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Die Gegenwart · 1870-01-01 · 1 (1.1.1870) · p. Seite 2

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
1 (1.1.1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 2 (sequence 8)
Language
German
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steil von der Ansicht au-, er müsse mit der Regierung gehen, diese Ansicht machte sich gerade dort geltend, wo der Jude den härtesten Druck zu erleiden hatte, wo er den schrecklichsten Bersolgungcn au-geseht war. Ewar dieß zu jener Zeit, wo der Jude noch gewohnt war. vor jedem AmtSdiener sich zu beugen und in jedem Kanzleischreiber eine große Autorität zu erblicken. Allerdings trug zu diesem ServiliSmuS, zu dieser biin den Staub versinkenden Demuth die freiheitliche Beschränkung einerseit-, der KoSmopolitiSmuS anderseits bet. Der Jude hielt somit zur Regierung nicht aus Liebe, sondern au- Furcht, die sich immer mehr steigerte, je größer der Druck von oben war. Heute ist enun ganz anderworden, heute ist der Jude an politischer Erfahrung reicher, heute ist er sich wohl bewusst, daß Staat und Freiheit nicht blühen können, wenn der Staat geknechtete Bürger duldet, wenn die Freiheit Ezceptionen macht, die gerade der Jude bei seiner geschichtlich nachgewiesenen moralischen Zähigkeit nicht ertragen kann. Wir müssen mit der Regierung gehen, so ertönt egrade aus dem Munde jener jüdischen- Eliqnetrompeter, die unter Belcredi nicht mit der Regierung gehen wollten, und damals noch immer nicht ihren Himmel voll von Geigen sahen, die noch nicht von Auszeichnungen, Landesausschuß- und anderen ähnlichen Stellen zu erzählen wussten; wir müssen mit der Regierung gehen, so raunen sie dem politisch unverständigen Juden ins Ohr, der diese Worte für einen ehrlichen Fingerzeig ansieht, und die Negierung mit der Krone verwechselt, wir müsse.» mit der Regierung gehen, so hören wir jene politischen Philister repetiren, weil sie mit einem Regierungswechsel befürchten, daß ihre Glückseelktzkeit ein Ende nehmen würde. Eine konstitutionelle Regierung kennt keinen kategorischen Imperativ am allerwenigsten ein „müssen"; darum mag — und Niemand wird was einzuwendcn haben,— der Jude nur dann die Anschauungen der Regierung theitat, sobald sie auseiner inncrn ungefülschtcn Ueberzeugung hervorgehcn, die sich unter allen Umständen nicht beeinflußen läßt. Auf Kommando mit der Regierung gehen müssen, muß selbst die Regierung lächerlich finden, wie sie seS lächerlich finden muß, daß Juden jene Phrase der die Handel-interessen Bertretendcn nur für sich „handelt" und zu weilen Kapital auS seiner Stellung schlägt. Trifft cs sich, daß dieser Mancher auch Censor einer Bank ist und eine persönliche Abneigung gegen einen ehrlichen Kaufmann hat. den der Credit erhalten soll, so mitft dieser ehrliche Kaufmann zu Grunde geheil, inril nicht da» Gewissen, nicht daS Recht, sondern die Smnpathic und die Gnade oder^Nngnadc entscheiden. So ein aufgeblasener, dickleibiger, hoch aufgewachsener, behäbiger Kaufmann oft, der die Welt in seine Arme schließt, die Straßen aristokratischen Schrittednrchmißt, und in kommunistischer An- Wandlung alle» wa» in seinem Umkreise ist, für Unterthancn ansieht, konlint mir wie Bpgel Strauß vor, der seinen Kopf in den Sand steckt, um von den Jägern nicht gesehen zn werden. Solche Stranße gibt e» auch unter den Kaufleuten, die, trotzdem sic ihren Kopf in Gatzkanaden und allerlei Blendwerk stecken, von dcir scharfstchtigen Jägern dennoch gut gesehen und znm Schlüße gut getroffen werden. Was Wunder, Ji'nnt für solche Männer, die da mit Don Philipp sprechen: „Dils Sonne geht in meinem Staat nicht nnter" überall obenan sein und de» Ton angeben wollen, auch der Zeit- Punkt hcranrückt. in dein sic den Boden unter sich verlieren und der Ton in einen Klagcseufzcr übergeht. Dann lassen sie ihren Blick hinüber schweifen nach dem transatlantischcil Kanaair und wieen sich in Träume von vergangenen schönen Tagen, in denen sie ehrliche Kaufleute, die ei» kümmerliche» Dasein fristen, so