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Die Gegenwart · 1869-12-15 · 24 (15.12.1869) · p. Seite 238

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Journal
Die Gegenwart
Volume
II (1869)
Issue
24 (15.12.1869)
Date
1869-12-15
Page
Seite 238 (sequence 2)
Language
German
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238 t auch bie, Interessen de» Vaterlandes sehr oft mit denen der Regierung verwechseln, zu der sie unter allen Verhältnissen und Systemen halten zu müssen glauben, so trugen eben die noch nicht völlig abgestreifte kosmopolitische Natur, und der geschäftliche Bekehr mit politisch exaltirten Israeliten, Schuld, daß sie von letzteren ihre Existenz abhängig machen und eben deßwegen darnach ihre politische Anschauung oft wider ihren eigenen Willen einrichten. Wir haben diese Schwächen zu oft erkannt und entschuldigt, und aus dem Grunde mit um so größerer Zähigkeit an unseren politischen Standpunkt festgehalten. nicht her und hinschwankend, uns der Laune des einen oder des andern prciszugeben oder uns nach Opportunität eine neue politische Facon zuzuschneiden, wir haben die politischen Phasen und Gänge verfolgt, durch die unsere Glaubensgenossen sehr leicht in ein Labyrint von Eollisionen gerathen könnten, wir haben die politische Anschauung der Majontät unsere- Vaterlandes getheilt, weil wir eine Basis geschaffen wissen wollten, auf der die Freiheit im Allgemeinen, die der Israeliten insbesondere befestigt und gekräftigt, nicht zur bloßen Utopie oder Schön- Iräumrrei werden, sondern blühen und gedeihen sott, und indem wir eben so sehr ein Freund der allerhöchsten Dynastie sind, denn Mancher, der an eine Auszeichnung eher glaubt als an die Bibel, aus eben dem Grunde halten wir an jenes System fest, durch welches, wie wir, gleich der böhmischen Ration, überzeugt sind, das Heil für den ganzen Kaisrrstaat und dessen Monarchen erblühen könnte. Durchdrungen von der Wahrheit, daß wir mit dieser unserer Ansicht im Kreise unserer Glaubensgenossen nicht vereinzelt da stehen, feiern wir, und mit uns die ganze böh wische Judenheit einen wahren Triumpf, daß ein deutscher Jude, eine politische Koryphäe, geleitet durch die reiche Erfahrung, die er in der politischen Leidensschule gefannnelt, an jenen Principicn festhätt, die von einer durch ihre Geschichte groß gewordenen Nation als das heilsamste Mittel angesehen wild, durch welches die kranken Glieder eine» ganzen Staatenkörpcrs genesen, die locker gewordenen Bänder, welche jene nur noch lose zusammenhalten, an einander gefugt, werden können, um die Völker mit Frieden und Eintracht zu umschlingen. führt, so wird mol der geehrte Leser cinsrhen, daß ich von der besten Absicht beseelt bi». Wa» solle» wir u»S täusche», sagte <i»er vo» unsere Leut, der riuinal al» Grcnzbote ging und da» andere Mal mit der ostdeutsche» Post fuhr, was sollen wir unS täuschen, r» ist eine eigene Schlamastik in unserer Gemeinde, daß sie nicht einmal mehr ineiß, wem, oder ob sie sich selbst angehört. Der Borsipende dekretirt, der Raw er rcsignirt, der Schäme» er petirt und die Gemeinde sie vegetirt. So ist dam» die natürliche Folge, daß jeder KommiS, wenn er auch nur vier drei viertel Gulden per Woche Gehalt hat. jeder Jüngling der zwölf Gulden <!afluosteuer und ein Wiener Schnißel und ein koscheres Ferkel per Woche verzehrt, der pragrr Israeliten Gemeinde ein politische» Programm vorschreiben und sic zur Zeit der Wahlen förmlich malträtiren. Schließlich entsteht eine Berwirrung, der eine sagt, ich habe genug lange zugesehen, der will ein Stadtverordneter, der andere ein LandtagSabgeordneter. ein dritter wiederum ein Comitemitglied, jeder will etwa» andere» sein und ich soll nicht» sein, ich wähle nicht, weil da» jüdich-dcutsche Casino zu viel in Chrenstellen macht. Und so kam e» wirklich, daß in der Ioscphstadt dem einstigen Ghettoviertel, in da» iroch zwr acht Jahren papicrnc Brandraeketen von einer Clique geschleudert wurden, bei der lebten Wahl, ein Candidat von 12 l Wählern mit 3W Stimmen w jener Währung vurchgekoinmen ist und ein neuer S a l o m o n von 58 Wahlbcvechtigten f ü n f und zwanzig erhielt. Beide sollen sich so geschämt haben, daß sie sich