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Die Gegenwart · 1869-12-15 · 24 (15.12.1869) · p. Seite 241

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
24 (15.12.1869)
Date
1869-12-15
Page
Seite 241 (sequence 5)
Language
German
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241 hann brr mittelalterische Judenhaß in den Seelen Derjenigen, welche die ganze Welt Haffen, da sie sich enterbt fühlen, und die christlichen Dock-arbeiter vertreiben regelmäßig die armen Juden, die auch nach Brot schmachten. Die Juden sind ferner thatsächlich von sehr vielen Hand» werken durch ihre Religion ausgeschlossen, welche sie verhindert, an gemeinschaftlichen Malzeiten theilzunehmen und am Freitag Abends und am Samstage zu arbeiten. Sie können daher bloS als Lehrlinge zu israelitischen Meistern gehen, und eS gibt daher z. B. keine Juden unter Hen Zimmermeistern, Fabriken, Schiffswerften, Mauerern, Eisenarbeitern u. s. w. In» stinctmäßig wirft sich der arme Jude auf das Hausircn und nian sieht dieselben namentlich in den ärmeren Bierteln mit einem Bündel auf dem Rücken umhergehen und erkennt sie an dem monotonen, traurigen Ruf „Old Clo!“ (Old Cloths, alte Kleider!) Andere Inden tragen bunte GlaSwaaren oder Blumen in Körben und gehen von Haus zu Haus, zeigen ihren Tand den Mägden und bestürmen dieselben, ihren Herrinnen zu rathcn, alte Kleider, Regenschirme, Stiefel oder Hüte gegen böhmische GlaSwaaren auszutauschen. Außerdem werfen sich die Juden in England auf das Schneiderhandwerk, Cigarenfabrikation namentlich aber ist der Handel mit Früchten und Fischen selbst eo gros meistentheils in deren Händen. Die jüdischen Weiber machen Hemden. Regenschirme Parasols u. dgl. und die Verfertigung von Mützen und Pantoffeln wird größtentheils von ihnen betrieben. Eine der interessantesten Straßen Londons ist Petticoat- Lane. Diese sehr enge Straße-hat einen ganz miltelalterlichen Charakter und alle Länder derselben, sowie auch alle benachbarten, elenden, schmutzigen Gäßchcn sind von Juden bewohnt. Kein Wagen fährt durch diese engen Gassen, die an die schmutzigen Viertel von Venedig oder Cairo erinnern. Die Läden find finster und ein großer Theil der Waaren, nicht bloS Kleidungsstücke, sondern auch alle möglichen nur denkbaren Artikel liegen auf dem Trottoire. Diese Trödelbörse oder Tandelmarkt hat aber nicht den besten Ruf, und man sagt gewöhnlich, daß wenn Jemanden das Taschentuch stehen 4 unansehnliche Kanonen und stoßen an derselben die unansehnlichen Gebäude für Soldaten und Offiziere. Das Innere der Stadt eignet sich keinesfalls den Namen der Stadt zu führen, denn rin förmliches Chaos wie in allen arabischen und türk. Städten, schlechtes oder gar kein Psiaster, ganze Hügel von Mist, und Stockung von Kamcclcn oder Esel findet man im größten Theil der Stadt. Die Bewohner sind gemischt, Juden,.Christen, Mahumcdancr Europäer und Orientalen und beschäftigen sich mit allerlei. Die Israeliten sind größtentheils orientalische mit Ausnahme einiger Aschkenasim, welche zusammen 2 kleine Bcthhäuser besitzen, die crstcrcn sind Kauf- Icute, Geldwechsler etc., die anderen Uhrmacher oder andere Handwerker. Die Christen daselbst haben eine armenische, griechische und lateinische Kirche nebst Klöster um die angckonnncncn Pilger jeder nach seiner Confeffion aufzunchmen. Der Haupthandcl besteht in Baumwolle, Früchten, Getreide cte., welche ausgcführt, dagegen Mannfacktur. Seide», Leder, Bier und Erdäpfel cingcführt werden. Ostr. und Franz. Artikel sind die hervorragendsten und würde auch der Handel viel stärker und bester sein, wenn daselbst ein ordentlicher Hafen wäre. Zur Wintcrzcit inüffcn die Dampfschiffe sogar öfters paßircn, ohne die Post landen zu können, welchebei vielmaligen Vorkommen Unannehmlichkeiten in Jerusalem und Jaffa zu Folge hat. Im Meere sind Spuren deS schönen HafcnS vom weisen Saloino und reihen sich dieselben an die im Meere hervorragenden Felsenriffe an. Bon den Schiffscompagnien die hier regelmäßig lauden sollen, ist der östr. Llohd in Triest und die Mcffagcrie Imperiale in Marseille an der Spitze, außer diesen noch eine ruß. Compagnie in Odessa, die kais. türk. Post in Constantinopcl und