Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 24 (15.12.1869)
- Date
- 1869-12-15
- Page
- Seite 244 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Bvilrdt. daß er sein Kind im Beisein einer christlichen Pathln taufen lasse, so blieb er doch unerschütterlich dabei, daß fein Lind bereit» getauft sei. Der Vorfall erregt außrsvrdeutliche Sensation, und ist man auf die Entscheidung de» Erzbischofs neugierig dem die Sache angezeigt wuede. Kraukfvrt a. M. Hier hat der Verein zur Pflege der Verwundeten im Felde," der während de» Kriege» sehr thätig war, au» dem übrig gebliebenen Kapital von 5000 fl. ein Institut von K r a n>le n pfl egerin n e n („BerufSpfleger in nen") errichtet, deren Tendenz jedoch von jedem confesfionellen Anstrich absieht, so daß hinfort die Kranken neben ihren beiden nicht auch noch mit Beten und Bußen geplagt werden dürfen. Uiber die übereinstimmende Kleidung ist man noch nicht einig, soll aber keine religiöse Färbung an sich trag«: bestimmt ist, daß fix da» rothe Kreuz im weißen Felde in einer Nadel en iniuature am Halse oder au der Brust tragen, Zwei dieser Schwestern haben bereits ihre Prüfung bestanden und werden nächste Woche vereidigt. Bereits ist aufgesordert, daß sich weitere Personen für den ärtzkichen und wnndärtzlichen Eursu» melden können. Der Vorstand besteht au» röinischcn und D eu tschkath o likcn Protestanten und Inden. Darunter der kathcl. Stadtpfarer T h issen, der reformirte Prediger und Pfarrer Ehler» die Frau Baronin M. v. Rothschild, (Jüdin) Frau Ahrcn» tdeuisch Katholikin) erste Vorsteherin de» Allgemeinen Frauenvereins „zur Wohlthätigkcit" u. s. w. nebst drei Aerzten. Tic ganze Sache ist eine Idee, wie sieRonge schon längst im Plane hatte, die hier nun endlich sehr praktisch ausgrsührt ist, nnd Nachahmung verdient, denn c» ist nicht zu längncn, daß auch ans diesem Gebiete eine zeitgemäße Reform Roth thut. — (Statist.) In der Zeitschrift de» „König!. Statist. Bureau»" zu Berlin hat, Dr. Engel die Vertheilung der nach dem Glaubenöbckentnisse geschiedenen Schüler der höheren Cebulen ans die Gesammtbevölkerung gleichen Bekenntnisse» berechnet und für den ganzen Staat gefunden, däß zur Zeit ein preußischer Schüler in den Hotz e r n Schulen überhaupt auf 283 Bewohner kommt; daß auf einen evang. Schüler der höhrrn Schulen, 24.') Evangel. kommen, auf Einen Kathol. 402 Käthol aber auf Einen jüdischen nur 53 Juden kommen. In Bezug auf die Elementarschulen stellt sich da» Vcrhältniß der jüdischen Kinder noch günstiger. London. Dieser Tage wurde die Hälfte der Vermächtnisse de» verstorbenen W. I. Hall an verschiedene jüdischen Wohlthütigkeisanslalten bestehend in einer Summe von 1000 V. (42000 fl.) vcrthcilt.j Beirut. Ein Franzose hat mit der türkischen Regierung cincn Vertrag geschlossen, nach welchem er sich verbindlich macht, Beirut vermitle'st einer Wasserleitung mir Wasser zu versehen, woran diese Stadt bisher großen Mangel hatte. Für jeden Eimer Wasser erhält hingegen der Franzose Bezahlung, Regierungsgebänden, Moscheen und Synagogen umsonst Wasser für ihren ganzen Bedarf verabreichen muß. Da« Werk soll m zwei Jahren vollendcl sein. (Libanon.) Luntes. Cphinr nnd Pyramiden. Fünf Jahrtausende, sind dahingegangen über die Baudenkmäler de» alten Egypten». Bi» jetzt hat über nur Ein» der Zerstörnngswuth der Menschen getrotzt — da» sind die himmelanstrebenden Pyramiden. Sie stehen noch hoch und erhaben in ihrer Majestät: allem Eifer nnd aller Mühe spottend.schauen sie stolz aus die sie umgebende Trümmerwelt hernieder. Darum sagen die heutigen Bewohner, de» Rilihal» auch mit einer gewissen ehrfurchtsvollen Bewunderung: „Alles fürchtet sich vor der Zeit, aber die Zeit fürchtet sieh vor den Pyreuiitcn." Zwar sind an ihnen auch die Folgen der Zerstörung schon sichtbar genug, frühere, seltsame und erhabene Schönheit de sind doch noch! Wenn