ver- ') gesehen. Die Repräsentanz, zuinal ihre Clique, nrögk Rund- Balten und prüfen, ob nicht einer oder de^-arrdcre auf der m Höhe steht, von der ihn de» Schicksal- Laune herabn» und ob nicht einer oder der andere dei» Instinkt gelhat. Und dann spreche sie noch, gleich jenem Kölner, die du wagst zu schinährn, -sind die geprüften bei politisch verkommenen Glaubensgenossen als Mittel zynr Zwecke gebrauchen, während sie als toastkrende Haustrer Deutschland leben lasten, ihr Vaterland verläuznen und nur in selbstsüchtiger Weise an einer schmarotzenden und stetunterkriech enden Peocedur Wohlgefallen finden. Es ist eben so erklärlich, daß durch eine solch: Sippschaft die ganze Indenheit unverschuldeter Weise dazus damnandi auf sich ladet, wie eS erklärlich ist, daß jene politischen Fallstaffe bei einem etwaigen neuen Regierungssysteme die Phrase, wir müssen mit der Regierung g'ehen, vergessen und nicht mit Admiral Blake, dem entschiedensten Gegner CromwellS auSrufen würden: „Wir sind schuldig für das Vaterland zu fechten, in welche Hände auch die Regierung gekommen sein mag." Ein Wort über -en Handel -er Iu-ea. Wenn unsere Nation je ein ungerechter Vorwurf trifft, -so ist das Borurtheil in der nie dere n Klasse der Bevölkerung, daß es gerade die Inden ihrer Natur nach waren, welche nur zum Handeln geboren, daß diese Nation cS sei, welche die Mühe dcS Ackermannes scheue, die Beschwerlichkeiten des Handwerkers von sich wälze und nur für den leichten und gewinnbringenden Handel eingenommen ist. Diese Vornrthcile haben ihren Ursprung in den traurigen Nothwcndigkeit, in welcher wir Israeliten durch eine Jahrtausende währende Verfolgung versetzt wurden, — allein wir können, gerade annehmen, daß die Inden ihrer ursprünglichen Natur nach dem Handel abgeneigt waren, daß dieselben die besten Gelegenheiten zur Vergrößerung ihres Handels, selbst als dieselben noch Nation gewesen sind, d. h. ein selbstständiges Reich , bildeten, anderen Völkern überließen. Bis zu David und Salomo'S Zeiten trieben unsere Väter lediglich Ackerban und Viehzucht — bis der einsichtsvolle David und der prachtliebende Salomon dieselbe mir besonderer Muhe zur bürgerlichen Industrie und zum Han- Diencr meiner Wahl," ohne daß Schamröthe ihr Gesicht überstiegt. Eine schöne Garde diese Diener, die nüt einem Auge schielend auf einem Eckensteherpostcn, von Han) zn Hans haustrten, um „die Männer von allgemeiner Bildung" der Gemeinde auf den Hals izn werfen. Wie der Dienst so der Lohn, und der Mazzcsordcn durste nicht ansbleibcn. , Auch solche ungesäuerte Ercatnrcn inuß cs gebe», um die Gährnng in der Gemeinde auf einen Augenblick abznschwächcn und der Welt zn zeigen, wie man Präsident wird. Ja der Präsident der Bclriesgaffe ist ein allerliebstes Geschöpf, das sich uzn Deutschland, vielleicht gibt cs in der Ost- oder Nordsee auch einmal eine Stelle zn ßschcn, mehr kümmert, als um seine Gemeinde, an deren Spitze ihn die alte treue Familie gesetzt hat. Wenn cs stch um das Lebenlaffcn eines spccinsch jüdischen Wahlthätigkeits-Bereines gehandelt chlttte. würde demselben der Herr Präsident vielleicht ein pereat, ausgebracht haben, wa cS aber einem deutschen GcsangS-Bertine respektive seiner Fahne galt, da brauste cS in den Adern deS jüdisch deutschen Spekulation-Politikers da spritzte aus deffcn Munde ein Hoch dem Bcrcine wie der danipfcndc Gischt dcS interkonfessionellen „Gespickten," den der Präsident mit Wolfshunger verzehrte. Ja! wo Lehre da Weisheit, w.o keine Lehre da Dummheit I Und s» geht cS fort, bis man sich in die Kindcrjahre zurück verirrt unk» mit „Fahndl" spielt, an dem das brennende Lichtet steckt, an den» man sich oft selbst die Finger verbrennt. Du willst das Band der Fahne zu einem Band ans Deiner Racklappe machen, dcsihalb sahndelst du, jubelst Du. redest Du aus dem Papier heraus und toaftirrst Du, bis man Dir zurnft: -Gut Morgen P hi lip p ch e n, man muß daS Cif c» so lange cS heiß ist, schmieden. Gut Morgen Philippch eil l

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