die Azizie Miffrie in Alexandrien. Eine deutsche protestantische Scckte aus Süddeutschland begann sich hier festzusctzcn und in Palcstina zu zerstreuen, deren Oberhaupt seinen Sitz in Jaffa hat. von einem Diebe entwendet worden ist. er bloS nach Petticoat-Lane zu gehen brauche, um eS sofort daselbst wiederkaufen zu können. Obschon unter den zahllosen Hehlen« LondoneS sehr viele Juden gibt, so ist natürlich die außerordentliche Mehrzahl der Hehler christlicher Religion. Juden sind überhaupt in England fast nie unter DiebSbandrn zu finden und sie haben den Ruf der Ehrlichkeit, aber des Wuchersinnes, Gewinndnrste» und Geizes. Es ist eine anerkannte Thatsache, daß die Wohnungen armer Inden viel reinlicher find, als die der christlichen, englischen und irischen Armen. Man sieht auch nie Juden betrunken, während die Trunkenheit ein allgemeines Laster der armen Engländer ist. Endlich muß bemerkt werden, daß der Jude vor Allem sein Familienleben hochschätzt, seine Kinder mehr pflegt, nicht in Brannt- Weinstuben seine Heimat sucht, und daß daher die Sterblichkeit unter den Inden weit geringer ist als unter den armen Christen. Die Jüdin kennt keinen größcrn Schatz, al» ihr Kind, und nimmt keine Arbeit an, welche sie von demselben trennen würde. Es ist schon oben bemerkt worden, daß die Juden in England wegen ihrer Redlichkeit geachtet werden. Der letzte statistische Ausweis hot gezeigt, daß es iit ganz England bloS fünfzehn jüdische Sträflinge gebe, die fast Alle wegen DiebShehlcrei vcrurtheilt worden waren und sich sämmtlich im Gcfängmß von Portsmouth befinden, welches das einzige ist, daS eine Shnagogc besitzt. Seit drei Jahren ist bloS eine einzige Jüdin wegen eines Verbrechen» verurtheilt worden. Die israelitische Gemeinde in London besitzt ein höchst merkwürdiges Armensystem. Ueberhanpl nehmen die bemittelten Juden ein lebhaftes Interesse an ihren armen Glaubensgenossen und für jeden Schritt in dein L:ben, für jede» Bcdürfniß gibt eS eigene wohlthätigc Privatanstalten. S» gibt es;. B. zwei Häuser für AeeouchementS, eine Gesellschaft, welche die BcschneidnngSkostcn trägt und sogar durch milde Gaben der armen Familie die Festlichkeit -mvglichmacht?' welche gewöhnlich hieraus zu folgen pflegt. ES gibt ferner zwölf freie israelitische Schulen in London, die von mehr al» ' 4000 Kindern besucht werden. Kein Jade erhält Unterstützung j im Elend, wenn seine Kinder nicht die Schule besuchen, und der Eintritt als Lehrling zu irgend einem Handwerker für die jüngeren Mitglieder der Familie wird zur ersten Bedingung der Hilfe gemacht. Die Gesellschaft bezahlt die Lehrlingskosten und ermuntert Heiraten unter jünger» Juden dadurch, daß bloS Verheiratete einen Anspruch ans di: Fond» der Synagoge haben. Concubinagc ist deshalb sehr selten unter Juden und die öffentliche Moralität wird bedeutend erhöht. ES gibt viele andere, sehr zahlreiche israelitische Wohlthätigkeits-Anstaltcn in London, namentlich für alle Juden, ferner für Witwen und Waisen, für Blinde, für die Ber» theilung von Brot, Fleisch, Kohlen und andere Unterstützzungen namentlich während des Winters. Endlich gibt eö auch eigene jüdische Spitäler in London, und dieselben Zustände finden sich im Allgemeinen in allen andern Städten Englands, in denen sich Juden niedergelassen haben. New Jork November ixflfl. (0.- X.) Ich hatte in einem früheren Schreiben Ihnen mitgethcilt, daß die Dr. Einhorn und Adler eine Convention von theologisch gebildeten Rabbinern einberusen und zugleich meine Zweifel über das Zustandckomm.'n einer solchen Convention ausgedrückt. Scheinbar ist nun eine solche Rabbinerversammlung wirklich abgchalten worden und wurden in q eheimer Sitzung Beschlüsse passirt, welche jetzt dem Publikum al» das neueste Programm der radikalen Rabbiner Amerika» vorliegt. Ich sage scheinbar, denn wenn wir die Ramen»- liste der anwesenden Größen prüfen, so wird auch der eifrigste Bertheidiger des Radikalismus eingestehen müffen, daß mehre derselben, weder theologisch gebildet, noch Rabbinen sind und bloß als Figuranten erschienen, mn die Versammlung zahlreicher erscheinen zu laffen. Diese Figuraqtr»

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