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Die Gegenwart · 1869-12-15 · 24 (15.12.1869) · p. Seite 239

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
24 (15.12.1869)
Date
1869-12-15
Page
Seite 239 (sequence 3)
Language
German
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T 239 — freiwillig der deutschen Sprache sich nähern, von der Ferne zu blei- Len sie nur durch be« Zwang sich veranlaßt, sehen." Diese- Bau« «er de- Frieden-, der Einigung und de- Rechteträgt in dem -roßen Völker, und Sänderverbande der Monarchie unter Len Millionen ein Jude voran, was für die Israeliten, zumal für die böhmischen Israeliten rin nicht zu unterschät» zeude- Zeichen der Zeit und de- Fortschritteist, ein Jude, den weder die geschmückte Brust mancheseiner Glauben-» genoffen, weder die Sucht nach Ehrenstellen verlockt hat» entgegen seiner Ueberzeugung zu handeln, trotzdem die Pfeile selbstsüchtiger politischer Liliputaner gegen ihn ge» richtet waren. Etritt nun die Pflicht an die Glauben-genoffen jenescharf denkenden Politiker- .Fischhof heran, bei dem im Verlaufe von mehr alzwei Decennien die erhitzte Phantasie sich bereitabgclühlt, alle politische Leidenschaftlichkeit gewichen ist, den Juden Fischhof, als den Parlamentär de- Frieden- und der Eintracht anzuerkrnnen, sich nicht von jenen Glaubensgenossen leiten zu loffen, die über die Anfangsg,linde depolitischen Katechismus noch nicht hinweg sind, und ebenso wie Fischhof, dessen jüngste Schrift von sämmtlichen ehrlichen Politikern adoptirt werden möge, politisch zu denken und zu fühlen, um dem so schön begonnenen Werke einebescheidenen Politikernicht hinderlich entgegenzutreten, auf daß diese- Werk, emöge sich der Annahme der Völker Oesterreicherfreuen, zu einem festen, sicheren Gebäude werde, in welchem alle ohne Unterschied der Na» tionalität und Consession ruhig, friedlich und zufrieden beisammen wohnen können. Die Iu-en in Englands Die Lage der Juden in England wurde vor einiger Zeit in einem Werke, dain London erschien, durch einen Autor, welcher deren Zustände genau kennt, Herrn Stallard, auf eine sehr gründliche Weise dargcstcllt. Das farbenreiche •) Au» tun „Osten." Da- Jaffathor abermals passircnd und den Weg nach Weste» verfolgend, kömmt man an das Aussätzigen- Hospital vorbei, ain Wege nach dem Kreutzklostcr. Dasselbe liegt eine Stunde von Jerusalern entfernt in einem fruchtbaren Thale, gehört den griechischen Lrthodozrn und dient zugleich als Seminar den Theologe». Das Gebäudr stammt aus alter Zeit und ist sehr fest gebaut mit kleinen Eingängen versehen, welche maffive eiserne, Thürcn und'ungewöhnlich starke Schlöffrr und Riegel besitzen. Die Anstalt sowie allcü dazu Gehörige steht unter,der Direktion tes gricch. Patriarchen in Jcrnfalem. Der Sage nach soll hier der Baum gewachsen sein, von welchem man das Kreutz verfertigte, welches die Ursache obigen NamenS ist. Im Inneren der Kirche zeigt man daselbst noch ein Stück alten Baumstammes, als einen Thcil dcS wirklichen Baruncs. Unter tu. Geistlichen gibt es zwei, die sehr gut deutsch spreche» und Reisenden über Allegerne Ausschluß geben. In der Nähe sind einzelne arabische Häuser und dir mänulichen Bewohner derselben kann man öftervor dem Kreutzklostcr hcrunigekauert finde», indem sie ihre TschubukS (lange Tabackpfeifcn) rauchen und der «aulcuzcrci ihren Tribut zollen. Bon hier aus kann man auch auf dem schlechtesten Lege, den mau sich nur zu denken vennag, nach Lu Karimfommen, dieser Ort wird von den Europäern 8t. Johannes genannt und wird die daselbst öde und steinige Gegend als die Wüste Io- Hanne» de» TäuserS bezeichnet. Der D.t ist sehr fruchtbar in fti'lge einiger Lellen und des guten Bodens, so daß man hier Baum und Feldfrüchte gut gedeihen sicht und der Drt führt daher mit Recht den arabischen Namen Ln Karin» (Gartengegends Im Dorfe s elbst ist ein ansehnliches lat. Fronziskancrkloster Convento St Joanoi wo selbst man sich ein wenig ausruhc» und erfrischen kann. Die Bewohner deS Dorfes bekennen sich gr ößtenthcils zur röm. kath. Kirche und beschäftigen sich wie die Bcthlemiter mit Arbeiten in Perlmutter, Llivrnholz etc. Bild, welche- Stallard der Welt geschenkt