noch tausend Jahre ..... , die letzte Mauer der alten Tempel ist zertrümmert, die u. Säule zerschlagen; wenn keine Tempelhalle und kein Obelisk, kein Sphinx und kein Osirisbild mehr zu sehen ist; wenn unsere Nachkommen alle diese Wunder nur noch in unseren Kupferwcrken erschauen können: dann werden dir Pyramiden noch stehen und dem Wanderer, der dorthin pilgert. sagen: Ja, Du bist im alten Egypten, es ist heiliger Boden, auf dem Du wanderst! Großartig, wie Alle», was die Männer de» alten Egypten» unternahmen, war auch ihre Baukunst. Sie hatten das vortrefflichste Material, Kalkstein, Sandstein, Granit im Neberfluffe, und sic verstanden e» den Stein zn bearbeiten wie kaum ein andere» Volk. Wenn wir heute einem Stein mctzcn sagten, er solle ans einem Granitfelsen eine Säule von der Höhe dreier anfeinandergestelltcr Häuser loSbrechen, aber in einem einzigen Stücke, solle sie spiegelglatt poliren, von oben bis unten mit cingemeißelten Figuren verfehn, dann fort transportiren, an einem hundert Meilen entfernten Otte wieder aufrichten — er würde doch in Verlegenheit gerathen, einen solchen Obelisken hcrzustcllcn. Und wieder, wenn wir, sagten: Geh', suche Dir einen geeigneten Kalksrlsen, meißele Alle» weg und lasse nur einen liegenden Löwen übrig, der aber haushoch ist — würde er nicht abermals verlegen sein? In Egppten sind aber solche Dinge anögeführt worden, und heute noch stehen wir staunend vor den Obelisken und Sphinxen mit dem Bekenntn!ß, daß sie in Großartigkeit der Leistung vor unfern Bauten sich nicht zu scheuen brauchen. Die Sphinxe waren immer aus einem Stein gehauen und stellen meistens einen auf einem Fußgestelle liegenden Widder, oder auch einen Löwen mit Menschengesicht dar. Oft sind sie misverstanden worden, man hielt sie für geheimnißvollc Bilder der Stärke und Weisheit. Unter allen Sphinxen Egypten» steht aber einer unerreicht da, durch die Großartigkeit seiner Anlage und den seltsamen Negcrkopf, den erträgt. Nicht weit von der Terrasse, auf der die großen Pyramiden von Memphis sich erhebe», haben die alten Steinmetzen dieß seltsame Wunder entstehen lassen. Sie haben von einem weiten Raum sämmt« lichen Fels weggemeißelt und nur in der Mitte einen Löwenfphinx mit Menkchenkopf übrig gelassen. Dieser Sphinx aber ist von den Klanen bis zum Schwanz 172 Fuß lang und 74 Fuß hoch, wovon auf daö Antlitz allein 2(> Fuß kommen. So liegt dieses Ungethüm, dessen Nase 5 Fuß lang, dessen Ohren mannshoch sind, dessen Kopf über 80 Fuß im llmfange hat, an den Boten angewachsen, in einem viele 100 Fußlangen Hofe, dessen steilen Felswände mit ihm selbst mir eine und dieselbe Masse sind. Löcher nnd Sprünge in dem natürlichen Felsen sind sorgfältig auSgemaucrt. Freilich e» ist un» heute nicht mehr vergönnt, uns an dem Anblick solch unerreichter Großartigkeit zn erbauen, denn leider ist der ganze Hof, in welchem der Sphinx liegt, jetzt mit Flugsand ansgesüllt. Rur noch 27 Fuß hoch erhebt sich der Koloß über die Sandflüchc dieses beweglichen Bodens. Doch auch heute noch hat man von diesem Haupte eine entzückende Rundsicht. Mit bloßem Auge zählt man 73 Ortschaften und nach Nordosten blickt man auf die wüste Trümmerstüttc, wo ehemal» da» mächtige Meinphi» stand. Dahinter liegt im Hellen Sonnenglanze das heutige Kairo. Im Jahre 1817 wurde auf Veranlassung europäischer Konsuln der Sand, in welchem der Sphinx begraben war, mit großem Aufwand von Menschenkräften, Zeit und Geld weggeschafft, und man entdeckte zwischen den Vordertatzen des Ungeheuer» einen kleinen Tempel, der sich mit seiner Rückwand äu die Brust de» ThicreS anlchnte. Wie eine Jnschrifttafcl verkündigte, war im Jahre 1552 vor Ehr. vom König Thutmoti» IV. dem Gott HoruS geweiht. Später wurde der Sphinx, der immmer und immer wieder vom Flugsande vergraben wurde, noch zweimal seiner Hülle entlleldet, wobei Fortsetzung in der Beilage.