Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- II (1869)
- Issue
- 24 (15.12.1869)
- Date
- 1869-12-15
- Page
- Seite 243 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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243 , rl-schärpe von Wolle, ein paar Handschuhe, ärmer, ein Arba-Kanfath, ferner an Re« ... oieielben wie die Mädchen, überdieß ein großeheb- .».,ch-deutsche- Gebetbuch in elegantem Einbande und ein Portemonaie mit 50 kr. Lange vor 6 Uhr Abendwar der ifestlicb geschmückte Saal des H. Sonnenschein in allen seinen Räumen von einem distinguirten Publikum besetzt. Gegenüber dem Parterre, erhob sich eine mit blauen Draperieen und exotischen Pflanzen geschmückte Estrade, zu der an beiden Seiten mit prachtvollen Teppichen belegte Stufen führten. Ueber einen^blauen Baldachin erblickte man die Büsten Ihrer Majestät de- Kaiser- und der Kaiserin während an der Vorderseite der achtzüngigc große silberne mit Edelsteinen besetzte Leuchter (Menohra) und eine Anzahl silberner GiradoleS mit ihrer brillanten Beleuchtung sehr viel beitrugen, Lcn Effekt zu heben. In der Mitte stand eine improvisirte reich geschmückte Kanzel und von der Estrade aus senkte sich i n schiefer Richtung herab ein mit Teppichen bedeckter Tisch, auf >dem die Geschenke zur Besichtigung ausgestellt waren. Zur -bestimmten Zeit wurden von zwei Vorstandsmitgliedern die zu beschenkenden Kinder pragcr sowohl als vom Lande zu ihren Plätzen geführt; hierauf folgte unter Präludium der GcsangSverein „Harmoniadas Damencomitv und derGefammtvorstand. Während das Damencomite die Estrade verließ, um sich auf seinen Platz zu begeben, nahmen die anderen auf der Estrade zu beiden Seiten der Kanzel Aufstellung. Nachdem Herr Friedmann Leisten die anwesenden Gäste in einer kurzen Ansprache begrüßt hatte, stimmte der Gesangverein die Cantate „die Ehre Gottesan, worauf Sr. Ehrwürden Herr Prof. Kämpf unter Präludium die Kanzel bestieg und in einer gediegenen, stellenweise hinreißenden Rede, unter geistreichen Gleichnissen die Bedeutung des Vereines anknüpfend an die Chanukafeier auseinandersetzte, die Idee der Gründer, das Streben des Vorstandes, das Wirken des Vereines in so kurzer Zeit und den WohlthätigkeitSsinn der Israeliten und der prager Bewohner im Allgemeinen hervorhob. Unmittelbar nach der fast einstündigen Rede wurde die Betheilung der Kinder mit den Geschenken nach Nummcrn vorgenommen, so daß dem Zartgefühle der Eltern, welche sich in einer andern Lokalität befanden, nicht nahe getreten wurde. Die Nummerirung bewährte sich vorzüglich, in dem Niemand der anwesenden Gäste den Namen der beschenkten Kinder erfahren konnte. Den Schluß bildete ein Knabcnchor, der so wie der Männerchor mit Präcision vorgetragen und von dem anerkannten Musikdirektor H. D. Rubin persönlich dirigirt wurde. Nachdem sodann der größere Thcil des Publikums sich entfernt hatte, wurden die kleinen Gäste auf Unkosten des GesammlvorstandeS mit einem Souper erfreut, und von den Damen -de- ComiteS und Herren des Vorstandes selbst bedient. *** Der israelitische Lehrervcrein in Böhmen hat-»beim k. k. M i it.rrum für CaltuS und Unterricht eine Petition eingcbracht, es mögen die im Bolksschulgesetze enthaltenen Bestimmungen übrr das Rechtsverhältnis und die Pensionsberechtigung der Lehrer auch auf diejenigen Lehrindividuen ausgedehnt werden, welche an von israel. Religionsgenossenschaften erhaltenen S hulen das Lehramt ausüben.