vorgenonune». sich ein andtre» Mal auch von Kelnem wählen zu lasten. Ich denke mir wenn Jona» Hersch Schmul für die Revision der Bcerdigung»statntcn nicht ist und durchsebt, daß Alle» beim Alten bleibt, warum soll ich Jona» Hersch Schmul nicht zuin Landtag-abgeordneten wählen, lvenn ich weiß, baß er durchgeht und durchgehen kann er. nachdem er nicht mit Mit dem nicht zu überwältigenden GefühlSauSdruckk der Freude können wir nun rcgistriren, daß jener deutsche Jude F ifchhof ist, der seit den Mlrztagen her bekannt, zur Zeit der stürmischen Bewegung im Jahre 1848 als Präsident de» wiener SitberheitSauSschuffeS, da» Idol der für Freiheit glühenden Völker, aber auch der Schreck der Finsterlinge und Ultramontau.n war. Derselbe Fischhof, der wenn gleich österr. Patriot im vorigen Jahre noch, von seinen Landsleuten aufgefordert, für den Reichsrath z» kandidiren, diese Ehre ausschlug, weil jener den Ehrenplatz in der Kammer mit seiner Ueberzeugung, mit seinen politischen Anschauungen nicht vereinbar fand, trat nun vor einigen Tagen, in aller Ehrlichkeit und ungeschminkter Wahrheit, in rich^ tiger Würdigung der Verhältnisse, mit einem politischen Programme hervor, dessen Inhalt zu reproduciren, die politischen TageSblättcr sich berufen fühlten und geeignet ist, ein Medium zu einem Ausgleiche zu bilden, durch welchen - da» lang ersehnte Ziel der Befriedigung aller Nationen erreicht werden könnte. Beherzige man doch folgende Worte, die Fischhof in seiner Broschüre hervorleuchten lässt und die nicht nur an den Saiten der praktischen Vernunft sondern auch an den des Gefühles anschlagen: ,Anstatt gegen die Völker Front zu machen," heißt es unter Anderem, »oder mit verdrossener, grämlicher Miene uns Konecffion nach Konecffion abringen zu lassen, müssen wir uns freundschaftlich und liebevoll ihnen beigesellen und rasch, freudig und beherzt gewähren, was zu fordern sie berechtigt sind. Lassen wir nicht ihre Sprache verkümmern im Souterrain des niedersten Volkslebens, oder sich nur dürftig entwickeln im Erdgeschoße der Volksschule, sondern sorgen wir dafür, daß sie frisch und froh sich emporbebe in allen Etagen de» Staates, in die luftigen freien Raume des öffentlichen Lebens, damit sie auf diesem großen Tummelplätze durch Bewegung und den Sporn de» Ehrgeizes sich kräftige, entwickle und gedeihe; denn die Völker entwickeln sich mit ihrer Sprache und um tüchtige StaatSclemente zu sein, müssen sie nicht nur leben, sondern auch erstarken. Also in der Schule, in der Kirche, in der Verwaltung, im GerichtSsaale, in der Gesetzgebung gewähren wir ihnen freien Spielraum, und gar bald werden wir zu unserer Freude bemerken, daß die Völker Credit bei wir engagirt ist. Darum braucht e» nicht zu überraschen wenn Jona» Hersch Schmul noch LandcSauSschußbeisißcr oder LandeSschulrath wird, da e» weit mehr Kunst ist, mit keinem Groschen in der!asche von Prag nach Mcscritsch zu reisen, al» in dec prager Iosesstidt gewählt zu werden. S.' höre ich auf zn plaudern und grüße die Repräsentanz, die Repräsentanz grüße den Lorenz und ich verbleibe in aller Gegenwart derselbe. Bilder ans dem Oriente. (Schluß.) Zum Aufenthaltsorte in Jerusalem ist da» preuß. HoSpiz (Johanniter Orden) al» da» beste zu empfehle»; für 5 Franken (2 stö. W. Silber) kann man täglich gut speise» und ein reine» lustige» Schlafzimmer erhalten, die Leute daselbst sind sehr zuvorkommend und die Bedienung sehr aufmerksam. Außer dem gibt es noch 3 Hotel» i» Jerusalem, von welchen da» Meditcrrancan Hotel den Borzug verdient, dasselbe ist nach englischem Style eingerichtet, dmn die noblen Engländer, Amerikaner, Franzosen etc. kehren daselbst ein. Zehn Franken ist zur Pilgcrzeit der geringste Prei», die Perpstegnng unübertrefflich, und wird auch daselbst deutsch gesprochen. Katholischen Pilgern an» Österreich steht da» östr. Hospiz zur Bcrfügung, denen au» andern Ländern da» Casa nova. Bom östr. Gelde sind die Dukaten am gangbarsten (l Duk. gleich SS — 5ft Piaster.) alle anderen großen Silbermünzen sind ebenfalls im Cu rse (t fl. gleich ll — 12 Piaster, 1 Ihlr. gleich IK— 18 P. 1 alter Zwanziger gleich 311 P. Papiergeld ist außer Cur».

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