Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- III (1870)
- Issue
- 2 (7.1.1870)
- Date
- 1870-01-07
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
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Gemeinde, sondern auch jeneder höchsten Behörden und Aller, die ihn kannten, wenn sie auch nicht seine- Glaubens waren." so spricht Wurzbach.—Wa» Landau'- schriftstellerische Thätigkeit betrifft, so sprechen für dieselbe, seine Werke: Rabbintsch aramäisch deutsche- Wörterbuch zur Kenntnis des Talmuds, der Targumim und Midraschim mit Anmerkungen für Philologie, Geschichte, Archäologie, Geographie, Natur und Kunst (5 Theile;) Geist und Sprache der Hebräer — nach dem ersten Tcmpelbau, welches Werk neben Borlesungen über Sprachen und Sprachgeschichte der Altrabbinen auch eine Chrestomatie, bestehend aus einer Sammlung Erzählungen aus dem Talmud, Midrasch und Sohar enthält; deutsche Uebcrsctzung de-Pentateuchs mit einem hebräischen Commentar. Hebräische Borrede und Eommentar zu dem Eommentare de- Abarbaneletc. etc. Außerdem mehrere Uebersctzungen der Gebete und Festtag-liturgie, die noch heute für die besten angesehen werden. Nun wahrlich, von ecnem Manne, der den größten Theil seine- Lebens der iii* bischen Wissenschaft gewidmet hat, und dessen Begeisterung für da- Judenthum hinlänglich in den Traversionen der Machsorim ausgcdrückt ist, kann man nicht sagen, daß er ein Feind de- Judenthums gewesen sei. Wa- Landau'- Charakter betrifft, so war derselbe wie aus einem Guße hervorgegangen und ich hebe nun zur Bestätigung dieser meiner Ansicht, einen Charakterzug auS seinem Leben hervor. Bekanntlich war die Berufung RapoportS nach Prag nur Landau zu verdanken. Wie und unter welchen Kämpfen dieselbe erfolgte, dürfte Bielen bekannt sein, doch vielen nicht, nuf welcher Weise Landau in Rapoport den Gelehrten zu würdigen wußte. Als Landau die erste Auflage seines Aruch der Oeffentlichkeit übergab, schickte er auch eines seiner Exemplare an den damals in Lemberg lebenden Rapoporl; dieser dankte dem Verfasser in einem Schreiben und schickte ihm später da« Geschenk im veränderten Zustande zurück. Rapoport entdeckte nämlich in dem Werke mehrere Fehler und markirte sie an jener Seite desselben, wo man gewöhnlich Randglossen zu setzen Pflegt. Landau seine Fehler anerkennend, dankte dem meisterhaften Correktor, und von dieser Zeit an datirte seine Schwärmerei für Rapoport. Will ich das Wirken Landaus für seine Gemeinde betonen, so müsste ich, um gerecht sein zu wollen, dasselbe insoferne cö die innere Verwaltung betrifft, meinem Tadel unterziehen, wenn ich Landau, der sonst sehr eifrig in seinem Amte, eben nicht damit entschuldigen könnte, daß die ganze Verwaltung wie eine Last auf seinen Schultern ruhte. » „»glückliche LoS getroffen, in diesem Hause cinguarticrt zu werden. „Mir habe» selbst nichts," erwiedert die Frau uumuthig. und hätte» wir was. ivir würden eS selber effcn." „Nittel, mein Weib," schreit bcrj Mann erschrocken, über so oielc Kühnheit, „mit Söllnern ist nicht zu spaßen I" „Macht S einem andern weiß," ruft der Soldat, „ich kenne die Inden. Alle sind sie reich, nnd stellen sich, als ob sic sich nie satt äßen. Im Lasten da habt Ihr gewiß Gold, Silber nnd Perlen, ans dem Herd aber kein Feuer und kleidet Euch in Fetzen. Ihr Knickert" Antwort ihm nicht, Gittcl, mein Weib, ich beschwöre dich!" ruft der Klausner, sich an die Seite seiner Ehehälfte drängend. Er wird dir behüte Gott, ein Leid anthun." „Mein Kaste» ist offen." versetzte zum Schrecken ihres Mannedie Frau, „nehmt Euch daraus das Gold, das Silber und die Perle», und laßt mir nur so viel um meinen Kindern eine Semmel und ein Licht für die Nacht kaufen zu können." „DaS sagen sie alle," sagt der Soldat seine Pfeife stopfend, „und alle haben sie Geld. Gib mir ein Streichbölzel, Jud!" „Herr Söllnerleb." flüstert der Mann schüchtern .