—- Die Petition wurde am 22. September d. I. eingebracht man sieht dal er einer baldigen Erledigung entgegen. Auswärtiges. Wien. Se. Majestät der Kaiser hat bei Allerhöchst seiner Anwesenheit in Jerusalem dem Dr. Ludwig August Frankl, der bekanntlich die Simon v. Lämmel'sche Lehranstalt dort begründete, alö Ritterkreuz de- Franz Iosef-Ordcnö zu vcrleihen geruht. — Wie wir hören, soll der für die Erbau- -ung eineisraelitischen Spitals angekaufte Baugrund wieder veräußert werden müssen, weil es überfeheir wurde, daß die neu anzulegende Lastenstrage durch den genannten Baugrund geführt werden soll. — In der Leopoldstadt lebte eine 80jährige Wittwe. Leah Sommer, schon einige Jahre angewiesen auf mildthätige Unterstützung ihrer Glaubensgenossen. Ihr Sohn war einige Zeit Rabbiner in einer kleinen ung. Gemeinde, verschwand plötzlich nus seinem Wirkungskreise mud blieb dann ganz verschollen. Bor Kurzem telegraphirte man aus London an ein hiesiges GroßhandlungShauSman möge sich erkundigen nach einer gewissen Leah Sommer. Es wurde zurück berichtet, daß dieselbe hier existire u z. in sehr ärmlichen Verhältnissen. Das Haus erhielt die Weisung der alten Frau eine hübsch: Sum n: Geldes zu übermitteln. Die elende Wohnung wurde nu i verlassen und die Sommer richtete es sich bequem ein, bald besuchten sie Freunde, Verwandte, Bekannte, von denen sie bisher nichts wußte. Nicht lauge daraus kam auch ihr Sohn hier an, den sie kaum mehr erkannte. — Es stellte sich .um heraus daß er getauft war und als cngl. Missionär Indien bereiste, wo er viel Geld erwarb. Als die greise Mutt.: dies erfuhr, ließ sie Alles im Stich: und kehrte in ihre verlassene Hütte zurück, indem sie lieber arm bleiben wollte, als sich unterstützen lassen von einem Sohne, der seiner Mutter- Religion untreu wurde. (Aus der „Allg. Volks Iü ung.l — Der k. k. Fregatten-Kapitain Fall, welcher eines der Schiffe der kaiserlichen Flotte komnuudir», erhielt während der Orient-Reise die telegrafische Nichrichl, daß seine Frau, die er in W en zurück zelassm, eines Kuä'olei» genesen sei; er telegraphirte, wie mm dem „P. L.„ meldet, sofort zurück, daß man mit der Taufe des K n)es bis zu seiner Rückkehr warten möge, da er W isser aus dem Jordan mitbringc, mit welchem der Neugeborne getauft werden soll. Herr Funk gehört der mosaische» Religion an. der er treu geblieben ist, seine Kinder aber läßt er alle taufc.t und als Christen erziehen. — Bei der letzthin hier vorgcnom u.'- nen Wahl für den Vorstand der israelitischen KultuSgcmeinde betheiligten sich etwa dreimal so viel Wähler, als in den früheren I ihren, da si h vicSm ll bekanntlich die Anhänger zweier in der Gemeind: einflußreicher Männer, der Herren Schiff und Dr. Knepler, den Wahlsieg streitig zu machen suchen. Trotz der starken Agitation mach ten von den mehr als 1600 Wahlberechtigten aber der.» doch nur 076 von ihrem Stimmrechte Gebrauch, was cdcufalls beweist, daß man auch in der israelitischen Kultusgemeiude für die wichtigsten Interessen ziemlich glcichgiltig ist. DaS Ergebniß der Wahl war, daß Herr S ch t f f, für den die Börse den Ausschlag gab, mit 403 Stimmen wiedcrgcwählt wurde, und Herr Dr. Knepler, der Krndidat des „Mt tclstandcS,„ mit 257 Stimmen in der Minorität verblieb. Die Herren B i a ch, Dr. Engel, E p st c i n und P o l l a k wurden fast einstimmig wiedcrgewählt. Erlan. 3. Dezember, Von hier schreibt man: Der hiesi ge Schnciderincister Alexander S; a b 6 dem ein Töchterchcn geboren wurde, wählte eine Israelitin Frau Emilie Korn Celtman zur Taufpathin. Nachdem er dies im Pfarramt gemeldet hatte, verweigerte man dort die Taufe. Da er jedoch bei Gelegenheit dieser Anzeige zu lange ansblieb, so wurden die Leute zu Hause ungeduldig und ginge» mit dem Kinde in die Kirche. Da begann der Kaplan die Taus-Zeremonie und fragte, wer die Pathin sei. Als er jedoch hörte, daß cS eine Jüdin sei, verweigerte er die Vollendung des Taufakts und bedeutete dem Vutcr eine andere Pathin zu suchen. Dieser verweigerte es, und der Kaplan unterbrach den Taufakt. Der Vater trug nun sein Kind zum Wcihebccken besprengte cs mit Weihwasser und sprach: „Ich taufe Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes Emilie und Etclka-, und küßte dann sein Kind mit gro ßcr Wärme. Hierauf trug er es zur Pathin, damit sie es segne, was diese auch that. Die Scene ergriff die Anwesen den außerordentlich. Die Geburt des Kindes wurde hierauf dein Bürgermeister angezcigt, und obgleich seitens deSPfarr, amtS am andern Tag der Meßner zum Schneider gefchjL»