auch für die Rumänen. Ein rumänischer Publicist, der im Jahre einige Institutionen der Schweiz empfahl, wurde damals sowohl als auch später verhöhnt und verlacht. Begnügt Euch nicht mit den mageren Auszügen, welche die Journale aus Fischhof's Broschüre veröffentlichen, son« dern leset die ganze Broschüre. Sehet, daß sich ein guter Uebersetzer finde, welcher diesemit so bedeutender Gelehrsamkeit, Genialität und Uederzeugung verfaßte Buch in die rumänische Sprache übertrage. Fischhof's Studie ist ein wahrer Ariadnefaden durch das Labyrinth der österreichisch-ungarischen Zustände und ein Lcuchtthurm für die Entwicklung der nächsten Jahre. Den Lehren Fischhof's wird sicherlich der Sieg nicht auSbleiben . , ." Der Bukurester „Romanul," das bekannte Organ der unter der Führung BratianoS stchenden^Demokratenpartei Rumäniens, sagt in seiner Besprechung der Fischhoflsche» Broschüre unter Anderem Folgendes: Der Autor dieser Broschüre, Dr. Fischhof, ist ei» a»Sgezeichneter Patriot, geehrt selbst von seinen Geguern, ub

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