„seien Sic nicht bös, wir haben daS nicht. Nie." „lind wenn du selber eine Pfeife anzünden willst?" „Ich? ich rauche nicht, fragen Sir Gittcl mein Weib." — „Und wenn Ihr Licht braucht?" — „Da zünden wir e-gegenüber M ' chnrider, an.'k — „Tragt Ihr Euer Holz während sie heute von achtzehn Personen versehen wird, die den Fehler nicht bester, sondern nur ärtzer machten; will ich jedoch Landau- Wirken nach Außen hin beurthrilen, so war eS in Einem Worte zusammengefafft, staatSmännisch, wie überhaupt Landau seiner äußern Erscheinung und seinen geistigen Vorzügen nach daS Zeug eine- Staatsmannes in sich hatte. Seine eminente Rednergabe, seine vielseitige Gelehrsamkeit, seine große Kenntnis fremder Sprachen machten ihn zum förmlichen Gesandtschaftsattache der prager jüdischen Gemeinde. Ich erlaub« .mir, was zwar nicht hieher gehört, nur beispielsweise folgende Episode au« seinem Leben za erwähnen. Als in den vierziger Jahren die Kaiserin von Rußland Prag besuchte und unter Anderem auch den altjüdischen Friedhof zu sehen verlangte, da wurde selbstverständlich Landau in Kenntniß gesetzt und er hatte nicht- Eiligeres zu thun als im geeigneten Momente einen Cicerone abzugeben. Während die Kaiserin in einem Tragsessel durch die Gänge de- Friedhofgetragen wurde, schritt Landau in echt hofmännischer Weise an der Seite der erlauchten Monarchin, führte die Conversation in französischer Sprache und erklärte die wichtigsten Grabdenkmäler und deren Inschriften und fügte sogar hie und da einen ruffischen Ausdruck hinzu. So ereignete es sich auch einmal, daß Landau mit einem englischen Diplomaten zu sprechen hatte. In den fünfziger Jahren hingegen, zur Zeit als Landau schon gestorben war, besuchte Sir Mose- MoUefiore^ auf seiner Reise nach Jerusalem auch Prag; allein dießmal ward schon Landau vermißt; denn Niemand von achtzehn Mitgliedern der jüdischen Vertretung war in der Lage mit Mont.fiore zu sprechen, und eS muffte dessen Begleiter Sekretär Dr» Löwy den Dolmetsch abgeben. Wie sich Landau im geselligen Kreise zu bewegen, welche feine Touruüre er in aristokratischeil Cirkeln zu bewahren wusste, ist wohl jedem bekannt, und ich muß noch hinzufügen, daß Landau, der die Fehler seiner Gemeinde genau kannte, dieselben stets zu entschuldigen wusste und immer, ohne sich von seiner Würde auch nur das Geringste zu vergeben, Leutseeligkeit. ins Auge fasste. So hätte ich seinen Takt gegenüber den Einzelnen berührt, eS bleibt mir nur noch übrig seinen politischen Takt zu beurtheilcn. Landau bekleidete sein Amt zur Zeit der Metter« nichschen Periode, musste somit, um den Juden keinen Nachtheil zu bringen, sich wohl hüten, gegenüber einer so absolutistischen Regierung, die sich noch immer im Dunstkreise des Ultramontanismus und der Verfinsterung befand, einen Formfehler zu begehen und ist ihm ein solcher auch nicht nachzusagen. Im Jahre 1848 wurde in unwillkührlichstcr Weise auch zu Joffel dem Schneider cs anzubrennen, wenn Ihr Feuer braucht?" — „Rein, Herr Söllnerleb, da holt mein Weib einen Topf glühender Kohlen, uin damit Feuer anzumachen." — „Sa soll dein Weib auch jetzt inS Teufels Namen Kohlen holen I Sap. perlot! Jud', glaubt--cr, wir sein hergekoiuinen, uin dein und deincS Weibes Geplärr anzuhören?" schreit der Soldat hungcrig nnd ungeduldig geworden; „mache daß wir was zum Effcn bekommen, oder . . . " — „Gittcl, Gittcl schreit der erschrockene Klausner, bring um Gottes willen Feuer und Effcn. Versetze den TaliS!" „Den TaliS I Wer wird auf deinen TaliS waS leihen, verrückter Mensch?" schreit ihrerseits die Frau. Der zweite Soldat erhebt sich nun. und seinem Wirthe sich nähernd der erschrocken zurnckweicht, sagt er mit weicher Stimme: „Nicht nöthig. daß Ihr waS versetzt, ich gebe Euch Geld." — „Ihr mit Geld?I' „Nicht viel, aber etwas, daS zu einem Nachtcffen für uns und Euch hinrcicht, auch wohl noch zu ciucm Gläschen SchnapS. Nehmt da» Bruder ich, bin rin Jud'." „Schalem Eleikcm I" platzt der Klausner heraus. „Gott segne Euchl Gittcl, incin Weib wird einkauftu, und ich bleibe unterdeß beim Kindleb." Und so geschieht eS. Die Frau entfernt sich deir Gulden sorgfältig in die Hand pressend, den ihr der Soldat gegeben, während ihr Mann den Korb schaukelt. (Schluß folgt.)