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Die Gegenwart · 1869-12-15 · 24 (15.12.1869) · p. Seite 245

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
24 (15.12.1869)
Date
1869-12-15
Page
Seite 245 (sequence 9)
Language
German
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Beilage z« „Begenvart" 5... 24 - man die Entdeckung, machte, daß er im Innern von Gängen und Kammern durchzogen sei, deren Wände mit polirtem (Kranit und Alabasterplatten bedeckt sind. Besonder» merkwürdig ist dieser Sphinx noch durch die GefichtSbildung, die entschieden Negergepräge zeigt. Den Mamckuken diente vor Zeiten dieser Kaps als Ziel bei ihren Schießübungen mit Kanonen; dadurch ist er sehr zerstört worden, aber «an erkennt doch immer noch den Ausdruck de» Gesicht». Der arabische Gelehrte AbdoÜatif, welcher vor 700 Jahren den Sphinx noch unversehrt geschaut, war entzückt über die Richtigkeit der BerhälMisse und die Lebendigkeit de» Ausdruck» im Antlitze, und fand überhaupt, von allen Wundern, die er in Egypten gesehen, sei diese« das staunenswertheste. Und das ist begreiflich, denn der Bildhauer mußte feine Arbeit ohne Modell machen, er mußte ohne gleichgroße» Muster da» richtige Berhältniß der einzelnen Theile treffen und konnte sein Wert immer nur auS weiter Ferne prüfend überblicken. Auch bemalt war einst dieses herrliche Werk, jetzt aber, nach dem Vierthalbtausend Jahre darüber hingegangeo, zeigt eS nur schwache Spuren de« Glanze», in dem e» einst weit hinausleuchtete in da» Land Keim — das alte Egypten. Nachtrag. Wie die in Kien erscheinende klerikale politische Wochenschrift „Die Gegenwart^' in ihrer letzte» Nummer Kisch Hof» Broschüre oenttheiU. Heute beansprucht eine neue Iudenbroschüre, „auf welche da- Publikum schon längst gespannt war'- die Aufmerksamkeit in erster Linie. Herr Fischhof. der Mann, welcher 1845 an der Spitze des. Wiener SicherheitSausschuffeS stand und „in Abwesenheit des Kaisersbei der FrohnleichnamSprocef« fion mit dem Hut auf dem Kopfe dem Allerheiligsten folgte, hat sie geschrieben. Schon lange vorher wurde von der Verlag-handlung großes Präambulum gemacht und wurden die Redmtionen dahin bearbeitet, daß man sich des „außerordentlichen Werkesmit dem gehörige» Refpect annehme» möge, wie denn auch wir eine solche Einladung erhalte» und sic gehörigermaßen sogleich — in den Papicrkorb czpcdirt haben. WaS will Hn Fischhof in seiner Broschüre? Oesterreich „retten.- Wodurch? Durch den Föderalismus. Wunderbar, daß heute Jedermann auf denselben verfällt, nachdem cS'noch vor vier Wochen kein größere-Verbrechen gab. als Föderalist zu sei». Hrn. Fischhof» Föderalismus ist der spezifisch-jüdische oder speculative Föderalismus. Sonst wolltcn. die Juden durch den modernen Eentralismus zur — jüdischen Universalrcpublck gelangen: heule senden sie de» „geehrten Hrn. FischhofauS, damit er uns Nordamerika als föderatives Vorbild für Oesterreich anempfehle. DaS ist des Pudels Kern. Obwohl der nordamerikanischc Föderalismus, der ein bloßes physisches Aggregat von Staaten ist, aus den historischen Organismus Oesterreichs und seiner Königreiche und Länder gerade so paßt, wie etwa Herr Fischhof auf einen österreichischen — Ministerplatz (dine Ulan!) so ist das den Juden, als den heutigen Regenten Oesterreichs nicht nur glcichgiltig, e« ist ihnen sogar sehr lieb, weil damit neben der Republik auch die Anarchie al» Alternative bevorsteht und die letztere ihr eigentliches Fahrwasser bildet. DaS ist unsere Ansicht über des großen Herrn Fischof's Broschüre; der Hr. Verleger wird schwerlich damit zufrieden fciiu *) Der Kritiker beurteilt FischhosS Äroschiire mehr mit Bo-Hrü. als mit SachkemNniß. (D. Red.) ...... # Schlußwort. -r// Mit der heutigen Nummer ist der zweite Jahrgang dieser Blätter zum Abschlüsse gebracht. Ohne erst auf die Resultate, die wir im kultuellen und socialen Leben erreicht, Hinweisen zu müssen, erlauben wir uns nur auf die raschere Entfaltung eines sonst schlummernden Gemeindesinnes in den letzten zwei Jahren, auf die Bildung von wissenschaftlichen und Humanitären Vereinen, auf die Emendation trauriger Zustände, auf die regere Thätigkeit im Gemeindeleben, dessen Organismus fast schon dem Todesschlafe preisgegcbcn war. aufmerksam zu machen, wenngleich diese Wendung der Dinge zum Guten, nicht unserem Streben allein, sondern anch jenen zuzuschrciben ist, die unsere gute Absicht nicht verkannt haben. In politischer Beziehung haben wir, das können wir getrost behaupten, nie provocirend, sondern versöhnend gewirkt, um den von einigen selbstsüchtigen überspannten Köpfen,—in die man an unmaßgebcnden Orte """ der Zwietracht getrichtert, welche zu öffentlichen Aerger Veranlassung gegeben haben, — gestörten Frieden wieder ins Gleichgewicht zu bringen; denn wo Friede im Allgemeinen, da Friede in der Gemeinde. Wa« da« religiöse Moment betrifft, haben wir nie Veranlassung gegeben, mit anderen Religionen in Kollision oder gar in Conflikt zu gerathen, beherzigend die Worte: „Jede Religion ist für jeden i h r er A n h ä ng er chic befte." Indem sich nun die Herausgeber dieser Blätter eingedenk der mit Riesenschritten sich an nn» herandrängenden Zeitfragen, die zu ihrer Besprechung das Erscheinen seine» Journals in einer kürzer« Zcitperiode erheischen, so wie dem so oft gehegten Wunsche der geehrten Leser diese» Blattes, dasselbe wöchentlich erscheinen zu lassen, entschlossen haben, diesenr Bedürfnisse Rechnung zu tragen, werden wir mit erneuerter Kraft, mit um so größerer Ausdauer und strammer« Festhalten an unfern bisherigen Standpunkt, bestrebt sein, da» Gute zu fördern, auf das Mangelhafte hinzuwciscn, um so die Tendenz unsere» Blatte« zu erfüllen und das demselben geschenkte Vertrauen zu bewahren. Wenn wir hie und da die Geißel gewuchtigcr geschwungen haben, so trugen nicht wir, sondern die Negation de» einen, die Hartnäckigkeit des andern daran Schuld, welche von unserem wohlgemeinten Rathe und unseren Andeutungen keine Notiz nehmen wollten. Werden jene Männer, welche bisher den Werth der Presse verkannten, gclügiger, so wird gewist unser Idiom darnach eingerichtet, im entgegengesetzten Falle jedoch dasselbe nicht in Fesseln geschlagen werden. So beginnen wir unter Gottes Beistände den 1. Jäner 1870 den dritten Jahrgang der „Gegenwart^»!» Wochenblatt, das wir den geschätzten Lesern empfehlen." Jakob Arandeis. Redakteur der „Gegenwart.-

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