hat, ist ein sociale- Sittengemälde ein merkwürdige- Capitel in den Annalen der Gegenwart, daeinen sehr intereffanten Blick in in eine eigenthümliche, scharf begrenzte Welt bietet. Bevor wir jedoch, wie wir beabsichtigen, unvon diesem unparteiischen Führer in die jetzigrn Zustände der Juden in England leiten laffen, ist es nothweudig, den dichten Schleier von deren Vergangenheit zu entfernen und in kurzen Ztigcn deren ehemalige Zustände zu schildern. Drr Aufenthalt der Juden i» England war erst durch Oliver Eromwell auf das Ersuchen de- Manasseh Ben Israel, Ober Rabbiner in Amsterdam gesetzlich gestaltet worden. ES war aber erst nach der Restauration, daß dieselben in größerer Anzahl nach England kamen: die Verschwendung, die am Hofe Carl'- il. herrschte und welche deren Geldhilfe wünschenöwcrth erscheinen ließ, veranlaßte deren Einwanderung in großen Massen. Obschon gesetzlich durchaus keine Schranken für die freie Niederlassung der Juden bestanden, so herrschte ^doch im Laufe der vorigen Jahrhunderte ein. große» Borurtheil gegen dieselben in ganz England, al» Uebcrrest der Berfolgung-sncht, welche di« katholischen Priester in früheren Jahrhunderten gegen dieselben in England genährt hatten. Man verachtete die Juden aleine Horde von Wucherern, Geizhälsen und Saugwürmern, welche blo» nach Gewinn dürstete, und so oft sich ein Jude auf der Straße zeigte, war er Beschimpfungen au-gesetzt. Deffenungeachtet war die Lage der Inden in England gesetzlich frei, und selbst in socialer Beziehung befanden sich dieselben stet» so viel besser in England, als auf dem Eontinente, daß deren Einwanderung fortwährend zunahm. Seit der Eontinentalsperre. die durch Napoleon verfügt wurde, nahm diese Einwanderung im Verlaufe des gegenwärtigen Jahrhundertfortwährend zu. Da in England die Juden vor dem Ä.sctzc gleich waren, da namentlich in diesem Lande nie eine militärische Eonscription bestand, dagegen die Bedürfnisse de» allgemeinen Militärdienstes in Preußen, Ocstercicy, Frankreich und Polen stets mehr dringend wurden, so bestimmte dies ßlcichfallö eine große Anzahl israelitischer Familien, nach England zu komme». Dies war namentlich mit armen Ju^ Gaza (das alte Askalon) ist 2 bi» .! Tagereise» von Jerusalem entfernt und macht der schlechte Weg, sv wir die weit von einander entfernten Dörfer die Strecke lang und »»besucht. Da» Städtchen selbst kann bis IOOOO Einivvhm'e zählen, welche fast alle Mahuinedancr sind, und sich mit Handel stark beschäftigen. Die vortheilhafte Lage an ei »ei» Meerbusen des mittelländischen Meeres, der kurze Weg durch die Wüste nach Egiipte», sa ivie -d-ar Nichtvorhandcnstin drr Europäer und deren Schisse haben die Einwohner Gazas zu den reichsten de» Landes gemacht. Ihre kleinen Segelboote bepackt mit Maffc, Taback, trockene» oder frische,» Früchten, Zuckerrohr, Bannuvollc u. dgl. kann man in Port Said und Alezandricn sowohl wie in Jaffa landen sehen. Ihre Cimpathien theileu sic mit den Beduinenstäimne», die in dieser Gegend luasicnhaft sind und welche dem Pascha von Jcrusaleiu den jährlichen Tribut verweigern, so wie die Unabhängigkeit von» Snlta» behaupten wollen. Alle 2 bis U Jahre aber untcruimuit der Militär-Pascha zu Je>usalcn» einen Streitzug gegen die Beduine», und zugleich Ezecutioir gegen Gaza und llmgebung. Kolli Samuel t Das Grab des .Propheten Samuelz ist -zwei- Stunden von Jerusalem entfernt und ist der Weg von» Dauiaoe»» Thore auö freundlich und intercffain. Man kömnit die Könlgsgräbrr vorbei und über die sogenannte Äschenhügel, welche au» wirklicher Asche bestehen und beachtenswerth sind, denn c» wird behauptet, dass dieselben von den Lplern zur Zeit des Tempels herrühren solle». Der Weg zieht sich ferner a» einigen Feldern und Gärte» vvrbei und ist bis zu de» Gräbern der Richter leicht zu pasiire», den Weg zu F»ß fortzufetzen.^ wäre für europäische Füße nicht rathsam. Auf dein Gipfel eines hohen Berge» ist da» Grabmal desauch von de» Mahumedanern verehrten Cainuel, welche» aus einer kleinen Moschee nebst Muiaret besteht, in deren Mitte das Grabnial selbst gegen ein Trinkgeld gezeigt wird. Dasselbe hat aber ganz

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